Schlägereien: Hauptschulleiter fordert Polizeipräsenz

Geballte Faust

Eine Hauptschule in Garbsen droht an Gewalt zu scheitern. Der Schulleiter ruft um Hilfe: Mehr Zäune, mehr Polizei, mehr Licht. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Kriminalität - Pädagogen rufen nach Polizeischutz: Weil die Lage an einer Hauptschule in Niedersachsen eskaliert, fordert der Schuldirektor eine Ausweispflicht, Kameraüberwachung und mehr Polizeipräsenz.

Von Michael Evers

Schlägereien, Erpressung und Mobbing unter Schülern, Drohungen und demolierte Autos der Lehrer - weil die Lage an der Kopernikus-Hauptschule in Garbsen bei Hannover eskaliert, hat der Direktor Polizeischutz für seine Schule gefordert. Auf einer Krisensitzung haben Schule, Stadt und Polizei am Donnerstag das weitere Vorgehen beraten.

Präventionsgespräche sollen Abhilfe leisten

Als erste Maßnahmen werde die Polizei Präventionsgespräche in den betroffenen Klassen führen, sagte die Schul- und Sozialdezernentin von Garbsen, Iris Metge, nach dem Krisengespräch. Ab sofort werde zudem der Streifendienst vor der Schule verstärkt. "Damit wird dem Sicherheitsgedanken Rechnung getragen." Allerdings habe die Stadt als Schulträger "keine Intention, dass die Schule zu einem Hochsicherheitstrakt ausgestaltet werde", sagte Metge.

Mehr Polizeipräsenz, Videokameras, Ausweispflicht und eine bessere Abzäunung und Ausleuchtung des Schulgeländes hatte der Schuldirektor nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung verlangt. Schüler mobbten und erpressten sich, es komme zu Schlägereien und an den Autos von Lehrern seien Scheiben eingeschlagen und Reifen zerstochen worden. Eine Lehrerin soll mit einem Stuhl beworfen worden sein. Auf Nachfrage wollte der Schulleiter auf die Übergriffe aber nicht im Einzelnen eingehen.

"Wir wissen schon seit geraumer Zeit von sozialen Problemen im Umfeld der Schule", sagte die Sprecherin der Landesschulbehörde, Susanne Strätz. Die Schule liege in einem schwierigen Stadtteil. Die Polizei bestätigte, es komme an der Schule zu Straftaten. "Die Situation hat sich zugespitzt", sagte Strätz. Deswegen gebe es bereits eine besondere Unterstützung mit zusätzlichen Unterrichtsstunden, einer Sozialpädagogin und einer Sprachförderung an der Schule. "In der jüngeren Geschichte gab es Disziplinlosigkeiten, seit einiger Zeit aber gibt es gehäuft Probleme mit einer kleinen Schülergruppe." Der Alltag seien die vom Direktor geschilderten Exzesse keineswegs.

"Es ist eher ein gesamtgesellschaftliches Problem"

Im Garbsener Problemstadtteil Auf der Horst vor den Toren der Landeshauptstadt ballen sich soziale Probleme, ein hoher Ausländeranteil und Sprachprobleme machen schon an den Grundschulen die Arbeit der Lehrer schwer. "Es ist eher ein gesamtgesellschaftliches Problem", räumt die Sprecherin der Schulbehörde ein.

"Hauptschule ist keine Sackgasse", heißt es zwar auf der Homepage der Kopernikus-Schule, wo auf die Möglichkeit höherer Abschlüsse hingewiesen wird. Direktor Albert Seufer aber ist Realist: "Wer nicht lernen will, ist auch nicht gegen seinen Willen zum Lernen zu zwingen", schreibt er unter dem Stichwort Motivation im Internet. An Versuchen, den Schülern Halt und Perspektive zu geben, mangelt es an der Schule nicht: Schüler werden zum Streitschlichter ausgebildet, für die Sechstklässler gibt es ein Sozialtraining und nach den großen Ferien steht ein Projekt zur Alkoholprävention an.

Der Fall erinnert an Zustände in Berlin-Neukölln, wo seit 2007 an mehr als ein Dutzend Schulen private Wachdienste engagiert sind. Zuvor hatte es schwerwiegende Gewaltvorfälle gegeben. So wurde ein Lehrer auf dem Schulhof niedergeschlagen. Wachschutz gibt es auch an der bundesweit bekanntgewordenen Rütli-Schule, an der die Lehrer in einem aufsehenerregenden Brandbrief an die Schulbehörde vor der Gewalt kapituliert hatten.

dpa

Kommentare

Verfasst von Hohenstaufen am 10. Juni 2011 - 20:30.

nicht totschweigen

Häufig genug werden Gewalttaten gegen Mitschüler und Lehrer totgeschwiegen. Es...

Häufig genug werden Gewalttaten gegen Mitschüler und Lehrer totgeschwiegen. Es wäre als erster Schritt sinnvoll, die Gewalttaten an jeder Schule zu erfassen und regelmäßig Umfragen unter den Schülern über Schulklima und Bedrohungen zu machen.
Lösungswege zu finden ist nicht einfach, es muss aber versucht werden. Wenn allerdings die Eltern unkooperativ sind oder nicht einmal zur Kommunikation fähig sind, weil sie die deutsche Sprache nicht beherrschen, wird die Erziehung kaum gelingen. Dann müssen wenigstens die friedlichen Schülern vor den gewalttätigen Schülern geschützt werden, auch mit repressiven Maßnahmen.

Verfasst von ernst_august am 11. Juni 2011 - 10:17.
Kommentar auf: nicht totschweigen

...und auch nicht verschweigen...

...dass:  " In der Hauptschule treffen nach Kenntnis der Polizei t...

...dass:  " In der Hauptschule treffen nach Kenntnis der Polizei türkische und kurdische Einwanderer zusammen, deren Familienverbände verfeindet sind." (HAZ vom 09.06.2011)

Alles Probleme, die uns unsere Volksvertreter eingebrockt haben, gegen unseren Willen !
Herr Sarrazin, übernehmen Sie !

Verfasst von Erzürnter am 11. Juni 2011 - 12:56.

D'accord. Nutzt aber auch

D'accord. Nutzt aber auch nichts mehr.

D'accord. Nutzt aber auch nichts mehr.

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