Warum weiße Jeans nichts für Pendler sind

Ursula Ott vor ICE

Kollage: Simone Sass

Kolumne - Auch Pendler wollen mal schick aussehen, wenn sie vom Großraumwagen ins Großraumbüro purzeln. Doch meistens macht die Bahn ihnen einen Strich durch die Rechnung. Was neben weißen Jeans alles gar nicht geht - unsere Kolumnistin hat es in täglicher Erfahrungsarbeit herausgefunden.

Von Ursula Ott

Meine Woche vom 10. bis 14. Mai

Montag

Schönheit und Pendeln ­ zwei Welten, die sich selten begegnen. Nein, man wird wirklich nicht schöner durchs tägliche Bahnfahren. Meist braucht man eine Mütze am zugigen Bahnsteig, damit ist jede Art von Frisur hinüber, die morgens entweder einen Fön, einen Lockenstab oder Haarwachs gesehen hat. Das Wachs klebt an der Mütze, die Locken sind platt und statt Fönen kann man genauso gut gleich eine Mütze auf die nassen Haare setzen, das Ergebnis ist dasselbe. Überhaupt ist das Ergebnis quasi überall dasselbe, Pendlerfrauen tragen praktische Kurzhaarschnitte, Pendlermänner sowieso. Und im Businessbereich graue Mäntel, graue Anzüge und als huiuiui gewagten Farbklecks einen lilaschwarz gestreiften Schal. Die Haut trocknet aus, wenn man mehrere Stunden im klimatisierten Abteil sitzt, und die Ästhetik im Großraumwagen gewinnt auch nicht dadurch, dass weibliche Geschäftsreisende sich kurz vor Frankfurt die Hände und das Gesicht eincremen. Das ist mir alles zu intim, aber ich kann es verstehen, ­ wenn man versucht, kurz vor Ankunft halbwegs den Zustand wiederherzustellen, den man morgens im Badezimmer angepeilt hatte.

Dienstag

Und dann gibt es diese Tage, an denen man dem ICE beweisen will, dass man trotzdem schick sein kann. Zum Beispiel habe ich mir am Wochenende eine weiße Jeans gekauft, denn am Wochenende war es warm und sonnig. Eigentlich habe ich heute morgen in Köln auf dem Weg zum Bäcker schon gemerkt, dass heute kein Weiße-Hosen-Tag ist, der Winter ist zurück. Aber man kann ja nicht immer vernünftig sein, trotzig ziehe ich meine weiße Hose an. Was ich wirklich nicht ahnen konnte: Heute ist nicht nur Winter, heute ist auch mal wieder Bahnchaos. Total überfüllter Zug, ich sitze von Köln bis Frankfurt auf dem Boden. In weißen Jeans. Und sehe für den Rest des Tages aus, als würde ich direkt aus dem Sandkasten kommen. Okay, weiße Hosen sind nichts für Pendler.

Mittwoch

Nichts für Pendler sind auch: Jacken und Mäntel mit losen Bändeln, mit denen man in automatischen Türen hängen bleibt und mit Gürteln, die beim Rennen leicht verloren gehen. Obwohl mein blauer Mantel mit losem Gürtel der materialisierte Beweis dafür ist, dass der Mensch doch des Menschen Freund ist. Dreimal habe ich den blauen Gürtel schon im Zug oder am Gleis verloren, drei mal wurde er mir nach getragen. Gar nicht gehen im Zug auch: Extrem hohe Absätze, damit kommt man nie in zwei Minuten von Gleisabschnitt A zu Gleisabschnitt E, weil der Zug mal wieder in umgekehrter Wagenreihung fährt. Aus demselben Grund verbieten sich bei Herren auch hellblaue Hemden, bei denen man die Schwitzflecken schnell sieht. Das beste wäre, man könnte atmungsaktive Outdoor-Klamotten tragen im Zug, aber es gibt in Frankfurt so wenige Arbeitsplätze, bei denen man mit Fleecepulli auftauchen kann. Frankfurt ist ja mehr Josef Ackermann als Jack Wolfskin, und die meisten Pendler fallen vom Großraumwagen direkt ins Großraumbüro, wo Anzug und Krawatte gefragt sind.

Donnerstag

Heute ist alles anders. Heute sind die Klamotten auf dem Weg dieselben wie die Klamotten am Ziel. Heute ist nämlich Kirchentag, und die meisten Bahnreisenden, die heute mit uns nach München fahren, lieben es praktisch. Tchibo-Regenjacke, Rucksack und bequeme Schuhe. Dies ist der Moment, um mit einem großen Bahnmythos aufzuräumen: Nein, liebe evangelische Jugend der Welt, Rucksäcke sind gar nicht so toll im Zug. Gar nicht toll zum Beispiel, wenn man bereits sitzt und einen Rucksack nach dem andern ins Gesicht gedonnert kriegt. Man würde jetzt gern was sagen, was Böses. Aber Kirchentage sind Wir-sind-nett-zueinander-Tage.

Freitag

Seien wir ehrlich: Heute stellt sich die Kleiderfrage nicht wirklich nach modischen Aspekten. Sondern nach Thermo-Kritierien: Wer war schlau genug, sich den Wintermantel einzupacken für den Kirchentag? Letztes Jahr in Bremen: Wir saßen abends im Sommerkleid an der Weser. Vorletztes Jahr in Köln: Wir haben bis nachts ums zwei auf meinem Balkon gesessen beim Kölsch. Dieses Jahr in München: Ob die im Hotel eine zweite Decke haben? Wir ziehen alle mitgebrachten Kleider übereinander an und hören uns gegenseitig die Namen der Eisheiligen ab. Schönen Kirchentag!


Über die Autorin:

Ursula Ott, 45, ist stellvertretende Chefredakteurin von chrismon, Chefredakteurin von evangelisch.de, Mutter von zwei Kindern und pendelt täglich zwischen Köln und Frankfurt. www.ursulaott.de.

Neu im Buchhandel: Ursula Ott: "JA TOLL - Geschichten, die immer nur mir passieren", erhältlich im chrismon-shop!

Welche Erlebnisse haben Sie mit dem Pendeln? Diskutieren Sie mit in unserer Community!

Kommentare

Verfasst von Gast am 15. Mai 2010 - 18:52.

Wer sind Sie bitte?

Sehr geehrte Frau Ott, seit längerer Zeit nun müssen wir Leser hier Ihre...

Sehr geehrte Frau Ott,

seit längerer Zeit nun müssen wir Leser hier Ihre Gehässigkeiten gegenüber der Bahn und insbesondere deren Mitarbeiter lesen.

Ich bin jetzt 20 Jahre alt und mache gerade mein Abitur. Solange ich lebe und denken kann, arbeiten meine Eltern im Schichtdienst bei der Bahn, selten unter 50 Stunden die Woche. Mein Vater arbeitet als Eisenbahner im Betriebsdienst in Fachrichtung Lokführer und Transport (für Sie sicher: Lokführer) und meine Mutter als Zugchefin (für Sie sicher immer noch: Zugschaffnerin). Wir sind also eine Eisenbahnerfamilie.

Meine Eltern haben ihr Leben lang bei der Eisenbahn hart gearbeitet, jede Überstunde mitgenommen, dass erst meine beiden älteren Geschwister und nun ich Abitur machen konnten und studieren gehen können. Dennoch haben sie sich immer vorbildlich um uns gekümmert.

Wenn ich nun Ihre Gehässigkeiten hier stets lesen muss, dann frage ich mich, was das auf einer christlichen Seite zu tun hat. Sind Sie überhaupt Christin?

Natürlich ist Kritik an der Bahn nicht per se schlecht und ein Blick von außen wichtig. Aber Sie verlieren sich in Absurditäten, die hahnebüchen sind. Wissen Sie, in einem Auto mit schwarzen Fußmatten kann man keine weißen Schuhe anziehen, weil sie sonst mit schwarzen Streifen übersäht werden-auch die Bahn dran schuld, zumindestdoch aber ihre Mitarbeiter?

Ich schätze Sie so ein, dass Sie zu den Typ Mensch gehören, denen man nichts Recht machen kann. Ihnen dürften in den Regionalzügen die Klimaanlage fehlen und hier ist Sie Ihnen nun auch wieder nicht recht.

Zu den Wagons sei Ihnen einmal folgendes gesagt: So wie sich dort teilweise benommen wird, darf man sich nicht wundern, wenn man keine "weiße Hose" anziehen darf. Aber daran sind dann sicher auch die Bahnmitarbeiter schuld.

Wenn ich daran denke, auf wieviel Personen Ihres Kalibers und selbsterklärte Experten die Bahnmitarbeiter jeden Tag in den unterschiedlichsten Funktionen so treffen, dann steigt zum einen mein Respekt, dass sie immer noch über eine gewisse Grundfreundlichkeit verfügen und zum anderen verstehe ich den ein oder anderen nicht ganz so freundlichen Kommentar, der dann mal kommt.

Mir wird ebenfalls nicht klar, was Sie eigentlich wollen außer gemein zu sein. Jeder Wagon wird täglich gereinigt, die Wagen (inklusive Klimaanlage) jeden Tag gewartet, ebenso wie die Gleise kontrolliert werden, usw.. Alles damit Sie eine sichere Fahrt haben. In diesem komplexen System sollten Sie nicht erwarten dürfen, dass wenn z.B. mal eine Weiche klemmt, diese so behoben werden kann, dass es dann zu keinen Unpünktlichkeiten kommt-obwohl das meistens der Fall ist, Sie nur eben dann gar nicht mitbekommen. Ebenso muss man bedenken, dass ein längerer Zug auch längere Durchfahrtzeiten bedeutet, sprich: nicht einfach ein Wagon zusätzlich angehängt werden kann. Sie könnten ja mal zu den Bahnern hingehen und darüber berichten. Aber klar, da wird es dann auch mal schmutzig-und dreckig machen sich ja geschminkte und frisierte Frauen mit weißen Hosen nicht so gern.

Dennoch hatte es die Bahn geschafft, als diese Vulkansache war, ad hoc zusätzliche Züge einzusetzen, natürlich nicht soviele zwischen Köln und Frankfurt. Dafür ist die Strecke zu kurz, aber auf den benötigten längeren Routen sehr wohl. Können Sie sich überhaupt im Ansatz ausmalen, was das für die Bahnmitarbeiter bedeutete? Wahrscheinlich nicht, saßen sie doch nach eigenen Bekundungen recht pünktlich daheim bei ihren Kindern, was ja auch so sein soll.

Meiner Meinung nach ist Ihnen diese Kolumne hier schon längst entglitten: von verständlicher Kritik hin zu reinem Bashing und Sie schreiben ja auch, dass Sie gern etwas böses sagen, nur nicht an "Kirchentagen". Wenn Sie das brauchen, tun Sie mir leid. Ich bin stolz auf meine Eltern und auf deren Kollegen, die ich kenne und das bleibe ich auch: nicht nur trotz Ihrer Artikel, sondern vielmehr wegen ihrer Artikel.

Mit freundlichen Grüßen,

Anke Heimerodt

Verfasst von Gast am 17. Mai 2010 - 8:17.
Kommentar auf: Wer sind Sie bitte?

Seh ich auch so!

"Meiner Meinung nach ist Ihnen diese Kolumne hier schon längst entglitten." Um...

"Meiner Meinung nach ist Ihnen diese Kolumne hier schon längst entglitten." Um nicht zu sagen entgleist!

Verfasst von Gast am 15. Mai 2010 - 14:10.

Man muss halt Glück haben

Zitat: "Letztes Jahr in Bremen: Wir saßen abends im Sommerkleid an der Weser...

Zitat: "Letztes Jahr in Bremen: Wir saßen abends im Sommerkleid an der Weser." *Schüttel* Zum Glück haben wir uns damals nicht getroffen...

Verfasst von Gast am 14. Mai 2010 - 17:34.

Weiße Jeans: Freitag

Die Eisheiligen lassen grüßen!!! München und der ökumenische Kirchentag sind...

Die Eisheiligen lassen grüßen!!!

München und der ökumenische Kirchentag sind leider zuweit weg, darum kann nicht jeder dabei sein...

Aber ich war schon einmal mit einer weißen Jeans in Münster zum Piccaso Museum. Natürlich schämte ich mich mit dieser Hose wieder zurückfahren zu müssen. Da die Hose auf der Rückfahrt nämlich nicht mehr ganz weiß und schnieke war...

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