Erdbeben - Drei Monate nach dem schweren Erdbeben in Haiti fordert die Welthungerhilfe verstärkte Anstrengungen für die 1,2 Millionen Menschen, die ihre Häuser verloren haben.
"Die derzeit größte Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist, den Leuten ein Dach über dem Kopf zu verschaffen", sagte der Leiter der Welthungerhilfe in Haiti, Michael Kühn, in einem epd-Gespräch. Andernfalls drohten die derzeit 800 bis 900 Lager in der Hauptstadt Port-au-Prince zu dauerhaften Siedlungen zu werden. "Die Gefahr besteht, dass das Provisorium zum Dauerzustand wird", warnte Kühn.
Als "erfolgreich" bezeichnete Kühn die internationale Nothilfe seit dem Erdbeben vom 12. Januar, bei dem mehr als 230.000 Menschen starben. "Es wurde in großer Menge Nahrungsmittelhilfe geleistet, es wurde in großer Menge Trinkwasser verteilt. Es wurden sehr viele Zelte und Planen verteilt, um die Menschen vor dem Gröbsten zu schützen. Das finde ich eine erstaunliche Leistung. Aber das reicht nicht", sagte Kühn und fügte hinzu: "Haiti braucht weiterhin Nothilfe und Unterstützung, allerdings etwas gezielter als bisher."
Landwirtschaft stärken
Kühn warnte davor, zum Stand vor der "Megakatastrophe" zurückkehren zu wollen. "Wir müssen über das hinausgehen, was vor dem Erdbeben bestand." Der seit elf Jahren in Haiti tätige Entwicklungsexperte sprach sich dafür aus, gezielt die Landwirtschaft zu stärken. Haiti habe sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, von internationaler Hilfe abhängig zu werden.
"Wenn wir diesen Abhängigkeitskreislauf durchbrechen wollen, müssen wir die internationale Hilfe so einsetzen, dass lokale produktive Strukturen aufgebaut werden, so dass der lokale Markt genügend für den nationalen Markt produzieren kann", sagte Kühn. In Haiti wurden bereits vor dem Erdbeben zwei Drittel der Nahrungsmittel importiert.
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epd
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