Kirchentags-Kollekte gegen Rechtsextremismus übergeben

Abschlussgottesdienst des Kirchentages

Tausende Besucher des Evangelischen Kirchentages in Dresden nahmen am Abschlussgottesdienst des 33. Evangelischen Kirchentages teil und unterstützten mit ihrer Kollekte den Einsatz gegen Rechtsextremismus. Foto: dpa/Arno Burgi

DEKT - Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, Dr. Ellen Ueberschär, hat in Dresden die Kollekte des Abschlussgottesdienstes des 33. Evangelischen Kirchentages an die Koordinierungsstelle bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste für die "Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus – aktiv für Demokratie und Menschenrechte" (BAGKR) übergeben.

Die Kollekte wurde beim Schlussgottesdienst des Kirchentages unter 120.000 Teilnehmenden gesammelt und betrug insgesamt 131.101,29 Euro.

Zur Erinnerung überreichten Ueberschär und Kirchentagsgeschäftsführer Volker Knöll dem Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Dr. Christian Staffa, Hildegart Stellmacher, Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V., und Friedemann Bringt vom Kulturbüro Sachsen e.V. ein großformatiges Foto des Abschlussgottesdienstes. Frau Stellmacher, Herr Dr. Staffa und Herr Bringt haben die BAG Kirche und Rechtsextremismus mit gegründet.

Ort der Übergabe war der Dresdner Neumarkt, zwischen Luther-Denkmal und Frauenkirche. "Wir stehen hier an symbolträchtiger Stelle", so Generalsekretärin Ueberschär. "Die Frauenkirche, heute ein weltweites bekanntes Wahrzeichen der Versöhnung, war 1933 Schauplatz der Einführung des sogenannten 'Arierparagraphen', des Ausschlusses getaufter Pfarrer jüdischer Herkunft." Mit ihrer Geschichte hätten Protestanten allen Grund, politisch wachsam zu sein und demokratisch engagiert zu handeln.

Rechtsextremismus mit Menschenliebe unvereinbar

"Die Kollekte für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ist ein Beitrag zur Stärkung der Demokratie. Kirchentage nehmen ihre Verantwortung für die mutige Gestaltung einer menschenfreundlichen Gesellschaft ernst und unterstützen die Kräftigung demokratischer Gesinnung in allen Teilen des Landes." Die Gründung des Deutschen Evangelischen Kirchentages im Jahre 1949 sei eine Reaktion engagierter Laien gewesen, die aus dem Versagen der Amtskirche in der ersten Hälfte des Jahrhunderts die richtigen Lehren ziehen wollte.

Der Geschäftsführer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Dr. Christian Staffa, bedankte sich beim Kirchentag für die Auswahl der "Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus" als Empfänger der Kollekte. "Da die Arbeitsgemeinschaft im Vorfeld der Neonazi-Demonstration 2010 in Dresden gegründet wurde, gibt es sowohl inhaltliche als auch regionale Bezüge. Für uns Christinnen und Christen ist die Menschenfeindlichkeit der Rechtsextremisten mit unserem Bekenntnis zur Nächstenliebe unvereinbar", sagte Staffa.

Die Kollekte dienst der Vernetzung und dem Praxisaustausch

"Leider ist es eine geschichtliche und aktuelle Erfahrung, dass auch Christinnen und Christen menschenfeindliche Ideologien vertreten. Für mich ist der kirchliche Antisemitismus, wie er auch hier in der Frauenkirche - dem damals so genannten Dom der Deutschen Christen - im Dritten Reich propagiert wurde, eine besondere Schuldverstrickung", erläuterte Staffa weiter.

Mit der Spendensumme aus dem Schlussgottesdienst will die Arbeitsgemeinschaft nun die Vernetzung von Initiativen für Menschenrechte und gegen rechtsextreme Einstellungen innerhalb der Kirchen voran bringen, einen Ost-West-Wissens- und Praxisaustausch dazu initiieren und die Rolle als Dienstleister zur Wahrung der Würde des Menschen ausbauen. Neben einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit innerhalb und außerhalb der Kirche steht die konkrete Hilfe vor Ort durch die Vermittlung von Ansprechpersonen sowie die theologische und politische Arbeit im Vordergrund.

Bei den Eröffnungsgottesdiensten des Kirchentages waren 86.643,72 Euro für die diakonische Arbeit mit Sinti und Roma zusammengekommen, beim Himmelfahrtsgottesdienst betrug die Kollekte 17.082,90 Euro, die der Flüchtlingsarbeit der evangelischen Gemeinde in Bucaramanga (Kolumbien) zugute kommen. Zu dem bisherigen Ergebnis von 234 827,91 € kommen noch die Kollekten der Feierabendmahle hinzu. "Dort erwarten wir noch Überweisungen, so dass wir das Ergebnis später bekannt geben werden", teilte Kirchentagsgeschäftsführer Volker Knöll mit.

Ev. Kirchentag

Kommentare

Verfasst von Gast am 10. Juni 2011 - 20:59.

Auf einem Auge blind ?

Gab es auf dem Kirchentag auch eine Kollekte gegen die stetig wachsende Gewalt...

Gab es auf dem Kirchentag auch eine Kollekte gegen die stetig wachsende Gewalt von Linksextremisten ?

Vermutlich nicht. Aber warum sollten man auch, den was man nicht sehen will, dass sehen Gutmenschen man auch nicht. Es würde ihre selbstgebaute "heile Welt" mit klaren Feindbildern zerstören.

Verfasst von HannoTerbuyken am 21. Juni 2011 - 18:21.
Kommentar auf: Warum auch ...

Ach, und Rechtsradikale

Ach, und Rechtsradikale wollen ja nur die Gesellschaft verbessern, Zucht und...

Ach, und Rechtsradikale wollen ja nur die Gesellschaft verbessern, Zucht und Ordnung wieder einführen und gute deutsche Werte wiederhaben?

Gewalt ist immer problematisch und unerwünscht, und verschiedene Formen des Extremismus gegeneinander aufzuwiegen ist meistens unsinnig. Aber ich für meinen Teil habe gern für die Kirchentagskollekte gegeben, weil ich nicht in einer Umgebung leben will, in der jene, die als "fremd" oder "anders" wahrgenommen werden, mit Angst um Leib und Leben durch die Welt gehen müssen.

Bei Neonazis und Rechtsextremen finden diese Gefühle einen Hort, der zum Problem werden kann. Denn hier gibt es den organisierten Versuch, unsere Rechtsordnung zu verändern, der in anderen Gruppen, die möglicherweise der Gewalt zuneigen, so nicht existiert. Das war mal anders, zu Zeiten der RAF beispielsweise, die als Linksterroristen ebenfalls versucht haben, die Gesellschaft zu zerbomben und ebenfalls feststellen mussten, dass das ohne breite Unterstützung nicht geht.

Aber dieser Tage sind der organisierte und der latente Rechtsextremismus eine erklärte Gefahr für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Es gibt andere Gefahren für die Allgemeingültigkeit dieser Grundordnung, denen ebenso begegnet werden muss, und andere Wege, diesen zu begegnen: Bildung und sinnstiftende Beschäftigung sozial schwacher Schichten innerhalb der Gesellschaft zum Beispiel, damit auch die, die sich selbst nicht als "fremd" und "anders" sehen, ohne Angst um Leib und Leben durch die Welt gehen können.

Aber ich gehöre zu denen, die das "nie wieder" ernst nehmen wollen. Ein "nie wieder" zum linken Terror ebenso wie ein "nie wieder" zur menschenfeindlichen Ideologie des Nazismus. Meine Generation trägt keine Schuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus, aber wir tragen den Auftrag auf unseren Schultern, zu verhindern, dass so was wieder passiert. Da gilt "principiis obsta", wehret den Anfängen. Die Kirchentagskollekte dafür ist eine gute Idee und ein gutes Signal.

****************************
Hanno Terbuyken
evangelisch.de

Verfasst von samiel am 26. Juni 2011 - 13:21.
Kommentar auf: Ach, und Rechtsradikale

Gefahr von Rechts ?

" Denn hier gibt es den organisierten Versuch, unsere Rechtsordnung zu...

" Denn hier gibt es den organisierten Versuch, unsere Rechtsordnung zu verändern, der in anderen Gruppen, die möglicherweise der Gewalt zuneigen, so nicht existiert"

Wollen Sie damit sagen, dass Banden, die in Berlin das S-Bahn-Netz lahmlegen,Polizeiwachen anzünden und am 1.Mai regelmäßig Schaden in Millionenhöhe verursachen,unsere Rechtsordnung respektieren ?

Bedenken Sie bitte einmal, wie die Statistik der Gewalttaten von Links aussähe, wenn jeder Steinwurf am 1.Mai genauso als Straftat registriert würde wie eine Hakenkreuzschmiererei.
Aber offenbar zählen Sie auch zu den Journalisten, die bei einem - meist sowieso seitenverkehrt gemaltem - Hakenkreuz nach dem Bundesanwalt schreien, denen aber ein abgefackeltes Auto im Schanzenviertel und ein schwerverletzter Polizist in Kreuzberg keine Erwähnung wert sind.

Verfasst von HannoTerbuyken am 27. Juni 2011 - 13:03.
Kommentar auf: Gefahr von Rechts ?

Auch die linken Chaoten

Auch die linken Chaoten respektieren unsere Rechtsordnung nicht. Sie versuchen...

Auch die linken Chaoten respektieren unsere Rechtsordnung nicht. Sie versuchen sie aber nicht systematisch zu untergraben. Dafür ist der Organisationsgrad der meisten linken Gruppen zu gering und erstreckt sich nicht über das Mittzwanziger-Alter hinaus.

Ich habe solche Gewalt auch schon miterlebt und bin mit ihr keineswegs einverstanden. Das ist für mich aber noch lange kein Grund, deshalb weniger Aufmerksamkeit auf rechte Ideologien zu richten. Ich halte das Ideengerüst hinter dem Rechtsradikalismus für gefährlicher als das hinter dem linken Anarchismus, dem viele linke Gewalttäter zuneigen. Unter anderem auch deswegen, weil der Anarchismus keine tragfähige Gesellschaftsordnung ist (er funktioniert einfach nicht). Der Faschismus hingegen hat sein Funktionieren bereits bewiesen, und es ist mir völlig klar, dass ich in so einer Welt nicht leben will.

Beim Kampf gegen Rechtsradikalismus geht es nicht allein um die Verhinderung von Straftaten. Es geht auch um die Veränderung von Einstellungen, um der Verbreitung von Intoleranz und Separatismus Einhalt zu gebieten.

****************************
Hanno Terbuyken
evangelisch.de

Verfasst von Willi_Wenigfroh am 10. Juni 2011 - 16:38.

Bravo ! Weiter so !

Ernst Juenger sagte schon 1995 zu solchen Aktivitaeten : "Fuenfzig Jahre nach...

Ernst Juenger sagte schon 1995 zu solchen Aktivitaeten :

"Fuenfzig Jahre nach dem Tode Hitlers nimmt der Widerstand gegen den Nationalsozialismus immer mehr zu !"

Verfasst von Auswanderer am 10. Juni 2011 - 16:23.

Kollekte

Das ist eine gute Sache.

Das ist eine gute Sache.

Verfasst von Samariter am 21. Juni 2011 - 17:54.
Kommentar auf: Kollekte

Kirchentagskollekte

Sehr gut, leider merkt man von den Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft nicht...

Sehr gut, leider merkt man von den Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft nicht viel obwohl Rechte Ansichten, z.b. gegen Ausländer u. Immigranten, schon in der Mitte der Gemeinden angekommen sind, die es meistens nicht einmal merken.
Die Vorkommentare zeigen, dass viele immer noch auf dem rechten Auge blind sind. Die ca. 150 Morde an Ausländern und Menschen mit Migrationshintergrund der letzten Jahre kommen auf das Konto von Rechtsextremisten, nicht von Linken.
Daher sollte darauf unser Augenmerk gerichtet sein!

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen