Forschung - Die Schweizer Theologin Christina Aus der Au sitzt als einzige Ausländerin im Präsidium des Evangelischen Kirchentags. Grenzen zu überwinden, gehört auch im Alltag zu ihrer Arbeit.
Schon früh zog es Christina Aus der Au in die Fremde. Direkt nach ihrer Schulzeit im ostschweizerischen Kanton Thurgau ging sie an die Universität Tübingen, wo sie einen Magister in Rhetorik und Philosophie machte, bevor sie in Zürich ihr Theologiestudium aufnahm. Auch heute noch, als habilitierte Privatdozentin, stechen ihre rhetorischen Fähigkeiten heraus. Im Interview beantwortet sie Fragen schnell und klar, unterbrochen nur dann und wann von einem hellen Lachen.
Ihre Redegewandtheit wird sie beim kommenden Kirchentag gut brauchen können. Als Moderatorin spricht sie in Dresden unter anderem mit Bayerns Ministerpräsident a.D. Günther Beckstein über die Kirche als gesellschaftlichen "Player", außerdem begrüßt sie den Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und den EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider zur Podiumsdiskussion über christliche Friedensethik und Verteidigungspolitik.
Expertin für Theologie und Naturwissenschaften
Ethische Fragen gehören seit langem zu den Schwerpunkten in Aus der Aus Forschungsarbeit. Ihre Dissertation schrieb sie zum Thema Umweltethik, unter dem programmatischen Titel "Achtsam wahrnehmen". Die 44-Jährige will "andere anstecken mit einer bestimmten Weltsicht, die Achtsamkeit beinhaltet, für Menschliches und nicht Menschliches". Dementsprechend engagiert sie sich etwa für den Tierschutz und als Verwaltungsrätin der sozial-ökologisch ausgerichteten Alternativen Bank Schweiz. (Foto: Fabian Kramer)
Neben ihrer Lehrtätigkeit ist sie zudem Geschäftsführerin des Zürcher Zentrums für Kirchenentwicklung.
Bekannt wurde Christina Aus der Au vor allem als Expertin für die theologische Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften. Besonders die Gehirnforschung hat es ihr angetan. Ihre Habilitationsschrift verfasste sie über das Menschenbild in den Neurowissenschaften und der Theologie.
Es gibt keine genetisch veranlagte Spiritualität
Was hält sie von der These eines "Gottes-Gens", welches angeblich der US-Forscher Dean Hamer entdeckte und das im Hirnstoffwechsel für religiöses Empfinden verantwortlich sein soll? Aus der Au lacht: "Das ist Quatsch. Das würde auch Dean Hamer sagen. Der Begriff wurde ihm als Buchtitel von seinem Verlag aufgezwungen." Sicherlich sei eine bestimmte genetische Variation im Erbgut spirituell orientierter Testpersonen gehäuft aufgetreten. Aber weil "Spiritualität" dabei absolut vage definiert wurde, sei dies ähnlich aussagekräftig, als ob man herausfände, dass Blondhaarige öfter glücklich seien.
Überhaupt könne und solle der Ansatz der Naturwissenschaften, die Dinge zu erklären, nicht mit demjenigen der Religion konkurrieren, findet die Grenzgängerin zwischen den Disziplinen, die in Basel lebt und mit einem Physiker verheiratet ist. Hier gehe es um die Beschreibung von Ursachen und Wirkungen, dort um den Sinn und die Suche nach den letzten Gründen.
Neurologen haben nicht auf alles eine Antwort
Wichtig ist für Christina Aus der Au, dass der christliche Glaube nicht ängstlich zu sein braucht in der Diskussion. "Wenn unser Gott nur noch ein Lückenbüßer-Gott ist in den Lücken, die ihm die Naturwissenschaften lassen, dann stehen wir eines Tages mit dem Rücken zur Wand." Dazu gibt es keinen Anlass. Denn auch das Erkenntnisvermögen der modernen Forschung ist beschränkt. Beispielsweise haben die Neurologen nach wie vor keine Antwort auf die Kernfrage, wie Bewusstsein entsteht.
Und wie sieht Aus der Aus eigene Gottesvision aus? Die Mutter einer dreijährigen Tochter vergleicht ihre Vorstellung ganz einfach mit dem Duft von frischgebackenem Brot: "Wenn es so unwiderstehlich riecht aus der Küche, geht man hinein. Obwohl einen niemand dazu zwingt."
Fabian Kramer ist freier Journalist.
Kommentare
ja und?....
... wie entsteht denn nun Bewußtsein, Herr Schlaumeier Gast?
Rummoppern aber keine Alternativen bieten?
Wer sind denn die Leute, die uns erklären können, wie Bewußtsein entsteht? Journalisten sind zu seicht? Vielleicht Neurologen? Die wissen ja noch nicht einmal, was Träume sind.
wir sollten alle, Journalisten, Wissenschaftler, Leser und Gastschreiber, den Ball flach halten und demütig sein.
Wir wissen, dass wir nichts wissen!
zu Schnakenfuß
Bitte erst genauer lesen, bevor Sie zu so kräftigen Wörtern wie Schlaumeier greifen. Ich habe doch nicht gesagt, daß hier Leute schreiben sollten, die wissen, wie Bewußtsein entsteht. Ich weiß nicht, ob es jemanden gibt, der das weiß, vermute aber, daß man darüber nicht viel weiß, wenn auch - selbstverständlich - nicht einfach gar nichts. Ich habe nur gesagt, daß man daraus, daß „die Neurologen nach wie vor keine Antwort auf die Kernfrage“ haben, „wie Bewusstsein entsteht“, nicht gefolgert werden kann, daß das Erkenntnisvermögen der modernen Forschung beschränkt ist, daß es vielmehr von Dämlichkeit zeugt, wenn einer so etwas schreibt. Das ist etwas vollkommen, aber auch wirklich vollkommen anderes als das, was Sie da hineingelesen haben.
Niveau
"Beispielsweise haben die Neurologen nach wie vor keine Antwort auf die Kernfrage, wie Bewusstsein entsteht."
Ich glaube nicht, daß diese Dämlichkeit von Frau Aus der Au stammt, denn die scheint nach allem, was in dem Artikel steht, intelligent und gebildet zu sein und der Gedanke, man könne aus dem zitierten Satz ableiten, daß das Erkenntnisvermögen der modernen Forschung beschränkt ist, ist ihr einfach nicht zuzutrauen. Der Autor behauptet aber, daß sie das behauptet. Evangelisch.de ist zu raten, wenigstens Themen wie diese nicht Journalisten anzuvertrauen.
Bewusstsein
sondern ...?
Für jemand, der wahrscheinlich einen guten Teil seiner Informationen von Journalisten hat, ist das eine erstaunliche Aussage und sehr hochmütig. Wenn der Hochmut wenigstens mit Argumenten und Hinweisen dekoriert wäre...
Nachtrag zu "Journalisten"
Wenn man die Medien kritisiert, und sei es noch so scharf, erhält man allgemeinen Befall. Kritisiert man aber diejenigen, welche die Produkte der Medien herstellen, dann ist die Empörung groß und man wird als hochmütig bezeichnet. Das verstehe wer will.
Journalisten
sondern von Leuten, die etwas von der Sache verstehen, über die sie schreiben. In diesem Fall hätte allerdings auch auch ein wenig Nachdenken vor dem Hinschreiben gereicht. - Wenn es Hochmut ist, dieses unsäglich dämliche, seichte oder widerwärtige Zeug, das uns dieser Berufsstand täglich serviert (ja, ich weiß, es gibt ein paar Ausnahmen) schwer erträglich zu finden, dann bin ich halt hochmütig. Immerhin, ich bin da in guter Gesellschaft.
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