"Döner-Morde" ist das Unwort des Jahres

"Döner-Morde" als Unwort des Jahres

"Döner-Mode" ist das Unwort des Jahres 2011. Die Jury begründete ihre Wahl mit dem Hinweis auf die von Neo-Nazis verübte Mordserie an Einwanderern. Der dafür verwendete Begriff "Döner-Morde" zeige, "dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde". Foto: dpa/Uwe Zucchi

Wahl - Das geht gar nicht: "Döner-Morde", "Gutmensch" und "marktkonforme Demokratie" sind die Unworte des Jahre. Insgesamt hatten sich 2.420 Einsender mit Vorschlägen an der Wahl beteiligt - mit 293 Nennungen ist "Döner-Morde" auch der am häufigsten vorgeschlagene Begriff gewesen.

Das Unwort des Jahres 2011 lautet "Döner-Morde". Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern, Journalisten und Schriftstellern habe den Begriff aus 923 verschiedenen Vorschlägen aus dem In- und Ausland ausgewählt, sagte Jury-Sprecherin Nina Janich in Darmstadt. Insgesamt hatten sich 2.420 Einsender mit Vorschlägen an der Wahl beteiligt, mehr als je zuvor in der elfjährigen Geschichte des Unworts. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Begriffe "Gutmensch" und "marktkonforme Demokratie".

Die Jury begründete ihre Wahl mit dem Hinweis auf die von Neo-Nazis verübte Mordserie an Einwanderern. Der dafür verwendete Begriff "Döner-Morde" zeige, "dass die politische Dimension der Mordserie jahrelang verkannt oder willentlich ignoriert wurde". Die fälschliche Verankerung der Morde im kriminellen Milieu von Drogen und Schutzgeld habe die Wahrnehmung vieler Menschen und gesellschaftlicher Institutionen jahrelang und verhängnisvoll beeinflusst. Überdies habe die "sachlich unangemessene, folkloristisch-stereotype Etikettierung" der Mordserie die Opfer in höchstem Maße diskriminiert.

Mit 293 Nennungen sei "Döner-Morde" auch der am häufigsten vorgeschlagene Begriff gewesen, sagte Janich. Dies habe aber nicht den Ausschlag gegeben. So seien die Begriffe "Stresstest" (186 Vorschläge) und "Rettungsschirm" (136) überhaupt nicht berücksichtig worden.

Mit "Gutmensch"  werde das Ideal des guten Menschen in hämischer Weise aufgegriffen

Auf Platz zwei setzte die Unwort-Jury den Begriff "Gutmensch". Vor allem in Internetforen werde damit das Ideal des guten Menschen in hämischer Weise aufgegriffen, "um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren". Es handele sich um einen "Kampfbegriff". Die "marktkonforme Demokratie" landete auf Platz drei. Die Wortverbindung stehe für die "höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist". Der Begriff stehe für eine "bedenkliche Entwicklung der politischen Kultur", kritisierte das Gremium.

Das "Unwort des Jahres wird seit 1991 gekürt. Sprecherin der Jury ist seit 2012 die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich (Technische Universität Darmstadt), weitere Mitglieder sind Kersten Sven Roth (Universität Zürich), Jürgen Schiewe (Universität Greifswald) und Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der Journalist Stephan Hebel ("Frankfurter Rundschau"). Als jährlich wechselndes Mitglied war dieses Mal der frühere Bundesminister Heiner Geißler (CDU) beteiligt.

Das Unwort des Jahres 2010 lautete "alternativlos". Zuvor waren Begriffe wie "betriebsratsverseucht" (2009), "notleidende Banken" (2008) oder "Herdprämie" (2007) ausgewählt worden. Zeitgleich wurde in Düsseldorf das 11. Börsen-Unwort bekanntgegeben. Es heißt "Euro-Gipfel". Makler, Wertpapierhändler und Analysten kritisierten damit unter anderem die Häufigkeit und die Erfolglosigkeit der Treffen der Regierungschefs des Euro-Raumes in den vergangenen Monaten.

epd

Kommentare

Verfasst von Ernst Lehmann am 24. Januar 2012 - 12:14.

Gutmensch

Die Jury hat den Begriff Gutmensch überhaupt nicht verstanden. Als Gutmensch...

Die Jury hat den Begriff Gutmensch überhaupt nicht verstanden.
Als Gutmensch wird man nicht deshalb kritisiert, weil man das Ideal des guten Menschen in sich trägt und man sich darum bemüht, dies zum Masstab seines Handelns zu machen.
Ein Gutmensch werden vielmehr Menschen bezeichnet, die
* aus einer moralisch superioren Warte meinen, ständig ihre Mitmenschen belehren zu müssen
* die es gut meinen, aber schlechtes bewirken, meist, weil ihre ideologischen Scheuklappen keinen Blick auf die Realität erlauben

Beispiele für Gutmenschen sind z.B. Eltern, die sich für unkontrolliert Zuwanderung einsetzen und ihre Ideale jeden Tag darin bestätigt sehen, dass ihre Tochter auf der Walldorfschule eine perfekt integrierte Chinesin als Freundin hat, während die Kinder auf den Haupt- und Gesamtschulen der Problemviertel sich mit einer Mehrzahl unintegrierten russischen oder türkischen Schulkameraden drangsalieren lassen müssen und dadurch ihrer Bildungs-und Aufstiegschancen beraubt werden.
Und deren Eltern, die normalerweise keine Gutmenschen sind, werden wiederum von besagten Gutmenscheneltern abschätzig betrachtet, weil sie offenbar nicht die Vorteile der multikulturellen Gesellschaft kennenlernen.
Ein weiteres Beispiel für Gutmenschen sind z.B. Leute, die in einem gewachsenen Wohngebiet einen nicht passenden riesigen Bauhaus-Komplex als Eigenheim errichten, und nur weil sie eine Solaranlage und eine Holzpelletsheizung einbauen, sich als leuchtendes Beispiel nachhaltigen Bauens sehen, und jede Menge Ausnahmegenehmigungen von ihren Gutmenschenfreunden bei der Stadt bekommen.

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