Geplante Brücke über die Mosel stößt auf Widerstand

Im idyllischen Moseltal zwischen Bernkastel und Traben-Trarbach regt sich Widerstand gegen den Bau einer gigantischen Brücke, unter deren 158 Meter Höhe sogar der Kölner Dom passen würde. Fotomontage: epd

Natur - Im idyllischen Moseltal zwischen Bernkastel und Traben-Trarbach ist neuer Streit ausgebrochen. Es geht um den Bau einer gigantischen, 158 Meter hohen Brücke, unter die sogar der Kölner Dom passen würde.

Von Dieter Junker und Marlene Grund

Der sogenannte Hochmoselübergang, mit dessen Bau bereits begonnen wurde, hatte eine lange Vorlaufzeit. Seit mehr als 40 Jahren gibt es in Rheinland-Pfalz Pläne für das Bauwerk. Alle Klagen gegen die rund 1,7 Kilometer lange Brücke zwischen den Weindörfern Ürzig und Rachtig scheiterten vor Gericht. Die regionalen Proteste gegen die Landschaftszerstörung erhielten in dieser Woche Unterstützung aus Berlin: Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und renommierte Weinkritiker sehen die Moselweine in Gefahr.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hielt dagegen. Nicht der bis zu 330 Millionen Euro teure Hochmoselübergang füge dem Riesling Schaden zu, sondern der Weinkenner-Protest, sagte er vor Journalisten. "Es wird so getan, als würden wir die ganze Mosel überdachen." Natürlich werde auf die Landschaft Rücksicht genommen, versichert der Politiker. Überhaupt kämen die Proteste viel zu spät.

Zerstörung einer Kulturlandschaft

Das sieht Heide Weidemann anders. Die stellvertretende Landesvorsitzende des BUND Rheinland-Pfalz  wehrt sich seit Jahren gegen den Bau. "Es ist noch nicht zu spät", beteuert sie. Das Moseltal sei eine der schönsten Regionen Deutschlands mit hervorragenden Weinen, heißt es beim BUND, der eine unwiederbringliche Zerstörung dieser Kulturlandschaft befürchtet.

Nach den Worten der grünen Bundestagsabgeordneten Ulrike Hoefken aus Bitburg kämpfen Menschen seit Jahrzehnten gegen das "ökologisch verheerende, ökonomisch unsinnige und obendrein hässliche" Projekt. Der Bau sei von der Landesregierung an den Haushaltsvereinbarungen vorbei mit dem Versprechen einer privaten Finanzierung durchgedrückt worden, die jedoch - mangels interessierter Investoren - nie zustande kam, lauten die Vorwürfe der Abgeordneten. Stattdessen müssten jetzt die Steuerzahler für die Zerstörung des Kulturerbes zahlen.

Kein Welterbe-Status

Zwar ist an der Mosel - anders als beim Oberen Mittelrheintal oder in Dresden - durch den Brückenbau kein Welterbe-Status in Gefahr, doch wachsen in der Region weltbekannte Weine wie Zeltinger Himmelreich und Bernkasteler Doctor. Der Bau, so fürchten Kritiker, könnte den Reben buchstäblich das Wasser  abgraben. Die Änderung des Landschaftsbildes gefährde zudem den Tourismus schon vor der endgültigen Fertigstellung des Hochmoselübergangs, der für 2016 geplant ist.

"Wir wehren uns dagegen, dass die Mainzer Landesregierung auf unsere Kosten und auf Kosten der Umwelt diese Pläne aus den 60er Jahren umsetzt", sagt Jutta Blatzheim-Roegler, Vorstandsmitglied der AG Eifel-Mosel-Hunsrück in Bewegung und Sprecherin der bündnisgrünen Landesarbeitsgemeinschaft  Verkehr. Weil neben Joschka Fischer auch namhafte Weinkritiker wie Stuart Pigott oder Jancis Robinson die Brücke kritisieren, hofft sie auf mehr Aufmerksamkeit für den lokalen Protest.

Sonntagsproteste in Bernkastel

"Bisher wurden wir von der Politik in Mainz konsequent ignoriert, das ist jetzt nicht mehr möglich", erklärt die Grünen-Stadträtin von Bernkastel-Kues. Seit Januar demonstrieren jeden Sonntag bis zu hundert  Menschen in einem der Dörfer rund um die geplante Brücke. Vom 18. April an werden sich die Sonntagsproteste in Bernkastel konzentrieren, wie Blatzheim-Roegler ankündigt.

In Berlin sammelt Ulrike Hoefken derweil Unterschriften für eine Petition an den Deutschen Bundestag, um das Projekt doch noch zu Fall zu bringen. Sie fordert das Ende der Bauarbeiten. "Späte Einsicht ist allemal besser als die Fertigstellung eines völlig überflüssigen Projekts", betont sie. Nach ihren Vermutungen wird der nahende rheinland-pfälzische Landtagswahlkampf nochmals Bewegung in die Diskussion bringen.

Der Schlüssel liegt in Mainz

"Der Schlüssel liegt in Mainz", meint auch Jutta Blatzheim-Roegler. Doch dort steht die SPD-geführte Landesregierung trotz wachsender Proteste weiterhin zu dem Projekt. Die Menschen an der Mosel seien zu einem ganz überwiegenden Teil für die Brücke, sagt Ministerpräsident Beck. Für die Landesregierung sei der Hochmoselübergang ein "Straßenbauprojekt von europäischer Bedeutung", das die belgischen und niederländischen Nordseehäfen und Ballungsräume mit dem Rhein-Main-Gebiet verbinde. Die bessere Erreichbarkeit bringe auch Arbeitsplätze in der Region mit sich. Für Weinbau- und Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) geht es auch darum, junge Menschen in den ländlichen Räumen zu halten.

Kommentare

Verfasst von Gast am 17. April 2010 - 17:41.

Hochmoselübergangsgejammere

Ich kann den epd Fotomonteurinnen nur gratulieren! Besser hätte man die...

Ich kann den epd Fotomonteurinnen nur gratulieren! Besser hätte man die Scheinproblematik und die Volksverdummungsversuche der Gegner nicht ins Bild setzen können als mit dieser Fotomontage die beeindruckend zeit wie nichtig und kindisch dumm hier argumentiert wird. Dieses Brückelchen zart und fein soll der Mosel Untergang sein? Für wie blöd halten die Gegner die Menschen? Anstatt sich hier künstlich zu erregen sollten sie lieber Liebe machen, da hätten sie mehr davon und die Finger von Themen lassen deren Realisierung schon seit Jahrzehnten feststeht. Si tacuisses Ihr Vorgestrigen.

Verfasst von Gast am 8. Mai 2010 - 23:14.

B 50 neu/Hochmoselübergang

Es ist ja nicht nur die Brücke. Die ist einfach "nur" hässlich. Eigentlich...

Es ist ja nicht nur die Brücke. Die ist einfach "nur" hässlich. Eigentlich schon schlimm genug, aber was im weiteren Verlauf der Trasse zerstört wird, ist mehr als unverantwortlich: Eine noch unberührte Natur- und Erholungslandschaft, die für den Tourismus von 11 angrenzenden Orten überlebensnotwendig ist. Und wofür? Für eine Verkehrsverbindung, deren Planung mehr als 40 Jahre zurück liegt. Die Gründe, die damals maßgeblich waren, sind einfach überholt: Der "Kalte Krieg" - Auslöser für die Trasse als militärische Nachschubverbindung - ist Gott sei Dank Vergangenheit, und Verbindungen von den Norseehäfen ins Rhein-Main-Gebiet gab es damals so gut wie nicht, heute sind sie längst - z. B. die A 61 - Fakt.
Auch wenn eine Entscheidung gefallen ist, muss Politik doch nicht blind daran hängen. Im Gegenteil: Neue Situationen verlangen geradezu neues Nachdenken.
Sonst könnte Politik ja ihre Arbeit gleich den Gerichten überlassen. Das Gerichtsverfahren übrigens, dass der BUND leider erfolglos geführt hat, hat sich ausschließlich mit reinen Naturschutzangelegenheiten befasst. Gegen alles andere, von der Geldverschwendung über Gefahren für Tourismus, Lärmbelastungen, Luft- und Bodenverschmutzung.... durfte der Umweltverband eben nicht klagen! Das wurde somit auch nicht gerichtlich überprüft.

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