Musik - Ganz plötzlich kam das Ende seiner radikalen Entdeckungsreise zum eigenen Ich. Vor 40 Jahren, am 3. Juli 1971, blieb frühmorgens das Herz von Jim Morrison stehen. Ob der Sänger der US-Rockgruppe "The Doors" in seinem Pariser Exil tatsächlich an einer Überdosis Heroin starb oder ob sein durch jahrelange Alkohol- und Drogenexzesse geschwächter Körper schlicht und einfach seinen Dienst versagte, wird für immer ungeklärt bleiben.
Mit seinem geheimnisumwitterten Tod trug der düstere Echsenkönig, wie er sich selbst nannte, endgültig zur Legendenbildung bei. Den "Durchbruch zur anderen Seite" hatte er als sein Lebensziel postuliert. "Break on Through to the Other Side" lautete programmatisch der erste "Doors"-Hit aus dem Jahr 1967. Auf seiner exzessiven Suche nach Selbsterkenntnis sah Morrisson die letzte Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem im Tod.
Die "kranke Gesellschaft" ändern
Nur 27 Jahre alt wurde der in Melbourne in Florida geborene Sänger, Songschreiber und Poet. Mit seiner Musik und seinen Texten wollte er die "kranke Gesellschaft" ändern und Menschen "aus den Zwängen befreien, innerhalb derer sie sich sehen und fühlen". Wie kaum ein anderer Rockmusiker seiner Generation sagte Morrison, der als Sohn eines ranghohen Marineoffiziers unter einer autoritären Erziehung litt, dem Staat und seinen Autoritäten den Kampf an. Er war hoch gebildet, verschlang die Werke von Nietzsche und den Autoren der "Beat Generation" wie Jack Kerouac und Allen Ginsberg. Der Musiker wollte sich selbst und anderen die Türen öffnen, die aus seiner Sicht den Weg zum freien Leben verschlossen.
Es ging ihm darum, "die Kontrolle über das eigene Leben so weit wie möglich zurückzugewinnen", wie er in einem Interview sagte. Freiheit suchte Morrison, der gegen den Willen seiner Eltern Film- und Theaterwissenschaft in Los Angeles studierte, im Schreiben von Gedichten und in der Musik. 1965 gründete er dort mit seinem früheren Studienkollegen und Organisten Ray Manzarek die "Doors". Mit Robby Krieger an der Gitarre und John Densmore am Schlagzeug fand Morrison weitere musikalische Mitstreiter. Die "Doors" benannten sich nach dem Essay "The Doors of Perception" des englischen Schriftstellers Aldous Huxley, in dem es um den Einfluss von Drogen auf das menschliche Bewusstsein geht.
Während ihrer nur fünfjährigen Karriere entwickelten sich die "Doors" zur erfolgreichsten und auch umstrittensten US-Rockband. Zur Liebe-und-Frieden-Maxime der Hippies der 1960er Jahre bot das Quartett ein Gegenprogramm: Der in schwarzes Leder gehüllte Charismatiker Morrison zelebrierte provokante Bühnenshows mit düsteren und aggressiven Konzeptstücken. Gedichtrezitationen, lange musikalische Improvisationen, Theaterelemente und Filmeinspielungen waren Elemente des neuartigen "Rocktheaters".
Eine musikalische Reise in Traumwelten
"When the Music is Over", "Light my Fire" und besonders "The End" entführen den Hörer in apokalyptische, drogenschwangere Traumwelten, erzählen von Chaos und Revolte, von ödipalem Vatermord und Mutterliebe und von Todessehnsucht. "The "Unknown Soldier" ist ein Lobgesang auf alle US-Deserteure im Vietnam-Krieg: In einem Begleitfilm mimte Morrison einen Soldaten, der standrechtlich erschossen wird.
"Ich mag Ideen über den Zusammenbruch oder den Umsturz der etablierten Ordnung", sagte Morrison 1967. Das Chaos war für ihn ein Reinigungsritual, durch das die Saat für ein neues, freies Leben entsteht. Der "Doors"-Sänger war ein zwiespältiger Charakter, der sich gerne als Schamane mit Heilkräften und als Sex-Symbol stilisierte. Die oft unkritische Anhimmelei seiner Fans nutzte er aus, feuerte sie mit hypnotischer Gabe bei Konzerten an.
Als Verhetzer und Staatsfeind verhaftet
Wendepunkt in der Karriere von Morrison und den "Doors" war 1969 ein Konzert vor rund 13.000 Besuchern in Miami. Alkoholisiert rief er zum Aufruhr auf, provozierte die Ordnungshüter. Die Masse stürmte die Bühne, Morrison wurde verhaftet. Polizei und FBI nahmen ihn als Staatsfeind und Verhetzer der Jugend ins Visier. Auch viele Medien machten Stimmung gegen den Künstler, der unentwegt die Toleranzgrenzen seiner Umwelt testete. Mehrere US-Bundesstaaten verhängten einen Bann über die "Doors", zahlreiche Konzerte wurden abgesagt. Morrison zog sich von seinem Publikum zunehmend zurück, ließ sich einen Bart wachsen, wurde dicker und spielte den Blues.
Seiner Rolle bei den "Doors" überdrüssig und wegen der Querelen mit US-Behörden folgte der gesundheitlich angeschlagene Morrison Anfang 1971 seiner Freundin Pamela Courson nach Paris. "Keiner kommt hier lebend raus", lautet eine prophetische Zeile des "Doors"-Songs "Five to One (1968). Auf dem Prominentenfriedhof Père Lachaise fand er seine letzte Ruhe. Morrisons Grab ist zur Kultstätte geworden. Kein Tag vergeht, an dem nicht Fans vorbeikommen, sich ein Bier oder einen Joint genehmigen, einen kleinen "Durchbruch zur anderen Seite" wagen.


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Die Wahrheit über Jim Morrisons Tod
Für alle, die die Wahrheit mehr interessiert als irgendwelche abstrusen, völlig haltlosen Thesen:
Autor: Heinz Gerstenmeyer:
Titel: Der mysteriöse Tod von Jim Morrison
Deutschland, 7. Januar 2009.
Broschiert, 17 x 22 cm. 256 Seiten.
24 Farb-Abbildungen. 173 Schwarzweiß-Abbildungen.
BoD GmbH.
ISBN: 978-3-8370-6427-8.
EUR 17,90.
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Der mysteriöse Tod von Jim Morrison
Unzählige Thesen wurden im Lauf der Jahre verbreitet, so gut wie keine Spekulation darüber ausgelassen, wie Jim Morrison gestorben ist, an was er gestorben ist und ob er überhaupt gestorben ist.
In seinem Buch "Der mysteriöse Tod von Jim Morrison" will Heinz Gerstenmeyer die Wahrheit ans Licht gebracht haben. Mehr als 20 Jahre lang hat er recherchiert, "bis ich mir im Jahr 2006 sicher sein konnte, dass ich die tatsächlichen Umstände, unter denen Jim Morrison gestorben ist, herausgefunden habe".
Viele Fragen blieben seit Jim Morrisons Tod im Alter von 27 Jahren unbeantwortet: Warum wurde Herzversagen als Todesursache angegeben, obwohl keine Autopsie vorgenommen worden war? Warum hält sich hartnäckig das Gerücht, Jim Morrison sei an einer Heroinüberdosis gestorben, obwohl enge Freunde immer wieder behaupten, Jim Morrison sei nicht drogensüchtig gewesen? Warum hält sich trotz der seit vielen Jahren zugänglichen Dokumente der Pariser Behörden noch immer das Gerücht, dass er noch lebt?
Heinz Gerstenmeyer: "Alle, die Jim Morrison persönlich kannten, haben eine festgefahrene Meinung darüber, wie er gestorben ist. Bei näherer Befragung stellte sich jedoch immer schnell heraus, dass diese Meinungen hauptsächlich auf Mutmaßungen beruhen. Letztendlich haben alle zugegeben, dass sie nichts Genaues wissen."
Dennoch haben viele Autoren der zahlreichen, im Lauf der Jahre erschienenen Jim-Morrison-Biografien für sich in Anspruch genommen, die Wahrheit herausgefunden zu haben. "Der Grund hierfür ist ziemlich einfach“, sagt Heinz Gerstenmeyer. "Sie beziehen sich auf Spekulationen von Zeitzeugen, auf Geschichten, die auf Hörensagen basieren, sie ignorieren oder verdrehen Tatsachen, zweifeln diese grundlos an oder kennen sie erst gar nicht, und formen dann daraus eigene Thesen, die sie als Wahrheit präsentieren. Und natürlich gibt es auch Autoren, die 'Tatsachen' einfach erfinden. Das übelste Beispiel ist Sam Bernett, der Jim Morrison nie begegnet ist -- weder tot noch lebendig. Zudem behauptet Ray Manzarek, der Keyboarder der Doors, wider besseres Wissen immer wieder, dass Jim Morrison möglicherweise noch lebt."
In Paris trieb die Gerüchteküche um Jim Morrisons Tod seit Oliver Stones Film "The Doors" (1991) ganz besondere Blüten. Je mehr Jahre nach dem Film vergingen, desto zahlreicher traten angebliche Augenzeugen und Pariser Freunde in Erscheinung, von denen vor 1991 im näheren oder auch weiteren Umfeld von Jim Morrison noch nie jemand irgendetwas gehört hatte. Da ist es dann auch, laut Heinz Gerstenmeyer, "nicht verwunderlich, dass deren Erinnerungsvermögen seit 1991 immer präziser wurde, und dass sie die fadenscheinigsten Begründungen vorbringen, warum sie sich erst jetzt zu Wort melden: Man habe das Andenken an Jim Morrison nicht mit der Wahrheit beschädigen wollen; man habe sich selbst aus Angst vor Repressalien, von welcher mehr oder minder dubiosen Seite auch immer, schützen wollen. Die Liste an Entschuldigungen, vorzugsweise in Fernsehinterviews vorgebracht, ist ebenso lang, wie die Anzahl an neuen 'Enthüllungen'."
Heroin spielte dabei immer wieder eine tragende Rolle. "Ich hatte immer den Eindruck, dass diese Leute selbst bis über die Ohren im Pariser Drogen- und Drogenhändlersumpf steckten und sich nun aus diesem herauszuziehen versuchen, indem sie Jim Morrison und andere hineinziehen“, so Heinz Gerstenmeyer. "Möglicherweise sind sie aber auch nur scharf darauf, sich im Zusammenhang mit Jim Morrison im Fernsehen bestaunen zu lassen. Es ist jedenfalls auffällig, dass die meisten dieser Leute zum Umfeld einer harten Drogen nicht abgeneigten Pariser Clique namens "Les Minets des Champs" gehörten, die regelmäßig im Rock 'n' Roll Circus verkehrte – in dem Nachtclub, in dem Jim Morrison laut den 'sensationellen Enthüllungen' des damaligen Geschäftsführers Sam Bernett an einer Heroinüberdosis gestorben sein soll. Einige dieser Leute machten in Frankreich mehr oder minder Karriere als Sänger, Musiker, Journalisten, Radio- und Fernsehmoderatoren, Schallplattenproduzenten und Schlagerkomponisten."
Steht in Heinz Gerstenmeyers Buch nun die absolute Wahrheit über Jim Morrisons Tod?
"Ich habe seit 1977 buchstäblich alles gesammelt, das jemals über seinen Tod geschrieben und in Interviews gesagt wurde. Ich habe Berge von Material bis ins kleinste Detail analysiert und auf den Wahrheitsgehalt hin überprüft, und ich bin jedem noch so winzigen Widerspruch gnadenlos auf den Grund gegangen. Dabei wurde immer wieder eines klar: dass es so, wie es aus den einzelnen Quellen hervorgeht, nicht gewesen sein konnte. Ich habe mit etwa zehn Leuten, die Jim Morrison teilweise sehr gut kannten, über mehrere Jahre hinweg geredet und sie zu bestimmten Geschichten, Gerüchten, Ungereimtheiten und Widersprüchen befragt. Insbesondere auch zu Jim Morrisons Alkohol- und Drogenkonsum sowie zu seinem Gesundheitszustand. Und schließlich, allerdings erst nach der Veröffentlichung meines Buches, habe ich auch ein Interview mit Alain Raisson, dem ehemaligen Rettungsdienstleiter der Pariser Feuerwehr, der Jim Morrison am Morgen des 3. Juli 1971 in der Badewanne vorgefunden hatte, geführt. Es werden definitiv keine weiteren Fakten mehr auftauchen, die ein anderes Bild ergeben, als ich es in meinem Buch gezeichnet habe."
Film mit Ginsberg und anderen
Film mit Ginsberg und anderen Counterculture-Heroen:
http://www.realeyz.tv/de/morley-markson-growing-up-in-america_cont2822.html
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