Weltliteratur - Klang, Rhythmus, Poesie und eine Prise Ironie: "Der kleine Prinz" wird 60. Pünktlich zum Jubiläum hat Elisabeth Edl den Klassiker von Antoine de Saint-Exupéry neu übersetzt.
Er kommt von einem kleinen Asteroiden, besitzt eine Rose, die er hegt und pflegt, und trifft einen Fuchs, der viele schlaue Geheimnisse weiß: Vor 60 Jahren trat "Der Kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry (1900-1944) seine Reise nach Deutschland an. 1950 erschien das philosophische Märchen um den kleine Prinzen und einen Piloten, der in der Wüste notgelandet ist, erstmals in deutscher Übersetzung. Das Original war 1943 in New York veröffentlicht worden. Pünktlich zum runden Geburtstag hat Elisabeth Edl das Werk aus dem Französischen neu ins Deutsche übersetzt.
"Mutlos winkte ich ab"
Klang, Rhythmus, Poesie und eine Prise Ironie - dies kennzeichnet nach Meinung von Edl den Zauber von "Le Petit Prince" im französischen Original. "Saint-Exupéry klingt auf Französisch weder altbacken noch betulich. So soll es auch auf Deutsch sein", sagte Edl dem epd.
Mit der neuen Übersetzung möchte sie gerade junge Leser für dieses Stück Weltliteratur begeistern. Denn bisher gab es nur eine deutsche Übersetzung des Ehepaars Grete und Josef Leitgelb aus dem Jahr 1950. Diese enthält auch sperrige Satzkonstruktionen wie: "Ich machte eine Gebärde der Hoffnungslosigkeit". Die Münchnerin Edl übersetzt stattdessen: "Mutlos winkte ich ab".
Suchen nach dem Sinn des Lebens
Manchmal verfehlte die erste Übersetzung nach Auffassung von Elisabeth Edl sogar den Sinn einer Geschichte: "So ist es zum Beispiel im Kapitel mit den Schnellzügen". Grete und Josef Leitgelb übersetzten damals den wichtigsten Satz dieses Kapitels folgendermaßen: " 'Die Leute', sagte der kleine Prinz, 'schieben sich in die Schnellzüge, aber sie wissen gar nicht, wohin sie fahren wollen. Nachher regen sie sich auf und drehen sich im Kreis?' ".
Nach Ansicht von Elisabeth Edl klingt dies zu "banal". Saint-Exupéry habe vielmehr ein existenzielles Suchen beschrieben, "ein Suchen nach dem Sinn des Lebens", wie sie sagt. Edl, die 2009 zum Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gewählt wurde, übersetzte: "'Die Menschen', sagte der kleine Prinz, 'drängeln sich in Schnellzügen, wissen aber nicht mehr, was sie suchen. Darum sind sie so rastlos und drehen sich im Kreis?' ".
Zeitgeschichtliche Anspielungen
Am 6. April 1943 erschien "Le Petit Prince" in New York, wo sich Saint-Exupéry im Exil aufhielt. Er illustrierte das Buch selbst. Seitdem ist das Werk in mehr als 180 Sprachen und Dialekte übersetzt worden. Das schmale Buch ist voller zeitgeschichtlicher Anspielungen. Elisabeth Edl deutet etwa die Geschichte der Affenbrotbäume, die einen Planeten sprengen, wenn man sie nicht rechtzeitig ausreißt, als Parabel auf die Bedrohung der Welt durch den Nationalsozialismus.


Kommentare
Kommentar hinzufügen