Pröpstin: Kirche ohne Musik unvorstellbar

Gospelchor Saarbrücken im Regen

Mitglieder des Gospelchor Saarbrücken schützen sich mit Regenponchos vor dem strömenden Regen beim 96. Deutschen Katholikentag. Musik lässt sich eben von nichts aufhalten, auch in der Kirche nicht. Foto: epd-bild/ Norbert Neetz

Musikkongress - Der Kirchenmusik in Deutschland muss nach Ansicht kirchlicher Spitzenrepräsentanten auch angesichts sinkender finanzieller Mittel höchste Priorität eingeräumt werden. Die sakrale Musik sei für die katholischen Bischöfe ein "Zukunftsthema", sagte der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky am Freitag auf dem Kirchenmusik-Kongress "Einheit durch Vielfalt". Die evangelische Berliner Pröpstin Friederike von Kirchbach sagte: "Kirche ohne eine führende Rolle der Musik ist unvorstellbar."

Musiker, Theologen und Musikwissenschaftler setzten sich auf dem Kongress für eine stärkere Zusammenarbeit von Kirchenmusik und öffentlichen Musikeinrichtungen ein. Kooperationen zwischen Kirchen und Bildungs- oder Kultureinrichtungen des Staates müssen ausgebaut werden, hieß es in einem Resolutionsentwurf der rund 200 Teilnehmer. Dies gelte auch für die Aus- und Weiterbildung von Musikern.

Kardinal Sterzinsky wies darauf hin, dass in der katholischen Kirche die Musik - nach Architektur und Denkmalpflege - bereits heute die finanziell am stärksten ausgestattete Kultursparte sei. Jährlich flössen mehr als 20 Prozent der katholischen Kirchensteuereinnahmen, etwa 900 Millionen Euro, in den Kultursektor; davon würden wiederum 19 Prozent für die Kirchenmusik ausgegeben. Dies dürfe angesichts "punktueller Einschnitte" nicht vergessen werden, betonte Sterzinsky.

Kirchenmusik kann Werte vermitteln

Kirchbach sagte, die Kirchenmusik nehme einen "Verkündigungsauftrag" für die christliche Botschaft wahr. Dabei gelinge es ihr oft besser als dem gesprochenen Wort "Menschen zu fischen". Angesichts dieses missionarischen Potenzials müssten Theologen noch viel stärker begreifen, "welche Chancen wir haben mit der Kirchenmusik", sagte die Pröpstin als Vertreterin der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der frühere sachsen-anhaltische Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) hob die Rolle der Kirchenmusik als Wertevermittlerin hervor. Die Kirchenmusik könne dann gesellschaftliche Werte vermitteln, wenn sie selbst davon überzeugt sei, dass diese gebraucht würden, sagte Höppner. Gemeinschaft über Grenzen hinweg zu schaffen, sei etwa ein solcher wichtiger Wert; aber auch Verlässlichkeit oder Befreiungserfahrungen.

Der Präsident des Deutschen Musikrates, Martin Maria Krüger, hatte bereits zur Kongresseröffnung am Vorabend die Bedeutung der Kirchenmusik für die gesamte Gesellschaft hervorgehoben. Nach seinen Angaben singen und musizieren fast eine Million Menschen in Deutschland in kirchlichen Chören und Instrumentalensembles.

Zahl der Kirchenmusiker sinkt

Die Zahl der hauptamtlichen Kirchenmusiker ist den Angaben zufolge dennoch rückläufig. Derzeit sind es rund 3.330 insgesamt. Wegen sinkender Kirchensteuereinnahmen wurden in den vergangenen Jahren zudem viele Kantoren-Stellen nur halb besetzt.

An dem zweitägigen Kongress nahmen rund 200 Musiker, Theologen und Musikwissenschaftler teil. Begleitend dazu gibt es noch bis Sonntag ein Konzert-Programm in vielen Berliner Kirchen; zudem finden bundesweit unter dem Motto "Einheit durch Vielfalt" rund 1.000 Konzerte statt. Organisatoren sind der Deutsche Musikrat und die kirchenmusikalischen Spitzenverbände der beiden großen Kirchen.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 16. Oktober 2010 - 2:25.

Die fuehrende Rolle der Musik

Ja, ich will dem HERRN singen ein neues Lied, ich will IHN loben mit ganzem...

Ja, ich will dem HERRN singen ein neues Lied,
ich will IHN loben mit ganzem Herzen,
und reden von all seinen Wundern,
die Er an den Menschenkindern tut! -
und dies soll auch in und mit der singenden, lobenden und dankenden Gemeinde geschehen. Und wir tun dies auch, weil das die Weise ist, wie Gott z.B. gelobt werden will.
Aber von der "fuehrenden Rolle der Musik" zu reden,
wo ist denn das hergekommen?
Mich erinnert diese Formulierung an "die fuehrende Rolle der Partei",
die uns frueher im Marxismus-Leninismus-Unterricht nahe gebracht werden sollte. Ein Verstaendnis dafuer, dass das Singen ein heiliger Akt ist,
und dass die vornehmste Aufgabe der Kirche schlicht und einfach das Gebet ist, das wir an unseren dreieinigen Gott, naemlich an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist richten, und dass unsere Gotteshaeuser der Anbetung und Verehrung dieses unseres Gottes zu dienen haben, scheint da wohl nicht mehr gegeben zu sein.
Immerhin muss ich zugeben, dass bei allen Verbeugungen vor den Herren und Damen Atheisten, welche in unseren Kirchen bisweilen arg zugenommen haben, schon allein die Rezitation und Auffuehrung der frommen Musik fruehrer Zeiten ein Trostpflaster ist. Ich erinnere mich an einen Gottesdienst zum Heiligen Abend, den wir in der Schlosskirche zu Wittenberg besuchten.
Die Regieanweisungen zur Liturgie waren eine Katastrophe. Der engste Bezug zum Weihnachtsfest und seinem Festinhalt bestand im Hinweis auf die Kollekte des Vorjahres, die diesmal bitte nicht kleiner ausfallen solle. Ansonsten war das Thema der Predigt: "Bei Nacht sind alle Katzen grau" - was freilich mit dem Evangelium nicht viel zu tun hatte. Ich bin mir sicher, dass sich Martin Luther bei diesen Geschehnissen im Grabe herumgedreht haette, wenn die Weihnachtsbotschaft nicht doch noch wenigstens durch die Lieder und den Chorgesang zum Ausdruck gebracht worden waere. Wir wollen dafuer dankbar sein. Aber es stellt sich schon die Frage, ob und inwieweit das ueberhaupt noch Kirche ist, die doch nach Confessio Augustana, Artikel VII, die Versammlung der Heiligen ist, in welcher das Evangelium rein gelehrt und die Sakramente ihrer Einsetzung gemaess verwaltet werden?

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