Filmfestival - Aufbrüche und Umbrüche in der Gesellschaft sind das Schwerpunktthema des diesjährigen Filmfestivals Berlinale vom 9. bis 19. Februar. Viele Filme spiegelten mit diesem Grundtenor wider, was derzeit auf der Welt passiere, sagte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick am Dienstag bei der Vorstellung des Programms. Insgesamt werden in ausgewählten Berliner Kinos 395 Filme präsentiert. 18 Filme konkurrieren um den Goldenen und mehrere Silberne Bären.
Der Eröffnungsfilm "Les adieux à la Reine" von Benoit Jacquot zeigt aus der Perspektive des Schlafzimmers die letzten 48 Stunden im Leben von Marie Antoinette während der französischen Revolution, bevor die Königsgemahlin mit der Guillotine enthauptet wurde. Wenn der Film bei der 62. Berlinale gezeigt wird, sei es ziemlich genau ein Jahr her, dass der ägyptische Machthaber Hosni Mubarak nach Massendemonstrationen zurückgetreten ist, sagte Kosslick.
"Les adieux à la Reine" lasse nachvollziehen, wie die letzten Tage davor ausgesehen haben könnten. "Ich denke, dass das bei Mubarak und anderen Despoten nicht anders ausgesehen hat", sagte der Berlinale-Direktor. "Vielleicht nur nicht so sexy", fügte er hinzu.
Goldener Ehrenbär für Meryl Streep
Der Goldene Ehrenbär geht in diesem Jahr an die Schauspielerin Meryl Streep für ihr Lebenswerk. Ihr zu Ehren läuft auf dem Festival auch eine Hommage mit insgesamt sieben Filmen. Zur Preisverleihung wird "Die Eiserne Lady" aufgeführt. In dem Film spielt Streep die frühere Premierministerin Großbritanniens, Margaret Thatcher.
Im Wettbewerb der Berlinale laufen insgesamt 32 Filme, fünf davon außer Konkurrenz. 19 der Streifen sind Weltpremieren wie etwa Christian Petzolds "Barbara", Hans Schmids "Was bleibt" oder der in Kanada produzierte Film "Rebelle" über Kindersoldaten im Kongo von Kim Nguyen. Erstmals gezeigt wird auch der zuletzt nominierte Film "Bai lu yuan" des chinesischen Regisseures Wang Quan'an. Nach der Vorlage des gleichnamigen Buches ("White Deer Plain") führt er Kosslicks Angaben zufolge in dreieinhalb Stunden durch Tausende Jahre chinesische Geschichte.
Mike Leigh und Jake Gyllenhaal in diesjähriger Jury
Der Internationalen Jury der Berlinale um den diesjährigen Präsidenten Mike Leigh gehören unter anderem der Schauspieler Jake Gyllenhaal, der iranische Regisseur Asghar Farhadi, die Schauspielerin Barbara Sukowa und der Schriftsteller und Friedenspreisträger Boualem Sansal an. Neben den begehrten Bären-Trophäen wird zudem auch wieder die Berlinale Kamera verliehen.
Jeweils eine Kamera geht an das Studio Babelsberg, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, den Filmpionier Haro Senft und Ray Dolby, der den Surround-Sound fürs Kino erfunden hat. Außerdem wird wieder der beste Erstlingsfilm mit 50.000 Euro prämiert.
Auch in der Reihe Panorama werden nach Angaben des Programmverantwortlichen Wieland Speck Filme im Fokus stehen, die sich mit Umbrüchen beschäftigen. Unter anderem werden Spielfilme und Dokumentationen über koptische Christen in Ägypten, Neonazis und schwule Männer in der DDR gezeigt. Bei der diesjährigen Retrospektive wird den Zuschauern das in den 1920er Jahren in Moskau gegründete deutsch-russische Filmunternehmen "Meschrabpom" näher gebracht. Die Berliner sind zudem wieder zur Sonderreihe "Berlinale goes Kiez" in ausgewählte Programmkinos eingeladen.


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