Theater provokant: Exkremente auf dem Christusbild

Theaterszene

Ein Demenzkranker mit Windeln vor einem Christusbild: Szene aus dem Theaterstück "Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn". Foto: Klaus Lefebvre

Gotteslästerung? - Stinkbomben, Tränengas, Krawalle: Vor diesem Theaterabend war praktisch mit allem gerechnet worden. Doch dann flog nicht mal ein einziges faules Ei. Im Gegenteil: Mit begeistertem Applaus hat das Berliner Theaterpublikum am Montag die Premiere des umstrittenen Stücks "Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn" gefeiert. Die Inszenierung des italienischen Regisseurs Romeo Castellucci stand auf dem Programm des Theaters Hebbel am Ufer (HAU).

Von Haiko Prengel

Wegen angeblich gotteslästernder Inhalte hatte es im Vorfeld Irritationen gegeben. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki höchstpersönlich geißelte die Theateraufführung als "unanständig". Er verurteile es, "dass das, was Menschen aus ihrem Glauben heraus wichtig und heilig ist, in dieser Weise durch den Dreck gezogen wird", sagte Woelki der "Bild"-Zeitung.

In Castelluccis Stück (Szenenfoto: Klaus Lefebvre) geht es um einen dementen alten Mann, der an Inkontinenz leidet. Sein Sohn sorgt sich rührend um ihn. Doch immer wenn er die Windeln frisch gewechselt hat, scheidet der Vater neuen Kot aus, beschmutzt Sofa, Teppich, die ganze Wohnung. Eine heimische Pflegeszene mit komischen Zügen, die allerdings ausgerechnet vor einem riesigen Christusbild spielt: Das wird am Ende mit Handgranaten beworfen, bevor es selbst mit Exkrementen übergossen zu werden scheint. Das Finale markiert der hell erleuchtete Satz "You are – not – my Shepherd" ("Du bist – nicht – mein Hirte").

Doch anders als in Städten wie Paris blieben die Proteste von strenggläubigen Katholiken diesmal aus. In Paris hatte das Stück 2011 nur unter Polizeischutz aufgeführt werden können, Besucher wurden mit Tränengas attackiert. In Berlin ließ sich nicht ein einziger Gläubiger vor dem Theater sehen, um sich über Blasphemie zu beschweren. "Hier leben halt nur zwei oder drei Katholiken", frotzelte ein Premierengast. Das sei zu wenig, um eine Protestbewegung auf die Beine zu stellen. Schon in Essen und München war "Über das Konzept des Angesichts bei Gottes Sohn" ohne größere Probleme gelaufen.

Im Anschluss an die Berliner Premiere stellte sich Regisseur Castellucci auf der Bühne Fragen zu seiner Inszenierung. Man könne diese durchaus als "religiöse Aufführung" auffassen, sagte er. Mit dem katholischen Glauben beschäftigt sich der italienische Künstler schon seit längerem. Als bloße Provokation will Castellucci sein aktuelles Stück aber nicht verstanden wissen. Am Dienstag soll es noch einmal im Hebbel am Ufer über die Bühne gehen. Nächster Aufführungsort ist Montreal in Kanada. In Deutschland ist das Stück wieder im November in Leipzig zu sehen.

dpa

Kommentare

Verfasst von hallo^^ am 6. März 2012 - 23:24.

karikatur/spottbild

Der Herr Castellucci sollte mal so etwas vor einem Bild des Mannes, der nach...

Der Herr Castellucci sollte mal so etwas vor einem Bild des Mannes, der nach islamischen Glauben ein Prophet ist, machen: Mohammed. Es ist gut, dass die Evangelische Kirche  es nicht nötig hat, auf diese Provokation einzugehen, sondern drüber steht. Die Karikatur, die das Ansehen des Hernn Jesus am schlimmsten verspottet hat, war die Aufschrift INRI auf dem Kreuz. Das kann auch durch "Kunst" wie dieses nicht übertroffen werden.

Verfasst von Gast am 6. März 2012 - 22:00.

Die Zerstörung der Würde

Wer mit Kot die Christen katholischer Glaubenstradition verletzen will, kann...

Wer mit Kot die Christen katholischer Glaubenstradition verletzen will, kann das heute locker machen. Es juckt ja keinen mehr, offenbar. Auch die Evangelischen scheinen sich zu beömmeln darüber, dass Wölki mit seinem Protest allein zu sein scheint.

Beleidigende/herabsetzende Äußerungen von der Redaktion gelöscht. Bitte argumentieren Sie sachlich.
Thomas Östreicher/evangelisch.de

Verfasst von Gast am 6. März 2012 - 17:32.

"Hier leben halt nur zwei oder drei Katholiken",

frotzelte ein Premierengast. Soll dieses Zitat etwa heißen, daß nur Heiden im...

frotzelte ein Premierengast.
Soll dieses Zitat etwa heißen, daß nur Heiden im Theater waren oder nicht damit gerechnet wird, daß nicht katholische Christen sich nicht verletzt fühlen und sich keine Gedanken machen, wenn in derart blasphemischer Weise mit dem heiligsten Antlitz unseres Herrn Jesus Christus umgegangen wird.
Dies hieße, daß Menschen die sich Christen nennen und dieses Fäkal-Spektakel besucht haben, völlig gleichgültig geworden sind.
Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.

Verfasst von pro ecclesiasia am 6. März 2012 - 16:39.

Dass es keinen Widerstand

Dass es keinen Widerstand gab, ist schockierend. Bezeichnend ist, dass man von...

Dass es keinen Widerstand gab, ist schockierend. Bezeichnend ist, dass man von evangelischer Seite erst gar nicht erwartet, dass sich jemand empört. Christus beleidigen ist ja eigentlich nie ein Problem in unseren Kreisen, aber für Multikulti und Heterophobie stehen wieder alle parat, um den Reaktionären der Garaus zu machen. Kardinal Wölkis Worte in diesem Sodom nehme ich dankbar wahr. Danke, Exzellenz!

Verfasst von berndbuchner am 6. März 2012 - 19:33.
Kommentar auf: Dass es keinen Widerstand

Korrekturen

Lieber Schreiber "pro ecclesiasia", einige Ergänzungen/...

Lieber Schreiber "pro ecclesiasia",

einige Ergänzungen/Korrekturen zu Ihrem Kommentar:

- Sie schreiben, von evangelischer Seite erwarte man gar nicht, dass sich jemand empöre. Wie Sie auf diesen Gedanken kommen, erschließt sich uns in keiner Weise.

- Der Berliner Kardinal heißt Woelki, nicht Wölki.

- Die korrekte Anrede für einen Kardinal lautet "Eminenz" und nicht "Exzellenz".

Beste Grüße,

 

Bernd Buchner - evangelisch.de

Verfasst von Gast am 7. März 2012 - 11:03.
Kommentar auf: Korrekturen

Nicht mal nachgefragt

Wie Leser darauf kommt, dass man von evangelischer Seite gar keine Empörung...

Wie Leser darauf kommt, dass man von evangelischer Seite gar keine Empörung erwartet?
Nun, es gibt ja nicht einmal eine eigene epd-Berichterstattung. Der Artikel weist sich doch als dap-Material aus. Keine Publikumsreaktionen, die von evangelisch.de Journalisten eingefangen wurden, keine Kommentare.

Wenn bei so einem ureigen religiös-kulturellen Thema von epd nix kommt, erwartet man irgendwann die Einstellung eines so überflüssigen Dienstes.

Verfasst von Gast am 7. März 2012 - 8:12.
Kommentar auf: Korrekturen

Ihre Publikumsbeschimpfung ziemt sich nicht

In dem Artikel ist zweimal von Katholiken die Rede und einmal vom katholischen...

In dem Artikel ist zweimal von Katholiken die Rede und einmal vom katholischen Kardinal Woelki. Von evangelischen Christen ist nicht die Rede. Dass man also auf den von Pro Ecclesia geäußerten Gedanken kommen kann, ist doch selbstverständlich. Scheint mir symptomatisch zu sein: Evangelische Christen sind inzwischen so "in der Welt" aufgegangen, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie glauben und was ihnen heilig ist. Und Ihre hochnäsigen Belehrungen zu Schreibfehlern u.ä. können Sie sich wirklich sparen!

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