Kolumne - Google will ein eigenes Betriebssystem für Rechner vorstellen: Chrome OS genannt. Unser Kolumnist Michael Stein hat sich so seine eigenen Gedanken zum großen Datensammler Google gemacht.
Viele Jahre lang war in der Computerwelt alles in schönster Ordnung: Es gab die Bösen und es gab die Guten. Die Bösen, das waren für viele Computer-Nutzer vor allem Microsoft und sein Betriebssystem "Windows". Die Guten, das war Apple mit seinem "Mac OS", eine Firma, die dem bösen Quasi-Monopolisten ein paar Marktanteile streitig machte. Dann änderte sich die Betriebssystem-Landschaft ein wenig: Das offene Betriebssystem "Linux" wurde immer beliebter und fand auch bei Nicht-Informatikern mehr Freunde. Gleichzeitig gewann die Neuauflage des Apple-Betriebssystems Mac OS, ab da mit dem Zusatz "X" versehen, mehr Anhänger und machte zusammen mit Linux dem Platzhirschen Microsoft das Leben schwer. Viele Jahre lang änderte sich an diesem Betriebssystem-Dreierlei nichts.
Konsequente Strategie
Und jetzt das. Demnächst soll nun also das neue und kostenlose Betriebssystem "Chrome OS" auf den Markt kommen – nähere Informationen wird Google am Donnerstag herausgeben. Das wäre ja an sich noch nicht sonderlich aufregend, wenn es sich bei den Machern des neuen Systems nicht um die Firma handeln würde, die in letzter Zeit immer 'mal wieder ins Gerede gekommen ist: Google. Unerwartet oder gar überraschend kommt der Schritt des Datensammlers indes nicht. Im Gegenteil: Es ist nur konsequent, was Google da macht.
Anwendungen im Internet
Nach Suchmaschine, E-Mail-Dienst, Online-Speicherplatz, Browser und Handy-Betriebssystem - um nur einige Google-Anwendungen zu nennen – wird es somit also bald auch ein Google-Betriebssystem für PCs geben. Vor allem für die kleinen Netbooks à la EeePC ist das schlanke System gedacht, und damit ist es natürlich besonders geeignet und auch genau dafür gemacht, mit ihm auf die zahlreichen Google-Dienste im Internet zuzugreifen, die ständig mehr werden. Da werden dann also alle Programme, die man so braucht, auf Google-Servern laufen. Und die Daten, die man mit diesen Programmen erzeugt, werden auch bei Google gespeichert sein. Wie praktisch – vor allem für Google. Wer also ein Handy mit dem Google-Betriebssystem "Android" nutzt und dann noch auf seinem Netbook Chrome OS installiert hat, der begibt sich damit restlos in die Hände einer einzigen Firma.
Die Google-Falle
Chrome OS wird – wie es der Name schon andeutet – auf dem Google-Browser "Chrome" basieren. Die Benutzeroberfläche wird simpel sein und nur das Nötigste bieten. Der Rest findet direkt im Internet statt – in den gigantischen Server-Farmen von Google, irgendwo auf der Welt. Welche Risiken damit verbunden sein können, das kann man zum Beispiel in dem schon im letzten Jahr erschienenen Buch "Die Google Falle" nachlesen. Der Autor Gerald Reischl recherchierte neun Monate und trug dabei jede Menge Information über Google und darüber, wie das Unternehmen tickt und agiert, zusammen. Er kommt zu dem Schluß: "Google ist zu einem Informationsbroker geworden, der jede Sparte bedienen und in allen Branchen kräftig abkassieren kann."
Im Klartext: Google benutzt alles, was es an Datenmaterial über einen Nutzer bekommen kann, um damit Geld zu verdienen. Und ein Computer, dessen Betriebssystem auch noch von Google stammt, macht es praktisch unmöglich, das zu verhindern. Als Nutzer von Linux, Mac OS X oder Windows ist man vergleichsweise frei, über den Browser oder den genutzten E-Mail-Dienst zu entscheiden. Denn trotz Internet-Anbindung passiert das meiste immer noch auf dem Computer selbst. Bei Chrome OS wird das völlig anders sein. Ein Computer mit Chrome OS wird ein vergleichsweise dummer Rechner sein, der nur noch das anzeigt, was tatsächlich eigentlich im Internet stattfindet. Trotzdem: Ich bin sehr gespannt auf Chrome OS. Und darauf, wie viele Menschen sich tatsächlich in die Hände des Datensammlers begeben.
Über den Autor:
Michael Stein (Konfirmation 1976) arbeitet seit 1986 als Wissenschaftsjournalist mit Schwerpunkt Technik für Radio, Fernsehen, Print- und Online-Medien. Parallel zum Beruf studiert er seit 2004 in Wuppertal und Bochum Evangelische Theologie, um irgendwann einmal Journalist und Pfarrer zu sein. Für evangelisch.de schreibt er in seiner Kolumne "Maschinenraum" jede Woche über Technik, was wir mit ihr machen - und was sie mit uns macht.

Kommentare
RE: Aus dem Maschinenraum (9): Google Chrome OS
Die Google-Idee ist nicht neu. Vor Jahrzehnten liefen in Unternehmen Terminals, die mit einem Hauptrechner verbunden waren. Das hat für standardisierte Anwendungen sicher einen großen Vorteil. Für einen Nutzer, der verschiedene Programme ausführen möchte und dabei noch vielfältige Dienste nutzen will, ist ein solcher Betrieb eine Zumutung. Man denke nur daran, wie ungleich die Datenfernübertragung bei uns auf dem Lande organisiert ist. Auch bei Nutzung von UMTS ist selbst das alte 56k-Modem oft schneller, weil die Datenübertragungsrate je nach Verkehrslage mal höher, aber auch mal sehr niedrig ist. Wenn der Nutzer dann für einen Brief mit zusätzlichem Foto ewig warten muss, bis der letzte Tippfehler korrigiert ist, hat er den Terminal längst in die Ecke geschmissen.
Bejubelt werden die für Schulen sehr stark beworbenen "Thin Clients" nur von Kollegen, die gleichzeitig mit dem Starten von "Word" die F1-Taste drücken. Na klar, diese "Thin Clients", hinter deren englischer Fassade nur ein Datenein- und ausgabegerät verborgen ist, gestatten ja auch kein eigenwilliges Surfen im Internet, kein Zugriff auf unerwünschte Spiele, sondern nur auf die Standardanwendungen, wozu kein besonderes Wissen notwendig ist. Aus didaktischer Sicht ist das unbrauchbar. Denn für die Schüler ist es wichtig auf sehr viele Informationen zu zugreifen. Informatik-Unterricht kann dann auch unterbleiben, weil solche speziellen Anwendungen, wie Compiler und Editoren, nicht von der breiten Masse gefragt sind. Außerdem birgt das Arbeiten auf der Betriebssystemebene auch ein hohes Risiko für den Betreiber des Netzwerkes.
Zu guter letzt die Datensicherheit. Wahrscheinlich werden die Server für Google-chrome OS auch gleich in der neuen Bundesschnüffelbehörde, welche BKA, Verfassungschutz und BND verzahnen soll, installiert. Das erspart die lästige Debatte über Bundestrojaner. Es kann sich doch nur um sehr schlichte Gemüter handeln, die ihre privaten Daten, die sie zuhause in einer Kassette verschließen und vor Außenstehenden verbergen, plötzlich einem nicht greifbaren Datenverarbeitungsunternehmen mit Sitz in den USA anvertrauen. Ich bin gespannt, ob dieses Mal die Etablierung eines solchen Systems gelingt. Zuvor waren diese Versuche stets erfolglos im Sande verlaufen.
RE: Aus dem Maschinenraum (9): Google Chrome OS
"Wer also ein Handy mit dem Google-Betriebssystem "Android" nutzt und dann noch auf seinem Netbook Chrome OS installiert hat, der begibt sich damit restlos in die Hände einer einzigen Firma."
Das ist der entscheidende Satz - und Kritikpunkt an Google Chrome OS bzw. Google selbst. Das Unternehmen aus Mountain View weiß jetzt schon so viel - und spätestens dann noch viel mehr. Mich wundert es immer wieder, wieso die Leute begeistert Google-Dienste nutzen und leichtsinnig jegliche Warnungen als Verschwörungstheorie abtun.
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RE: Aus dem Maschinenraum (9): Google Chrome OS
Eine sehr unchristlicher Beitrag. Wie heisst es doch nochmal in den zehn Geboten? Du sollst nicht lügen? Man muss die Google-Dienste ja nicht nutzen. Chrome OS ist die Kombination von Internet-Browser mit einem Linux-Kernel.
Google Chrome OS
Man muss wirklich anmerken dass Google Chrome OS auf dem Linuxkernel basiert, doch es gibt kaum Linux User die das gut finden.
Ich finde es immer gut Alternativen zu Micro$oft zu nutzen(ich Ubuntu) doch Google ist eindeutig zu groß. Man muss Googleeigene Dienste nutzen! Und die Bibel sagt auch, man sollte auf seine Umgebung achten...
RE: Google Chrome OS
> Man muss Googleeigene Dienste nutzen!
Aber nein! "Musst" du etwa Google-Dienste nutzen wenn du mit deinem Ubuntu-PC im Netz unterwegs ist? Zwingt dich irgendwer dazu dies zu tun (ausser deinen eigenen Gewohnheiten sprich "im Internet etwas googeln"?)
Ich habe übrigens gerade den Webcast aus Kalifornien gesehen wo Google-Ingenieure und am Ende sogar Sergey Brin das Chrome OS life präsentiert haben. War richtig langweilig und eher unspektakulär... und das im positivsten Sinne. Ein Betriebssystem sollte "langweilig" sein. Oder uninteressant. Der Benutzer sollte es möglichst überhaupt nicht wahrnehmen. Und genau dies ist das Ziel von Chrome OS.
Und nochmals (diesmal fett gedruckt damit es auch wirklich jeder versteht)
NIEMAND ZWINGT EUCH GOOGLE-DIENSTE ZU BENUTZEN!
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