ARD-Intendanten reden über Gottschalk und das Internet

Thomas Gottschalk

Die ARD-Intendanten stellen sich trotz des Schwächen Starts der neuen Sendung von "Gottschalk Live" hinter Thomas Gottschalk. Außerdem wollen sie eine schnelle Lösung im Streit mit den Zeitungsverlegern. Foto: dpa/Soeren Stache

Öffentlich-Rechtliche - Ob das Quotentief von ARD-Neuerwerbung Thomas Gottschalk oder der Streit mit Verlegern um die öffentlich-rechtlichen Internetangebote: Die ARD-Intendanten hatten bei ihrem jüngsten Treffen brennende Themen auf der Tagesordnung.

Vorabendtalker Thomas Gottschalk bekommt trotz seiner bisher nur mäßigen Quoten weiter Rückendeckung von der ARD. "Wenn man was Neues ausprobieren will, muss man einen langen Atem haben, und den haben wir", sagte die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel am Dienstag nach dem Treffen der ARD-Intendanten in Erfurt. Piel zeigte sich zugleich verwundert über die öffentliche Diskussion um die Quote der Show «Gottschalk Live», die seit zwei Wochen auf Sendung ist. "Eine Quotendiskussion gibt es nicht bei der ARD", stellte sie klar.

Es gebe eine inhaltliche Debatte. Und Gottschalk sei in den letzten Sendungen sehr nah an der Form gewesen, die man sich vorgestellt habe, sagte die ARD-Vorsitzende. Wenn 144 Sendungen vereinbart seien, sei es zudem ziemlich "absurd", nach den ersten Sendungen über deren Absetzung zu reden. Gelassen gab sich auch der Programmdirektor des "Ersten", Volker Herres. Es sei immer ein Wagnis, etwas Neues auszuprobieren. "Dass man daran arbeiten muss, ist ganz normal."

Nach einem starken Beginn mit mehr als 4,3 Millionen Zuschauern am 23. Januar ging der Marktanteil für die ARD-Vorabendshow von Entertainer Thomas Gottschalk rapide in den Keller. Ende vergangener Woche schalteten nur noch 1,4 Millionen Zuschauer ein. Am Montagabend verfolgten dann 1,89 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 6,6 Prozent) seine Vorabendplauderei.

Klarheit über die Zukunft im Hause Degeto

Klarheit herrscht inzwischen bei einer anderen Personalie: Die ARD-Filmtochter Degeto und ihr suspendierter Geschäftsführer Hans-Wolfgang Jurgan (61) trennen sich einvernehmlich. Jurgan war im November 2011 wegen "gravierender organisatorischer Mängel" abberufen worden, wie die Degeto damals mitgeteilt hatte. Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe allerdings keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Handlungen ergeben. Der Degeto sei kein finanzieller Schaden entstanden, sagte Piel. Die kaufmännischen Mängel seien zum Großteil schon behoben worden.

Die Degeto, die Produktionen von ARD-Filmen und -Serien in Auftrag gibt und Lizenzprogramme einkauft, hatte unter Jurgans Führung für die Jahre 2010 bis 2012 mehr Film- und Serienmaterial bestellt, als der Etat es zuließ. Deswegen mussten die Neuproduktion und der Ankauf nun stark reduziert werden.

Mit dem Stabwechsel bei der Vertretung der "Tagesthemen"-Moderatoren kündigte die ARD weiterhin ein neues Gesicht an: "Nachtmagazin"-Moderator Ingo Zamperoni wird künftig bei den "Tagesthemen" einspringen, wenn Caren Miosga und Tom Buhrow gleichzeitig verhindert sind. Er übernimmt diese Aufgabe von Susanne Holst, die aus familiären Gründen darum gebeten habe, von ihren Zusatzaufgaben bei den Tagesthemen entbunden zu werden.

ARD will zeitnahe Lösung im Streit mit Verlegern

Die ARD-Intendanten berieten auf ihrer Tagung in Erfurt außerdem über einen Kompromiss im Streit mit den Verlegern um die Internet-Angebote von ARD und ZDF. Piel sieht die Verhandlungen auf einem guten Weg, jedoch noch Klärungsbedarf bei Details. "Wir sind daran interessiert, dass wir zeitnah diesen Konflikt bereinigen." Nach unbestätigten Berichten solle die Berichterstattung in Textform bei ARD und ZDF im Internet künftig eher die Ausnahme sein. Verleger sollten dafür soweit wie möglich auf Video- und Audioberichterstattung verzichten. Zu Kritik von Online-Verantwortlichen aus dem eigenen Haus, denen die Zugeständnisse zu weit gehen, sagte Piel, das sei eine medienpolitische Entscheidung, die im Kompetenzbereich der Intendanten liege.

Einigung gibt es hingegen schon bei den Spendenaufrufen im "Ersten": Die Zuschauer können künftig im Katastrophenfall ihre Spenden auf eine einzige, im Programm eingeblendete Kontonummer überweisen. Die bisher konkurrierenden Spendenbündnisse "Bündis Entwicklung hilft" und "Aktion Deutschland hilft" hätten sich jetzt auf eine gemeinsame Spendennummer verständigt.

dpa

Kommentare

Verfasst von Maxl am 9. Februar 2012 - 11:17.

Wirklich absurd

Unsere öffentlich rechtlichen Programme sind wirklich absurd und widersinnig....

Unsere öffentlich rechtlichen Programme sind wirklich absurd und widersinnig. Es spricht nichts gegen öffentlich rechtliche Programme, aber deren Ausgestaltung ist eine Schande. Es kann nicht der Auftrag der öffentlich rechtlichen Sender sein mit Stars auf Quotenjagd zu gehen. Klar macht es kein Sinn ein Programm zu machen das sich niemand ansieht, aber was hier läuft ist ein Schlag ins Gesicht aller Steuerzahler (Rundfunkgebührzahler)
ARD und ZDF brauchen keine großen unbezahlbaren Stars um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Statt dessen würde es Sinn machen jungen Moderatoren, Künstlern etc. eine Chance zu geben.
Der Internetauftritt ist auch eine Schande. Alle von den Gebührenzahlern bezahlten Sendungen sollten ohne zeitliche Begrenzung allen Bürgern zugänglich sein. Wir haben dafür bezahlt, es kann nicht sein, dass uns dies aus irgendwelchen vorgeschobenen Gründen wieder weggenommen wird und wir die Dinge dann später wieder auf irgendwelchen Bezahlportals kaufen können. Schluss mit dem Irrsinn. Dinge die die Bürger bezahlt haben sollten eine freie Lizenz erhalten und allen Bürgern zur freien Nutzung zur Verfügung stehen.

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