"Bayreuth der Comedy": Der Quatsch Comedy Club wird 20

Thomas Hermanns

Thomas Herrmanns, Gründer, Initiator und Moderatordes "Quatsch Comedy Club". Foto: PR

Erfolgsstory - Von Dittsche bis Cindy aus Marzahn: Mit Hilfe des Quatsch Comedy Clubs wurden aus vielen Komikern Stars. Nach einem Erfolg sah es vor 20 Jahren nicht aus. Dabei schien es nach der Premiere keine Fortsetzung mehr zu geben. Doch es kam anders. Nun feiert der "Quatsch Comedy Club" Jubiläum.

Von Caroline Bock

Er ist heute das "Bayreuth der Comedy": Vor 20 Jahren feierte der "Quatsch Comedy Club" seine Premiere im Souterrain des Hamburger Schauspielhauses. Die Show war ein Flop. "Nach dem ersten Abend bin ich der Meinung, dass er nicht mehr wiederholt werden sollte", schrieb der Theaterintendant damals an Moderator Thomas Hermanns. Es kam anders. Vor allem Hermanns Bühne ist es zu verdanken, dass das amerikanische Stand-up-Format populär wurde. Comedians gehören heute zum Fernsehinventar wie ihre ernsteren Verwandten, die Kabarettisten.

Der "Quatsch Comedy Club" läuft seit 16 Jahren auf ProSieben, in die Live-Shows in Berlin, Hamburg und Düsseldorf kommen jedes Jahr 130.000 Zuschauer. Der Geburtstag wird am 1. Februar mit einer Gala und den "20 besten Comedians aus 20 Jahren" gefeiert, darunter Michael Mittermeier, Cindy aus Marzahn, Dieter Nuhr, Oliver Pocher, Ingo Appelt, Atze Schröder und Rainald Grebe. Drei bis vier Stunden Stars und Überraschungen, "unser Ben Hur", verspricht Hermanns. Und: "Ich trage noch mal alle meine alten Kostüme auf."

Der "Quatsch Comedy Club" hat seine Wurzeln in Hamburg, wo er in den 90ern mit dem Revival der Reeperbahn die Szene anlockte. Seit 2002 hat er seine Zentrale im Berliner Friedrichstadt-Palast. Viele deutsche Comedians haben mal unter Hermanns Fittichen an ihren Gags gearbeitet.

"Dittsche" hatte dort seine Geburtsstunde

"Es gibt wirklich diese magischen Momente", erinnert sich der Gründer. Der erste war gleich in der zweiten Show im Februar 1992 mit Olli Dittrich, als seine Figur "Dittsche" geboren wurde. "Das war so gut, dass klar war, aus dem Mann wird irgendwas." Ähnlich war es bei Michael Mittermeier oder Rainald Grebe, die schon in den 90ern im Club spielten. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis die Massen auf den Geschmack kommen - so wie bei René Marik und seiner Maulwurf-Puppe oder Bülent Ceylan, der 2011 eine eigene Show bei RTL bekam.

Wer erfolgreich sein wolle, brauche Technik, einen Wiedererkennungswert und eine Vision, erklärt Hermanns. "Er muss einen eigenen Kosmos mitbringen." Beispiele sind für ihn Johann König oder Olaf Schubert. Die Comedyszene gilt als familiärer als etwa bei den Schauspielern. "Wir alle haben Rohrkrepierer erlebt", sagt Hermanns. Alle kennen demnach schlimme Momente, fünf Minuten, in denen niemand lacht. Das verbindet.

Witze über Westerwelle und Merkel ziehen zwar noch, sagt Hermanns. Aber das sei relativ mau. Nun stehen Rezession und Eurokrise als Themen an - das Eingemachte. "Ich glaube, es wird jetzt spannend." Comedians werden sich demnach entscheiden, dies aufzugreifen oder lieber leichte Themen anzugehen: etwa den Dauerbrenner Männer und Frauen, die sich nicht verstehen. Das funktioniert immer noch.

Manchmal fehlt der Szene Bescheidenheit

"Ich kann den Schauplatz zwischen Männern und Frauen natürlich auch schlecht beurteilen, deshalb wundere ich mich da manchmal, dass dieses Thema immer noch grassiert", sagt Hermanns, der mit einem Mann verheiratet ist. Ein Soloprogramm wollte der 48-Jährige selbst nie machen. Er ist gerne der Gastgeber: "Ich baue gerne Rampen."

Die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff hat der Comedyfachmann noch nicht als Bühnenthema ausgemacht. "Es ist kein Skandal und insofern wird es auch noch nicht bedient." Es sei eher eine "Medienrauscherei" als ein wirkliches Problem. Manchmal müsse man etwas vorbeigehen lassen, um es besser beurteilen zu können, findet Hermanns. Out sind Frauen, die sich als Putzfrauen oder als Omi verkleiden. "Comediennes" kommen heute wie ihre männlichen Kollegen im T-Shirt auf die Bühne.

Manchmal fehle der im Fernsehen stark vertretenen Szene ein bisschen die Bescheidenheit, findet Hermanns. Dem Beruf tue es gut, den Ball flachzuhalten. "Wir haben wirklich großes Glück gehabt, dass es in Deutschland ein solcher Erfolg geworden ist", sagt der Club-Erfinder. "Man darf jetzt nicht das Blatt überreizen und so tun, als ob wir alle Popstars sind. Das sind wir eben nicht."

dpa

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