ZDF - Am Donnerstagabend ging es bei Maybrit Illner mal wieder um Islam und Integration. Es wurde eine wohltuend sachliche Debatte zu einem schwierigen Thema. Ruhender Pol der ZDF-Talkshow war der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber.
Dienstag Maischberger, Mittwoch Plasberg, Donnerstag Illner: Die öffentlich-rechtliche Talkshowralley kaprizierte sich in dieser Woche, wie kaum anders zu erwarten war, geschlossen auf das derzeitige Megathema in Deutschland: auf den Islam und die Frage, ob sich muslimische Gläubige nun leichter oder schwerer integrieren lassen als andere. Das ist ein emotionales Thema, deshalb wundert es wenig, dass einschlägige TV-Talkshows gerne etwas heißlaufen.
Da werfen sich die Diskutanten dann vor laufender Kamera gegenseitig wahlweise Ignoranz, Dummheit oder Unverständnis vor; beliebt sind neuerdings Totschlagfragen wie "Haben Sie denn das Buch von Sarrazin gelesen?" oder "Waren Sie überhaupt schon einmal in Neukölln? Gemessen daran verlief Maybrit Illners ZDF-Sendung auf einem ansprechenden Niveau. Die fünf teilnehmenden Herren samt Gastgeberin brachten es fertig, den Reiznamen Thilo Sarrazin, der ihnen das Thema letztlich eingebrockt hatte, kaum in den Mund zu nehmen.
"Gehört der Islam zu Deutschland?"
"Gehört der Islam wirklich zu Deutschland?" lautete der Titel der Sendung, naturgemäß eine provokante Frage in Anlehnung an die nicht ganz glücklich gewählte Formulierung des Bundespräsidenten am Einheitstag. Als Einheitsbeauftragter der einstündigen ZDF-Runde empfahl sich sogleich Grünenchef Cem Özdemir mit dem Statement: "Manche Debatten wiederholen sich, und es tut sich in der Sache nichts. Damit hat auch manche Enttäuschung über Politik zu tun."
Aber so ganz friedlich wollte es Özdemir dann auch wieder nicht und fuhr prompt eine Breitseite gegen Bayerns Landesvater Horst Seehofer, der sich jüngst als Zuwanderungsexperte verdient gemacht hatte. Das wiederum konnte Seehofers Spezl Markus Söder (CSU) nicht auf sich sitzen lassen und hub zur Verteidigungsrede für seinen Parteichef an, sagte dann aber etwas über die Zuwanderung von Fachkräften aus Osteuropa im nächsten Jahr. Alles ganz brav und sachlich.
Über die positiven Beispiele reden
Staatstragend gab sich anfangs auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, den offenkundig ein ungutes Gefühl über die Debatte der vergangenen Wochen beschlichen hat: "Wir müssen aufpassen, dass wir unser Land nicht kaputtmachen." Allenfalls zehn bis 15 Prozent der Migranten, so der Islam-Funktionär später, seien nicht integrationswillig. "Lasst uns doch über die positiven Beispiele reden!" Für den leicht aufbrausenden Mazyek ist das Votum der Muslime zum Rechtsstaat kein Lippenbekenntnis, sondern Überzeugung.
Aber wie religiös sind die Muslime, wenn es schon die Christen nicht mehr sind? Der Religionskritiker Michael Schmidt-Salomon behauptete keck, weniger als die Hälfte der Deutschen seien religiös – und Wulff habe vergessen, in seiner Rede auch die vielen "konfessionsfreien" Menschen zu erwähnen. "Sie tauchen nirgends auf." Das wiederum rief endlich Wolfgang Huber auf den Plan, den ehemaligen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ruhenden Pol des Illnerschen Fernsehabends.
Huber verteidigt Bundespräsidenten
Huber verteidigte zunächst den Bundespräsidenten, der eine Klischeebildung vermieden habe, die komplexe Identität von Menschen auf die Religionszugehörigkeit zu reduzieren. Das schüre den Konflikt, sei falsch. "Wir sollten heute eine Verabredung treffen, dass wir aufhören, alle über einen Kamm zu scheren." Der Kern, so der Berliner Altbischof, sei die demografische Frage. "Stattdessen führen wir eine Zuwanderungsdebatte mit pauschalen Urteilen über ganze Bevölkerungsgruppen."
Dem hielt der stramme Söder entgegen, wer hierher komme, müsse sich den Sitten und Gebräuchen des Landes anpassen und nicht umgekehrt. Worauf sich ein kleines Scharmützel zwischen Söder und Özdemir entspann, ebenso wie später zwischen Huber ("Verharmlosung ist genauso schlecht wie Pauschalurteile") und Mazyek, als es um den Zusammenhang von Migrationshintergrund und Gewalt geht. Mazyek sagt stur, türkische oder arabische Gewalttäter seien für ihn nichts als "pseudomuslimische Gangster".
Nicht alles hat mit der Religion zu tun
So ging das in einem großen Bogen weiter, vom fragwürdigen Burkaverbot bis zur Rolle des Religionsunterrichts. Einig waren sich die Herren, dass sich nicht jedes Problem, das durch Muslime in Deutschland entsteht, automatisch mit der Religion zu tun hat. Illner tat gut daran, Themen wie die jetzt viel diskutierte "Deutschenfeindlichkeit" mit in das Kurzgespräch mit dem Berliner Streetworker Fadi Saad zu nehmen – der fragte sich, was bei Beleidigungen der Unterschied zwischen "Kameltreiber" und "Kartoffel" sein soll.
Ob der Islam nun zu Deutschland gehört oder nicht, konnte auch im ZDF nicht geklärt werden. Dafür kam eine über weite Strecken brauchbare Debatte zustande, sieht man einmal von Schmidt-Salomon ab, der den Kirchen vorwarf, "unmündigen Säuglingen Wasser über den Kopf zu schütten". Wohltuend selten fielen Talkshow-Standardsätze wie "Darf ich das zu Ende führen" oder "Lassen Sie mich doch ausreden". Nur ein einziges Mal sagte jemand: "Jetzt sind Sie mal kurz still!" Das Lob des Abends gebührte Frau Illner – aus dem Munde von Grünenchef Özdemir: "Danke sehr, Frau Moderatorin."
Bernd Buchner ist Redakteur bei evangelisch.de und zuständig für die Ressorts Politik und Religion.

Kommentare
Ich bin kein Anhänger des
Ich bin kein Anhänger des Islam, sondern gläubiger Christ.
Und gerade deswegen kann ich es verstehen, wenn manche Muslime auf uns Deutsche herabsehen. Ein sehr großer Anteil von uns l e b t nicht christlich. Alkoholmißbrauch bis zum "Koma-Saufen", schlechtes, lautes Benehmen Angetrunkener auf den Straßen und in der Bahn, Pornografie als Freizeit-Unterhaltung von Männern, Frauen und Kindern, "Sex" als Massensport mit der üblen Folge millionenfacher Tötung Ungeborener - dies alles und noch einiges mehr gehört zu den Gründen, weshalb wir von gläubigen Muslimen als Ungläubige und als "gottlos" verachtet werden - mir scheint, nicht ganz zu Unrecht. Die in letzter Zeit mehrfach verwendete Vokabel "Deutsche Leitkultur" ist Unsinn. Es gibt sie nicht. Es existiert nur ein Durcheinander an Ideen und Verhaltensweisen. Der in der Bibel enthaltene göttliche Verhaltenskodex ist weitgehend unbekannt, oder er wird als "altmodisch" oder "unrealistisch" verspottet, wenn nicht sogar bekämpft.
Wir müssen, wenn wir von anderen verlangen, daß sie sich uns anpassen sollen, erst einmal genau hinsehen, was bei uns schlecht ist, und versuchen, es zu mildern bzw. abzustellen. Ich las dieser Tage, daß ein führender Bundespolitiker seinen Freund "geheiratet" hat. Das gibt es bei den Muslimen nicht und gab es früher auch nicht bei uns.
Nach ein paar Sätzen wird
Nach ein paar Sätzen wird deutlich, wohin die Sache läuft - nämlich nicht in die halbwegs objektive Beschreibung einer Sendung, sondern in eine wohlfeile, emotionale Positionierung. So manche Formulierungen erweisen sich da als sehr verräterisch: warum sollte man "Haben Sie denn das Buch von Sarrazin gelesen?" oder "Waren Sie überhaupt schon einmal in Neukölln?" als Totschlagsfragen bezeichnen? Es sind lediglich sachliche Nachfragen und legen den Finger meistens genau in den wunden Punkt - denn die meisten, die in diesen Tagen herumlamentieren, müssten Nein antworten. Sie auch? Schließlich schicken linksgrüne Zuwanderungsbegeisterte ihre eigenen Kinder ja meistens auch nicht in Kreuzberg oder Neukölln in die Schule.
Verräterisch auch so manch andere Formulierung - "staatstragend" sei Aiman Mazyek? Mit einem "überzeugenden Bekenntnis zum Rechtsstaat"? Dafür nennen Sie Herrn Söder "stramm" - und hoffen, dass sich entsprechende Bilder beim Leser einstellen? Und eine lobende Erwähnung Cem Özdemirs am Anfang und am Ende, als Alpha und Omega, nur damit er sich ja einprägt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - oder doch nicht? Vielleicht wäre es ehrlicher, mit offenen Karten seine Position zu äußeren, als eine sogenannte Fernsehkritik zu schreiben ...
Fruchtlose Islamdebatte !
Die offensichtliche Beschränkung der Debatte auf den Islam verdrängt den Blick auf die wirklichen Gefahren des militanten Islamismus und des türkischen bzw.arabischen Nationalismus für Deutschland. Statt einer fruchtlosen Debatte über die Integrierbarkeit des Islam - die sich letztlich immer relativierend um die Religionsfreiheit dreht - wäre eine Untersuchung der Loyalität der hiesigen Muslime zu Deutschland und seiner demokratisch-freiheitlichen Grundordnung viel angebrachter.
Auf Intoleranz nicht mit falsch vestandener Toleranz reagieren
In den letzten Wochen hat es eine Menge Diskussionsbeiträge zu den Themen Islam und Deutschland, Muslime und Deutsche, Integration etc. gegeben.
Eins hat mich immer gestört und stört mich noch immer: Wenn man etwas am Verhalten von Menschen mit Migrationshintergrund kritisiert, dann wird man automatisch als fremdenfeindlich, rassistisch oder rechtsradikal gebranntmarkt.
Ich erlebe in meinem Umfeld als Lehrer viele gute Beispiele von Integrationswilligkeit und Bildungsbereitschaft, aber ich erlebe auch junge Migranten, die sich nicht integrieren wollen, die ihre Abgrenzung vor einem wachsenden Publikum von Mitschülern geradezu zelebrieren, die bewusst Regeln brechen und sich hinter dem Schild einer Ausländerfeindlichkeit verstecken.
Und ja, es gibt auch Muslime, die sich für überlegen halten, die auf uns und unsere Gesellschaftsordnung herabsehen und dies mit dem Koran begründen. Denn das fehlt mir in dieser ganzen Diskussion. Schauen wir doch einmal in den Koran. Ich habe mir einen Koran besorgt und darin gelesen. Zugegeben, ich habe ihn nicht komplett gelesen und ich habe ihn auf deutsch gelesen, aber ich möchte zwei Verse daraus zitieren:
Sure 5, Verse 72 und 73:
"Wahrlich, ungläubig sind, welche sprechen: "Siehe, Allah, das ist der Messias, der Sohn der Maria". Und es sprach doch der Messias: "O ihr Kinder Israel, dienet Allah meinem Herrn und euerm Herrn." Siehe, wer Allah Götter an die Seite stellt, dem hat Allah das Paradies verwehrt, und seine Behausung ist das Feuer; und die Ungerechten finden keine Helfer.
Wahrlich, ungläubig sind, die da sprechen: "Siehe, Allah ist ein dritter von drei." Aber es gibt keinen Gott denn einen einzigen Gott. Und so sie nicht ablassen von ihren Worten, wahrlich, so wird den Ungläubigen unter ihnen schmerzliche Strafe."
Für diese Verse brauche ich keinen Kommentar und niemanden, der sie mir interpretiert. Ich bin ein Ungläubiger, weil ich an einen dreieinigen Gott glaube und auf mich wartet das Feuer und schmerzliche Strafe.
Weil sie sich als wahre Gläubige überlegen fühlen und sie auch noch in vielen Moscheen in dieser Haltung bestätigt werden, grenzen sich Muslime ab und deshalb gibt es z. B. Übergriffe auf deutsche Schüler auch Schulhöfen.
Zu diesem Thema ist heute ein interessanter Artikel in der FAZ: (Kurzlink: http://j.mp/dw24Tl) . Aus diesem möchte ich folgende Abschnitte zitieren:
"Wer jetzt schon wieder, wie etwa Berlins Bürgermeister Wowereit, von Übertreibung spricht oder Lehrern aufgibt, gegen diesen Hass und die Frauenverachtung doch endlich anzugehen, sollte erst einmal dieses aufklärende Buch lesen. Und mit betroffenen Lehrern reden. Oder sich eine Freitagspredigt anhören, in der die verschiedenen Arten von Menschen, streng am Koran entlang, vor Hunderten Frommen erläutert werden: Die Guten, die auch ins Paradies kommen, sind die gottesfürchtigen Väter, die darauf achten, dass ihre Töchter nicht vom schlechten Geist der Ungläubigen infiziert werden; die Schlechten, die in „Erniedrigung und Unwürdigkeit“ leben –, das sind die „Schauspieler, Tänzer, Sänger“ – wird Gottes Strafe treffen, genauso wie die „Westlichen“, die kein Glück im Sinne des Islam spüren können. Das sind die seelischen Aufrüstungen, die Familien sich holen, deren Kinder dann in den Schulen die „Huren“ und „Schlampen“, die „Christen“ und „Schweinefleischfresser“ jagen."
Es ist egal, ob die Pöbler und Schläger in schwierigen sozialen Verhältnissen aufwachsen. Das müssen andere auch, und nicht selten teilen die „ungläubigen“, also nichtmuslimischen Schüler, die sich in der Pause nicht mehr auf den Schulhof trauen, mit ihren Peinigern die Erfahrung sozialer Not. Es wird auch nichts helfen, wenn noch mehr Geld für staatliche Wohltaten ausgegeben wird. Denn die Verachtung, die viele muslimische Einwanderer der Gesellschaft entgegenbringen, die sie aufgenommen hat, ist das eigentliche Problem.
Und es ist in der Migrationsgeschichte einmalig. Mit Appellen an die Unwilligen, sich doch bitte zu integrieren, ihre Töchter doch bitte lernen zu lassen und nicht an den unbekannten Cousin aus dem Heimatdorf der Großeltern zu verheiraten und die Lehrerin auch als Frau zu achten, ist es nicht getan.
Intoleranz darf man nicht mit wohlmeinender Toleranz belohnen, sie ist zu ächten, wie der Rassismus, der jetzt niedlich zur „sogenannten Deutschenfeindlichkeit“ herabgestuft werden soll. Beginnen könnten wir diese Auseinandersetzung mit dem Grundgesetz, das ja vor kurzem vom SPD-Vorsitzenden Gabriel zur neuen Leitkultur erhoben wurde. Und beginnen sollten wir dieses Mal nicht wie sonst, wenn es um islamische Probleme geht, mit der Religionsfreiheit, sondern mit den Artikeln 1 bis 3, mit der Unantastbarkeit der Würde des Menschen, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und dem Verbot, andere wegen ihres Glaubens, ihrer Weltanschauung, ihrer Sprache und Heimat zu verachten.
Diese Zitate sprechen mir aus dem Herzen.
Habe ich da eine andere
Habe ich da eine andere Sendung gesehen als Ihr Autor?
http://www.welt.de/fernsehen/article10308141/Jeder-gegen-Jeden-bei-Illne...
>>Allenfalls zehn bis 15
>>Allenfalls zehn bis 15 Prozent der Migranten, so der Islam-Funktionär später, seien nicht integrationswillig. "Lasst uns doch über die positiven Beispiele reden!"<<
Diesen Standardsatz habe ich die letzte Woche 2-3 mal gehört.
Als wenn im Radio durchsagen über 99,9% der Autos auf der richtigen Fahrspur kommen sollten und nicht über die Geisterfahrer.
“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer
Über allen Wipfeln ist Ruh
Aha...fand die Redaktion die Sendung insgesamt als wohltuend?
Fand nicht der Religions"wissenschaftler" Hubers Wohlwollen?
Die Sendung war vertane Lebenszreit!
Widerspricht dies.... Es
Widerspricht dies....
...nicht dem....
?
“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer
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