Hart aber fair: Wieviel Demut muss sein?

Nikolaus Schneider bei Hart aber fair

"Der Fall des Superstars - wer glaubt noch den Politikern?" war der Titel von "Hart aber fair" mit Präses Nikolaus Schneider, auf dem Bild neben "Bild"-Hauptstadtbüroleiter Nikolaus Blome. Foto: WDR/Oliver Ziebe

Talkshow - Muss Guttenberg zurücktreten? Dem Guttenberg-Hype mit negativen Vorzeichen konnten sich auch die Talkshows nicht entziehen. Und so gibt es in diesen Tagen nur ein Thema: Nach Anne Will, Sandra Maischberger, Markus Lanz und demnächst auch Maybritt Illner stellte diese Frage auch Frank Plasberg am Donnerstagabend in "Hart aber fair".

Von Carla Kunzmann

Auf dem Höhepunkt der politisch erregten Debatte, bei der Noch-Doktor zu Guttenberg in der Demutsgeste noch "Arroganz" durchblicken ließ, wie sich der grüne Fraktionschef Jürgen Trittin am Nachmittag im Bundestag noch empört hatte, diskutierte am Abend dann die Runde bereits über Guttenberg ohne Doktortitel. Den hatte die Universität Bayreuth da gerade aberkannt.

Meinungskampf der Medien

Politisch duellierten sich auf der Plasberg'schen Schulbank CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann – die Fortsetzung der Bundestagsdebatte im Talkshow-Format. Klug gewählt war von der Redaktion der Ansatz, die Affäre um Copy and Paste auch medial zu analysieren. Da stritten "Bild"-Hauptstadtbüroleiter Nikolaus Blome und der Aufdecker der "Süddeutschen Zeitung", Hans Leyendecker, über den tiefen Graben zwischen der Bildzeitung, die sich pro Guttenberg positioniert hatte und die Leser via Umfragen hinter sich glaubt ("Gut! Guttenberg bleibt!") und dem Rest der Medien, die den Rücktritt des Verteidungsminister fordern.

Blome entkräftete den Vorwurf der Kampagne nicht ungeschickt und zählte auf, dass das Blatt mit den großen Buchstaben bereits zwei Affären des Superministers aufgedeckt hatte - das Kundus-Bombardement und die Vorgänge auf dem Segelschulschiff der Marine Gorch Fock – während der Doktortitel aufs Konto der SZ-Kollegen gehe. Blome brauchte auch nicht den Moderator, um festzustellen, dass es in diesem medialen Duell zwei zu eins für die Bild-Zeitung stehe.

Dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, blieb zwischen diesen Polen die Rolle des Mahners. Die Werte müsse man ernst nehmen, aber gerade auch die Kirche dürfe dabei nicht auf dem hohen Ross sitzen. Angesichts der veröffentlichten und öffentlichen Meinung erinnerte er daran, dass man hinter dem Verteidigungsminister und dem Wissenschaftler auch den Menschen sehen müsse. Klar wurde in der erneuten Auflage des Themas nur soviel: Für die Kritiker ist der Fall mit der Aberkennung der Doktorwürde noch lange nicht erledigt.

Schneider zu Guttenberg: "Prüf' dich"

Während sie mit der Vorbildfunktion argumentierten, die so ein Politiker, der im Amt bleibt, gar nicht mehr haben könnte (Leyendecker lobte in diesem Zusammenhang seine vorbildlichen Töchter, ebenfalls mit juristischen Doktorwürden ausgezeichnet), schaffte es der CSU-General, die Einsicht und Demut des Ministers seinen Doktortitel einfach ad acta zulegen, sogar noch als vorbildlich zu herauszustreichen. Da fragte man sich als Zuschauer, was die CSU in Bayern vom Verteidigungsminister denn demnächst als Wiedergutmachung für solch einen Talkshow-Auftritt verlangen wird: Vielleicht bleibt das weiß-blaue Bayern von Standortschließungen der Bundeswehr verschont?

Nach Lage der Dinge jedenfalls, wird die Guttenberg-Opposition in den Talkshows noch lange erfolglos gegen zu Guttenberg anschreien, der die Affäre offensichtlich mit Hilfe der Kanzlerin aussitzen mag. Soweit geht die Demut dann offenbar doch nicht. EKD-Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider jedenfalls wollte bei Frank Plasberg nicht über Guttenberg richten und schilderte den Umgang der EKD mit der Krise nach dem Margot Käßmanns Rücktritt vor einem Jahr. Sie hatte damals gesagt: "Mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und Achtung vor mir selbst und um meine Gradlinigkeit, die mir viel bedeutet." Guttenberg solle in sich gehen und sich selbst fragen, ob er das durchstehe. "Prüf' dich", riet Schneider dem Verteidigungsminister. Ausgang offen.


Carla Kunzmann ist freie Journalistin bei evangelisch.de.

Kommentare

Verfasst von Ingo1971 am 25. Februar 2011 - 15:06.

>>Politisch duellierten sich

>>Politisch duellierten sich auf der Plasberg'schen Schulbank CSU-...

>>Politisch duellierten sich auf der Plasberg'schen Schulbank CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt und der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann – die Fortsetzung der Bundestagsdebatte im Talkshow-Format.<< 

Wie auch bei der "Affaire" letzte Woche. Also ich liebe die zwei. Die könnten nach der Politik auch das neue Tatort-Duo werden.  

 

“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer

Verfasst von Wolfgang Hennig am 25. Februar 2011 - 10:08.

Demut/Hochmut

http://liehbe-satan.blogspot.com/ Gruß Wolfgang Hennig.
Verfasst von Wolfgang Hennig am 25. Februar 2011 - 9:51.

Demut/Hochmut

Hoher Mut ist adelig, adelnswert. Hochmut kommt vor dem Fall. Hochmü...

Hoher Mut ist adelig, adelnswert. Hochmut kommt vor dem Fall.

Hochmütigkeit, das gilt auch für die Demokratie, wird früher oder später zurück getreten, wenn sie es nicht selber auf Grund von Einsicht tut. Entweder durch den Dienstherrn oder durch das Volk oder durch

Die Konsequenz für Hochmut gilt nicht für Einzelpersonen und Politik, sondern auch für Religionen und Kirchen.

Erforderlicher hoher Mut für "eine" Tat ist eine Begabung. Fortwährende Hochmütigkeit ist die Folge von Selbstbeurteilung und strafwürdig

Die bewußte Nutzung der Quelle Begabung ist für jeden, der sie besitzt, kostenlos und gefahrlos. Die Begabungen der Erde, z.B. Oel, gehören der Menschheit. Wenn jemand anders als die Menschheit, sie fortwährend hochmütig, aus Selbstbeurteilung heraus, als sein bezahlbares Eigentum betrachtet, ist strafwürdig.

Das Versiegen von Begabungsquellen, Wasser oder Kultur...oder.., in der Geschichte,
beweisen meine Behauptung des zurück getreten werdens auf Grund von Strafwürdigkeit.

Sehr geehrter Wolfgang Hennig, wir haben ihre Kommentare vom 25. Februar 2011 - 7:39 bis 25. Februar 2011 - 8:51 in einem einzelnen Kommentar zusammengefasst. – die Redaktion

Verfasst von Wolfgang Hennig am 25. Februar 2011 - 8:33.

Hinterlist Herr Guttenberg

Wer den Weg der Klarheit geht, der stolpert nicht. Die Wahrheit einer Absicht...

Wer den Weg der Klarheit geht, der stolpert nicht. Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat. D.h. Die Absicht, die hinterlistige Tat des Betruges, zu bereuen heißt: Der Wertigkeit der Tat entsprechend, besonders bezogen auf das Amt, zu handeln. Diese Handlung kann nur Rücktritt sein. Gruß Wolfgang Hennig.

Verfasst von Wolfgang Hennig am 25. Februar 2011 - 2:42.

"Aufrichtige ENT????SCHULD-IGUNG????? Herr Guttenberg

Wer sich aufrecht hinstellt und eine auf sich geladene Schuld selber von sich...

Wer sich aufrecht hinstellt und eine auf sich geladene Schuld selber von sich nimmt ist hochmütig. Die Bitte, den hinterlistig erworbenen Dr. Titel zurückzunehmen, d.h. von der Schuld befreit zu werden, von der Institution, die er hinterlistig betrogen hat, ist der erste Weg. Aufrichtig sein ohne Motivation zur Einsicht ist eine Farce. Das heißt Demut beinhaltet den Sinn der Einsicht; weil sonst Demut keine Demut ist. Für die Wunden, die er den Menschen zugefügt hat, die ihn "lieben", ist die Bitte um Verzeihung der Einsichtbeweis. Einsicht beinhaltet dann aber auch klare Konsequenz. Konsequenz der Wertigkeit, der auf sich geladenen Schuld, in seinem Amt ist Amtsverzicht. Die Verharmlosung seiner Tat ist Suchtverhalten und zwar Selbsucht. Diejenigen, die diese Verharmlosung mitmachen sind Coabhängige der Sucht. So einfach und klar ist die Sachlage für jemand, der die 10 Gebote kennt und achtet. Gruß Wolfgang Hennig.

Verfasst von ernstwalter am 24. Februar 2011 - 18:32.

Demut

Demut. Das Wahrig Wörterbuch sagt: Demut Ergebenheit, Ergebung, Hingabe,...

Demut.
Das Wahrig Wörterbuch sagt:
Demut Ergebenheit, Ergebung, Hingabe, Opfermut, Opferbereitschaft, Nachgiebigkeit, Willfährigkeit, Gefügigkeit
+
De|mut ⟨f.; -; unz.⟩ Liebe zum Dienen, Selbsterniedrigung, tiefe Bescheidenheit, Unterwürfigkeit ● voller ~; sich in ~ üben [<ahd. diomuoti; zu *dio
Knecht“ (verwandt mit dienen) + muot (→ Mut), eigtl. „Gesinnung eines Dienenden“]
Wir wollen Herrn zu Guttenberg nicht überfordern. Er geht davon aus- ihm ist ein Fehler unterlaufen. So wurde er- Dr. zu Guttenberg .
Der Verteidigungsminister ist momentan mit seiner Verteidigung beschäftigt.
Nicht gerade gekonnt
.
Jetzt kommt die Frage auf –kann dieser Mann uns verteidigen?
Wir haben das Problem mit der Gorch Fock- in Afghanistan kämpfen und sterben Menschen. Herr zu Guttenberg wird durch politische Parteipolitik im Amt belassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er selbst als „Parteisoldat“ in seinem Amt bleibt.
Frau Käßmann sprach nicht von einem Fehler…sie ging.
Da sind Frauen doch mutiger. Auch die Weiber von Weinsberg- sie nahmen die Last auf den Rücken… Herr zu Guttenberg wird weiter Gesprächsstoff bleiben.
Die Medien sind dankbar.
Walter Wasilewski

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