Afghanistaneinsatz: Merkel zeigt Verständnis für Zweifel

Bundeswehrsoldaten

Sieben deutsche Soldaten starben binnen zwei Wochen in Afghanistan im Einsatz gegen die Taliban. Die Politik spricht sich dennoch weiterhin für einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan aus. Foto: dpa / Andreas Gebert

Debatte - 70 Prozent der deutschen Bürger sind für einen möglichst schnellen Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch. Politiker indes warnen davor, den Einsatz infrage zustellen.

Unter dem Eindruck der erneuten tödlichen Angriffe auf die Bundeswehr in Afghanistan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Verständnis für Zweifel an dem Einsatz geäußert. "Ich weiß, dass viele Menschen Zweifel haben, ob der Einsatz richtig ist. Doch ich will auch sagen, dass ich ganz bewusst hinter diesem Einsatz stehe, damit das Land stabilisiert wird und selbst für seine Verantwortung sorgen kann", sagte Merkel in der Nacht zum Freitag bei einem Besuch der Eliteuniversität Stanford im US-Bundesstaat Kalifornien. Auch der SPD-Verteidigungsexperte Hans-Peter Bartels warnte davor, den Einsatz infrage zustellen.

70 Prozent der Bundesbürger für schnellen Abzug

"Das ist tragisch, ändert aber nichts daran, dass der Einsatz in diesem gefährlichen Land weiter nötig ist", sagte Bartels der "Mitteldeutschen Zeitung" (Freitag). "Man darf Afghanistan nicht den Taliban überlassen." Wie eine repräsentative Infratest-dimap-Umfrage für die ARD ergab, wünschen sich jedoch 70 Prozent der Bürger einen möglichst schnellen Abzug der Bundeswehr vom Hindukusch.

Anders als der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, bezweifelt der SPD-Politiker Bartels auch, dass die Debatten über den Einsatz der Sache nutzen. Eher habe er den Eindruck, dass die radikalislamischen Taliban mit ihren Angriffen erst auf die Debatten reagierten.

Robbe dagegen hält eine grundsätzliche Diskussion über den Einsatz schon deshalb für nötig, weil die Umsetzung der neuen Strategie seiner Ansicht nach weitere Angriffe und damit auch Opfer nach sich ziehen wird, wie er im ZDF sagte. Eine solche Debatte solle dazu beitragen, dass die Öffentlichkeit nicht überrascht wird. Die neue Strategie sieht mehr Operationen der Bundeswehr in der Fläche vor.

Sicherheitsanalyse für Nordafghanistan gefordert

Der verteidigungspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Omid Nouripour, warnte vor einer kurzsichtigen Debatte über Ausstattungs- und Ausbildungsmängel der Bundeswehr. Vielmehr solle die Bundesregierung eine umfassende Sicherheitsanalyse für Nordafghanistan vorlegen, verlangte er in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag). Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) solle zügig eine Expertenkommission einsetzen, die das Erreichte beschreibt und die Wegmarken bis zu einem Abzug der Bundeswehr klar definiert.

Guttenberg fliegt mit Verletzten nach Deutschland

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wird am Freitag mit den bei den Kämpfen in der nordafghanischen Provinz Baghlan verwundeten Soldaten nach Deutschland zurückfliegen. Das sagte er im ISAF-Hauptquartier für Nordafghanistan in Masar-i-Scharif. Die Trauerfeier für die vier getöteten Bundeswehrsoldaten findet am Sonntag in Masar-i-Scharif statt. Daran wird der Generalinspekteur Volker Wieker teilnehmen.

Bei den Kämpfen waren am Donnerstag zwei gepanzerte Fahrzeuge der deutschen Truppe von den radikalislamischen Taliban angegriffen worden. Dabei waren vier Soldaten getötet und fünf verletzt worden. Der Zustand der Verletzten war am Freitagmorgen nach Angaben der Bundeswehr stabil. Ein Sanitäts-Airbus der Bundeswehr startete in Köln, um Guttenberg und die Verletzten abzuholen.

Der Minister hatte die Nachricht von den blutigen Kämpfen am Donnerstag auf seiner Rückreise von einem zweitägigen Afghanistan-Besuch im usbekischen Termes erhalten. Er war gemeinsam mit Wieker sofort nach Masar-i-Scharif umgekehrt, um den Soldaten beizustehen. Am Freitagmorgen besuchte er die Verletzten im Lagerkrankenhaus.

dpa

 

Kommentare

Verfasst von Gast am 16. April 2010 - 15:39.

Liebe Leute,

jetzt macht doch einfach mal die mörderische Afghanistan-Politik zum...

jetzt macht doch einfach mal die mörderische Afghanistan-Politik zum Wahlprüfstein Nr. 1. In anderen Politikbereichen herrschen sowieso Sachzwänge, denen alle folgen müssen. Mal sehen, was passiert, wenn die Kriegsparteien sich die restlichen 30% Wählerstimmen teilen müssen. Wenn die Konsequenz "Von der Kriegspartei zur Splitterpartei" ernsthaft drohen würde, dann wäre das verlogene Gerede von der Notwendigkeit des Einsatzes ganz schnell vorbei.

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