"Bild" will Anruf öffentlich machen - Wulff lehnt ab

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Was hält die Mobilbox von Kai Diekmann bereit? Die "Bild" will nun die Originalnachricht des Bundespräsidenten veröffentlichen. Foto: dpa/Patrick Seeger

Anrufkrise - Auch nach seinem Fernsehinterview steht Bundespräsident Wulff weiter unter Druck. Seine Aussagen zum Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann widersprechen Darstellungen aus dem Springer-Verlag. Nun will "Bild" die Mailbox-Nachricht veröffentlichen - Wulff will das nicht. Im Netz wird sich weiter lustig gemacht über Wulff - und über Bettina Schausten, die ihren Freunden 150 Euro für eine Übernachtung zahlt.

Bundespräsident Christian Wulff hat die Bitte von "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann um die Zustimmung zur Veröffentlichung seiner Mailbox-Nachricht abgelehnt. "Die in einer außergewöhnlich emotionalen Situation gesprochenen Worte waren ausschließlich für Sie und für sonst niemanden bestimmt", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben Wulffs an Diekmann. Er habe sich kurz darauf entschuldigt und die Entschuldigung sei angenommen worden: "Damit war die Sache zwischen uns erledigt. Dabei sollte es aus meiner Sicht bleiben."

Diekmann hatte zuvor in einem offenen Schreiben an Wulff erklärt, er halte es für notwendig, den Wortlaut des umstrittenen Anrufs zu veröffentlichen, um Missverständnisse auszuräumen. Dies wolle die Zeitung aber nicht ohne Wulffs Zustimmung tun. Diekmann bat "im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz" um das Einverständnis.

Wulff schrieb, er sei erstaunt, dass Teile seiner Nachricht auf Diekmanns Mailbox nach dem klärenden Telefongespräch über andere Presseorgane den Weg in die Öffentlichkeit gefunden hätten. Hier stellten sich grundsätzliche Fragen zur Vertraulichkeit von Telefonaten und Gesprächen. Die Medien hätten hier ihre eigene Verantwortung wahrzunehmen, erklärte Wulff.

Wulff hatte im gemeinsamen Fernsehinterview von ARD und ZDF gesagt, der Anruf bei "Bild"-Chefredakteur Diekmann tue ihm leid, das sei ein "schwerer Fehler" gewesen. Er habe aber die Berichterstattung nicht verhindern wollen, sondern nur darum gebeten, sie um einen Tag zu verschieben, "damit man darüber reden kann, damit sie sachgemäß ausfallen kann". Dem hatte am Abend im Deutschlandfunk der stellvertretende "Bild"-Chef Nikolaus Blome widersprochen. "Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden", sagte er über die umstrittene Nachricht auf Diekmanns Mailbox.

Bei Presse und Bürgern hat Wulff nicht gewonnen

11,5 Millionen Zuschauer sahen am Mittwochabend das Fernsehinterview von Bundespräsident Christian Wulff bei ARD und ZDF, ein gemeinsamer Marktanteil von 33,9 Prozent. Die Reaktionen in der Presse fielen einmütig aus: "Das war nichts" (Spiegel), "Selbstdemontage" (Tagesschau), "Der erste Präsident, der sich selbst begnadigt" (ddeutsche). Auch im Vergleich zu Margot Käßmann kam der "Wackelkandidat" schlecht weg (Publik-Forum). Die "Bild"-Zeitung drohte dem Noch-Präsidenten ganz unverhohlen in ihrer Print-Ausgabe: "Und die Affäre ist noch nicht zu Ende." Mit der nun geplanten Veröffentlichung der Mailbox-Ansage gibt die Boulevard-Zeitung dem Thema selbst neuen Schwung.

Nicht nur bei der Presse, sondern auch bei den Bürgern steht der Bundespräsident nach seinem Interview nicht besser da. Nach dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend meinen nur noch 47 Prozent der Bevölkerung, dass Wulff im Amt bleiben kann. Damit verlor das Staatsoberhaupt seit Wochenbeginn kontinuierlich an Zustimmung. Dass Wulff ehrlich ist, glauben der Umfrage zufolge nur noch 22 Prozent der Deutschen.

Im Internet häufte sich die Häme und Satire. Wulff war nach wie vor das Hauptziel, aber auch ZDF-Hauptstadtstudioleiterin Bettina Schausten kam nicht ungeschoren davon. Ihr knappes "Ja" auf die Rückfrage des Bundespräsidenten, ob sie denn ihre Freunde für eine Übernachtung bezahle, sorgte im Netz für großes Hallo, von einer Facebook-Gruppe bis zur passenden Kreditkarten-Werbung.

Bischof Weber: "Unwürdige Situation"

Am Donnerstagvormittag veröffentlichten Wulffs Anwälte wie angekündigt eine zusammenfassende Stellungnahme zu Medienanfragen (Link zum PDF) an Christian Wulff, bei denen es in den vergangenen Wochen unter anderem um den Privatkredit sowie Urlaubsaufenthalte des Ehepaars Wulff bei befreundeten Unternehmern ging. Rechtsverstöße habe man nicht festgestellt, "Tatbestände der Vorteilsnahme oder Vorteilsgewährung haben sich nicht ergeben", hieß es. Zu dem Anruf bei Diekmann gaben die Anwälte keine Auskünfte und verwiesen auf die Erklärungen des Bundespräsidenten.

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber sagte der "Braunschweiger Zeitung" (Donnerstagsausgabe), der Bundespräsident sei künftig mit besonders hohen Ansprüchen konfrontiert. "Jetzt darf nichts mehr kommen", sagte er. Das Fernsehinterview kommentierte Weber mit den Worten: "Als Bürger geht es einem an den Nerv, so etwas sehen zu müssen. Mein erster Gedanke war: Was für ein Jammer, dass so ein Gespräch überhaupt nötig ist." Er habe die Situation als "unwürdig" empfunden. Der Landesbischof sagte aber auch, Wulff habe sich "jetzt zumindest ordentlich erklärt".

epd/dpa/evangelisch.de

 

Kommentare

Verfasst von WeißeWucherblume am 6. Januar 2012 - 16:10.
Kommentar auf: Ach

Wer das Kreuz hat

Nein, dem kann ich nicht zustimmen. Denn es geht doch darum, dass der oberste...

Nein, dem kann ich nicht zustimmen. Denn es geht doch darum, dass der oberste Repräsentant unseres Volkes und Staates gerade keine äußere Macht hat. Und so sollte er auch nicht durch sein Verhalten Handlungsweisen fördern nach dem Motto: Wer das Kreuz hat... oder: Eine Hand wäscht die andere. Sondern er sollte dagegen ein Zeichen setzen. Bleibt er im Amt, so gibt er das Signal: "Macht es doch alle so!" Dagegen sollte er durch sein Vorbild wirken. Das hat er nur nicht begriffen. Ganz anders dagegen die zwei Bischöfinnen der Evangelischen Kirche, die in 2010 mit ihren Rücktritten ein Zeichen gesetzt hatten. Und was die Veröffentlichung der Textnachricht auf Herrn Diekmanns Mailbox angeht, so ist das Eine die rechtliche Seite. Aber wenn der Herr Bundespräsident wirklich gesagt hat, was er im Fernseh-Interview dargestellt hat, dann braucht er sich doch nicht dagegen zu wehren. Jetzt ist es viel schlimmer, denn so entsteht der Eindruck, dass die Darstellung der BILD-Zeitung stimmt und der Präsident gelogen hat.

Verfasst von Gast am 6. Januar 2012 - 6:35.

Bild macht, wie seit einiger

Bild macht, wie seit einiger Zeit andere Einrichtungen auch, Reklame fuer...

Bild macht, wie seit einiger Zeit andere Einrichtungen auch, Reklame fuer Seitensprung, d.h Ehebruch, zeigt nackte Frauen usw. Es ist schwer, in einer solchen Institution eine moralische Autoritaet erkennen zu koennen.
Im uebrigen kommt mir das ganze Geschehen reichlich unbarmherzig vor.
Jemand hat einen Fehler gemacht. Er hat sich dafuer entschuldigt. Die Entschuldigung wurde angenommen, und hinterher kommt man und sagt, es sei doch nicht so gemeint gewesen.
Die moderne Kampagnenmentalitaet kommt mir so gar nicht christlich vor. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Wir leben doch aber alle von der Suendenvergebung. Oder hat doch noch jemand zum Stein gegriffen?
Oder habe ich Johannes 8 etwa falsch gelesen?
HERR, erbarme Dich unser!

Verfasst von Gast am 5. Januar 2012 - 18:02.

Nie war Diekmann so wertvoll wie heute...

ist ja spannend wie schnell alle erklärten Diekmann-Basher plötzlich zum...

ist ja spannend wie schnell alle erklärten Diekmann-Basher plötzlich zum verlängerten Arm der Springer-Kampagne werden.
Selbst eine ehemalige Kassler-Lokalredakteurin wird bemüht, um Wulff selbst gegen Käßmann alt aussehen zu lassen. Dabei hat Diekmann sicher noch die Personalie des Käßmann-Beifahrers im Nähkästchen, für den Fall, dass sie mal Bundespräsidentin werden möchte.
Der einzige, der jetzt noch auf den BP-Job passt, ist Gazprom-Gerd, der kann Boulevard-Niveau.
Ist es das, was der bei Bürgern laut Allensbachumfrage unbeliebteste Berufsstand der Journalisten bezweckt?

Verfasst von HannoTerbuyken am 5. Januar 2012 - 18:19.

Lieber Gast, wir sind

Lieber Gast, wir sind sicherlich nicht glücklich darüber, dass...

Lieber Gast,

wir sind sicherlich nicht glücklich darüber, dass ausgerechnet die "Bild"-Zeitung ganz vorne mit dabei ist. Herr Diekmann hat mit seiner eigenen Salamitaktik auch alle anderen Journalisten vor sich hergetrieben. Das ist aber schwer zu vermeiden, weil die Aktionen von Herrn Wulff gegenüber der "Bild"-Zeitung eben trotzdem dafür sorgten, dass Herr Wulff alt aussieht. Das hat sich der Bundespräsident aber selbst zuzuschreiben. Auch wenn man die "Bild"-Zeitung aus dem Bild nimmt, bleibt trotzdem ein Präsident stehen, der sich ziemlich unpräsidial verhält und dessen Handlungen und Kommunikation dem Amt nicht angemessen sind.

Der Rolle der "Bild" werden wir uns separat noch annehmen (das ist schon in Arbeit), denn - da haben Sie recht - deren Rolle ist ebenfalls fragwürdig.

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Hanno Terbuyken
evangelisch.de

Verfasst von WeißeWucherblume am 5. Januar 2012 - 22:30.
Kommentar auf: Lieber Gast, wir sind

Käßmann

Die Rolle der BILD-Zeitung zu befragen, ist sicherlich gut und nötig. Was Frau...

Die Rolle der BILD-Zeitung zu befragen, ist sicherlich gut und nötig. Was Frau Käßmann angeht, so vermute ich, dass sie froh war, dass sie bisher nicht genannt wurde, als es um einen eventuellen Rücktritt des Herrn Bundespräsidenten ging. Und ich finde, man kann nicht gut solche Vergleiche ziehen. Anscheinend hat sie ihre Aufgabe in Bochum mit Freude wahrgenommen, und ich bin gespannt, was man von ihr hören wird, wenn sie ihr Amt als Luther-Botschafterin übernimmt. Sie hat übrigens bei Herder ein sehr schönes Gebetbuch von Frauen für Frauen herausgegeben (In Gottes Hand gehalten), mit dem ich gern arbeite. Vielleicht könnte das auf evangelisch.de auch mal besprochen werden, so es nicht schon geschehen ist.

Verfasst von Eberhard am 5. Januar 2012 - 17:22.

"Es ist nicht leicht, ein

"Es ist nicht leicht, ein Clown zu sein...." Und warum hat ihn kein Gott davor...

"Es ist nicht leicht, ein Clown zu sein...."
Und warum hat ihn kein Gott davor bewahrt??

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