Bundeswehr, Bischöfe, Bohlen: Drei Fragen an Ernst Elitz (4)

Ernst Elitz

Ernst Elitz. Foto: dpa

Rubrik - Pointierte Anmerkungen zu Politik und Zeitgeschehen: Als erfahrener Journalist ist Ernst Elitz gewohnt, den Mächtigen kritisch auf die Finger zu schauen, verschleiernde Worthülsen zu knacken und das Zeitgeschehen bisweilen bissig zu kommentieren - wobei er übrigens das Neue Testament als ein Vorbild sieht: Beispielhaft in seiner klaren und pointierten Aussprache sei es, ein guter Lebensentwurf für Ehrlichkeit, Aufklärung und Menschenwürde. Jeden Freitag beantwortet Ernst Elitz drei Fragen für evangelisch.de.

Die Fragen stellte Ulrich Pontes

evangelisch.de: Eine Bischöfin macht sich für den Frieden in Afghanistan stark - und quer durch die politische Landschaft hagelt es erbitterte Kritik. Was ist da passiert? Warum gibt es so viel Aufregung um Margot Käßmanns Äußerungen, obwohl sie doch vielen Menschen - vermutlich nicht nur evangelischen Christen - aus dem Herzen gesprochen und auch keine platte, überzogene Forderung erhoben hat?

Ernst Elitz: Mit Widerspruch wird die Bischöfin gerechnet haben. Sie hat ihn provoziert, und das kann einer offenen Auseinandersetzung nur dienlich sein. Ihre Titelzeilen-verdächtige Formulierung "Nichts ist gut in Afghanistan" musste eine Herausforderung sein für die Bundeswehr, für die Parteien, die den Bundeswehreinsatz beschlossen haben und für Bürger, die um eine Antwort auf die Frage ringen, wie anders als mit militärischen Mitteln lässt sich die permanente Verletzung der Menschenwürde von afghanischen Frauen und Männern eindämmen, die nach unseren christlich geprägten Vorstellungen frei leben, lernen, entscheiden und beten wollen? Wie anders als mit militärischen Mitteln lässt sich die Ausbildung einer einheimischen Polizei und die Arbeit der Hilfskräfte absichern? Ich weiß, viele der Nichtregierungsorganisationen wollen kein Militär in ihrer Umgebung. Ich kenne diese Diskussion aus meiner Arbeit im Kuratorium der Welthungerhilfe. Aber ich bin mir sicher, ohne diesen von der UNO getragenen Militäreinsatz wäre kein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation mehr in Afghanistan. Eine praxisbewährte theologische Antwort auf die Frage, wie man mit Terroristen umgeht und das eigene wie das Leben anderer wirksam vor ihnen schützt, kenne ich nicht. Meine Empfehlung: Bischöfin Käßmann tauscht sich darüber mit christlichen Soldaten und afghanischen Bürgern aus. Auch diese Gespräche wären eine gute Grundlage für eine Bischofs-Predigt.

evangelisch.de: Beworben vom über den Wolken thronenden Casting-Gott Dieter Bohlen ist "Deutschland sucht den Superstar" in eine neue Runde gestartet, in wenigen Tagen geht "Big Brother" mit einer neuen Staffel auf Sendung. Wird denn die Fernsehunterhaltung nicht nur immer niveauloser, sondern nun auch noch eintönig-langweilig? Welche Erwartungen haben Sie fürs Fernseh-Jahr 2010?

Elitz: Da ich mir nur anschaue, was mich interessiert, werde ich wieder viele fernsehfreie Abende habe. Darauf freue ich mich. Ich halte Nicht-Fernsehen weder für gesundheitsschädlich, noch für geisttötend. Im Gegenteil. Und wenn sich ein volljähriger Mitbürger dem Superstar-Wettbewerb stellt, ist mir das lieber, als wenn er zuhause auf dem Sofa herumhängt oder sich zum Komasaufen verabredet. Als ich durch Zufall in eine Folge des Dschungelcamps geriet, war ich überrascht, wie die 77-jährige Ingrid van Bergen in dieser Umgebung ihre Würde bewahrt hat. Selbst an solchen Fernsehabenden macht man Entdeckungen, mit denen man nicht gerechnet hat.

evangelisch.de: Nach dem Anschlagsversuch in den USA werden neue Sicherheitsvorkehrungen im Flugverkehr rauf- und runterdiskutiert, vor allem Körperscanner. Sie selbst sind viel unterwegs, Herr Elitz: Hätten Sie ein Problem, sich bis auf die Haut durchleuchten zu lassen, oder würden Sie diese zusätzliche Maßnahme begrüßen?

Elitz: Mir ist das lieber, als wenn mir wildfremde Menschen in den Schritt fassen. So ist es doch heute. Ich fürchte nur, wir lassen uns da etwas aufreden, was Abermillionen kostet und nachher doch nicht funktioniert. Und selbst wenn die Technik pannenfrei läuft, lässt sich menschliches Versagen nicht ausschließen. Die amerikanischen Sicherheitsbehörden hatten auch eine Fülle von Informationen und haben trotzdem geschlampt. Und wenn der Mann am Scanner einen Moment abgelenkt ist, übersieht er den Sprengstoff am Körper. Ein Patentrezept gegen den Terror gibt es leider nicht.


Prof. Ernst Elitz, Jahrgang 1941, lebt als freier Publizist in Berlin. Nach seinem Studium der Germanistik, Theaterwissenschaften, Politik und Philosophie kam er über Stationen wie den "Spiegel" und das öffentlich-rechtliche Fernsehen zum Deutschlandradio, das er als Gründungsintendant von 1994 bis 2009 leitete.

 

Kommentare

Verfasst von Gast am 11. Januar 2010 - 20:57.

RE: Bundeswehr, Bischöfe, Bohlen: Drei Fragen an Ernst Elitz (4)

„Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg ist immer eine Niederlage...

„Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg ist immer
eine Niederlage für die Menschheit“. (Joh.Paul II.)

Zur Vorbereitung auf das Jubeljahr 2000 schrieb Papst Johannes Paul II. u.a.: Die Kirche „kann nicht die Schwelle des neuen Jahrtausends überschreiten, ohne ihre Kinder dazu anzuhalten, sich durch Reue von Irrungen, Treulosigkeiten, Inkonsequenzen und Verspätungen zu reinigen.“ Für den außenpolitischen Teil seines Pontifikats kam dieser päpstliche Grundsatz vor allem beim Ausbruch des Irak-Krieges 2003 zum Tragen.

Der Papst setzte seine ihm zustehende politische Macht in den ersten Monaten des Jahres 2003 dazu ein, um den Amerikanern die Unrechtmäßigkeit ihres kriegerischen Vorhabens immer wieder zu verdeutlichen. Scharf geißelte er die Angriffspläne der Amerikaner, unermüdlich warb er für den Frieden, in seinem Amtssitz traf er sich mit den Mächtigen der Welt – Anhängern wie Gegnern des Krieges.

Wenn der Papst davon spricht, sich „Irrungen, Treulosigkeiten, Inkonsequenzen und Verspätungen“ reinigen zu müssen, so wird er gewiss auch an die Rolle der katholischen Kirche während des 2. Weltkrieges gedacht haben.

So haben die deutschen Bischöfe sowohl bei Beginn des Krieges als auch während seines Verlaufs die Gläubigen wiederholt und z.T. unter ausdrücklicher Berufung auf ihre Amtsautoriät zur „Pflichterfüllung“ und Tapferkeit, zur Opferbereitschaft zum zum Gehorsam gegenüber der Staatsführung bis zur Hingabe des eigenen Lebens aufgerufen.

Wenn die Bischöfe der Überzeugung waren, dass die Katholiken als Staatsbürger zur Teilnahme am von der Obrigkeit verordneten Krieg verpflichtet seien, müssen sie die Kriegsführung für rechtens gehalten haben. Anderes anzunehmen hieße, den Bischöfen zu unterstellen, sie hätten wissentlich über Jahre hin die Gläubigen dazu verpflichtet, an einem ungerechten Krieg teilzunehmen. Dass sie damit nicht – wie es ihre Absicht war – sich für das Vaterland eingesetzt haben, sondern Hitlers Krieg unterstützten und „de facto für die Erhaltung und Ausbreitung des NS-Regimes kämpften“(Thomas Breuer), scheinen sie durchweg nicht erkannt zu haben.

„In dieser entscheidungsvollen Stunde ermuntern und ermahnen wir unsere katholischen Soldaten, in Gehorsam gegen den Führer, opferwillig unter Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit ihre Pflicht zu tun. Das gläubige Volk rufen wir auf zu heißem Gebet, dass Gottes Vorsehung den ausgebrochenen Krieg zu einem für Vaterland und Volk segensreichen Erfolg und Frieden führen möge.“
(Gemeinsamer Hirtenbrief der deutschen Bischöfe an die katholischen Soldaten, September 1939)

Aus dem Heft „Bewährung in ernster Zeit“, des Bischofs von Trier (November 1939) : …Wir müssen uns zutiefst bewusst werden, dass das für den Christen nicht nur eine vaterländische, sondern auch eine religiöse Aufgabe ist…Ausdrücklich betont der heilige Thomas von Aquin, der große Lehrer der Kirche : „Der Mensch ist nächst Gott vor allem den Eltern und dem Vaterlande verpflichtet.“ Darum erklärt auch Papst Leo XIII. in einem seiner Rundschreiben grundsätzlich : „Wer es versäumt, sich für das Volk und seine Sorgen einzusetzen, der versündigt sich.“ …. Daher müssen wir nicht nur als Deutsche, sondern auch als Christen aus unserem Glauben heraus jetzt alle unsere äußeren und inneren Kräfte freimachen zum Dienste am Volk, müssen Opfer bringen, das die Zeitlage von uns verlangt, müssen geduldig jedes Kreuz tragen, das uns auferlegt wird. Wir müssen dies tun, indem wir das ewig vorbildliche Gebet des in Todesangst ringenden Erlösers wiederholen: „Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“

Es darf wohl als tragisch bezeichnet werden, dass ausgerechnet jene Menschen Hitler bei der Durchführung seiner Pläne unterstützt haben, die zu den entschiedensten Gegnern der nationalsozialistischen Ideologie gehörten.

Den Kirchenvertretern während des „Dritten Reiches“ hat man zu Recht vorgeworfen, dass sie sich haben instrumentalisieren lassen und dabei die Grundlage ihres Handelns, nämlich die Bibel, auf schmähliche Art und Weise in der Versenkung haben verschwinden lassen.

Wenn Kirchenvertreter beider Konfessionen (s.o. Johannes Paul II. u. Bischöfin Käßmann in ihrer Predigt zum Jahreswechsel) eine konsequent biblische Position einnehmen und sich auf die Worte Jesu beziehen, mag zwar manchem sog. „Realpolitiker“ nicht ins Konzept passen und Anlass geben, der Kirche Weltfremdheit und Realitätsschwund vorzuhalten. Doch sollten diejenigen Kritiker aus dem Politik- und Militärbereich, die nun lauthals auf Käßmann eindreschen, zur Kenntnis nehmen, dass Kirchenvertreter als Grundlage ihrer Äußerungen die Bibel ansehen; ob man das als weltfremd ansieht oder wie der Altbundeskanzler Schmidt erklärt, dass man mit der Bergpredigt keine Tagespolitik gestalten könne, möchte ich zunächst nicht beurteilen. Doch ich begrüße es, wenn Kirchenvertreter in ökumenischer Eintracht erklären, dass ein Krieg immer Gewalt und Unrecht nach sich zieht und dass aus „Schwertern Pflugscharen“ gemacht werden müssen, um der Welt ein menschlicheres Antlitz zu verleihen. Kirchenvertreter können sich doch nur auf die Bibel beziehen – und das ist auch gut so; das sollten Politiker bei aller Kritik bedenken.

Mit seinem Einsatz gegen den Irak-Krieg stand Johannes Paul II. an der Spitze einer weltweiten Friedensbewegung.

Johannes Paul II. machte deutlicher als jedes andere Oberhaupt der katholischen Kirche, dass sein Auftrag, die Botschaft Jesu Christi in die Welt zu tragen, ein höchst aktueller und auch politischer ist. Und er stellte klar, dass der Vatikan nicht nur die Zentrale einer bedeutenden Glaubensgemeinschaft ist, sondern eine ernst zu nehmende politische Instanz. Den Krieg konnte er nicht verhindern, aber sein berühmtes Zitat aus dieser Zeit ist Mahnung für die Zukunft – auch bezogen auf den Afghanistan-Krieg von heute : „Krieg ist niemals ein unabwendbares Schicksal. Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit“.

Damals wurde Johannes Paul II. als moralische Instanz gefeiert. Wenn heute Bischöfe beider Konfessionen kritisch zum Afghanistan-Krieg Stellung nehmen, werden sie mit Vorwürfen überhäuft.

Logik kann man nicht erzwingen – doch anmahnen sollte man sie unentwegt!

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Gast am 9. Januar 2010 - 15:32.

RE: Bundeswehr, Bischöfe, Bohlen: Drei Fragen an Ernst Elitz (4)

Es ist doch entlarvend, dass in den zugänglichen Meldungen (zB.) aus...

Es ist doch entlarvend, dass in den zugänglichen Meldungen (zB.) aus Afghanistan fast ausschließlich über Bombardierungen, Selbstmordattentate, Schießereien zwischen Einheimischen und Soldaten aus fremden Ländern und Scharmützeln zwischen inländischen verfeindeten religiösen Gruppierungen berichtet wird - hinzu kommen immer wieder Erwähnungen von Übergriffen ausländischer Soldaten auf Teile der einheimischen Bevölkerung! Wo sind denn die Nachrichten über die angeblichen sog. "humanitären Aktivitäten" zur Schaffung sozialverbessernder Verhältnisse, die zwar immer wieder vorgeschoben und von bestimmten Politikern wortreich formuliert werden, über die es aber keinerlei "Erfolgsmeldungen" zu vernehmen gilt???
Gibt es konkrete Angaben über bereits errichtete Kindergärten, Schulen und Krankeneinrichtungen? Wo sind die vielen Brunnen, die das Land inzwischen ja wie einen Schweizer-Käse aussehen lassen müssten... (oder hat man da die Bombentrichter gezählt?)! Welche Firmen investieren im Land, um Arbeitsplätze zu schaffen? Und die angekündigten Schulungsmaßnahmen zum Aufbau einer jenseits aller Korruption funktionierenden Polizei scheinen lediglich Verschleierung dafür zu sein, dass Einheimische zu militärischen Hilfskräften für ausländische Armeen gedrillt werden...
"Nichts ist gut in Afghanistan!" ist als Äußerung einer engagierten Christin, Bischöfin und Sprecherin einer der größten kirchlichen Zusammenschlüsse Deutschlands nur für all jene eine "Provokation", die sich von den Fensterreden auf politischer Ebene haben einlullen lassen, die es nicht wahr haben wollen und sogar wider besseren Wissens leugnen, dass es in Afghanistan - genauso wie in vielen anderen Ländern bei der Ausübung militärischer Gewalt - lediglich um Machtverhältnisse geht, an denen bestimmte Wirtschaftsnationen ein großes Interesse für die Zukunft haben: Ihnen geht es - unter Einsatz militärischer Gewalt - einzig und allein um den Zugang zu bestimmten Recourcen, die sie für ihre weitere militärische - und dadurch auch wirtschaftliche Vorherrschaft weltweit zu sichern suchen!
Kritisch an den Äußerungen der Bischöfin ist allerdings anzumerken, dass die Zuschreibung, der militärische Einsatz in Afghanistan (und anderswo) sei die sog. "ultima ratio" (die letzte aller Möglichkeiten) verschweigt und nur ein Hüllwort dafür ist, dass andere, zivile, soziale, humanitäre, auf Frieden und Zusammenarbeit statt auf Krieg und Ausbeutung angelegte (Hilfs-)Programme überhaupt noch nicht umgesetzt wurden - die wenigen diesbezüglich tätigen nicht-staatlichen Organisationen, die dort tätig sind, haben eher eine Alibifunktion, um von den eigentlichen globalen Machtinteressen abzulenken. Leider!
MB

Verfasst von Gast am 8. Januar 2010 - 14:18.

RE: Bundeswehr, Bischöfe, Bohlen: Drei Fragen an Ernst Elitz (4)

Sehr geehrter Herr Prof. Ernst Elitz, die Aussage der Frau Bischöfin Käßmann: "...

Sehr geehrter Herr Prof. Ernst Elitz,

die Aussage der Frau Bischöfin Käßmann: "Nichts ist gut in Afghanistan" soll Ihrer Meinung nach eine Herausforderung sein für die Bundeswehr.

Ich weiß zwar nicht, wie das die oberste Bundeswehrführung sieht. Und es interessiert mich nun auch nicht mehr nach meiner Frühpensionierung. Aber für uns "normale" Soldaten, die Afghanistan tagtäglich erleben oder erlebt haben, stellt diese Aussage einfach nur die Wahrheit dar, wenngleich in stark überspitzter Form.

Natürlich wird diese Wahrheit nach Deutschland gemeldet. Doch Sie sehen ja selbst, was daraus wurde oder wird. Jedem Interessierten hätte das auch schon früher auffallen können, wenn nämlich jemand z.B. die Berichte des Wehrbeauftragten auch mal lesen würde. Da steht alles drin.

Ihre Empfehlung, Bischöfin Käßmann solle sich mit christlichen Soldaten und afghanischen Bürgern austauschen, möchte ich um die Hilfsorganisationen -zu den UNO Organisationen braucht sie freilich nicht-, die in Afghanistan tätig sind ergänzen.

Ich meine aber zu verstehen, was Sie grundsätzlich meinten: nämlich dass die Bundeswehr die Strategie ändern solle. Das geht aber erst nach Benennung der politischen Ziele. Es gibt seitens der Politik nichts, gar nichts!

Aber letzteres und noch mehr benannten Sie ja ganz großartig. Danke.

Verfasst von Gast am 14. Januar 2010 - 10:49.

Warum Afghanistan?

Von Haiti hört man recht selten etwas. Nur, wenn wieder einmal eine Katastrophe...

Von Haiti hört man recht selten etwas. Nur, wenn wieder einmal eine Katastrophe über das Land hereinbricht. Und dann erfährt man plötzlich von Korruption, Gewalt, bitterer Armut und man hat das Gefühl, dieses Land kommt schon deswegen nie aus dem Knick. Da darf man doch mal ironisch fragen, warum ist bisher dort niemand eingefallen und hat versucht, Zivilisation, Frieden, Gerechtigkeit zu bringen? Und da kann man nur ironisch antworten: weil Haiti wahrscheinlich ausser Kokosnüssen nichts zu bieten hat. Aber Kuweit (Befreiungskrieg vergessen?), Irak (angebliche Bedrohung vergessen?) und nun Afghanistan haben alle unheimliche Ressourcen. Und weiter ironisch gesagt: Da können die Hilfsorganisationen getrost paar Schulen und Krankenhäuser bauen und Hilfe zur Selbsthilfe versuchen, die Investoren sitzen doch schon in den Startlöchern. Wir werden sehen, ob in 20 Jahren afghanische Frauen unsere billigen Jeans nähen. Wir werden sehen, welche Konzerne in Afghanistan dereinst nach Öl bohren und sich um die Konzessionen streiten werden, wir werden sehen, welche Hotelketten den Tourismusmarkt beherrschen werden. Es wäre dringend nötig, sich nicht nur ein Ausstiegsszenario für die Truppen zu erarbeiten, ich würde gern mal hören, was denn die Welt und auch D mit Afghanistan vor hat. Das wären die politischen Ziele, von denen mein Vorredner bereits geschrieben hat und von denen es anscheinden nichts gibt. Es wäre jedenfalls ein novum und ein Fortschritt für die Welt, wenn ein Land nach seiner Befreiung sich selbst entwickeln könnte.

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