Kommentar - Der Koalitionsvertrag stößt wegen seiner inneren Widersprüche überall auf Unmut. Dabei gehören zum Regieren mit Augenmaß nun einmal Widersprüche und Kompromisse. Diese sind weltweit überall dort zu finden, wo Regierungen demokratisch legitimiert sind und wo die Politik auf die unterschiedlichen Interessen der Bürgerinnen und Bürger Rücksicht nimmt. Man sollte dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben.
Dass die Opposition sich kritisch zum Regierungsprogramm der schwarz-gelben Koalition äußert, ist normal. Wer auch nur ein wenig politisch denkt, weiß: Es wäre sogar schlimm, wenn die Opposition eine neue Regierung loben würde. Denn keine lebenswerte Gesellschaft kommt ohne politischen Streit aus. Selbst dann wenn alle Parteien fest auf christlichen Werten ruhen würden, sollte es Streit zwischen den Parteien geben. Was aber auffällt ist, dass auch kaum ein Journalist und Kommentator von der Koalitionsvereinbarung sonderlich überzeugt ist. Denn - offenkundig - ist das künftige Regierungsprogramm nicht aus einem Guss geschrieben, sondern es enthält jede Menge Formelkompromisse und Unklarheiten.
Mehr zur Regierungsbildung
Insbesondere enthält es bemerkenswerte Widersprüche zwischen dem Ziel, die Steuern zu senken, und dem Ziel, die Konjunktur nicht kaputt zu sparen. Aber genau darin kann man auch den großen Vorzug des Regierungsprogramms sehen: Das Wahlkampfgetöse ist vorbei und es wird weiterhin mit Augenmaß regiert. Zum Augenmaß gehören nun einmal Widersprüche und Kompromisse. Diese sind weltweit überall dort zu finden, wo Regierungen demokratisch legitimiert sind und wo die Politik auf die unterschiedlichen Interessen der Bürgerinnen und Bürger Rücksicht nimmt.
Kein Programm aus einem Guss
Dass jede deutsche Regierung alles tut, um Frieden zu bewahren, ist so selbstverständlich, dass sich eine Grundsatz-Diskussion dazu nicht lohnt. Aus evangelischer Sicht ist sicherlich das Wichtigste, dass auf die Interessen der schwächsten Mitglieder der Gesellschaft Rücksicht genommen wird. Und dazu muss man sagen, dass dieses Kernziel offenbar auch für die neue Regierung eine angemessen große Rolle spielt. Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob der liberale Umweg einer geringeren Steuerbelastung, Entbürokratisierung und Deregulierung zum Ziel von mehr Beschäftigung und einer fairen Verteilung der Einkommen führen wird. Aber die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler will diesen Weg gehen. Die FDP wurde sogar von so vielen gewählt wie noch nie. Deswegen darf man sich nun nicht beschweren, dass sozialer Ausgleich über den Umweg einer Entlastung der Besserverdienenden und einer Entbürokratisierung gesucht wird. Wenn es klappt, haben vom Aufschwung ja auch in der Tat alle etwas. Ob es klappt, weiß niemand. Unklarheit und Unsicherheit gilt aber auch für das, was die künftige Opposition angeboten hatte. Es reicht ja nicht aus, was man sozialen Ausgleich anstrebt. Sondern es kommt darauf an, dass man ihn im Detail realisiert und vor allem, dass man ihn finanzieren kann.
In der Koalitionsvereinbarung gibt es sogar soziale Überraschungen im Detail. Die Erhöhung des Schonvermögens für Sozialgeldbezieher, dazu gehört insbesondere selbst genutztes Wohneigentum, ist sicherlich aus sozialpolitischer Sicht zu begrüßen, auch wenn sie nur für wenige überhaupt relevant ist und sie die Mittelschicht schützt. Warum diese Regelung nicht schon in der großen Koalition Gesetz werden konnte, ist zwar eine durchaus politisch interessante Frage; relevant ist sie aber nur noch für Historiker.
Niemand glaubt an die Schuldenbremse
Aus Sicht der Schutzbedürftigen wie auch der Mittelschicht in der Gesellschaft ist es wichtig, dass der Aufschwung nicht kurzfristig durch Steuersenkungen und dadurch notwendigen Ausgabenkürzungen, etwa im Sozialbereich, abgewürgt wird. Insofern ist es zu begrüßen, dass die von der großen Koalition ins Grundgesetz gebrachte "Schuldenbremse" offenbar umgangen werden soll. Das Geschrei der Kommentatoren ist zwar laut und vielstimmig. Aber man sollte so ehrlich sein zuzugeben, dass an die Wirksamkeit einer Schuldenbremse im Grundgesetz doch niemand wirklich geglaubt hat. Insofern wird zumindest bei den Entscheidungsträgern in der Gesellschaft noch nicht einmal ein Vertrauens-Schaden entstehen. Die Regierung hat – mindestens – zwei Wege, um trotz der geplanten Steuersenkungen die Funktionstüchtigkeit der sozialen Sicherungssysteme aufrecht zu erhalten: Zum einen ist laut Koalitionsvertrag nach wie vor die Schaffung eines "Sondervermögens" im Gespräch. Zum zweiten könnte aber die grundgesetzliche Schuldenbremse auch durch die regierungsamtliche Feststellung der "Störung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts" ausgesetzt werden. Dieser Weg steht im Grundgesetz.
Realistisch betrachtet sind ohnehin die vielen Wahlen, die im Föderalstaat Bundesrepublik ständig stattfinden, ein viel wirksameres Instrument, um Regierungen von Unsinn abzuhalten, als formale Regeln, denen man sich leicht entziehen kann. Im konkreten Falle gilt: Wenn die Menschen wirklich gegen eine kurzfristige Neuverschuldung des Staates wären, dann könnten sie die neue Regierung ja bei der Wahl in NRW empfindlich "abstrafen". Die Opposition könnte ja ohne Probleme das Thema "Sondervermögen" im NRW-Wahlkampf hochziehen. Aber glaubt daran jemand? Nein: Denn alle Parteien, ob sie es sagen oder nicht, halten das Verhalten der neuen Regierung für vernünftig. Nachdem die Schuldenbremse im Grundgesetz steht, muss zwangsläufig "getrickst" werden, um einen realistischen Kurs zu fahren.
Kopfpauschale muss nicht unsozial sein
Für die Krankversicherungen ist jetzt eine "Kopfpauschale" im Gespräch. Das hört sich auf den ersten Blick unsozial an. Muss es aber nicht sein, wenn ein steuerfinanzierter und zielgerichteter sozialer Ausgleich damit verbunden ist. Und ein solcher ist in der Tat vorgesehen. Da die drei Koalitionspartner CDU, CSU und FDP hier unterschiedliche Ziele verfolgen, stehen in der Koalitionsvereinbarung keine Details. Vielmehr soll eine Regierungskommission eingesetzt werden, die ein geschlossenes Konzept ausarbeiten soll. Man kann das angesichts der in den letzen Jahren verbreiteten "Kommissionitis", die zu nicht viel geführt hat, belächeln. Trotzdem ist zur Lösung der schweren Probleme im Bereich der Krankenversicherungen eine Kommission sinnvoll. Nicht zuletzt, weil die Koalition ja die Steuern senken will, man aber für den steuerfinanzierten sozialen Ausgleich mehr Steuern braucht. Insofern ist zur Lösung der hier angesprochenen Fragen eine Kommission, die Details ausarbeitet, sinnvoll.
Dass Kommissionen garantieren, dass es zu keinen Schnellschüssen kommt, darüber ärgern sich nur diejenigen, die glauben, sie allein hätten die richtige Lösung für ein Problem exklusiv in ihrem Kopf. In der realen Welt aber ist es gut, wenn Kommissionen das "Wenn und Aber" abwägen. Das ist besonders dann notwendig, wenn eine neue Koalitionsregierung ihren konkreten Weg erst noch finden muss. Insofern ist es – realistisch betrachtet – gut, dass in der Koalitionsvereinbarung sechs Kommissionen genannt werden, die zu verschiedensten Politikbereichen, so beispielsweise zum Problem der Altersarmut, Details ausarbeiten sollen. Und zur Frage, wie "Kapitaldeckung" in die Pflegeversicherung eingebaut werden kann, soll ein interministerieller Arbeitskreis eingerichtet werden. Warum hier diese Form gewählt wird und nicht eine weitere Kommission eingerichtet wird, ist nur eine Frage, die sich Systematiker stellen. Allein wichtig ist, dass nicht übereilt gehandelt wird.
Dabei gilt: Weder eine Sachverständigen-Kommission noch ein interministerieller Arbeitskreis können stellvertretend für die Politik Grundsatzprobleme lösen. Insofern ist erst einmal die Politik gefragt, halbwegs klare Vorgaben zu machen. Wenn das nicht gelingt, sollte die Vertraulichkeit der Beratungen in Kommissionen streng sichergestellt werden. Denn wenn eine solche Kommission quasi öffentlich tagt, wie das bei der Rürup-Kommission faktisch der Fall war, werden keine vernünftigen Kompromisse gefunden werden.
Der Berliner Volkswirtschafts-Professor Gert G. Wagner schreibt hier als Vorsitzender der "Kammer für soziale Ordnung" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und hat an dem EKD-Papier zum Thema Mindestlöhne mitgearbeitet.





Kommentare
Die Diskussion geht weiter ...
Wenn sich noch Leute von irgendwoher direkt bei diesem Artikel landen sollten: Angesichts der hitzigen Diskussion in den Nutzerkommentaren haben wir bei einigen Aspekten noch mal nachgefasst. Die Debatte geht deshalb mit und unter dem Artikel "Kann eine Kopfpauschale sozial sein?" weiter. Hier schalte ich die Möglichkeit, neue Kommentare anzulegen, jetzt ab.
Ulrich Pontes, Politikredakteur
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Wagner glaubt! - aber nicht an Gott, den Vater, Sohn und den Heiligen Geist, sondern an die gnadenlose Rücksichtslosigkeit und Verlogenheit neoliberaler Versprechungen. Es wäre schön, folgte die Evangelische Kirche dem jungen Jesus und reinigte die Kirche vom üblen Treiben der Händler und Krämer. Wer in der Nächstenliebe dem Grundsatz "Laß' deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut" nicht folgt und stattdessen einen Tanz um das Goldene Kalb zelebriert, verdient unser Mitleid, als Mensch, denn mit seinem Glauben verlor dieser Mensch sein Vertrauen in die Kraft der Liebe.
Eher paßt ein Kamel durchs Nadelöhr, als daß Herr Wagner auch nur der blassesten Ahnung vom Himmelreich teilhaftig würde. Es nutzt nichts, seine Angst vor der Unzulänglichkeit des Glaubens über wissenschaftliches Arbeiten zu rationalisieren, da einem diese Angst die Möglichkeiten verschließt, die ein wissenschaftliches Arbeiten im Geiste der Nächstenliebe eröffnet.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Der "liberale Weg" ist kein Weg zu einer Gerechtigkeit, sondern zur Ungerechtigkeit - jeder muss mit seinen Ellenbogen für sich selbst sorgen.
Egal, ob evangeliisch oder katholisch: Kirchen dürfen sich nicht zum Handlanger einer Elite von Wirtschafts- und Politikfunktionären machen lassen. Damit verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit, denn die "einfachen" Leute verstehen mehr von Gerechtigkeit als der Volkswirtschaftler Wagner.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ich empfehle den Mitgliedern der Kammer für soziale Ordnung Herrn Wagner als Vorsitzenden abzusetzen. Offensichtlich ist ihm nicht klar was ein "sozialer" Stabdpunkt ist. Anderenfalls sollten wir die Kammer gleich mit abschaffen. Die Mitglieder können sich dann ja bei der INSM weiter betätigen.....
Vielleicht würden in diesem Falle auch die erzürnten Kommentatoren (untenstehend) mit uns den Weg weitergehen.
Matt Müller
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ich persönlich würde ja sagen, das Kardinalproblem unserer heutigen Zeit, liegt darin, daß es manchen Menschen einfach zu gut geht, und sich Dekadenz breit macht.
Ihr Christenbrüder solltet mal richtig zur Arbeit verpflichtet werden. Nicht Geld verdienen mit schönen Worten. Dann würde sich das mit dem "Liberalismus" schon von selber geben...
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Der Kommentar von Gert Wagner stellt die solidarische Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme gar nicht in Frage. Natürlich ist es mehr als zweifelhaft, ob die sozialen Folgen der Kopfpauschale über Steuern korrigiert werden können, warscheinlich irrt Wagner hier. Das ist allein ist aber kein Grund über ihn herzufallen.
Mich persönlich stört auch gar nicht, dass Wagner hier einen politischen Text schreibt, bei dem eine bestimmte politische Ansicht durchscheint. Das ist bei politischen Texten nunmal so und ich wäre der letzte, der sich darüber aufregt, dass andere anders denken als ich.
Das Problem ist, dass die EKD-Elite seit Jahren auf neoliberalem Kurs ist und dieser Kurs von der Mehrheit der Christen nicht geteilt wird. Ein Umdenken ist nicht in Sicht.
Dass Wagner jetzt soviel erregte Totalkritik abkriegt, ist vielleicht ungerecht. Objektiv kann man seine Meinung kritisieren, aufregen müsste man sich eigentlich nicht.
Sieht man den Kommentar aber im Kontext von Hubers Reformgemahne, Käßmann Mitarbeit in Rentenkommisionen, der Zusammensetzung des EKD-Rates, dann ist die Erregung verständlich.
Für mich persönlich ist der Kommentar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ich weiß nicht, was die "Kammer für soziale Ordnung" ist. Aber ich vermute mal, dass meine Kirchensteuer die Verbreitung dieser Ergüsse mitfinanziert. Sorry, aber neoliberale Propaganda sollte die INSM finanzieren. Mir reichts. Am Montag trete ich aus. Mit diesem neoliberalen Kirchenregiment möchte ich nichts zu tun haben.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ist dieser Artikel vielleicht eine unfreiwillige Satire? Immerhin enthält er einige Formulierungen, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte:
Dieser Satz allein könnte schon als Satire durchgehen - wie durch eine Entlastung der Besserverdienenden ein sozialer Ausgleich zustande kommen soll, bleibt schließlich Geheimnis des Autors. Aber halt, es kommt noch besser:
Na, was denn nun? Steuerfinanzierter sozialer Ausgleich ja oder nein?
Viel schlimmer als solche logischen Petitessen ist aber: Prof. Wagner schreibt hier nicht als Privatperson oder VWL-Professor, sondern ausdrücklich in seiner Funktion als Vorsitzender der "Kammer für soziale Ordnung" der EKD - damit hat das Ganze schon einen offiziellen Charakter. Mit Texten wie diesem oder auch der letztjährigen Denkschrift "Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive" verabschiedet sich die EKD davon, zuerst Stimme jener Menschen zu sein, die sich selbst mangels finanzieller Mittel kein Gehör verschaffen können. Sie verrät damit einen wichtigen Teil ihrer christlichen Grundwerte. Stattdessen biedert sich einem Wirtschaftsliberalismus an, der in seiner Wirkung eine Entsolidarisierung unser Gesellschaft zur Folge hat.
Damit verspielt die EKD ihre Glaubwürdigkeit und damit auch ihre Funktion als moralische Instanz und als Wertevermittler. Es ist nur noch traurig, sich diese Entwicklung ansehen zu müssen.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ach Herr Wagner,
Das "tricksen" könnte man durchaus auch anders nennen. Warum wird denn vor den Wahlen, mit großem Getöse, etwas beschlossen und nach den Wahlen will es dann wieder keiner gewesen sein. Man könnte es wirklich anders nennen!
Tja, und wer wird denn wohl in Kommissionen sitzen? Raten muss man eigentlich nicht. Herr Maschmeyer weiß bestimmt wenn er schickt.
Herr Wagner,die Kosten für eine funktionierende Gesellschaft müssen von allen getragen und zwar solidarisch.
Schönen Abend noch
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
das "c" wird offensichtlich nicht nur in der union ganz klein geschrieben.,..
dieser artikel ist nur noch ein grund mehr, aus der kirche auszutreten,.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Herr Wagner hat als Berliner Volkswirtschafts-Professor finanziell seine Schäfchen im Trockenen und kann analog den "Wirtschafts-Weisen" mit der Veröffentlichung solchen neoliberalen Schwachsinnes nur gewinnen.
Herr Pontes hat sie vermutlichauch schon ; wenn nicht, dann ist er bereits auf den besten Wege dazu und muss lediglich das leisten, was man seitens der Geschäftsführung von Ihm erwartet : Ruhe auf der Website !
So einfach ist das.
RE: RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Lieber Gast,
grundsätzlich freuen wir uns über jeden Beitrag. Aber: Unter dem Schutzmantel der Anonymität über andere herzuziehen und Standpunkte - egal wie richtig oder falsch sie sein mögen - pauschal als "Schwachsinn" abzuqualifizieren, ohne dabei irgendwelche Mühe darauf zu verschwenden, Argumente zu nennen: das finde ich zu billig.
Im Übrigen greife ich hier nicht in die Diskussion ein, weil die Geschäftsführung irgendetwas von mir erwartet, sondern weil ich etwas von dieser Seite und allen, die hier kommentieren, erwarte: Nämlich eine Diskussion, gegebenenfalls auch einen Streit um die Sache. Da darf es gerne hitzig hergehen, aber wenn nur noch pampig andere Leute angegriffen werden, hört der Spaß auf.
Deshalb, an alle: Bitte diskutiert weiter - aber sachlich, ohne Verunglimpfung von Personen und möglichst mit nachvollziehbaren Begründungen statt platter Behauptungen. In dem Zusammenhang sei auch noch mal auf unsere Community-Richtlinien verwiesen: http://www.evangelisch.de/community/hilfe/communit.... Ich fände es schade, wenn es soweit käme, dass wir manche Kommentare nicht mehr veröffentlichen können, weil sie die Mindestanforderungen des anständigen Benehmens verletzen.
Viele Grüße
Ulrich Pontes
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Was ein Schwachsinn.
Genauso schwachsinnig wie die Kirche als christlich zu bezeichnen.
Es geht nur um die Ausbeutung der ginanziell Schwachen, das kann die Kirche gut und Merkel kann das noch viel besser. Es geht nur um KOhle, um Entmachtung der Mehrheit der Bevölkerung, damit die obersten 10 % sich gegenseitig auf die Schulter klopfen können, wobei alle Klerikalen sich zu den obersten 10 % zählen, schließlich sind es ja die besseren Menschen "mit der gepachteten Weisheit.
Die Kopgpauschale hat nur einen Zweck: Ausbeutung des Proletariats, damit Guido W. noch fettere Kohle verdient. Wer das nicht kapiert, ist geistig unterbemittelt.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
"Die FDP wurde sogar von so vielen gewählt wie noch nie. Deswegen darf man sich nun nicht beschweren, dass sozialer Ausgleich über den Umweg einer Entlastung der Besserverdienenden und einer Entbürokratisierung gesucht wird."
Ich trete hier mit aus der Evangelischen Kirche (FDP) aus!
Mit freundlichen Grüßen
Werner Block
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Wirklich peinlich, sich als Mitglied einer Kirche zu so unsozialen Vorhaben wie der Einführung einer Kopfpauschale positiv zu äußern.
Für mich ein weiteres Beispiel dafür, wie realitätsfremd und fehlgeleitet manche ideologischen Statements vermeintlich gebildeter Menschen sind.
Wir könnten übrigens tatsächlich dem liberalen Gedanken eine Canche geben, wie es hier gefodertwird, geben: schaffen wir doch die Kirchensteuer ab, da bekommt dann der werte Herr seine Steuersenkung und sieht mal, was die Konsequenzen sind.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Der Vorsitzende der Kammer für soziale Ordnung schreibt, dass die Kopfpauschale sozial gerecht wäre, wenn ein Ausgleich geschaffen wird. Dieser sei auch vorgesehen, aber Einzelheiten gibt es nicht.
Tja, warum wohl?
Man braucht sich doch nur die Frage stellen, welchen Sinn diese Umstrukturierung mit einem Ausgleich - mal angenommen er wird tatsächlich kommen - hat?
Richtig, eigentlich gar keinen, zumindestens nicht für das Gesundheitswesen. Was für einen Sinn macht es auf der einen Seite die Kosten zu senken und diese auf der anderen Seite (Ausgleich) zu erhöhen?
Der einzige Sinn liegt darin, dass man sich zukünftig privat versichern muss, was die Kassen der Versicherungen kräftig klingeln lässt. Das ist die Zielsetzung. Es geht nicht um unsere Gesundheit, sondern ums Geld und das ein Vorsitzender der evangelischen Kirche - die das menschliche Leben ja so hochhält - in diesen Tenor einstimmt, ist einfach nur beschäment.
Besitz er vielleicht ein paar Allianz-Aktien?
Hitzige Diskussion
Holla, hier geht's ja ganz schön heiß her! Wir werden von redaktioneller Seite an dem Thema dran bleiben und versuchen, bei unserem Kommentator Prof. Wagner noch mal nachzufassen. Vielleicht lässt sich ja noch etwas besser erklären, wie eine Kopfpauschale sozial sein kann, obwohl der Begriff erst mal nach so kalt und nach Härte gegen die weniger Betuchten klingt.
Einstweilen plädiere ich für sachliche Argumente - ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass ein guter Protestant sich von einer wohlüberlegten Meinung abbringen lässt, bloß weil ein anderer sagt: Wenn du so denkst, trete ich aus!
Viele Grüße
Uli Pontes, Politikredakteur
RE: Hitzige Diskussion
Vielleicht sollten Sie auch bei der Gelegenheit nachfragen, wie solch eine liberale Politik zu mehr Arbeitsplätzen führen soll. In den letzten 20 Jahren hat so eine Politik, die zu einer Liberaleren und damit zu einer Entsolidarisierung geführt hat, die Arbeitslosigkeit erhöht hat. In Folge dieser Politik der führenden Parteien wurden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das die evangelische Kirche als politisches Ziel verfolgen will.
Mit freundlichen Grüßen
Georg Frigger
Nidda
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Wer braucht noch eine evangelische Kirche, die zwischen den Koordinaten sozialer Gerechtigkeit irrlichtert. Warum stellen wir die Kirchensteuer nicht auf eine Kopfpauschale um? Ach nein, anders als bei der Krankenkasse könnten dann ja die Bedürftigen austreten. Und in den Kirchen werden sich die Reichen versammeln, von denen sie Beiträge erhebt.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Die Kirchen sollten sich eventuell schon mal überlegen mit welchen Argumenten sie dem Ansinnen begegnen wollen, wenn die gleichen Gruppen, die jetzt eine Kopfpauschale fordern, eine Abschaffung der staatlich organisierten Kirchensteuer fodern. Der obige Artikel liefert durchaus für solche Gedankengänge brauchbare Ansätze. Und in den Kreisen der Besserverdienenden sieht man ohnehin die Tätigkeiten der Kirchen im sozalen und seelsorgerischen Bereich besser im Ehrenamt aufgehoben da ohnehin für sie ja billiger (kostenlos).
Auch deshalb sollten die Kirchen darüber ob jeder Reformvorschlag auch wirklich eine Reform zu Gunsten der Gesellschaft bedeutet oder ob nicht eine Interessengruppe egoistische Partikularinteressen als Reform verkaufen will.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Da wundern sich die Kirchen weshalb ihnen die Schäfchen weglaufen. Ganz einfach: Walk the Talk.
Wenn die Leute ihren christlichen Glauben ernst nehmen, dann würden sie ein Miteinander fordern, wo der Starke für den Schwachen da ist. Stattdessen soll der Schwache bezahlen und die Almosen glücklichersweise vielleicht bekommen. Abgesegnet und "ist ja gar nicht so schlimm" Sprüche von der kirchlichen Meinungsgeber. Leider scheinen bestimmte Leute nur eine Sprache zu verstehen. Man kann diese neoliberale Denke nur mit deren Sprache ausmerzen. Austritt. Ohne Kohle, keine Pöstchen.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ein unschöner Artikel, um es durch die Blume zu sagen. Selbstverständlich ist es legitim, aus diesem Anlass über einen Kirchenaustritt nachzudenken. Herr Wagner ist Vorsitzender der “Kammer für soziale Ordnung” der EKD, und dies ist sicher kein einmaliges Statement.
Was fast noch (ver)störender ist als die Standpunkte, ist die manipulative "Beweisführung", die sich durch den ganzen Text zieht.
Beispiel:
"Aber die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler will diesen Weg gehen. Die FDP wurde sogar von so vielen gewählt wie noch nie. Deswegen darf man sich nun nicht beschweren,..."
Ach, ich darf mich nicht beschweren? In welches Lager werde ich gesteckt, wenn ich es doch tue?
Noch eins:
"Aber man sollte so ehrlich sein zuzugeben, dass an die Wirksamkeit einer Schuldenbremse im Grundgesetz doch niemand wirklich geglaubt hat. Insofern wird zumindest bei den Entscheidungsträgern in der Gesellschaft noch nicht einmal ein Vertrauens-Schaden entstehen."
Es beruhigt mich ungemein, dass die Entscheidungsträger sowieso nicht an ihre grundgesetzlich verankerten Beschlüsse glauben. Dass Herr Wagner sich anscheinend für einen Entscheidungsträger hält, ist eine dieser abgründig komischen Possen, die den Leim der FDP ausmachen.
Und so ließe sich noch der ganze Artikel zerpflücken. Aber was solls. Entscheidungsträger ist auch jeder, der seine Austrittserklärung abschickt. Schaun wir mal...
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Mit einkommensunabhängigen Versicherungbeiträgen befindet sich die neue Regierung auf dem Weg zur privaten Krankenversicherung. Wohin das führt, kann in USA studiert werden: Unverhältnismässig teueres System, ein Sechstel der Bevölkerung unversichert. Das hat System. So wie die Riester-Rente nicht den Rentnern, sondern den Finanzdienstleistern nützt, so die Kapitalisierung der Pflegeversicherung nicht den dereinst zu Pflegenden, sondern dem Kapital. Bin gespannt, wann dem Deutschen Volk der Kragen platzt.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ich fasse es nicht. Jeder Dummkopf weiß, dass die Kopfpauschale zu nichts anderem dient, als die Reichen zu entlasten und die Armen zu belasten. Wenn nämlich tatsächlich ein "sozialer Ausgleich" stattfinden würde (die Reichen zahlen Steuern, und die kriegen dann die Armen), dann könnte man das System ja gerade so lassen, wie es ist, per Beiträge, ohne Umweg über die Steuern. Eine viel bessere Idee - wenn man schon meint, die ganze Gesundheit ist zu teuer usw. usw. - ist es, die Beitragsbemessungsgrenze abzuschaffen. Aber das ist kein Thema. Warum wohl?
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Der Schreiber hat FDP gewählt !
Warum nicht dem sozialen Weg eine Chance geben???
Die Worte Kopfpauschale und Gerechtigkeit in einem Werk zu nennen ist schon sehr sprechend. Und durch Steuern einen Ausgleich schaffen... Warum denn erst die Pauschale, wenn dann doch wieder ausgeglichen wird? Weil der Ausgleich von den Steuern kommt, die wiederum der kleine Mann, der keine Chance hat in die Schweiz zu gehen, nichts absetzen kann, usw. zahlt. Hauptsache die Masse wird aus Steuern bezahlt. Das trifft dann auch den kleinen Mann aus der Mitte. Die, die mehr haben als sie jemals ausgeben können, dürfen um Gottes Willen nicht mehr belastet werden.
Wenn schon das Denken der Kirche in diese Richtung geht, ist es bis zum Feudalismus nicht mehr weit.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Bleibt zu hoffen, dass nach diesem Beitrag brave Kirchensteuerzahler ihre Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche überdenken und ihre Abgaben besser anderen, dem Gemeinwohl dienenden, Organisationen zu Gute kommen lassen.
RE: RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ich kann mir ja viele Gründe vorstellen, aus der Kirche auszutreten, aber ein einzelner Beitrag, eine einzelne Meinung auf evangelisch.de?
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Ich habe in einem kombinierten Philosophie-Theologie-Studium gelernt, dass die Differenziertheit des Denkens und Handelns eine erstrebenswerte Utopie wäre. Die Politik der letzten Jahre bzw. des letzten Jahrzehnts zeichnet sich durch Pauschalierung aus - dem Gegenteil von Differenzierung und Individualität. Für mich stellt Pauschalierung einen geschichtlichen Rückschritt dar: sie ist regressiv.
RE: RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Die Kopfpauschale ist so unsozial!Kennt eine hier die Britisch "Poll Tax" von 1989?
Ich bin Brite und weisst GENAU was da los war!
1.Wo soll diese Steuerausgleich kommen.Von die Reichen bestimmt nicht weil ihre Steuern soll zum xten mal gesenkt.JA mal wieder eine Mwst. erhöhung?(Trifft die Armen am Meisten)
2. Die FDP haben gesagt "mehr Netto von Brutto!)-Anscheinend nur für Besserverdiener/reichen-Wer wird hier die verliere-Ich sage es jetzt schon-Einkommen von ca 1500-2000 €-Genau die Menschen die FPD ansprechen möchten.
Seit 1998 hat es Steuerentlastungen von ca 105 MILLIARDEN € PRO Jahr gegeben.Proftiert haben Reichen(+70% Vermögen),Unternehmen am meisten.Gleichzeitig ist die Verfügbar Einkommen für Arbeitnehmer REAL um 11,3% GESUNKEN.Diese "Kopfsteuer" reduziert Kaufkraft für viele Familien so kann keine Wirtschaftswachstum entstehen wenn die Kaufkraft immer weiter schwindet!
Eine Reicher Person kann schliesslich auch nur 1 Mahlzeit essen egal wieviel Geld man hat.
RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Dasselbe sagte auch Herr Hundt. Dann wird es ja sicher stimmen!
RE: RE: Dem liberalen Weg zu Gerechtigkeit eine Chance geben
Es ist nicht das Ansinnen dieser Regierung Gerechtigkeit zu schaffen. Genauso wenig wie die CDU christlich ist.