Erika Steinbach entzweit die schwarz-gelbe Koalition

Erika Steinbach

Die Präsidentin des deutschen Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach (CDU), belastet das Verhältnis von CDU und FDP. Foto: dpa

Stiftungsrat - Der Streit über die Besetzung der Vertriebenen-Stiftung mit Erika Steinbach wird immer mehr zu einer Belastung für die schwarz-gelbe Koalition.

Die Unionsspitze stellte sich am Mittwoch vor die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) und wandte sich damit klar gegen den Regierungspartner FDP.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies nach der Kabinettsklausur in Meseberg auf das Vorschlagsrecht des Verbandes, das im Wahlprogramm der Union auch erwähnt sei. Das Kabinett befasste sich nicht mit dem Thema. CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) warnte die FDP vor einer Einmischung in die Frage der Besetzung des Stiftungsrates des geplanten Zentrums gegen Vertreibungen.

"Klar ist aus dem Wahlprogramm von CDU und CSU, dass wir ausdrücklich gesagt haben, dass dem BdV das Vorschlagsrecht natürlich zusteht", sagte die CDU-Vorsitzende Merkel in Meseberg bei Berlin. Das erwähne sie, weil immer wieder Zweifel aufkämen. Außenminister und FDP-Chef Guido Westerwelle sagte, die Regierung sei sich "völlig einig", dass sie erst über die Besetzung spreche, wenn es eine Nominierung gebe.

Westerwelle droht mit Veto

Kauder sagte, es sei nicht Sache einer bestimmten Partei, dem Bund der Vertriebenen Vorschriften zu machen, wen er nominieren solle oder nicht. Das Thema müsse schnell abgeräumt werden, weil es allen Beteiligten schade. Die Aufforderung der FDP mit deutschen Interessen zu verbinden, sei abenteuerlich und abwegig, sagte Kauder mit Blick auf führende Liberale. "Ich kann mir vorstellen, dass viele Deutsche das deutsche Interesse anders formulieren würden als die FDP."

Westerwelle lehnt die Berufung Steinbachs in den Stiftungsrat mit Rücksicht auf polnische Bedenken strikt ab. Er hat mit einem Veto gedroht, weil das Kabinett in dieser Frage das letzte Wort hat. FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger hatte vor wenigen Tagen gesagt, Steinbach solle sich überlegen, ob sie weiter ihre persönlichen Ambitionen über die Interessen Deutschlands stellen wolle.

Der BdV hatte die Regierung am Dienstag aufgefordert, noch in Meseberg den Weg für die CDU-Bundestagsabgeordnete Steinbach in den Stiftungsrat freizumachen. Das BdV-Präsidium hält an ihrer Benennung fest, meldete dies aber erneut nicht bei der Bundesregierung an. Damit bleibt der dritte Sitz der Vertriebenen im Stiftungsrat weiter unbesetzt. Ein Einvernehmen in der Koalition ist nicht in Sicht.

Steinbach lehnte Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze ab

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier forderte Merkel auf, den Streit um Steinbachs Rolle in der Stiftung zu beenden. "Das Schweigen im Fall Steinbach ist für die deutsch-polnischen Beziehungen belastend." Die Linkspartei-Abgeordnete Ulla Jelpke sagte, Steinbach stilisiere sich zum "Opfer einer Verschwörung". Die CDU-Politikerin hatte vor 18 Jahren die Anerkennung der deutsch-polnischen Oder- Neiße-Grenze abgelehnt.

Die Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" unter dem Dach des Deutschen Historischen Museums war nach langem Ringen zwischen Deutschland und Polen von der großen Koalition ins Leben gerufen worden. Die SPD hatte - wie die FDP jetzt - die Berufung Steinbachs in den Stiftungsrat mit einem Veto blockiert.

Der Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt, forderte von der Regierung, bis Jahresende den Weg für Steinbach in den Beirat der Stiftung freizumachen. Sonst hätte das Projekt für die Sudetendeutschen seinen Sinn verloren, sagte der CSU-Europaabgeordnete der rechtskonservativen Zeitschrift "Junge Freiheit".

dpa

Kommentare

Verfasst von Gast am 7. Januar 2010 - 13:12.

RE: Erika Steinbach entzweit die schwarz-gelbe Koalition

Auch das muss man über Frau Steinbach wissen: Sie wurde 1943 als Tochter eines...

Auch das muss man über Frau Steinbach wissen:
Sie wurde 1943 als Tochter eines Besatzungsoffiziers in Pommern geboren und flüchtete im Januar 1945 vor der Roten Armee in den Westen. Eine unschuldig Vertriebene ist diese Dame wirklich nicht, sondern allenfalls die - damals gerade zweijährige - Leidtragende des Umstandes, dass ihr Vater an der verbrecherischen Besetzung Polens teilgenommen hat, an dem große Verbrechen, mit dem Deutschland den Zweiten Weltkrieg begann! Ein Verbrechen, von dem viele deutsche Familien, vielleicht auch die Familie Erika Steinbachs, zunächst profitiert haben, in dem sie in Häusern lebten und Land bewirtschafteten, dass polnischen Bürgern gestohlen worden war. Dass sich diese Frau Steinbach als Obervertriebene stilisiert und ihre verfälschte Herkunft für ihr persönliches Machtstreben benutzt, ist peinlich - für sie, für die Nachkommen der Vertriebenen und Umgesiedelten, für unser Land. Sie sollte sich - sofern sie Anstand besitzt - so schnell wie möglich aus der aktiven Politik zurückziehen!
Eva Chr. Gottschaldt

Verfasst von Aquino am 19. November 2009 - 12:44.

RE: Erika Steinbach entzweit die schwarz-gelbe Koalition

Ich finde, sowas muß man nicht durchpauken, erst recht nicht eine Partei...

Ich finde, sowas muß man nicht durchpauken, erst recht nicht eine Partei mit dem hohen C im Vereinsnamen!

In dem Zusammenhang geht mir der Text, der Franziskus zugeschrieben wird, nicht aus dem Kopf "Herr, mach mich zum Werkzeug Deines Friedens... . "

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