Pro NRW - Im Ruhrgebiet ist am Freitag gegen Aktionen der rechtspopulistischen Organisation "Pro NRW" protestiert worden. Dazu hatten Bündnisse von Parteien, Gewerkschaften und Kirchen Bürgerfeste rund um Moscheen, interreligiöse Friedensgebete und Kundgebungen organisiert. In Mülheim/Ruhr und Oberhausen feierten die Bündnisse gemeinsam mit islamischen Gemeinden Feste, um ein Zeichen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen.
Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel hatte in Oberhausen eine Besuchstour von Moscheen im Ruhrgebiet gestartet. Es sei ein schlimmes Zeichen, dass "Pro NRW" schon in vielen Stadträten in Nordrhein-Westfalen sitze, sagte der Politiker. Einen Grund sieht er in der niedrigen Wahlbeteiligung. Gabriel forderte in Oberhausen ein kommunales Wahlrecht für alle Ausländer. "Wahlrecht ist Menschenrecht und kein Nationenrecht", sagte er.
Weitere Stationen seiner Tour sollten die Moscheen in Gelsenkirchen, Mülheim an der Ruhr, Essen-Katernberg und Bochum sein. Gabriel besuchte am Mittag auch ein interreligiöses Friedensgebet in der Fatih-Moschee in Essen-Katernberg.
"Unerträglicher Missbrauch des Namens Christi"
An den sogenannten Mahnwachen von "Pro NRW" unter dem Motto "Abendland in Christenhand" vor Moscheen in Oberhausen, Herten, Gelsenkirchen, Mülheim, Essen-Katernberg und Bochum nahmen nach Polizeiangaben etwa 30 bis 40 Menschen teil. Sie sollen aus Köln gekommen sein und fuhren von Moschee zu Moschee quer durch das Ruhrgebiet. Die Gegenveranstaltungen waren nach Schätzungen der Polizei von insgesamt etwa 2.000 Menschen besucht.
"Wir halten Mahnwache für die Würde aller Migranten", fasste der Oberhausener Oberbürgermeister Klaus Sehling (SPD) das Engagement der Mitwirkenden gegen Rechts zusammen. Die Oberbürgermeisterin von Mülheim an der Ruhr, Dagmar Mühlenfeld (SPD), sprach sich gegen Fremdenfeindlichkeit und religiöse Ausgrenzung aus. "Wir verurteilen es, wenn fremdenfeindliche Gruppen versuchen, mit Kampagnen gegen den Islam einen antimuslimischen Rassismus gesellschaftsfähig zu machen", sagte die Politikerin.
Der Oberhausener Superintendent Joachim Deterding nannte die "Pro NRW"-Parole "Abendland in Christenhand" einen "unerträglichen Missbrauch des Namens Christi, der mit seinem Leben und seinem Sterben für Toleranz, Achtung und gegenseitigen Respekt eingetreten ist". Auch die Steyler Missionare in Sankt Augustin bei Bonn sprachen in einer Erklärung von einer "Frechheit", was "Pro NRW" unter "dem Deckmantel des Christentums verkaufen möchte".
Kirchen mit deutlicher Stellungnahme gegen Moschee-Gegner
Neben Sigmar Gabriel, dessen Moscheetour in Bochum enden sollte, hatte sich auch der deutsche Rocksänger Peter Maffay angekündigt. An diesem Samstag erwartet "Pro NRW" nach eigenen Angaben 1.500 Teilnehmer zu einem Parteitag und einer "internationalen Anti-Minarett-Konferenz" in Gelsenkirchen. Für Sonntag hat die Organisation einen Sternmarsch zur Duisburger Merkez-Moschee angekündigt. Dazu werden am Wochenende Gegendemonstrationen erwartet.
Die evangelischen Landeskirchen im Rheinland und von Westfalen sowie die katholischen Bistümer Essen und Münster hatten am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung deutlich Stellung gegen die "Kampagne gegen unsere muslimischen Nachbarn" bezogen. Sie wandten sich entschieden gegen den Versuch, mit der Parole "Abendland in Christenhand" Christen für ihre Kampagne zu vereinnahmen. "Die Positionen dieser Gruppierung sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar", heißt es in dem Schreiben der Präsides Nikolaus Schneider und Alfred Buß sowie der Bischöfe Felix Genn und Franz-Josef Overbeck an die Gemeinden.





Kommentare
Gabriel will nicht nur Kommunalwahlrecht
Um die aktuellen, sehr türkeifreundlichen Äußerungen von Sigmar Gabriel [1] [2] [3], Gerhard Schröder [4] und Klaus Wowereit [5], aber auch von grüner Seite [6] besser einordnen zu können, sollte man sich die Wählerstruktur der SPD genauer ansehen. In Kürze findet nämlich eine Landestagswahl in NRW statt.
[B]Türkeistämmige in NRW wählen laut einer Umfrage in 2009 zu 94% linke Parteien (SPD, Grüne, Linkspartei).[/B] Im Detail:
SPD 60%
Grüne 23%
Linkspartei 11%
CDU 4%
FDP 2%
[url]http://www.zft-online.de/UserFiles/File/NRW-Bericht%202009.pdf[/url] (Seite 175)
2005 war dies ähnlich, damals präferierten 91% der Türkeistämmigen linke Parteien.
Hier der Vergleich mit der Präferenz der deutschen Bevölkerung:
[B][img]http://img32.imageshack.us/img32/1141/2009parteineigungtrkeis.png[/img][/B]
Die Quoten sind für alle linken Parteien höher als bei der deutschen Stammbevölkerung. Das heißt: Die aktuelle Umwerbung von Türkenverbänden, Erdogan und islamischen Gruppen durch die drei linken Parteien dürfte zu einem erheblichen Maße machtpolitisch gesteuert sein. Am konsequentesten ist die Linkspartei: Sie fordert faktisch Einbürgerung und Wahlrecht für alle Ausländer. Auch die Grünen haben mit Cem Özdemir ein passendes Aushängeschild.
Wie groß der Einfluss der Türken auf die Parteien ist, hat auch schon der türkische Ministerpräsident Erdogan vorhergesagt: [I]"Diejenigen, die gegen die Türkei das Wort ergreifen, diejenigen, die der Türkei auf dem Weg der Mitgliedschaft Hindernisse in den Weg legen wollen, sollten sich der demokratischen Macht der türkischen Gemeinde bewusst werden. Die Politiker eines beliebigen Landes sollten, wenn sie eine Erklärung abgeben wollen, einkalkulieren, wie die Türken in diesem Punkt denken: „Wie würden die Türken darauf reagieren?“. Sie sollten das unbedingt berücksichtigen. [B]Sie werden sehen, das werden sie auch tun.[/B]"[/I] [7]
Ob derartige Klientelpolitik zum Nutzen Deutschlands ist, steht auf einem anderen Blatt.
[1] Gabriel will umfassendes Wahlrecht für Türken und andere Nicht-EU-Ausländervon: [url=http://wissen.dradio.de/index.58.de.html?drn:news_id=5916&drn:date=1269601200]Gabriel will umfassendes Wahlrecht für Türken und andere Nicht-EU-Ausländer[/url]
[2] Gabriel für Türkischunterricht an Schulen: [url=http://de.news.yahoo.com/17/20100327/tde-gabriel-fuer-tuerkischunterricht-an-08c524b.html]Gabriel für Türkischunterricht an Schulen - Yahoo! Nachrichten Deutschland[/url]
[3] Gabriel hat vor türkischen Journalisten den Sprachnachweis vor dem Familiennachzug heftig kritisiert: [url=http://www.migazin.de/2010/03/20/turkische-presse-europa-19-03-2010-islamkonferenz-sigmar-gabriel-auslandsturken-visum/]Türkische Presse Europa 19.03.2010 - Islamkonferenz, Sigmar Gabriel, Auslandstürken, Visum | MiGAZIN[/url]
[4] Schröder fordert nachdrücklich EU-Beitritt der Türkei: [url=http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/tuerkei-politik-schroeder-fordert-mehr-deutsche-hilfe-fuer-eu-beitritt_aid_494816.html]Türkei-Politik: Schröder fordert mehr deutsche Hilfe für EU-Beitritt - Weitere Meldungen - FOCUS Online[/url]
[5] Wowereit kritisiert Merkel nach Türkei-Besuch: [url]http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Klaus-Wowereit-Angela-Merkel-Tuerkei;art122,3071462[/url]
[6] SPD und Grüne kritisieren Merkels Türkei-Politik scharf: [url=http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5j4wMd08MAGKBv1k78xPGqvJUARQQ]AFP: SPD und Grüne üben scharfe Kritik an Merkels Türkei-Politik[/url]
[7] Rede Erdogans: [url]http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~E043C7896CF064E06910E5FE63753FB12~ATpl~Ecommon~Scontent.html[/url]
Steilvorlage für PRO-NRW
Eine bessere Wahlkampfhilfe für pro-nrw hätte sich Herr Gabriel wohl nicht ausdenken können. Kommunales Wahlrecht für Nicht-EU-Bürger ohne deutsche Staatsbürgerschaft ! In Städten des Ruhrgebiets mit einem türkischen Bevölkerungsanteil von teilweise über 30 Prozent !
Will er damit seine klassischen Stammwähler noch mehr vergraulen?
Abendland in Christenhand...
...ist natürlich eine selten dämliche Parole. Kaum zu glauben, dass Pro sowas plakatiert und damit auch noch Erfolg hat. Bezüglich der Intentionen von Herrn Gabriel sollte man sich allerdings auch keine Illusionen machen, da geht es vorrangig weder um religiöse Toleranz noch um Integration, sondern primär um die Erschließung neuer Wählergruppen...
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"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de
Für dumm verkauft!
Wahlrecht ist noch nie ein "Menschenrecht" gewesen, sondern ist und bleibt überall auf der Welt ein Bürgerrecht (Staatsbürgerkunde für Anfänger !). Und wer hier wählen will, braucht einfach nur die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen bzw. für diese zu optieren,niemand hindert ihn daran.
Herr Gabriel will die Bürger dieses Landes für dumm verkaufen. Er sollte lieber ehrlich sagen, daß er seiner Partei ein neues Wählerreservoir erschließen möchte.
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