Merkel: Abzug aus Afghanistan "unverantwortlich"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhält sich vor ihrer Regierungserklärung zu Afghanistan mit dem Generalinspekteur der Bu

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhält sich vor ihrer Regierungserklärung zu Afghanistan mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker. Foto: dpa/Wolfgang Kumm

Bundestag - Trotz der schweren Verluste der Bundeswehr in Afghanistan hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Einsatz für alternativlos. Forderungen nach einem sofortigen Abzug der deutschen Truppen aus Afghanistan bezeichnete sie als "unverantwortlich".

"Es wäre (...) ein Trugschluss zu glauben, Deutschland wäre nicht im Visier des internationalen Terrorismus", sagte sie in ihrer Regierungserklärung im Bundestag. Die Folgen eines Abzugs wären "weit verheerender als die Folgen der Anschläge vom 11. September 2001". Afghanistan würde "in Chaos und Anarchie versinken".

Zugleich zeigte die Kanzlerin abermals Verständnis dafür, dass Soldaten den Afghanistan-Einsatz als Krieg bezeichnen. "Das verstehe ich gut." Sie warnte davor, die Situation in Afghanistan zu beschönigen. "Niemand von uns verharmlost." Merkel rief die Abgeordneten des Bundestags dazu auf, zu dem erst im Februar vom Parlament beschlossenen Mandat zu stehen. "Wir können von unseren Soldaten nicht Tapferkeit erwarten, wenn uns selbst der Mut fehlt, uns zu dem zu bekennen, was wir beschlossen haben." Innerhalb von zwei Wochen waren in Afghanistan sieben deutsche Soldaten getötet worden.

Fortschritte und Rückschritte

Die Kanzlerin räumte Fehler im Zusammenhang mit dem Afghanistan- Einsatz in den vergangenen Jahren ein. "Es gab manche Fortschritte, es gab zu viele Rückschritte, und unsere Ziele waren zum Teil unrealistisch hoch oder sie waren zum Teil falsch." Merkel wies auf die neue Afghanistan-Strategie zur schnellen Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen hin. "Unser Einsatz ist nicht auf Dauer angelegt, aber auf Verlässlichkeit." Das Land zu einer Demokratie nach westlichem Vorbild machen zu wollen, wäre zum Scheitern verurteilt.

Die Folgen eines Abzugs wären nach Merkels Einschätzung auch für die internationale Gemeinschaft und die Sicherheit in Deutschland «unabsehbar». So würde die Gefahr erheblich steigen, dass Nuklearmaterial in die Hände extremistischer Gruppen gelange. Ein Abzug wäre eine "Ermutigung für alle Extremisten, die weit über Afghanistan und seine Nachbarn hinausgehe". Merkel wiederholte die Aussage des früheren Verteidigungsministers Peter Struck (SPD), dass die Sicherheit in Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werde.

Letzte Option

Zweifel an der Gültigkeit des Afghanistan-Mandats, wie sie von SPD-Chef Sigmar Gabriel geäußert worden sind, wies die Kanzlerin zurück. "Dieses Mandat ist über jeden vernünftigen völkerrechtlichen und verfassungsrechtlichen Zweifel erhaben", sagte sie. Der Einsatz der Bundeswehrsoldaten ist aber nach Ansicht von Merkel nur die letzte Option. "Er kann stets nur das letzte Mittel sein, streng gebunden an Völker- und Verfassungsrecht." Merkel erinnerte daran, dass auch Unbeteiligte infolge deutschen Handelns ihr Leben verloren. Dabei nannte sie den Luftschlag bei Kundus vom 4. September, bei dem bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt wurden.

Zuvor hatte Merkel den Angehörigen, Freunden und Kameraden der sieben getöteten Bundeswehrsoldaten ihr Mitgefühl ausgesprochen. Die Soldaten seien gestorben, weil sie Afghanistan zu einem Land ohne Terror und Angst machen wollten. «Alle Soldaten, die in Afghanistan Dienst tun, verdienen unsere Solidarität und unser Mitgefühl.

dpa

Kommentare

Verfasst von Gast am 24. April 2010 - 15:04.

Unverantwortlich ist der Afghanistan-Einsatz

...nicht der Abzug! Es ist einfach widerwärtig zu hören und zu lesen, wie von...

...nicht der Abzug! Es ist einfach widerwärtig zu hören und zu lesen, wie von unseren Politikern die sinnlos verheizten Soldaten auch noch instrumentalisiert werden zur Rechtfertigung einer falschen und von unserer Bevölkerung nicht mitgetragenen Politik. Die gebetsmühlenartige Wiederholung des Unfugs, dass "unsere Freiheit am Hindukusch verteidigt" werde, macht ihn nicht plausibler. Die Panikmache mit "Nuklearmaterial in den Händen von Terroristen" ist von derselben Qualität wie George W. Bushs Massenvernichtsmittel Saddam Husseins. Erfreulich, dass die Deutschen offenbar nicht mehr so dumm sind, auf Feindbildpropaganda hereinzufallen.

Verfasst von Gast am 24. April 2010 - 13:23.

Der umgehende Abzug ist alternativlos

1. Die zivilen Aufbauziele in Afghanistan sind in 8 Jahren in keiner Weise...

1. Die zivilen Aufbauziele in Afghanistan sind in 8 Jahren in keiner Weise erreicht worden.
2. Eine Doppelstrategie von friedlicher Entwicklungshilfe der Deutschen und ausgesprochen rücksichtsloser Kriegsführung der Amerikaner ist gescheitert und hat uns jetzt selbst in einen innerafghanischen Bürgerkrieg gezogen.
3. Man kann gegen den Terrorismus keinen Krieg dieser Art führen.
4. Nicht einmal das Marionettenregime Karzai will weiter diese Kriegsführung, weil die vielen zivilen Opfer ihm zugeschrieben werden.
5. Die deutsche Bevölkerung lehnt den Afghanistan-Einsatz seit Jahren mehrheitlich ab, d.h. mit einer mühsam zusammengetrommelten Parlamentsmehrheit wird gegen das Volk regiert.
6. Der Afghanistankrieg verschlingt dringend benötigtes Geld für sinnlose Ziele.
7. Deutsche Soldaten sterben (per neuer Strategie absehbar stark steigend) für ein ausssichtsloses Unternehmen.
FAZIT: Vernünftigerweise den Abzug einleiten.

Verfasst von Kathy_Valiant am 22. April 2010 - 19:27.

Nein, ich glaube, das wird

Nein, ich glaube, das wird noch einmal bereuen, nicht früher abgezogen zu...

Nein, ich glaube, das wird noch einmal bereuen, nicht früher abgezogen zu sein. Leider, leider nutzt der Einsatz nicht so, wie es wünschenswert wäre, im Sinne aller, die unter den Verhältnissen leiden. Natürlich darf man beim Abzug kein nukleares Material herumliegen lassen, oder was meint die Kanzlerin damit?

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