Platzeck: Aufrichtig mit Stasi-Verstrickungen umgehen

Matthias Platzeck

Derzeit ob seines Koalitionspartners vielen Fragen ausgesetzt: Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Foto: dpa/Patrick Pleul

Koalition in Branden - Nach dem Wirbel um Stasi-Verstrickungen von Linkspartei-Abgeordneten hat Ministerpräsident Platzeck es als Fehler bezeichnet, Abgeordnete nicht systematisch überprüft zu haben.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Vertreter aller Fraktionen riefen zu einem aufrichtigen Umgang mit der DDR-Geschichte auf. Dass es seit 1990 keine systematische Stasi-Überprüfung aller Abgeordneten gegeben habe, "war ein Fehler", sagte Platzeck in einer Sondersitzung des Landtages am Freitag in Potsdam. Der Landtag will noch im Dezember das Abgeordnetengesetz entsprechend ändern.

Die Fraktionsvorsitzende des Koalitionspartners von der Linken, Kerstin Kaiser, räumte ein: Es sei ein Vertrauensverlust entstanden, weil manche Abgeordnete ihre frühere Stasi-Tätigkeit verschwiegen hatten. "Ich bedaure das zutiefst", sagte Kaiser, die in der DDR selbst als IM für die Stasi tätig war. Die Linke müsse als "Nachfolgepartei der SED" zu ihrer Verantwortung für das Scheitern des Realsozialismus stehen und deshalb auch politische Biografien offenlegen. Eine undemokratische, diktatorische und totalitäre Herrschaft dürfe niemals akzeptiert, verherrlicht oder verharmlost werden, sagte Kaiser.

"Landtag keine Selbsthilfegruppe"

CDU-Fraktionschefin Johanna Wanka kritisierte den Umgang der Linken mit den Stasi-Vorwürfen. Verstrickungen würden immer nur dann eingeräumt, wenn ein Leugnen nicht mehr möglich sei, sagte Wanka. Bisher habe sich kein einziger ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in der Linksfraktion "freiwillig geoutet". Der Landtag sei jedoch "keine Selbsthilfegruppe" für Täter, so Wanka. Die Opfer stünden viel zu selten im Mittelpunkt.

Platzeck betonte, das "dramatische Versagen" mehrerer Abgeordneter der Linken sei keine politische Krise der Landesregierung und der Koalitionsparteien, sondern eine "Krise der moralischen und der politischen Integrität einiger" Landtagsmitglieder. Der Ministerpräsident kritisierte "treibjagdartige Auswüchse" und eine "teilweise denunziatorische Art" der aktuellen Diskussionen und warf der CDU einen Missbrauch der Stasi-Vorwürfe gegen die Linkspartei vor. Eine persönliche Weiterentwicklung seit 1989 müsse auch Politikern der Linken zugestanden werden.

Die CDU müsse auch ihre eigene Vergangenheit als Blockpartei in der DDR aufarbeiten, forderte SPD-Fraktionschef Dietmar Woidke. Wer Aufarbeitung instrumentalisiere, verhindere damit eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte.

Kritik an "Stasi-Enthüllungskampagne"

Kaiser sprach von einer "Stasi-Enthüllungskampagne" in den Medien und kritisierte sie als Diskreditierung des bereits geplanten demokratischen Verfahrens zur Stasi-Überprüfung der Abgeordneten. In der Berichterstattung seien Fehlinterpretationen nicht ausgeschlossen, Urteilsverkündung und -vollstreckung würden so den Medien überlassen.

Dass sich der brandenburgische Landtag einen Ruf als "Biotop für ehemalige Stasi-Aktivisten" erworben habe, sei Folge von "Versäumnissen des ganzen Hauses", kritisierte Grünen- Fraktionschef Axel Vogel. Nicht nur Verstrickungen mit der Stasi, sondern mit dem gesamten DDR-Machtapparat müssten aufgearbeitet werden, forderte er. Auch die FDP rief zur Aufklärung von Vorwürfen auf.

Die brandenburgische Koalition aus SPD und Linken steht seit Wochen wegen immer neuer Vorwürfe zu Stasi-Verstrickungen von Abgeordneten der Linken in der Kritik. Der Abgeordnete Gerd-Rüdiger Hoffmann erklärte am Freitag nach anhaltender Kritik seinen Austritt aus der Landtagsfraktion der Linken. Eine weitere Abgeordnete der Linken hatte bereits zuvor ihr Landtagsmandat wegen Stasi-Vorwürfen niedergelegt.
 

epd

Kommentare

Verfasst von Christian1980 am 14. Dezember 2009 - 10:49.
Kommentar auf: 20 Jahre

RE: 20 Jahre

In der alten Bundesrepublik hat es etwa 20 Jahre gedauert, bis die etablierte...

In der alten Bundesrepublik hat es etwa 20 Jahre gedauert, bis die etablierte Politik eine echte Bereitschaft zeigte, sich mit den eigenen Verwicklungen im Nazi-Reich ernsthaft zu beschäftigen.

Wohl wahr - aber ist das eine Fehlentwicklung, die unbedingt wiederholt werden muss?

---
"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de

Verfasst von Gast am 5. Dezember 2009 - 3:18.

RE: Platzeck: Aufrichtig mit Stasi-Verstrickungen umgehen

Platzeck fordert offeneren Umgang mit der Linken” MP Platzeck hat glaube ich,...

Platzeck fordert offeneren Umgang mit der Linken”

MP Platzeck hat glaube ich, die Ihm zugesandten Unterlagen nicht gelesen, sonst würde er nicht mit der Partei DIE LINKE in Regierungsverantwortung gehen!!!

Es sind Ihm genug Unterlagen über Gysi, Lafontaine und Co. zugemailt worden.

Er sollte das neue Buch Von Hubertus Knabe °Die Wahrheit über DIE LINKE”
vorher lesen, bevor er mit der LINKEN Verantwortung in Brandenburg übernimmt!

Original Message
From: Bernd Heinicke

Sent: Friday, October 09, 2009 11:15 PM
Subject: Fw: Stellungsnahme zum Brief an Oskar Lafontaine

Hallo lieber Klaus Ness,

mit der BITTE zur Weiterleitung der Informationen im Anhang für MP Matthias Platzeck von einen ehemaligen SPD Mitglied, 2003 ausgetreten, ehemaliges Mitglied der Partei DIE LINKE (SED-PDS) von 04/2007 bis 31.12.2008.

Gruß aus Baunatal
Bernd Heinicke

im Anhang ist der handgeschriebene Brief, den ich persönlich am 31.08.2008
in Lollar auf dem Parteitag der LINKEN in Anwesenheit der Presse, Oskar
Lafontaine, zusammen mit den kompletten Unterlagen übergeben habe.

Herr Lafontaine hat mir im Beisein von Werner Dreibus zugesichert, das er
sich der Sache annimmt.

Bis heute ist diesbezüglich nichts geschehen.

Anscheinend ist eine basisdemokratische Partei nicht gewollt und die alten
Mechanismen (STASI 2.0) greifen immer noch. Herr Lafontaine sollte nur nicht sagen er hätte nichts gewusst.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd Heinicke

Wenn man diese Partei, DIE LINKE von Innen kennengelernt hat, kann man die Bürger/innen nur vor dieser Partei warnen, diese zu wählen!!!

Die Erfahrung hat uns dann zu folgenden Schritt veranlasst:

Betreff: Presseerklärung zum 05.01.2009 des OV Baunatal DIE LINKE.

Nachdem die Vorstandsmitglieder des Bernd Heinicke, Martina Walter und Stawri Sarbidi zum 31.12.2008 ihre Vorstandsämter des OV Baunatal DIE LINKE. niedergelegt haben, treten 33 Mitglieder = (40 Prozent des Kreisverbandes Kassel-Land DIE LINKE.) des OV Baunatal DIE LINKE. ebenfalls mit Wirkung zum 31.12. 2008 aus der Partei DIE LINKE. aus.

Begründung:

1.) fehlende Basisdemokratie
2.) geheime Zirkel, unterschiedliche E-Mailverteiler, Dossiers der Mitglieder
3.) fehlende Streitkultur
4.) Mobbing von Mitgliedern, Parteimitglieder werden fertig gemacht.
5.) Arbeitslose, Hartz IV und Behinderte werden diskreditiert und ausgrenzt.
6.) statt Armutsbekämpfung , nur Armutsverwaltung
7.) Elitäre Kaderbildung, statt Basisdemokratie

Bernd Heinicke Martina Walter Stawri Sarbidi

Verfasst von Christian1980 am 4. Dezember 2009 - 22:48.

Platzeck: Aufrichtig mit Stasi-Verstrickungen umgehen

Die Tatsache, dass die Stasi im Brandenburger Landtag inzwischen in Fraktionsst...

Die Tatsache, dass die Stasi im Brandenburger Landtag inzwischen in Fraktionsstärke vertreten ist, sollte wirklich jedem zu denken geben - ganz unabhängig von der politischen Ausrichtung...

---
"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen