Rente mit 67 - in Deutschland überhaupt möglich?

Rentnerinnen

Beschäftigte sollen künftig erst mit 67 Jahren in Rente gehen. Doch selbst wenn sie solange arbeiten können und wollen, ist bisher nicht einmal sichergestellt, dass es ausreichend Arbeitsplätze für sie gibt. Foto: dpa/Oliver Berg

Jobs - Neues Sommerlochthema: Die Politik streitet um die Rente mit 67. Wann soll wer in welchem Alter in Rente gehen? Bisher ist nicht einmal gewährleitet, dass ältere Beschäftigte auch wirklich solange Arbeit haben, dass sie mit 67 erst in Rente gehen könnten.

Bei der Forderung nach einem Aussetzen der Rente mit 67 bekommt die SPD Unterstützung von den Grünen. Trotz leichter Verbesserungen sei die Arbeitsmarktlage für ältere Arbeitnehmer weiterhin schwierig, sagte der rentenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch). Nach Ansicht des Grünen-Politikers sollte der Starttermin 2012 verschoben werden. Am Zieljahr 2029, in dem die Rente mit 67 laut Gesetz erstmals für alle gilt, solle dagegen festgehalten werden.

Der SPD-Rentenexperte Anton Schaaf schlug vor, die Reform für fünf Jahre auszusetzen: Die Anhebung der Altersgrenze würde dann erst 2017 beginnen. Damit werde Zeit gewonnen, um die notwendigen Voraussetzungen für die Rente mit 67 zu schaffen, sagte er der "Braunschweiger Zeitung" (Mittwoch). Der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer, forderte ein völliges Aus für den späteren Renteneinstieg.

Nur eine Minderheit in Arbeit

Die SPD will die Rente mit 67 solange aussetzen, bis ein größerer Anteil älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich auch Beschäftigung findet. Dies hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Wochenende gefordert. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte die Forderung zurückgewiesen. Sie sieht zur Rente mit 67 angesichts des drohenden Fachkräftemangels keine Alternative. Die Ministerin musste allerdings bereits einräumen, dass heute trotz Verbesserungen nur 40 Prozent der 60- bis 64-Jährigen in Arbeit sind. Der Anteil sei aber von einem deutlich niedrigeren Niveau in den vergangenen Jahren um zwölf Prozentpunkte gestiegen. "Angesichts der großen Zahl gut ausgebildeter Älterer und des zunehmenden Fachkräftemangels muss man kein Prophet sein, um zu sagen: Dieser deutliche Trend wird anhalten", sagte die Ministerin.

Allerdings sind bei von der Leyens Zahlen auch Mini-Jobs und "prekäre Beschäftigungen" enthalten. Nach Zählung der Bundesagentur für Arbeit waren Ende vergangenen Jahres nur knapp 25 Prozent der 60- bis 65-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) bekräftigte die Haltung von SPD-Chef Gabriel. Schon jetzt arbeite nur eine Minderheit der Beschäftigten bis zum 65. Lebensjahr, sagte Machnig dem Sender MDR Info. "Nur 14 Prozent der Frauen und 23 Prozent der Männer zwischen 60 und 64 sind noch berufstätig. Das heißt, der Großteil ist vorher in Rente gegangen." Da die Erwerbstätigenquote nicht gestiegen sei, sollte das Gesetz nicht umgesetzt werden.

Bericht bis Ende November

Nach dem von Union und SPD in der großen Koalition 2006 beschlossenen Gesetz soll die Altersgrenze für die Rente zwischen 2012 und 2029 schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angehoben werden. Erst für Versicherte ab Geburtsjahrgang 1964 soll die Regelaltersgrenze von 67 Jahren gelten. Das Gesetz sieht allerdings eine Überprüfungsklausel vor. Zuvor sollen die Arbeitsmarktchancen Älterer analysiert werden.

Der Grünen-Politiker Strengmann-Kuhn bedauerte, dass sich die Regierung bereits auf die Einführung der Rente mit 67 ab 2012 festgelegt habe, obwohl laut Gesetz im Herbst erst einmal eine Überprüfung der Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitnehmer ansteht. Ende November muss die Regierung einen Bericht vorlegen, über den der Bundestag dann abstimmt. "Der Streit ist voreilig, und die Arbeitsministerin sollte sich ans Gesetz halten", sagte er. SPD-Politiker Schaaf warf von der Leyen vor, die Berichtspflicht nicht ernst zu nehmen.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) geht davon aus, dass das Renteneintrittsalter langfristig auf 70 Jahre steigen muss. "Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate in Deutschland anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen", sagte IW-Chef Michael Hüther der "Rheinischen Post" (Mittwoch).

dpa

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