Provokateur vom Dien - "Sozialer Friede ist Opum für das Volk": Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin, bekannt für seine provokanten Äußerungen, wirft den Deutschen eine mangelnde Streitkultur vor.
Der für seine provokanten Äußerungen bekannte Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat den Deutschen eine mangelnde Streitkultur vorgeworfen. "Es muss in einer Gesellschaft auch eine gewisse Menge Streit, Krach und Kontroverse geben, denn es gibt ja auch unterschiedliche Interessen", sagte der SPD-Politiker und frühere Finanzsenator Berlins der "Saarbrücker Zeitung" (Donnerstag). "Die deutsche Harmoniesucht hat doch dazu geführt, dass viele Dinge gar nicht klar genug benannt und dann aufgeschoben werden."
"Sozialer Friede ist Opium für das Volk"
Sarrazin, der 2009 in einem Interview Türken und Arabern in Berlin keine produktive Funktion "außer für den Obst- und Gemüsehandel" eingeräumt hatte, betonte, der soziale Friede sei ein hoher Wert. "Wenn man ihn aber in jeder Debatte als Monstranz vor sich her trägt, dann ist dies Religionsersatz, und Religion ist nach Karl Marx Opium für das Volk." Er forderte eine ehrliche Debatte über bestimmte Probleme, etwa einer sich "verfestigenden Unterschicht".
In der Hauptstadt liege der Anteil von Hartz-IV-Empfängern bei 20 Prozent, doch es kämen 40 Prozent der Berliner Kinder aus diesem Bereich. "Die Zahl derer, die überhaupt zum Steuerzahlen zur Verfügung steht, wird immer kleiner", sagte Sarrazin, der jüngst Kindergeldkürzungen bei nicht gemachten Hausaufgaben gefordert hatte.
Immer nur ein Feind gleichzeitig
Die Probleme in der schwarz-gelben Koalition hängen für Sarrazin mit zwischenmenschlichen Dissonanzen zusammen. "Es knirscht einfach zwischen den Personen Angela Merkel und Guido Westerwelle. Wenn man Politik machen will, muss man zu anderen Politikern, die man braucht, ein menschlich vernünftiges Verhältnis aufbauen", sagte Sarrazin. "Die Römer wurden deshalb mächtig, weil ihr militärisches Prinzip war: Immer nur ein Feind gleichzeitig. Man kann nicht Politik machen, indem man nur von Feinden umgeben ist."
Bei Kanzlerin Merkel (CDU) und Außenminister Westerwelle (FDP) könne man zwei suboptimale Extreme studieren. "Westerwelle wurde medial zum Opfer seines schiefen Bildes von der spätrömischen Dekadenz. Angela Merkel wird tendenziell zum Opfer einer Kommunikationsstrategie, die jede denkbare Anstößigkeit vermeidet und damit die Kommunikationsinhalte bis zum Nichtssagenden entkleidet."





Kommentare
Schämen sie sich Herr Sarrazin!
Eins muss man Herrn Sarrazin lassen, von der römischen Kriegskultur hat er gelernt. Immer nur einen Feind zur gleichen Zeit.
Bei ihm ist das die „sich verfestigende Unterschicht von 20 %“. Er, der Sozialdemokrat versucht das zu ändern, indem er dieser „Unterschicht“ die Mittel kürzt. Keine sozialen Mittel, keine Unterschicht scheint sein Lösungsansatz zu sein.
Kein sozialer Friede, dann verhindert man auch das „Opium“ für diese Menschen.
Die muss man aufschrecken, damit sie dankbar sind für die Gaben vom Tisch der Reichen. Kein Rechtsanspruch auf soziale Mittel – Entlastung für die Oberschicht und Kostenminimierung.
Herr Sarrazin ist in der falschen Partei. Er gehört in die Westerwellische FDP. Er ist der geborene Vertreter spätrömischer Dekadenz.
„Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm“.
Ob er sich wohl wenigstens schämt?
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