Schavan kritisiert "Arbeitskreis Engagierter Katholiken"

Annette Schavan

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Foto: dpa / Alina Novopashina

Kritik - Christlich ist nicht gleich konservativ, und Katholiken sind keine Minderheit in der CDU: Der Partei-Vizevorsitzenden Annette Schavan behagt der neue katholische Arbeitskreis in der CDU gar nicht.

Außer zum "Arbeitskreis Engagierter Katholiken" in der Union äußerte sich Schavan auch kritisch zur "Aktion Linkstrend stoppen". Das "C" im Parteinamen stehe nicht für Beharrungsvermögen, sagte Schavan am Donnerstagabend in der Katholischen Akademie in Berlin. Daher sollten jene, die eine bestimmte Auffassung für falsch hielten, dies nicht gleich als Vernachlässigung des Christlichen bewerten.

Derzeit bestehe in der Partei die Gefahr, mit dem Begriff "christlich" inflationär umzugehen. Das "C" bleibe aber der Kompass der CDU. "Wer eine christliche Seele vor allem als konservative Seele versteht, fügt ihr Schaden zu", betonte die Bundesbildungsministerin.

70 Prozent der CDU-Mitglieder katholisch

Der neue katholische Arbeitskreis erweckt nach Schavans Auffassung den Eindruck, als seien Katholiken in der CDU eine Minderheit. Dabei seien 70 Prozent der CDU-Mitglieder katholisch. Ebenso wehrte sich Schavan gegen Äußerungen, die CDU sei nicht mehr konservativ.

Was die Kritiker an der CDU bemängelten, betreffe vielmehr Veränderungen in der Gesellschaft. "Hinter der Kritik steckt die Trauer über diesen gesellschaftlichen Wandel", sagte Schavan. Anstatt die Parteivorsitzende Angela Merkel (CDU) als Retterin zu rufen, müsse sich die Partei damit auseinandersetzen, wie sie mit den Veränderungen umgehen wolle.

"Aktion Linkstrend stoppen"

Mehrere CDU-Politiker aus Bund und Ländern sowie konservative Intellektuelle haben kürzlich die "Aktion Linkstrend stoppen" gegründet. Ihr Ziel sei, der "Aufgabe von christlich-konservativen und marktwirtschaftlichen Positionen" entgegenzutreten. Die Gruppe kritisierte in Zeitungsanzeigen "den Marsch in den Schuldenstaat", "linke Gesellschaftspolitik wie die Homoehe" und die Fortführung der gescheiterten "Multi-Kulti-Integrationspolitik von Rot-Grün". Zudem sieht sie die "Gefahr der Islamisierung".

"Arbeitskreis Engagierter Katholiken"

Im November gründeten einige Katholiken den "Arbeitskreis Engagierter Katholiken in CDU und CSU". Der katholische Teil in der Union wolle sich wieder stärker zu Wort melden, sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete und Mitbegründer Norbert Geis. Die Union müsse sich wieder mehr anstrengen, damit Christen bereit seien, sie zu wählen. Nach Angaben des Sprechers des Kreises, Martin Lohmann, hat der Kreis mehr als 600 Mitglieder.

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 1. März 2010 - 16:40.

Mehr Arbeitskreise!

Die CDU kann meinethalben auch noch einen evangelikalen, einen orthodoxen,...

Die CDU kann meinethalben auch noch einen evangelikalen, einen orthodoxen, einen neuapostolischen Arbeitskreis bilden, wenn sie bloß endlich das "C" aus dem Parteinamen streichen wollte.

Verfasst von Gast am 27. Februar 2010 - 10:15.

Linksruck der Union

Fr. Schavan sollte sich mehr mit den letzten Wahlergebnissen in der CDU und CSU...

Fr. Schavan sollte sich mehr mit den letzten Wahlergebnissen in der CDU und CSU beschäftigen, als gegen die zu hetzen, die die Union wieder auf den rechten Pfad der Tugend zurückbringen wollen: weg von dem absolut unprofilierten Wischiwaschi a la Merkel.
Wofür steht denn die CDU heute, außer dass "Mutti" Kanzlerin bleibt egal in welcher KOnstellation? Eine solche Verengung des Parteiprofils auf den Erhalt der Kanzlerschaft einer Person hat es selbst in der Endphase Kohl nicht gegeben. Bei dem großen Christdemokraten, Konservativen und Europäer wußte man, wofür die Partei steht.
Die urbanen Stadtliberalen wird Merkel nie zum CDU-Wählen bringen. Die entschiedenen Christen aber bleiben schlicht zu Hause, wie bei jeder der letzten Wahlen immer stärker zu beobachten ist. Die wählen nicht automatisch CDU/CSU, wie sich Merkel und Co. das vielleicht vorstellen. Die sollen mal analysieren, wieviele CDU-Wähler allein beim letzten Mal Nicht-Wähler geworden sind. Themen? Homoehe, Abtreibung, Adoptionsrecht für Homopaare, Stammzellenschutz, EU und Kirchen (Kreuze!!), Islam und MInarette, usw. Da kommt von der CDU NIX !!! Wo sind denn der nationale und der wertkonservative Flügel?
Früher hat die Union Meinungen gesetzt, man denke nur an die Kämpfe in den 60er und 70er Jahre über Abtreibung, Ostpolitik etc.! Heute hecheln sie vermeintlichen Mehrheitsmeinungen hinterher. Da kommt NIX mehr!

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd><p><embed><param><object>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Du kannst andere Kommentare mit [quote]-Tags zitieren.

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen