Video - Fast drei Jahre nach einem amerikanischen Angriff im Irak sorgt ein Video für Aufsehen, das den Einsatz eines Kampfhubschraubers dokumentiert. Und auch die Gespräche zwischen den Piloten wurden mitgeschnitten und veröffentlicht.
Es sind Bilder voller Grauen und Gewalt - und zugleich Belege eines folgenschweren Fehlurteils: Fast drei Jahre nach einem tödlichen Angriff eines US-Kampfhubschraubers auf Zivilisten und zwei irakische Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Reuters sorgt ein im Internet aufgetauchtes Video der Attacke für Aufsehen. Die vom Webportal Wikileaks veröffentlichten, dramatischen Aufnahme der Bordkamera zeigen, wie der Apache-Helikopter immer wieder auf Menschen am Boden feuert - sogar dann, als ein Kleinbus Verletzte von der Straße bergen will.
Kameras mit Kalaschnikows verwechselt
Die beiden Reuters-Mitarbeiter wurden wegen der mit langen Objektiven versehenen Kameras um ihre Schultern von der Besatzung fälschlicherweise als Aufständische mit Kalaschnikows gehalten. Der erst 22 Jahre alte Fotograf Namir Nur-Eldeen und sein 40 Jahre alter Assistent und Fahrer Said Chmagh sind zu sehen, wie sie zunächst in aller Ruhe in Begleitung anderer eine Straße entlang gehen - und dann in das Visier des Kampfhubschraubers geraten.
Nach den ersten Salve versuchen die Männer panisch Schutz zu suchen - das schwere Maschinengewehr des Helikopters wirbelt am Boden dicke Staubschwaden auf, Steinbrocken fliegen umher. Insgesamt starben bei dem verheerenden Angriff vom Juli 2007 zwischen 12 und 15 Menschen, berichtete der US-Fernsehsender CNN am Dienstag.
Festgehalten sind auch die teils menschenverachtenden Dialoge zwischen Cockpit und Kommando. "Hahaha - ich hab sie getroffen!", lacht einer der Piloten nach dem verheerenden Beschuss aus der 30-Millimeter-Bordkanone. "Da liegen jetzt ein Haufen Leichen herum - ein Typ kriecht noch umher", sagt jemand. "Wir schießen noch ein paar mehr". Ein Crewmitglied meint ungeduldig: "Kommt schon, lasst uns schießen." Ein Soldat sagt zum anderen: "Du schießt, ich rede."
Angriff sollte Aufständischen gelten
Eine Untersuchung der Attacke habe ergeben, dass "den beteiligten US-Soldaten die Anwesenheit von Reportern nicht klar war und dass alle verfügbaren Hinweise darauf schließen ließen, dass der Angriff Aufständischen galt und nicht Zivilisten", zitiert CNN eine Stellungnahme der US-Streitkräfte. Es habe seitens des Militärs niemals den Versuch einer Vertuschung gegeben.
Das Video zeigt, wie sich der Fahrer Said Chmagh noch schwer verletzt davon schleppen will. "Jetzt musst Du nur noch eine Waffe aufheben", meint ein Besatzungsmitglied drohend an die Adresse des Reuters-Mitarbeiters. Als ein Kleinbus heran rast und den 40-Jährigen bergen will, eröffnet die Apache-Besatzung abermals das Feuer - der Bus wird von den Geschosseinschlägen hin und hergeschleudert. Anscheinend starb Chmagh erst nach dem neuerlichen Beschuss, berichtete CNN. Sein junger Kollege ist zu diesem Zeitpunkt bereits tot.
Die Wikileaks-Betreiber sehen sich als "Ansprechpartner für diejenigen, die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen." Die Idee dahinter: Kritische Journalisten und Blogger sollen die geheimen Informationen aufgreifen und so Öffentlichkeit herstellen - daher das "leaks" im Namen, das für undichte Stellen steht. Der Name ist zudem an das Mitmach-Lexikon Wikipedia angelehnt, weil dort jeder etwas veröffentlichen kann.





Kommentare
Nur die Spitze des Eisbergs
Das, was hier endlich einmal durchgesickert ist, zeigt, dass Krieg der Teufel ist - mal ganz plastisch ausgedrückt. Es ist derart unmenschlich, einfach mal schnell so ein paar Leute abzuschießen.
Ähnliche Dinge wird es zu Hauf geben - sie kommen nur niemals ans Tageslicht.
Soldaten sind vom Krieg in der Regel stigmatisiert und bleiben es lebenslang - eben wegen derartiger Vorkommnisse.
Man braucht sich auch nicht wundern, dass jeder Krieg immer auch Partisanenkämpfer hervorruft. Das ist fast schon ein Automatismus: dass auf Gewalt Gegengewalt folgt.
Es gibt kein Recht zum Töten. Eine Notwendigkeit vielleicht manchmal, ein Recht jedoch niemals.
Das ganze Video findet man zb > hier.
www.theolounge.de
Sachlich bleiben !
Bevor das beliebte Yankee-Bashing einsetzt, sollte man das Video fachgerecht betrachten und sachlich bewerten! Einige der bekämpften "Zivilisten" führen eindeutig Waffen mit sich ! Es ist deutlich ein Maschinengewehr (den Umrissen nach ein russisches AK und eine Panzerabwehrhandwaffe, ein RPG ?) zu erkennen.
Der Einsatz des Kleinbusses diente offensichtlich auch dem Beseiteschaffen von Beweismitteln- ein für diese Art des asymmetrischen Kampfes typisches Verhaltensmuster.
Warum Reporter sich in diesen "Kreisen" bewegen,mag jeder selbst beurteilen - die bessere Verkäuflichkeit derartiger Nah-Reportagen spielt sicher eine nicht unwichtige Rolle. Kriegsberichterstatter sind zu allen Zeiten ein erhebliches Risiko eingegangen -nachzulesen bei Theodor Fontane.
Mein Mitgefühl gilt den Soldaten im Hubschrauber, die ihren Auftrag gewissenhaft (jawohl !!!) ausgeführt haben.Im lutherischen Sinne sind es 'Kriegsleute, die im seligen Stande sein können"
Danke, Herr Oberst!
Ich bin doch sehr dankbar, dass mir meine Eltern das Lesen von Landser-Heftchen verboten haben.
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