Volker Jung: Flüchtlinge nicht nur als Belastung sehen

Kirchenpräsident Volker Jung

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, sitzt ab heute im neuen Integrationsbeirat der Bundesregierung. In der Hilfe für Flüchtlinge aus Nordafrika sieht er eine gesamteuropäische Aufgabe. Foto: epd-bild / Norbert Neetz

Integrationspolitik - In Berlin trifft sich heute der neue Integrationsbeirat zu seiner konstituierenden Sitzung. Seine Aufgabe ist es, die Arbeit der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer zu unterstützen, also das Zusammenleben von Ausländern und Deutschen zu fördern. Dem Beirat gehören 32 Mitglieder aus Verbänden und Wissenschaft an. Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung.

Volker Jung blickt über die innerdeutsche Integrationspolitik hinaus: Vor der ersten Sitzung des Beirates hat er für ein gesamteuropäisches Flüchtlingskonzept geworben. "Die schwierigen Themen Zuwanderung und Flüchtlinge sollten neben der vieldiskutierten Integration nicht vernachlässigt werden", sagte Jung dem epd.

Jung sprach sich für einen europäischen Lastenausgleich bei der Aufnahme von Flüchtlingen und für faire Asylverfahren aus. Zurzeit trügen die Länder an den Grenzen der Europäischen Union eine höhere Last. "Auch Flüchtlinge aus Nordafrika sollten echte Chancen auf ein Resettlement-Verfahren erhalten", sagte Jung in Anlehnung an die Aufnahme von 2.500 irakischen Flüchtlingen in Deutschland ohne die Hürde des Asylverfahrens.

Interessen der Wirtschaft und der Zuwanderer sehen

"Wir brauchen eine gründliche Zuwanderungsdebatte", fügte Jung hinzu, der Vorsitzender der EKD-Kammer für Migration und Integration ist. Es sei legitim, den eigenen ökonomischen Nutzen in der Zuwanderungspolitik zu berücksichtigen. Die EKD wolle aber den Blick auch auf die Interessen der Zuwanderer lenken. In der Integrationspolitik komme es darauf an, einen "guten Prozess ohne Gefälle" zu gestalten.

Die Arbeit des Integrationsbeirats ist nach den Worten des Kirchenpräsidenten dann erfolgreich, wenn sie zu einem sichtbaren Ergebnis in der Politik der Bundesregierung führt, etwa zu einem weiteren Resettlement-Verfahren oder zu einer europäischen Lastenverteilung. Langfristig wäre ein Erfolg ein Mentalitätswandel, so dass Zuwanderung nicht vornehmlich als Belastung, sondern als Chance betrachtet würde. Die Beiratsmitglieder sind bis zum Ende der Legislaturperiode des Bundestags im Herbst 2013 berufen.

epd

Kommentare

Verfasst von bundesbedenkent... am 24. Mai 2011 - 2:58.

Wenn das Wirtschaftssystem

Wenn das Wirtschaftssystem dem nicht gewachsen ist, wieso reformieren wir es...

Wenn das Wirtschaftssystem dem nicht gewachsen ist, wieso reformieren wir es dann nicht? Oder fehlen ns die daz nötigen hellen Köpfe? Oder anders gesagt: Warum soll man die Frage, was möglich ist bei den Menschen stellen, die in Not sind? Warum soll man nicht vielmehr an anderer Stelle nachdenken, da wo es um unsere Systeme geht, in denen wir leben? Man könnte drchaus die Flüchtlingsaufnahme festschreiben und sich davon ausgehend Gedanken machen, wie man ein System schafft, das das verkraftet.

Verfasst von MINT-Student am 24. Mai 2011 - 8:01.

BBT : Das funktioniert sicherlich ...

... nur werden diesem System die Leistungsträger davonlaufen und es bleiben...

... nur werden diesem System die Leistungsträger davonlaufen und es bleiben dann wirklich nur noch die Bedenkenträger im Lande ....Es sei denn, man führt für die auswandernden Naturwisssenschaftler, Ingenieure,Techniker, Wirtschaftswissenschaftler etc. eine "Bundesfluchtsteuer" ein - aber das hatten wir schon einmal...

Verfasst von bundesbedenkent... am 24. Mai 2011 - 11:23.

Weiß nicht, ob man da so nen

Weiß nicht, ob man da so nen Automatismus annehmen muß. Wie viele...

Weiß nicht, ob man da so nen Automatismus annehmen muß. Wie viele Leistungsträger sind denn seit der Bankenrettung davongelafen? Wie viele Flüchlinge können wir denn aufnehmen, bis wir Kosten von mehreren hundert Milliarden Euro aufhäufen? Wie gut könnte man mit dem Geld die Flüchtlinge qualifizieren? Die können aj auch nicht nichts: Die können ihre Sprache, kennen ihr Land und ihre Kultur und wären - qalifiziert - vielleicht in der Lage und willens, in ihren Heimatländern für wirtschaftliche Entwicklng zu sorgen, schon alleine wenn sie nur Geld nach Hause schicken, würde das Auswirkungen haben. nd irgendwann kaufen die dort dann auch Volkswagen oder gar Mercedes.

Darüber hinaus kurbeln die Flüchtlinge hier natürlich die Binnennachfrage an, schon alleine dadurch, daß sie etwas essen müssen.

Sicherlich können auch Probleme entstehen. Da muß man sich eben Gedanken machen, der Mensch ist kreativ, und wenn er was will, kriegt er das auch hin. Ich fände es interessant, wenn man als Grundmaxime die Hilfe in der Not annehmen würde und nicht das bei der Stange halten der sog. Leistungsträger. Ich mein, wenn die weg gehen, wo gehn se hin? Egal, aber auch da werden sie eher Mercedes fahren als Fiat.

Verfasst von samiel am 23. Mai 2011 - 16:33.

Dem Sozialstaat das Grab geschaufelt !

Welche nachvollziehbaren Gründe sprechen denn für einen Mentalitätswandel ? Die...

Welche nachvollziehbaren Gründe sprechen denn für einen Mentalitätswandel ? Die Migration von Gering- bzw. Unqualifizierten stellt eine Belastung dar, der unser Wirtschaftssystem nicht gewachsen sein wird. Das sagen nicht nur Sarrazin sondern auch z.b. der Leiter des IFO-Institus (vgl FOCUS ONLINE):

" Der Sozialstaat wird erodieren, da er Einheimische und Zuwanderer gleich behandeln muss und das sehr teuer wird. Die Bedürftigen gehen immer dorthin, wo die Leistungen großzügiger sind. Da auch die Steuerzahler sich das Land aussuchen, in dem es ihnen besser geht, werden sie die Sozialstaaten meiden. Beide Effekte zusammen bewirken, dass die Leistungen nicht mehr finanzierbar sind. Die Idee der EU war, eine soziale Wohltat zu verankern. In Wahrheit hat man dem Sozialstaat das Grab geschaufelt."

Aber Hauptsache, die Sozial-, Integrations -, und Migrationsindustrie floriert. Wie lange noch ?

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