Interview - Tausende von Tunesiern befinden sich zurzeit auf der italienischen Insel Lampedusa. Eine humanitäre Katastrophe droht, während sich die EU-Länder über eine mögliche Aufnahme der Flüchtlinge streiten. Deutschland dürfe nicht die Augen vor der akuten Not der Menschen verschließen, sagt der Vorsitzende der EKD-Kammer für Migration und Integration, Volker Jung (51). In einem Gespräch mit evangelisch.de wirbt der hessen-nassauische Kirchenpräsident zugleich für eine "echte Willkommenskultur" gegenüber Migranten und kritisiert die mangelnde Flüchtlingspolitik der Europäischen Union.
Herr Kirchenpräsident, Europa steht vor der Frage: Was lässt sich angesichts der verzweifelten Lage der tunesischen Flüchtlinge auf Lampedusa tun?
Jung: Ganz einfach: helfen. Die Not ernst nehmen und lindern, wie es auch die Bibel beim Umgang mit Flüchtlingen immer wieder einfordert. In der aktuellen Situation ist natürlich Europa gefragt. Es wäre nötig, da eine gute Aufnahmepolitik hinzubekommen. Ich halte insgesamt die Situation an den europäischen Außengrenzen für ausgesprochen schwierig. Was nun passiert, zeigt erneut, wie dringend erforderlich eine europaweite Abstimmung ist, wie man Flüchtlinge aufnehmen und wie man sie verteilen kann. In diesem Fall wünsche ich mir auch von der Bundesrepublik eine Bereitschaft zur humanitären Hilfe.
War es nicht absehbar, dass diese Flüchtlingskrise passieren würde?
Jung: Natürlich ist man hinterher immer schlauer. Man hätte auch denken können, dass die friedliche Revolution die Menschen voller Hoffnung im eigenen Land hält. Nun zeigt sich aber, dass Freiheit auch gestaltet werden muss und mit dem Umbruch nicht automatisch alle Probleme im Land gelöst sind.
Bundeskanzlerin Merkel sagt ganz klar: keine Flüchtlinge nach Deutschland.
Jung: Ich glaube, dass man in dieser besonderen Situation schlicht und ergreifend Offenheit und Humanität zeigen muss. Natürlich geht das nicht unbegrenzt. Aber dass man in dieser speziellen Notsituation sagt: Wir sind bereit, Flüchtlinge aufzunehmen - das würde ich mir doch sehr wünschen. Das wäre übrigens auch ein solidarischer Beitrag Deutschlands zu dieser Revolution.
Positionieren sich in Deutschland die politischen Lager auf Kosten der Flüchtlinge? Ist es eine realistische Position, den Leuten in ihren Herkunftsländern helfen zu wollen, wie sie die CDU zurzeit vertritt?
Jung: Ja, als eine von vielen Maßnahmen ist das denkbar. Es ist sicher nötig und gut, dazu beizutragen, dass in dieser Umbruchsituation die Lebensbedingungen verbessert werden. Man kann auf der anderen Seite trotzdem die Augen nicht vor der akuten Not der Flüchtlinge verschließen, die jetzt um Aufnahme in Europa bitten. Ihnen gegenüber ist eine gewisse Offenheit angesagt, gerade auch um eine eventuelle Unterstützung im Herkunftsland glaubwürdig machen zu können.
Auf Lampedusa suchen 5.000 Menschen Einlass in die EU. Laut Innenministerium haben im vergangenen Jahr 41.332 Menschen in Deutschland erstmals Asyl beantragt. Ist die Angstmentalität "Hilfe, es kommen wieder Ausländer" von den Zahlen her zu rechtfertigen?
Jung: Sicher, man muss immer bedenken, welche Hilfe können wir leisten, was ist möglich und wo liegen unsere Grenzen. Aber gerade diese besondere Situation des Umbruchs stellt auch uns vor besondere Herausforderungen. Wenn wir diesen Flüchtlingen auf Lampedusa helfen, kann Europa damit zeigen, welche humanitären Werte eine Demokratie ausmachen und wie man das einlösen kann. Nach meiner Einschätzung gibt es in Deutschland und Europa grundsätzlich genügend Kraft und Kapazitäten, Flüchtlinge aufzunehmen.
Aus Sicht von Kritikern betreibt Europa schon seit etlichen Jahren eine Abschottungspolitik gerade gegenüber Afrika. Teilen Sie diese Einschätzung?
Jung: Ich teile sie bis zu einem gewissen Grad, ja. Die Situation an den europäischen Außengrenzen halte ich für hochproblematisch. Benötigt wird eine gesamteuropäisch abgestimmte Flüchtlings- und Asylpolitik. Eine generelle, grundsätzliche Abschottung ist ganz klar kritikwürdig, ebenso wie der Ruf nach einem Frontex-Einsatz vor Lampedusa, der am Ende dazu dienen soll, Schutzsuchende zurückzudrängen.
Kirchenpräsident Volker Jung (links) im Gespräch mit den evangelisch.de-Redakteuren Bernd Buchner (Mitte) und Hanno Terbuyken (rechts).
Von verschiedenen Seiten wird eine europäische Quotenregelung zur Aufnahme von Flüchtlingen ins Spiel gebracht. Halten Sie das für einen gangbaren Weg?
Jung: Das ist eine Möglichkeit. Ob es die beste ist, müssen Überlegungen der politischen Vernunft zeigen. Allerdings stehen gerade europäische Binnenländer wie Deutschland in der Pflicht, die Lasten der EU-Mitgliedstaaten an den Außengrenzen auf geeignete und effektive Weise mitzutragen. Deshalb engagieren sich die Kirchen auch hierzulande gegen die so genannte Dublin II-Verordnung, mit der Flüchtlinge nur in dem Land einen Asylantrag stellen können, in welchen sie zum ersten Mal europäischen Boden betreten haben. Entscheidend ist am Ende, dass die Staatengemeinschaft einen sinnvollen Weg findet.
Im Fall Tunesien und Lampedusa geht es erst einmal darum, den Flüchtlingen temporäre Hilfe zu bieten - Essen, Unterkunft, medizinische Versorgung. Aber wie geht es dann weiter? Wie schaffen wir es, Menschen, die aus Not oder gefühltem Druck hierher kommen, so einzubinden, dass sie sich hier wohlfühlen?
Jung: Eine Grundvoraussetzung, die ich mir wünsche, ist, dass wir in Deutschland eine echte Willkommenskultur entwickeln, sowohl für Flüchtlinge als auch für dauerhafte Zuwanderer. Daran fehlt es meines Erachtens. Wir brauchen eine Offenheit, die souverän und gelassen mit dem Phänomen der Zuwanderung umgeht und darin nicht zuallererst eine Belastung sieht, sondern einen menschlichen Gewinn und eine Bereicherung in der kulturellen Vielfalt, die einem Land auch gut tut. Es sind ja zumeist junge Leute, die sich vom Leben etwas versprechen, die aufbrechen und etwas erreichen wollen. Zu leicht wird bei der Debatte übersehen, dass es nicht nur Zuwanderung gibt, sondern auch Abwanderung. Viele der tunesischen Flüchtlinge werden gar nicht dauerhaft bleiben, sondern ziehen weiter oder kehren in ihre Heimat zurück, um beim Aufbau eines neuen Tunesien mitzuwirken. Andere werden aus guten Gründen bleiben wollen und ihre Energie und ihre Fähigkeiten darauf verwenden, sich hier bei uns eine Existenz aufzubauen - wenn wir sie denn lassen. Unser Land braucht solche motivierten jungen Menschen, das sollte nicht vergessen werden.
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Kommentare
Redaktionsteam evangelisch.de
Liebes evangelisch.de-Team,
bis heute gehörte evangelisch.de für mich zum Besten, was die protestantische Online-Landschaft zu bieten hatte. Schade, dass bei o.g. Interview die Redaktion auch Kommentare zulässt, die weit unter Stammtisch-Niveau liegen und bewusst von der rechtslastigen Seite "Political incorrerct" lanciert werden. Ich weiß, dass, das www so ist. Aber ob es auch auf www.evangelisch.de so sein muss?
Lieber Gast, wir verstehen
Lieber Gast,
wir verstehen gut, was Sie meinen. Auch wir Redakteure sind oft erschrocken über die Rechtslastigkeit, über Beleidigungen, über Ausgrenzungen und den Tonfall von manchen Kommentaren. Die schlimmsten löschen wir. Aber wir wollen andererseits auch nicht das Meinungsbild verzerren, das nun einmal in dieser Weise abgegeben wird.
Viele Grüße,
Anne Kampf, Redakteurin
Blablablaaaa
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>>Man hätte auch denken
>>Man hätte auch denken können, dass die friedliche Revolution die Menschen voller Hoffnung im eigenen Land hält.<<
Da hätte man doch lediglich mal Deutschlands jüngste Vergangenheit beobachten sollen und wäre eines besseren belehrt worden.
>>Wenn wir diesen Flüchtlingen auf Lampedusa helfen, kann Europa damit zeigen, welche humanitären Werte eine Demokratie ausmachen und wie man das einlösen kann. Nach meiner Einschätzung gibt es in Deutschland und Europa grundsätzlich genügend Kraft und Kapazitäten, Flüchtlinge aufzunehmen.<<
Man muss dabei aber auch die andere Seite sehen. Es ist ja nicht so als ob diese leute in irgendeiner Art und Weise einen Asylantrag gestellt hätten. In Griechenland werden tausende Flüchtlinge aus dem Nahenosten abgewiesen.
Was für ein Zeichen gibt man wenn Menschen einfach ein Stück Europa besetzten lässt wie die Türken Nordzypern und man darauf hin klein beigibt und ihnen ihren Willen lässt? Was sagt man denen damit die in den letzten jahren abgwiesen wurden weil sie einen ordentlichen Antrag stellten?
Auch in dem Punkt kann man mal mehr Phantsie entwickeln und an nachaltigen Lösungen arbeiten. Ein legitime rechtsstaatliche nachaltige Lösung.
“Die Ehrfurcht vor der Vergangenheit und die Verantwortung gegenüber der Zukunft geben fürs Leben die richtige Haltung.” - Dietrich Bonhoeffer
Die sollen endlich im eigenen Land zupacken und aufbauen.
Die Herren haben sicher Geld, Wohnung und Haus übrig, um damit ihre Gäste zu versorgen und einzuquartieren.Man kann diese ewige Gefühlsdusselei nicht mehr hören.
Jeder redet schlau daher, beruft sich noch auf den Glauben und keiner denkt nach, was das alles nach sich zieht.
Die Lasten tragen andere, die Bürger, der Staat.Ich kenne keinen geistlichen, der auf sein Gehalt - von dem sie gut leben können - verzichtet und es den Flüchtlingen zur Verfügung stellt.
Für mich ist das falsch verstandene Solidarität. die sollen ?im land bleiben und endlich anpacken, aufbauen, wer soll es denn sonst machen? Davon laufen ist keine Lösung. Wenn wir sie alle aufnehmen, helfen wir dem Land überhaupt nicht. Die jungen Männer gehen, die Frauen- die Alten- die Kinder bleiben zurück.Diese jungen Männer , die braucht das eigene Land, nicht wir. Deshalb- klares NEIN.
Mehr Flüchtlinge
Wegen mir können jeden Tag 10.000 oder mehr Arabische Flüchtlinge importiert werden. Die daraus entstehende Suppe muss ich eh nicht mehr auslöffeln.
Die Kirche schafft sich halt noch etwas schneller ab, was macht's!
Ein Staat, eine Gesellschaft inklusive Kirche, welche nicht willens ist den nötigen Egoismus aufzubringen welcher zum Selbsterhalt nötig ist, wird verschwinden.
Fakten
1. Wenn wir den Kapitalbesitzern erlauben, ihr Geld weltweit einzusetzen, dürfen wir eigentlich den Menschen nicht verbieten, dahin zu gehen, wo sie wollen.
2. In allen Steuern, Preisen, Mieten, Gebühren sind ungefähr 30% Zinsen enthalten. Diese sind arbeitsloses Einkommen und machen nach meiner Schätzung in der Summe mehr aus, als an Flüchtlinge und Hartz-IV-Empfänger gezahlt wird.
3. Unsere im Vergleich - bei aller unterschiedlichen Verteilung - komfortablen Lebensverhältnisse bedingen die Armut u.a. in Tunesien und Ägypten, natürlich auch die Tatsache, dass aus politischen Gründen dort Eliten unterstützt wurden, die ihren Reichtum auf ungerechte Weise und durch Unterdrückung erlangt und verteidigt haben.
4. Sicher kann man nicht unbegrenzt Menschen hier in Europa aufnehmen. Aber die reine Abwehr mit Gewalt (Frontex) ist unmenschlich und unchristlich. Ideen und Fantasie sind hier gefragt gegenüber den Menschen, die nun nach Europa strömen, weil sie wissen, dass die Freiheit allein sie nicht sartt macht.
Is doch klar
An jedem Dreittweltdebakel sind wir Europäer und vornehmlich wir Deutsche schuld.
Aber Ihre gutmenschliche Realitätsferne wird Sie sicher davor bewahren wenn Sie einer oder wahrscheinlich mehrere dieser "Flüchtlinge" auf brutalste Art und Weise, und natürlich rechtgläubigen Sitten folgend, um Ihr Hab und Gut erleichtert.
Im worst case um Ihr Leben.
Aber wenn Sie so denken bewerben Sie sich doch als aufnahmebereiter Christ und stellen Sie je nach Wohnsituation Obdach sowie Logis für diese armen Flüchtlinge anstatt es von der Solidargemeinschaft einzufordern.
Allein ein kleiner "kultureller" Trip in die sozialen Randgebiete deutscher Großstädte könnte Ihnen schon die Augen öffnen und der Realität ein Stück näher bringen.
Mangel an ökonomischem und soziologischem Sachverstand
Was mich immer wieder bei Verlautbarungen aus kirchlicher Quelle stört, ist der Mangel an ökonomischem und soziologischem Sachverstand und der fast durchgehende emotionale Appell mit dem die, die politische Verantwortung tragen oder gar die gesamte Bevölkerung in ein schlechtes Licht gerückt werden.
Zukunft Deutschlands
Meinen Sie diese Zukunft ? :
http://www.youtube.com/watch?v=gRcZfCiyPjY
Wahrheit ist unbequem
Wenn ich die Kommentare hier alle lese, wird mir klar, dass die Wahrheit einfach unbequem ist. Denn Herr Jung hat m.E. Recht: Wir brauchen eine Willkommenskultur, die hinter Flüchtlingen und Migranten auch die Menschen sieht, die uns als Land überhaupt zu einer Zukunft verhelfen können. Das hat mit Gutmenschentum und Naivität nichts zu tun, sondern ist im Gegenteil eine sehr realistische Sicht auf die zukunft Deutscdhlands und Europa. Dafür lobe ich einen Kirchenoberen, der diese Dinge benennt, auch wenn er dafür leider von allen Seiten angefeindet zu werden scheint.
Ich finde es bemerkenswert, wie tief Sozialneid und Hass unter den Lesern von evangelisch.de verbreitet ist. Das hätte ich so nicht erwartet.
Andere Ansicht ? (zu Gast vom 10:19)
Sie sind offenbar der Ansicht,daß Deutschland nur eine Zukunft mit "Migranten und Flüchtlingen" hat. Dann erlauben Sie bitte aber auch Ihren Mitchristen auf diesem Forum hier eine abweichende Meinung und unterstellen diesen keine niederen Motive.
Spätestens seit Sarrazin kann die Behauptung, eine Migration aus islamischen Ländern sei notwendig, um die Folgen des demographischen Wandels abzumildern, nicht mehr unwidersprochen in den Raum gestellt werden - auch von einem Kirchenpräsidenten nicht.
Das Schlimme in Deutschland ist leider, daß über die Gefahren des demographischen Wandels und der Migration aus islamischen Ländern kaum ein ergebnisoffener öffentlicher Diskurs möglich ist.
Soll er doch selbst
Soll er doch selbst sein ganzes Geld investieren, um so viele Flüchtlinge wie möglich selbst zu unterhlaten, ohne das von staatlicher Seite etwas gezahlt werden muss.
Da wäre ich gespannt, wie lange er dann noch seine "Willkommenskultur" hätte.
Angesichts klarer Fakten
Angesichts klarer Fakten hinsichtlich des Migrantenanteils an Sozialhilfe, Kriminalität etc. und der Tatsache, dass es sich nach einem Bericht der FAZ bei den tunesischen Flüchtlingen überwiegend um Arbeitslose handelt, ist diese Naivität unbegreifbar.
Wir brauchen Offenheit gegenüber Flüchtlingen
Kommentar gelöscht. Bitte verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen und Beleidigungen. Danke. Die Redaktion
Gute Ansichten rutschen ab in Wunschvorstellungen
Eine humanitäre Sicht auf internationale Begebenheiten wie diese ist begründet und wichtig, um unterschiedliche Blickwinkel auf die Problematik und die Menschen hinter den Fernsehbildern sowie die Frage nach deren Zukunft aufzuzeigen. Diese Barmherzigkeit und Nächstenliebe scheint Herr Jung zu leben, was schön zu sehen ist. Besonders den letzten Absatz halte ich aber für dermaßen naiv, realitätsverweigernd und zynisch gegenüber allen Beteiligten, dass mich das eher an eine gefährliche Melange aus Herrn Biedermann, bewusster Falschdarstellung und dem zwanghaften Credo des Hinhaltens beider Wangen erinnert.
Was erwartet sich dieser Herr, wo ist der scharfe Blick auf Vergangenheit und Gegenwart in Deutschland?
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"Eine Grundvoraussetzung, die ich mir wünsche, ist, dass wir in Deutschland eine echte Willkommenskultur entwickeln sowohl für Flüchtlinge als auch für dauerhafte Zuwanderer. Daran fehlt es meines Erachtens."
- Millionen sind eingewandert, Visa wurden verschenkt, Asyl gewährt, Sozialleistungen (selbst im Ausland) bezahlt usw. Es gibt Sprachkurse und Einbürgerungsfestakte. Wieso blendet Herr Jung dies aus und was ist seine Erwartung?
"Wir brauchen eine Offenheit, die souverän und gelassen mit dem Phänomen der Zuwanderung umgeht und darin nicht zuallererst eine Belastung sieht, sondern einen menschlichen Gewinn und eine Bereicherung in der kulturellen Vielfalt, die einem Land auch gut tut."
- Angenommen, es gibt faktische Belastungen, was hilft einem dann diese Fantasievorstellung? Kulturelle Vielfalt ist ein schönes Wort, das mit der Realität konfrontiert schnell düster werden kann. Wie etwa von der Bundeskanzlerin festgestellt, tut einem dieser – bereits reale – Zustand nicht zwangsläufig gut.
"Es sind ja zumeist junge Leute, die sich vom Leben etwas versprechen, die aufbrechen und etwas erreichen wollen."
- Warum gehen sie dann gerade, wenn der Diktator gestürzt wurde und genau die Möglichkeit endlich besteht? Das weiß man natürlich nicht, aber zumindest das Bild im Zusammenhang mit dieser Aussage ist komplett widersprüchlich.
"Zu leicht wird bei der Debatte übersehen, dass es nicht nur Zuwanderung gibt, sondern auch Abwanderung."
- Mal überlegt, warum? Vielleicht ist es mit der kulturellen Bereicherung im wahren Leben nicht so weit her …
"Viele der tunesischen Flüchtlinge werden gar nicht dauerhaft bleiben, sondern ziehen weiter oder kehren in ihre Heimat zurück, um beim Aufbau eines neuen Tunesien mitzuwirken."
- Woher weiß Herr Jung das? Hat er in die Kristallkugel geschaut? Ansonsten ist genau das bei den früheren deutschen Gastarbeitern stets behauptet worden, gerade mit dem Wissen um diese Lügen von damals sollte man eher sensibel mit solchen Behauptungen umgehen.
"Andere werden aus guten Gründen bleiben wollen und ihre Energie und ihre Fähigkeiten darauf verwenden, sich hier bei uns eine Existenz aufzubauen - wenn wir sie denn lassen. Unser Land braucht solche motivierten jungen Menschen, das sollte nicht vergessen werden."
- angesichts alltäglicher Vorfälle wie Berlin-Lichtenberg könnte hier zumindest leicht differenziert werden.
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Diese Wunschvorstellungen sind natürlich schön, aber kaum hilfreich. Natürlich ist es seine Aufgabe, Hoffnung und friedvolle Ideen zu vermitteln, aber warum nicht fundiert und in der echten Welt? Leider kann man hier nur dankbar sein, dass der Herr kein Politiker ist und keinen Einfluss auf die wirklichen Entscheidungen nehmen kann.
Wie sehen andere das?
Ein Gutmensch pur
Ich bin Steuerzahlerin und möchte nicht, dass hier weitere Flüchtlinge ins soziale Netz einwandern. Deshalb gibt es auch keine "Willkommenskultur". Weil man weiss, dass sehr viele Einwanderer hier auf Kosten der Steuerzahler leben. Gäbe es hier Verhältnisse wie in den USA oder in Japan, wo keiner der einwandert vom Staat Geld bekommen, würde man auch anders zu den Einwanderern stehen. Es gibt aber noch die Möglichkeit eine Patenschaft für einen Emigranten zu übernhemen, dann bürgt man für ihn mit seinem persönlichen Vermögen. Das rate ich allen Gutmenschen zu tun - auch Herrn Jung - ich bin gespannt, wieviele dann noch zu ihren idealistischen Zielen stehen.
Willkommenskultur
Herr Jung, wir brauchen eine neue Willkommenskultur in Deutschland. Eine die diejenigen willkommen heißt die hier arbeiten und sich einbringen wollen und diejenigen die sich nicht integrieren wollen konsequent abschiebt. Das sind doch keine politischen Flüchtlinge. Ihr Statement lädt geradezu dazu ein nach Deutschland zu kommen - kommt alle her, hier gibts Sozialhilfe, Wohnung und Nahrung ohne Gegenleistung.
Nein wir brauche eine Immigrationspolitik die von den Menschen die hier her kommen auch als Gegenleistung fordert daß man sich hier nicht nur "wohl" fühlt sondern an der Gesellschaft aktiv teilnimmt und für seinen Lebensunterhalt selber aufkommt. Harz 4 für alle ist leider nicht bezahlbar, wir leben jetzt schon auf Kosten unserer Kinder und Kindeskinder.
Ich fühle mich auch nicht "wohl" an meiner Arbeit und muß sehr viel leisten um meine Familie zu ernähren. Wo ist die Lobby für die arbeitende Bevölkerung die ja ihre Kirchensteuern und damit ihr Gehalt bezahlt? Warum treten wohl so viele Menschen aus der Kirche aus?
Deutschland braucht motivierte junge Leute
In jeder Geschichte steckt ein Fünckchen Wahrheit!
Da ein großer Teil der ca. 3 Mio. Arbeitslosen in Deutschland offensichtlich nicht jung und nicht motiviert genug ist, laden wir einfach neue junge Leute aus dem Magreb ein, gesetzeswidrig die europäischen Grenzen zu überwinden und uns dabei zu helfen in Deutschland blühende Landschaften zu schaffen. Ganz einfach?
Bleiben mindestens zwei Fragen:
1. Was machen wir mit den unmotivierten oder zu alten Leuten hier in Deutschland.
2. Wenn junge Leute aus Tunesien nun frei aller Repressalien sind, warum nutzen sie dann ihren Elan nicht, um Tunesien zu einem Paradies zu machen?
Um Gottes Willen. Möge der
Um Gottes Willen. Möge der Herrgott unsere Kirchenoberen mit einem gehörig Maß an Einsicht und Realitätsbewußtsein segnen. Auch Herr Jung wird einsehen müssen, dass die "Willkommenskultur", die er herbeireden möchte, von der absoluten Mehrheit der Bevölkerung nie und nimmer befürwortet werden wird. Aus gutem Grund. Zu schlecht sind die Erfahrungen, die man in Jahrzehnten der Multikulti-Spinnereien als Spielwiese politischer Phantasten aufgebürdet bekam. Weniger ist mehr!
Weltfremd
"Wir brauchen eine Offenheit, die souverän und gelassen mit dem Phänomen der Zuwanderung umgeht und darin nicht zuallererst eine Belastung sieht, sondern einen menschlichen Gewinn und eine Bereicherung in der kulturellen Vielfalt, die einem Land auch gut tut."
Eine echte Bereichung sind nur Zuwanderer, die integrationswilling und qualifiziert sind. Treffen diese Merkmale nicht zu, sind sie eine Belastung.
"Viele der tunesischen Flüchtlinge werden gar nicht dauerhaft bleiben, sondern ziehen weiter oder kehren in ihre Heimat zurück, um beim Aufbau eines neuen Tunesien mitzuwirken."
Warum gehen sie dann genau dann weg, wenn man ihre Heimat sie am dringendsten braucht und wenn die politische Unterdrückung in ihrer Heimat vorbei ist? Nebenbei, über die Türken wurde mal gesagt, sie sein ja nur Gastarbeiter und würden auch in ein paar Jahren/nach ihrer Verrentung wieder nach Hause gehen.
Mit gutem Beispiel voran!
Wie wäre es, wenn Herr Jung einen oder mehrere Flüchtlinge auf seine Kosten und am Besten bei sich zu Hause aufnimmt, anstatt dies immer der Solidargemeinschaft aufzubürden.
Ich gehe davon aus, dass Herr Jung persönlich ein vielfaches des Einkommens zur Verfügung hat, wie der normale "Malocher" und nicht in den Gegenden wohnt, die von diesen leuten """"bereichert"""" werden!
Eine Meinung!
Herr Jung kann meinen was er will...... Allerding ist er mit seiner Meinung inzwischen in der Minderheit!
Wir sind überhaupt nicht aufgerufen, verpflichtet oder ähnliches eine Willkommenskultur (was ist das für eine Kultur) zu entwickeln. Wir sind auch nicht verpflichtet immer und überall unser schwerverdientes Geld in alle Welt zu streuen. Unser Land braucht auch keine unausgebildeten tunesischen Flüchtlinge. Problemfälle haben wir hier genug, die sollten erst mal aufgearbeitet werden.
Es geht überhaupt nicht darum was ein Herr Jung oder sonst wer meint, es geht darum was wir das Volk wollen und uns noch weiter gefallen lassen....und da sehe ich für Herrn Jungs Vorschläge echt schwarz. Das ist Demokratie. Flüchtlinge in Not, die wieder gehen - aber ja! Wirtschaftsflüchtlinge - nein!
Aber eine Frage...wovor flüchten die Flüchtlinge eigentlich....vor der Demokratie???
Zynisch !
Glaubt Herr Jung wirklich, was er da sagt ? Sind Wirtschaftsflüchtlinge - denn darum handelt es hier - wirklich eine Bereicherung ?.
Angesichts der Ordnung des Arbeitsmarktes in Deutschland haben diese Menschen gar keine andere Möglichkeit, als von den Sozialsystemen alimentiert zu werden - mit allen Konsequenzen für die Gemeinschaft und für sie selbst. Deshalb ist der Begriff "Bereicherung" geradezu zynisch.
Hier in Süditalien finden Migranten wenigstens im Tagelohn - natürlich ohne Versicherung etc.- Arbeit in der Landwirtschaft oder im (Schatten-) Kleingewerbe. Vermutlich wäre auch denen auf Lampedusa damit besser gedient.
Offensichtlich ist die Kirche
Offensichtlich ist die Kirche noch nicht in der Lage die weitreichenden Konsequenzen von dieser Art Flüchtlingsaufnahmen zu erkennen.
Wir in Europa brauchen auf jeden Fall noch mehr dieser "Kulturbereicherer", die Ihren Glauben hier verbreiten wollen. Egal als Flüchtling oder nicht. Menschen aus diesen Kulturen werden hier nie integriert werden und ein Ghetto dasein führen, welches garantiert zu Extremismus führt. Arbeit und ein Teilnehmen an der deutschen Leitkultur wird auf Grund Ihrer Prägung ewig ein Fremdwort bleiben. Das Sozialsystem freut sich schon darauf die nächsten Jahrzehnte für Wirtschaftsflüchtlinge zu bezahlen.
Klasse Statement Hr. Pfarrer. :-(
Ich kann mich masaniello nur
Ich kann mich masaniello nur anschließen!
Elfenbeinturm
Mir scheint Herr Jung macht es sich ziemlich einfach. Er kann sich jetzt als Fürsprecher der Schwachen schön den Heiligenschein aufsetzen, aber mit den Problemen setzt er sich nicht auseinander.
In Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern der EU gibt es inzwischen extreme Probleme mit Zuwanderung aus bestimmten Kulturkreisen. Herr Jung aber träumt dessen völlig ungestört von rosaroter Multikultiromantik und beklagt sich, dass die Deutschen da nicht so mitmachen wie er es gerne hätte. Mehr Realitätssinn würden ihm nicht schaden.
Ich finde es unseren
Ich finde es unseren Bedürftigen, denen berechtigterweise erklärt wird, daß zu wenig Geld zur Verfügung steht, die Hilfen zu erhöhen oder auch nur aufrecht zu erhalten, gegenüber zynisch, mehr Hilfe für Wirtschaftsflüchtlinge zu fordern. Die, die nämlich hier teilen müssen, sind nicht die, deren Gehälter von den Steuerzahlern und Kirchensteuerzahlern finanziert werden.