Katholische Kirche - In der Kirche müsse man Widersprüche aushalten können, meint Abtprimas Notker Wolf. Auch der Papst könne wichtige Entscheidungen nicht im Alleingang treffen. Dennoch empfiehlt er den deutschen Bischöfen, ihre Wünsche mutiger vorzutragen.
"Die deutschen Bischöfe müssen hören, was die Anliegen des Volkes sind", sagte der Leiter des weltweit tätigen Ordens der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. "Sie müssen ein Bild aufnehmen von der Kirche und das durchaus dem Heiligen Vater unterbreiten." Wichtig sei, dass die kirchlichen Autoritäten in die Reformdiskussionen einbezogen würden und die Anliegen an höherer Stelle verträten. "Ich weiß nicht, ob sie den nötigen Mut haben", sagte Wolf. "Man macht sich damit bei vatikanischen Behörden nicht immer sehr beliebt."
Auftakt für den Reformdialog katholischer Bischöfe und Laien war vor rund einer Woche ein Treffen in Mannheim. Das Dialogforum wurde im vergangenen Jahr auf der Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz beschlossen, auch als Reaktion auf den Missbrauchsskandal und den Mitgliederschwund. Es ist auf fünf Jahre angelegt.
"Unter dem jetzigen Papst wird es eine Frauenordination nicht geben"
Wolf warnte vor zu hohen Erwartungen an die Gespräche, etwa in Fragen der Frauenordination oder des Priesterzölibats. "Es werden Erwartungen an den Papst gestellt, die er nicht erfüllen kann." Wichtige Weichenstellungen könne der Papst nicht im Alleingang treffen, für eine Berufung von Frauen ins Priesteramt etwa mangele es schlicht an Rückhalt in Rom. "Unter dem jetzigen Papst wird es eine Frauenordination nicht geben, auch wenn Deutschland noch so schreit", sagte der oberste Repräsentant der Benediktiner.
In der Kirche müsse man auch Widersprüche aushalten und mit anderen Meinungen leben können, meinte Wolf. "Ich muss auch mit Spannungen leben können." Nicht alle Konflikte ließen sich einvernehmlich aus der Welt räumen. "Wichtig ist, auf den Menschen zu horchen, Zeit zu haben für den Menschen und mitzufühlen mit Menschen, die in Not sind."
Der aus Bayern stammende Ordenspriester Wolf steht seit dem Jahr 2000 an der Spitze des Ordens mit seinen knapp 25.000 Mönchen und Nonnen.







Kommentare
Eine etwas weniger
Eine etwas weniger despektierliche Bezeichnung als "Benediktinerchef" für den Abtprimas Wolf wäre angebracht gewesen. Eine solche Wortwahl ist BILD-Niveau.
Bischöfe müssen ihr Amt gegenüber d. Papst kritischer wahrnehmen
Bischöfe – widersprecht mutig dem Papst wie Paulus dem
Petrus auf dem Jerusalemer Konzil !
Die nur eingeschränkte Macht der Bischöfe und die Aushebelung der Konzilsbeschlüsse durch den Papst
Im Gegensatz zum 2. Vatikanischen Konzil, das den Bischöfen eine hervorgehobene Eigenverantwortung für ihre Ortskirchen zugesprochen hatte, macht der Codex Iuris Canonici (CIC) - das Kirchenrecht in der katholischen Kirche - in der Fassung von 1983 jedem Diözesanbischof deutlich, dass jedes Bischofskollegium und jeder Ortsbischof in der Ausübung der jeweiligen Gewalt bei umstrittenen Entscheidungen vollständig und ausschließlich vom Papst abhängig ist.
Die nur eingeschränkte Macht des Diözesanbischofs wird im CIC von 1983 überdeutlich. Es bleibt dem Urteil des Papstes überlassen, ob er sich in die Leitung einer Teilkirche einschaltet. Maßgeblich ist allein seine Einschätzung der Situation. Er kann eingreifen, wann immer ihm dies zum Wohl der betreffenden Teilkirche oder der Gesamtkirche erforderlich erscheint. Was jedoch zum Wohl der Kirche und vom Amt des Papstes her gefordert ist, entscheidet einzig der Papst.
Die konziliare Kennzeichnung des Diözesanbischofs als Stellvertreter Christi hat der Gesetzgeber nicht übernommen. In „Lumen gentium“ 27 hieß es noch:
Die Bischöfe leiten die ihnen zugewiesenen Teilkirchen als Stellvertreter und Gesandte Christi durch Rat, Zuspruch, Beispiel, aber auch in Autorität und heiliger Vollmacht, die sie indes allein zum Aufbau ihrer Herde in Wahrheit und Heiligkeit gebrauchen, eingedenk, daß der Größere werden soll wie der Geringere und der Vorsteher wie der Diener (vgl. Lk 22,26-27). Diese Gewalt, die sie im Namen Christi persönlich ausüben, kommt ihnen als eigene, ordentliche und unmittelbare Gewalt zu, auch wenn ihr Vollzug letztlich von der höchsten kirchlichen Autorität geregelt wird und im Hinblick auf den Nutzen der Kirche oder der Gläubigen mit bestimmten Grenzen umschrieben werden kann….Folglich wird ihre Gewalt von der obersten und allgemeinen Gewalt nicht ausgeschaltet, sondern im Gegenteil bestätigt, gestärkt und in Schutz genommen.
Im CIC sucht man vergeblich nach dieser vom Konzil vorgegebenen Formulierung. Der Stellvertreter-Christi-Titel hat sich bewusst nur der Papst reserviert und den Bischof von einem solchen Titel ausgeschlossen.
Auch die in LG 27 enthaltene Qualifizierung der bischöflichen Gewalt als eine im Namen Christi ausgeübte Gewalt hat der Papst nicht aufgegriffen. C. 381 § 1 zeichnet vielmehr das Bild einer abhängigen Gewalt. Ihre Kennzeichnung als „eigenberechtigt“ ändert daran nichts. Das Attribut besagt lediglich, dass der Diözesanbischof im eigenen und nicht im fremden Namen handelt. Jene Passagen der Konzilstexte, die Argumente zugunsten einer weitergehenden Interpretation des Begriffs hätten liefern können, sind mit Bedacht nicht in den CIC aufgenommen worden.
Zusammenfassung:
• Das Verhältnis zwischen Papst und Diözesanbischof ist im CIC nicht als Beziehung zwischen Gleichrangigen konzipiert. Das hierarchische Gefälle zwischen ihnen spiegelt sich wider in der hierarchisch strukturierten Gemeinschaft von Gesamtkirche und Teilkirchen. Der Teilkirchenbegriff verweist auf die Gesamtkirche als den größeren und übergeordneten Zusammenhang; Dreh- und Angelpunkt ist somit nicht die Teil-, sondern die Gesamtkirche. Die Vorstellung von der Teilkirche als einer Konkretion der Gesamtkirche, in der alles verwirklicht ist, was auch die Gesamtkirche ausmacht, steht dagegen im Hintergrund. Der Kirchenbegriff des CIC ist gekennzeichnet durch den Vorrang der gesamtkirchlichen Autorität vor der teilkirchlichen und durch den Vorrang der Gesamtkirche vor der Teilkirche.
• Der Diözesanbischof ist in der Sicht des CIC eine vorrangig auf die Teilkirche bezogene Institution. Als Leiter einer Diözese steht er (nur) einem Teil des größeren Ganzen vor. Er hat zu garantieren, dass in seiner Teilkirche die Gesamtkirche verwirklicht ist. Dass der Bischof eine nicht vom Papst abgeleitete, sondern kraft seiner Stellung als Apostel-Nachfolger von Gott gegebene Gewalt habe, wird in den Normen des CIC nicht gesagt. Als Glied des Bischofskollegiums, dessen Haupt der Papst ist (c.336), steht er in der hierarchischen Gemeinschaft mit dem Papst und den übrigen Bischöfen. Dies soll die Übereinstimmung mit dem Papst gewährleisten.
• Konnte man noch anhand der Konzilstexte von einer Aufwertung des Bischofsamtes sprechen, so wird man bei nüchterner Lektüre des CIC diese Bewertung zurücknehmen und eindeutig konstatieren müssen: Das CIC bietet keinerlei Spielraum für eine solche Aussage.
• Es ist ein Kardinalproblem des kirchlichen Rechts, dass es keine geordneten Abläufe kennt, die Mindeststandards demokratischer Entscheidungsprozesse entsprächen. So muss man es auch als Vision für die Zukunft ansehen, wenn John R. Qinn, Erzbischof em. der Diözese San Francisco, formuliert: „Bishops are not only sub Petro. They are also cum Petro.“
Küngs Aufforderung an die Bischöfe zur Standhaftigkeit und Wehrhaftigkeit
In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 15.4.2010 fordert Hans Küng die Bischöfe auf, ihrer Verantwortung gegenüber dem Papst gerecht zu werden:
„Sie alle haben in der feierlichen Bischofsweihe einen uneingeschränkten Gehorsamseid gegenüber dem Papst abgelegt. Aber Sie wissen auch, dass uneingeschränkter Gehorsam nie einer menschlichen Autorität, sondern Gott allein geschuldet ist. Sie dürfen sich deshalb durch Ihren Eid nicht gehindert sehen, die Wahrheit zu sagen über die gegenwärtige Krise der Kirche, Ihrer Diözese und Ihres Landes. Ganz nach dem Beispiel des Apostels Paulus, der dem Petrus "ins Angesicht widerstand, weil er sich selber ins Unrecht gesetzt hatte" (Gal 2,11)! Ein Druck auf die römischen Autoritäten im Geist christlicher Brüderlichkeit kann legitim sein, wo diese dem Geist des Evangeliums und ihrem Auftrag nicht entsprechen. Volkssprache in der Liturgie, Änderung der Mischehenbestimmungen, Bejahung von Toleranz, Demokratie, Menschenrechten, ökumenische Verständigung und so vieles ist nur durch beharrlichen Druck von unten erreicht worden.
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Dies ist angesichts einer Kirche in der Krise mein Aufruf an Sie, verehrte Bischöfe, Ihre durch das Konzil wieder aufgewertete bischöfliche Autorität in die Waagschale zu werfen. Die Augen der Welt sind in dieser notvollen Situation auf Sie gerichtet. Ungezählte Menschen haben das Vertrauen in die katholische Kirche verloren. Nur ein offener und ehrlicher Umgang mit den Problemen und konsequente Reformen können helfen, dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Ich bitte Sie in allem Respekt, das Ihre beizutragen, womöglich in Zusammenarbeit mit Ihren Mitbischöfen, notfalls aber auch in apostolischem "Freimut" (Apg 4,29.31) allein. Geben Sie Ihren Gläubigen Zeichen der Hoffnung und Ermutigung und unserer Kirche eine Perspektive.“
Böckenförde fordert die Bischöfe zum Widerspruchsdenken heraus
Prof. Dr. Dr. Werner Böckenförde, Domkapitular em., weist zunächst darauf hin, nach welchen Kriterien der Papst einen Bischof ernennt: „Die Bischöfe sind in ihren Ämtern, weil sie Rom nach den Auswahlkriterien und durch den Treueid einmal die Gewähr der "Linientreue" boten. Die Diskrepanz zwischen der theologisch erklärten Würde des Bischofsamtes und ihrer tatsächlichen Rechtsstellung bemerken sie nicht oder fügen sich in sie.“
Fazit : Für die Freiheit im Sinne Jesus streiten
Dem hierarchischen Lehramt bleibt nur zu wünschen, dass das Vertrauen in das Wirken Gottes und das Walten seines Geistes nicht als ein Vorrecht gegenüber dem hierarchischen Lehramt missverstanden werden sollte. Der Verlust an Macht und Einfluss wird um so größer sein, je mehr die Hierarchie versuchen wird, die Gesamtkirche mit einem Spinnennetz von Gesetzen und Geboten mundtot zu machen.
Lassen Sie mich zum Abschluss den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer zitieren, der für mich durch sein gelebtes Christsein weitaus glaubwürdiger ist als mancher Amtsträger im Kardinalspurpur oder Bischofsornat, der glaubt, ihm allein sei die "Wahrheit" von Gott geschenkt.
„Wer die Freiheit aufgibt, gibt sein Christsein auf. Der Christ steht frei ohne irgendwelche Rückendeckung vor Gott und vor der Welt, auf ihm allein ruht die ganze Verantwortung dafür, wie er mit dem Geschenk der Freiheit umgeht. Durch diese Freiheit aber wird der Christ im ethischen Handeln schöpferisch. Das Handeln nach Prinzipien ist unproduktiv, das Gesetz abbildend, kopistisch. Das Handeln aus der Freiheit ist schöpferisch. Der Christ greift gleichsam aus der Ewigkeit heraus die Gestalten seines ethischen Schaffens, setzt sie souverän in die Welt, als eine Tat, seine Schöpfung aus der Freiheit eines Kindes Gottes.“
Paul Haverkamp, Lingen
Kompliment!
Sehr geehrter Herr Haverkamp,
mein Kompliment für Ihre treffende eloquente Zusammenfassung des Themas bzw. Konflikts. Mich als nativen Katholiken haben Sie jedenfalls sehr angesprochen. (Heute bin ich der röm.-kath. Kirche gegenüber ein "freundlicher Apostat".) Es weht in Ihren Ausführungen noch ein Geist entgegen, den wohl Johannes XXIII. zur Einberufung (s)eines Konzils bewogen hat.
Sein menschlich von mir hoch verehrter Nachfolger, Paul VI., der völlig zu unrecht in Vergessenheit geriet, verzagte meines Erachtens an dem großen Wurf jener Vorgabe des Vorgängers aufgrund seiner skrupulösen Natur.
Johannes Paul I., über den die Geschichte nichts zu berichten hat, scheint mir nach Kenntnis der wenigen Dokumente die mir von ihm bekannt wurden ein ganz bedeutsamer Mann gewesen zu sein in dem Sinne, dass er spirituell ausgerichtet war und die begonnene Entwicklungslinie des Konzils auf seine Weise wieder verfolgt hätte.
Nun erlebt die röm.-kath. Kirche die innere Spannung der m. E. auf verlorenem Posten stehenden nachkonziliaren Menschen und den neokonservativen, ja oft sogar faschistoiden Katholiken. (Vrgl. jene Skandalseite kreuz.net.) Dabei hat der junge Ratzinger den gesamten Sprengstoff zwischen traditioneller Dogmatik und dem Realitätsanspruch des "modernen" Menschen weiland wie kaum ein anderer großartig auf den Punkt gebracht. Nun, auch ihm will ich gerne seine Entwicklung zugestehen.
Ganz herzlich bedanke ich mich aber bei Ihnen für das mir unbekannte Bonhoefer-Zitat, mit dem ich mich inhaltlich ganz und gar identifizieren kann.
Beste Grüße unbekannter Weise,
Gottlieb Schmidt-Holzportz
Danke!
Lieber Herr Schmidt-Holzportz!
Vielen Dank für die zustimmenden Worte, die Sie hinsichtich meiner Einlassungen gefunden haben.
Liebe Grüße aus Lingen
von Paul Haverkamp
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