Bischöfe: "Mit christlich hat das nichts zu tun"

Ökumenischer Trauergottesdienst in Oslo

An dem ökumenischen Trauergottesdienst im Dom von Oslo nahmen neben Hinterbliebenen und Überlebenden auch Spitzenvertreter des norwegischen Staates teil. Foto: dpa/Aleksander Andersen

Norwegen - "Getötet, fort, für immer. Es ist nicht zu begreifen", sagte Regierungschef Jens Stoltenberg im Trauergottesdienst in Oslo und kämpfte dabei mit den Tränen. Mehr als 90 Menschen sind bei dem Doppelanschlag in Norwegen gestorben. Auch Vertreter der Kirchen in Deutschland zeigten sich am Wochenende geschockt und drückten ihr Mitgefühl aus. Im Hinblick auf die Formulierung der Polizei, der mutmaßliche Täter sei als "christlich-fundamentalistisch" einzuordnen, stellten die Bischöfe Johannes Friedrich und Gerhard Ulrich klar, dass sein Denken nichts mit "christlich" zu tun habe.

Kirchenvertreter haben mit Entsetzen und Trauer auf die verheerenden Anschläge mit 93 Toten in Norwegen reagiert. Die norwegische lutherische Bischöfin Helga Haugland Byfuglien verurteilte die Tat als Akt sinnloser Gewalt. In einem Trauergottesdienst im Dom von Oslo sprach sie am Sonntag den Hinterbliebenen Trost zu: "Ihr seid nicht allein in Eurer Trauer." Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, zeigte sich am Wochenende geschockt und drückte den Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. In vielen Sonntagsgottesdiensten in Deutschland gedachten die Gläubigen der Opfer.

Am Freitag waren bei einer Bombenexplosion im Regierungsviertel von Oslo sieben Menschen und bei einem anschließenden Massaker in einem sozialdemokratischen Ferienlager auf der Insel Utöya 86 Menschen getötet worden. Der 32-jährige mutmaßliche Täter gehört der rechten Szene an und ist nach Polizeiangaben "christlich-fundamentalistisch" orientiert.

Stoltenberg: "Wir werden unsere Werte nicht aufgeben"

An dem ökumenischen Gottesdienst in Oslo nahmen neben Hinterbliebenen und Überlebenden auch Spitzenvertreter des norwegischen Staates teil. "Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben", sagte Ministerpräsident Jens Stoltenberg in einer bewegenden Ansprache. "Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit".

Mit den Tränen kämpfend nannte der 52-jährige Regierungschef ihm persönlich bekannte Opfer des Massakers auf der Insel Utøya. Eines von ihnen hatte 20 Jahre in jedem Jahr bei dem Ferienlager mitgewirkt. Ein anderer galt als hoffnungsvoller sozialdemokratischer Nachwuchspolitiker. Stoltenberg sagte: "Getötet, fort, für immer. Es ist nicht zu begreifen."

Der EKD-Ratsvorsitzende Schneider äußerte sich in Hannover "tief erschüttert von den brutalen Gewalttaten". Keine politische oder religiöse Lehre könne Begründung sein für diesen Akt des kaltblütigen Mordens, unterstrich der rheinische Präses. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister erklärte, er sei in Gedanken bei den Opfern und Angehörigen. Christinnen und Christen vertrauten darauf, dass weder Schmerz noch Leid und nicht einmal der Tod die endgültige Zerstörung des Lebens seien, fügte er hinzu.

Terror und Mord haben nichts mit Glaube und Liebe zu tun

Auch der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sprach sein tiefes Mitgefühl aus. Zugleich zeigte er sich entsetzt, dass man "in den Medien dieser Tat ein christlich-fundamentalistisches Motiv unterstellt". Mit "christlich" habe solches Denken "gar nichts zu tun", betonte der Landesbischof in einem Gottesdienst in Rothenburg ob der Tauber: "Im Gegenteil."

Der nordelbische Bischof Gerhard Ulrich unterstrich, wenn der Täter tatsächlich einen christlich-fundamentalistischen Hintergrund habe, dann müsse "ein ganz klarer und ganz scharfer Trennungsstrich" gezogen werden. Terror und Mord ließen sich auf keine Weise rechtfertigten und hätten mit Glaube, Liebe und Hoffnung im christlichen Sinn "absolut nichts zu tun".

Der norwegische Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Olav Fykse Tveit, sagte, er sei "tief traurig, dass dies in meinem geliebten Land geschehen ist". Norwegen sei nun auf internationale Solidarität angewiesen, unterstrich der Theologe von der norwegischen lutherischen Kirche, der rund 85 Prozent der Bevölkerung angehören.

Auch in der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen wurde der Opfer gedacht. An der Gedenktafel für ermordete norwegische Häftlinge wurde eine Kerze angezündet. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hatte vor dem Hintergrund des offensichtlich rechtsextremen Motivs der Anschläge zu der Andacht eingeladen. Nach Gedenkstättenangaben waren zwischen 1940 und 1945 etwa 2.500 Norweger im KZ Sachsenhausen inhaftiert.
 

epd/dpa

Kommentare

Verfasst von Gast am 17. August 2011 - 16:31.

natürlich hat Terror und Mord

natürlich hat Terror und Mord nichts mit dem Glauben zu tun (ob Muslime oder...

natürlich hat Terror und Mord nichts mit dem Glauben zu tun (ob Muslime oder Christen!!!) das ist einfach nur Unwissenheit!! langsam sieht die Menschheit, dass nicht nur die angebliche "MUSLIME" Terroristen wären... solche kranke Menschen gibt es in jeder Religion und jeder Nation! man sollte die Religion nicht immer wieder beschuldigen... Islam ist EIGENTLICH eine friedliche Religion, wobei viele Muslime das Gegenteil machen... ist echt Schade...

Verfasst von alexschnapper am 28. Juli 2011 - 15:14.

Bei Google+ selbst wird

Bei Google+ selbst wird darüber diskutiert, hier der öffentlich...

Bei Google+ selbst wird darüber diskutiert, hier der öffentlich einsehbare Link:

https://plus.google.com/u/0/101364834666551937629/posts/TvtSYgwy13s

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Verfasst von Gast am 25. Juli 2011 - 9:44.

Das ist wie gemeint?

Ich möchte dem ja zustimmen, aber dann fällt mir auf den letzten Moment noch...

Ich möchte dem ja zustimmen, aber dann fällt mir auf den letzten Moment noch ein, daß es wahrscheinlich heißen soll, hier bei uns gäbe es keine solche radikalen christlichen Fundamentalisten. Dem ist nicht so. Und ich glaube, daß denen der Bischof eher persönlich die Oblade auf die Zunge legt, als in einer Strafsache gegen sie auszusagen.

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 24. Juli 2011 - 21:36.

Aufgabe der Religionen im Zeitalter der Globalisierung

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Norwegen möchte ich an das jüngste Buch...

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Norwegen möchte ich an das jüngste Buch von Altkanzler Helmut Schmidt erinnern; in diesem Buch „Religion in der Verantwortung“ weist Altbundeskanzler Helmut Schmidt darauf hin, dass das Ausschließlichkeitsdenken der drei großen monotheistischen Religionen ein wesentlicher Grund ihrer Radikalisierung darstellt.

Statt sich gegenseitig zu respektieren und nach den gemeinsamen Wurzeln zu fragen, erhebe jede der Weltreligionen Anspruch auf die eigene Wahrheit.

Dass die Kirchenführer – Imame und Rabbis genauso wie Bischöfe und Pfarrer –sich ihrer Verantwortung entziehen, beschwört nach Ansicht des Altkanzlers die Gefahr neuer Kriege und weltweiter Konflikte herauf.

Den von Samuel Huntington 1993 vorhergesagten „Clash of Civilazations“ hält Schmidt „für denkbar“. Von den vorhandenen religiösen Strömungen attestiert er dem Buddhismus die größte Friedensfähigkeit.

Dem „Übel des Missionsgedankens“ misstraut er grundsätzlich: „Wer Andersgläubigen seine eigene Religion aufdrängen will, der ruft zwangsläufig Konflikte und in manchen Fällen Kriege hervor.“ Als Ausweg mit mehr religiöser und ideologischer Toleranz votiert er für die von dem Schweizer Theologen Hans Küng geleitete Initiative, aus den Religionen der Welt ein gemeinsames, quasi synkretistisches „Weltethos“ zu entwickeln.

Mit Recht moniert der Altkanzler auch heute noch zuweilen zutage tretende Grenzüberschreitungen von Klerikern in den politischen Raum hinein und erklärt: „Es gibt ganz gewiss Christen in der Politik, es gibt gewiss christliche Politiker – aber dass es eine christliche Politik gäbe, daran habe ich allergrößte Zweifel.“ In seiner Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ hatte das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) bereits die „Autonomie der irdischen Wirklichkeiten“ und damit die Eigenständigkeit der Politik, der Kultur und auch der Wirtschaft als originäre Aufgabenbereiche der Laien in der Welt hervorgehoben.

Schmidt nennt sich allein deshalb „immer noch einen Christen und bleibe in der Kirche, weil sie Gegengewichte setzt gegen moralischen Verfall in unserer Gesellschaft und weil sie Halt bietet“.

„Ich glaube, Vertrauen auf den Herrn der Geschichte gibt uns auch den Mut dazu, Ängste auszuhalten; diese Welt, so wie sie wirklich ist, als Heimat anzunehmen und diese Welt, wo sie noch nicht Heimat ist oder wo sie es nicht mehr ist, wieder zur Heimat zu machen.“

Für Schmidt steigt vor allem im Zeitalter der Globalisierung die Bedeutung der Religionen, da diesen einen eine zentrale Aufgabe bei der Bewahrung der Schöpfung, des Friedens und einem Mehr an sozialer Gerechtigkeit zukomme.

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Norwegen können die Überlegungen Schmidts gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Religionen können sich nur dadurch legitimieren, indem sie Dienst am Menschen leisten – diese zentrale Aufgabe schließt Ansprüche auf Monopolansprüche göttlicher Wahrheiten aus und weist den Weg der Religionen in eine Richtung, der nicht von Besitzansprüchen, Eitelkeiten und Herrschaftsgelüsten geprägt ist, sondern sich dem Grundsatz des von Rom entmachteten Bischofs Gaillot verpflichtet fühlen müsste: „Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts.“

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Benjamin am 24. Juli 2011 - 18:55.

Natürlich hat das was mit

Natürlich hat das was mit einer (sehr falschen) christlichen Sichtweise zu tun...

Natürlich hat das was mit einer (sehr falschen) christlichen Sichtweise zu tun. Das kommt davon wenn die vielen heutigen sogenannten Christen sich vom wahren Christentum entfernen und in sektenartigen Strömungen ein Zuhause finden.
Oder will man etwa sagen die Kreuzzüge gegen andere Religionen sei ein Märchen und kein Fakt der Geschichte.

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