Bischof Fischer nennt EKD-Papier "beschämend"

Bischof Ulrich Fischer. Foto: epd

Vermisst im strittigen Papier die geschwisterliche Liebe zwischen Christen verschiedener Konfession: Badens Landesbischof Ulrich Fischer. Foto: epd

Zwist - Der Ökumenische Kirchentag 2010 rückt näher - doch wie steht es um die Beziehungen zwischen den großen Kirchen? Das Ökumene-Papier aus dem evangelischen Kirchenamt sorgt weiter für Aufregung.

Das in der vergangenen Woche bekannt gewordene Ökumene-Papier aus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wirft einen Schatten auf die Beziehungen der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Die katholische Ökumene-Expertin Dorothea Sattler sagte, der Ökumenische Kirchentag 2010 werde durch das Papier nicht erleichtert. Aber auch mehrere evangelische Landesbischöfe äußerten scharfe Kritik an dem Text. Der badische Bischof Ulrich Fischer nannte es "geradezu beschämend", dass das Schriftstück im EKD-Kirchenamt verfasst wurde. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber distanzierte sich abermals.

"Unzutreffend und unangebracht"

Er habe sich bereits am Montagvormittag bei Erzbischof Robert Zollitsch für entstandene Irritationen entschuldigt, sagte der Berliner Bischof der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Es wäre allerdings besser gewesen, den Kontakt zu Zollitsch früher zu suchen, räumte Huber ein. Insbesondere die Urteile über Personen in dem internen Papier seien "unzutreffend und unangebracht". Langfristige Entwicklungen in der Ökumene seien allerdings zutreffend beschrieben. "Es ist nicht alles falsch an dem Papier", sagte der Ratsvorsitzende. Huber hatte bereits am vergangenen Freitag betont, das Papier zum Stand der ökumenischen Beziehungen hätten sich die Gremien der EKD zu keinem Zeitpunkt zu eigen gemacht.

In dem Papier, das die katholische Würzburger Zeitung "Die Tagespost" mittlerweile im Wortlaut dokumentiert hat, ist von Spannungen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland sowie von "hausgemachten Irritationen" seit dem Amtsantritt von Papst Benedikt XVI. die Rede. Diese Vorgänge könnten entweder als Ausdruck von "Inkompetenz der Vatikanführung" oder als Hinweis auf eine Kurskorrektur gedeutet werden, heißt es dort. Von Erzbischof Zollitsch gehe keine orientierende und prägende Kraft aus.

"Geschwisterliche Verbundenheit fehlt"

Der badische Bischof Fischer sagte am Dienstagabend in Karlsruhe, das Schriftstück kommentiere "in sehr abschätziger, jede geschwisterliche Verbundenheit vermissenden Weise den derzeitigen Zustand der römisch-katholischen Kirche". Dass dieses für den internen Gebrauch verfasste Papier öffentlich wurde, sei ärgerlich, sagte der Theologe in einem Vortrag zur "Ökumene heute" laut vorab verbreitetem Redetext. "Über Geschwister im Glauben redet man so nicht, selbst wenn die römisch-katholische Kirche sich weigert, uns Evangelische als 'Schwesterkirche' zu bezeichnen", erklärte Fischer. Der Bischof hatte bereits bei der Kirchenkonferenz am 2. Juli der Grundhaltung des Papiers heftig widersprochen. In der EKD-Kirchenkonferenz sind die Leitungen der 22 evangelischen Landeskirchen vertreten.

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, sagte der "Frankfurter Rundschau" (Mittwochsausgabe): "Dieser flapsige, ja sogar hämische Ton ist völlig unangemessen, so reden wir nicht übereinander." Das sei einhellige Meinung auf der Kirchenkonferenz gewesen. "Keiner der leitenden Geistlichen in der EKD denkt so, wie es in diesem Papier steht", sagte Schneider.

Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July sagte dem epd, das Papier entspreche weder der Atmosphäre noch dem Stand des ökumenischen Gesprächs im Südwesten. "Man sollte das Feld nicht denen überlassen, die jetzt aus Irritationen Kapital schlagen wollen", forderte der Bischof.

"Warnung zur rechten Zeit"

Die katholische Ökumene-Expertin Sattler beurteilte die Debatte über das Papier im Gespräch mit dem Kölner Domradio als "Warnung zur rechten Zeit". Damit werde noch offenkundiger, dass es einer innerchristlichen Verständigung in gesellschaftlichen Fragen bedürfe. Sattler widersprach der Einschätzung in dem Arbeitspapier, wonach die evangelische Kirche derzeit eine "intellektuelle Meinungsführerschaft" einnehme. Kontroversen zwischen beiden großen Kirchen müssten sachlich und "auf Augenhöhe" ausgetragen werden, sagte Sattler, die das Ökumenische Institut an der Universität Münster leitet.

Für den evangelischen Kirchentag sagte Pressesprecher Rüdiger Runge dem epd, an dem Projekt des Ökumenischen Kirchentages im nächsten Jahr werde durch die aktuelle Debatte nicht gerüttelt. Die Auseinandersetzung mache deutlich, wie der Vorbereitungsprozess des Ökumenischen Kirchentages vom "Auf und Ab" in den Gesprächen zwischen den Kirchen begleitet werde.

Mit einem klärenden Gespräch an diesem Mittwoch wollen evangelische und katholische Bischöfe die Irritationen ausräumen, die das Papier hervorgerufen hat. Daran werden jeweils drei führende Vertreter der Bischofskonferenz und der EKD teilnehmen. Ein für Donnerstag geplantes turnusmäßiges Treffen von katholischen Bischöfen und Ratsmitgliedern der EKD hatte die Bischofskonferenz zuvor abgesagt.

epd

 

Kommentare

Verfasst von Gast am 17. Oktober 2009 - 12:25.

RE: Bischof Fischer nennt EKD-Papier "beschämend"

Einfach nur ein Link zur Badischen Landeskirche: http://www.ekiba.de/download/...
Verfasst von Gast am 15. Oktober 2009 - 11:38.

RE: Bischof Fischer nennt EKD-Papier "beschämend"

Die katholische Kirche hat kein Recht sich als Beleidigte oder Verletzte in die...

Die katholische Kirche hat kein Recht sich als Beleidigte oder Verletzte in die Schmollecke zurückzuziehen, denn das EKD-Papier stellt nur eine Auflistung von Irritationen innerhalb der kirchlich interessierten Öffentlichkeit dar, die in jeder Tagespresse nachzulesen sind.

Die „Signale der Verschiedenheit und der Andersartigkeit“ sind doch unübersehbar, die schon während des Pontifikats Johannes Paul II. gesetzt worden sind und unter Benedikt eine Fortsetzung erfahren haben. Warum darf man diese Unterschiede nicht nüchtern benennen und Irritationen zum Ausdruck bringen? Die im Papier angesprochenen Punkte hinsichtlich einer Rückwärtsentwicklung der katholischen Kirche auf vorkonziliare Zustände sind doch unübersehbar und werden doch auch von katholischen Theologen seit langer Zeit so gesehen.

Otto Hermann Pesch urteilt über die innerkatholische Diskussion bezüglich der Konzilsrezeption wie folgt: „Selten in der Kirchengeschichte ist eine nicht einmal qualifizierte Minderheit ... auf einem Konzil so pfleglich, geradezu zartfühlend ... behandelt worden unter Inkaufnahme widersprüchlicher, jedenfalls uneindeutiger Formulierungen der Konzilstexte. Und selten hat diese Minderheit anschließend ungenierter – um nicht zu sagen: schamloser und dreister – die von ihr erzwungenen Uneindeutigkeiten der Konzilstexte ausgenutzt, um sich an dem klaren Mehrheitswillen der Repräsentanten der Weltkirche vorbei auf den Bahnen des Hergebrachten durchzusetzen.“

Der Religionsphilosoph Eugen Biser gab seiner Enttäuschung im Jahre 2000 mit folgenden Worten zu Protokoll : „Wir leben ... in einer Phase, die ich ... als die Zurücknahme der Errungenschaften des Zweiten Vatikanischen Konzils bezeichnen muss. Stück um Stück wird das, was jenes Konzil uns geschenkt hat, abgebaut und zurückgenommen. Und eine Kirche, die das tut, die derartige Akte der Selbstbeschädigung setzt, die braucht keine Feinde mehr, denn sie arbeitet selbst auf ihren Ruin und auf ihre mangelnde Akzeptanz hin.“

Ich bedauere es sehr, dass in der Öffentlichkeit immer nur Formulierungen gewählt werden dürfen, die die „Political Correctness“ widerspiegeln – wie im Augenblick bei den sehr kontrovers diskutierten Interviewäußerungen von Sarrazin. Holen Kritiker Sarrazins sofort das Damokles-Schwert von NS-Vernichtungs-Rhetorik heraus, weist die katholische Kirche auf den Schaden eines ökumenischen Miteinanders hin – jedoch vergessend, dass gerade sie mit „Dominus Jesus“ und einer Wiederholung im Jahre 2007 die eigentlichen Initiatoren dieses Schadens sind.

Paul Haverkamp, Lingen

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