Bundesgartenschau - An 185 Tagen gab es Tageszeitengebete und Konzerte, Gottesdienste und Friedhofsspaziergänge: Es ist eine Erfolgsbilanz, die die Kirche aus ihrem Projekt auf der Bundesgartenschau zieht. Vor allem aber ist die Großveranstaltung ein ökumenischer Erfolg.
Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wenn Sven Dreiser und Kalle Grundmann zum letzten Mal zum Gottesdienst auf der Festung Ehrenbreitstein einladen. 185 Tage haben der evangelische Pfarrer und der katholische Pastoralreferent gemeinsam das Kirchenprojekt "felsenfest wandelweise" auf der Bundesgartenschau in Koblenz (Buga) geleitet. An 185 Tagen haben sie Tageszeitengebete und Konzerte, Gottesdienste und Friedhofsspaziergänge organisiert oder zu biblischen Weinproben eingeladen – und unzählige Gespräche geführt. "185 Tage lang waren wir fast so etwas wie eine Familie", sagt Dreier im Blick auf die rund 150 Ehrenamtlichen und die vielen Mitarbeitenden der Buga, zu denen sich ebenfalls ein nahezu familiäres Verhältnis entwickelt habe.
Sven Dreiser und Kalle Grundmann freuen sich über den ökumenischen Erfolg auf der BUGA. Foto: Anika Kempf/evangelisch.de
Es ist eine Erfolgsbilanz, die die Kirche aus ihrem Projekt auf dieser Großveranstaltung ziehen, und es ist ein ökumenischer Erfolg. "Dahinter gibt es kein Zurück", davon ist Sven Dreier überzeugt. Das vorhandene gute ökumenische Klima der Stadt habe sich hier in der gemeinsamen Arbeit für die Besucher der Gartenschau noch einmal vertieft. Das sei gerade auch bei den Besuchern gut angekommen.
Schon die Zahlen beeindrucken: 300 Tageszeitengebete, 150 Mittagskonzerte, insgesamt mehr als 70 Gottesdienste, 32 Evensongs, dazu Kirche, Kunst und Kultur und ein Schülerprojekt mit dem Titel "…ab ins Paradies". Die kirchlichen Veranstalter gehen davon aus, dass die meisten der rund 3,5 Millionen Buga-Besucher auch eine der beiden Kirchen besucht hätten: die Festungskirche auf der Festung Ehrenbreitstein, oder die St. Kastor-Basilika am deutschen Eck.
Sieben Stunden im Durchschnitt haben sich die Besucher auf dem Gelände aufgehalten
Sieben Stunden im Durchschnitt haben sich die meisten Besucher auf dem Ausstellungsgelände zwischen Festung, Seilbahn und Uferpromenade aufgehalten. Die kirchlichen Angebote bedeuteten da für manch einen eine Erholungsoase. "Wir haben Gegenräume zu der Reizüberflutung angeboten", sagt Dreier. Und diese hätten die Menschen gerne angenommen.
Eine echte "Erfolgsgeschichte" etwa waren die Evensongs, die nach anglikanischer Tradition gestaltet und meditativ musikalisch gestaltet wurden. Von Mal zu Mal seien mehr Menschen in die St. Kastor-Basilika gekommen, um Chorgesang, Lesungen aus der Bibel und einen kurzen Impuls zu hören und dann in eine Zeit der Stille einzutauchen, sagt Dreier. Manch einer habe durch diese schlichte Form der Andacht auch wieder zur Kirche zurückgefunden. Der große Zuspruch hat die evangelische und katholische Kirche in der Stadt dazu bewegt, die Evensongs auch in Zukunft fortzuführen und einmal im Monat anzubieten.
Das Bedürfnis nach Stille inmitten des Trubels habe sich auch im Raum der Stille in der Festungskirche gezeigt. Unzählige Kerzen seien dort angezündet worden. Als besonders bewegend nennt Dreier die Gebetesanliegen, die In die ausliegenden Bücher geschrieben werden konnten. Sie seien jeweils in den Abendgebeten aufgenommen worden und füllten fünf große Bände.
Nicht nur die Kirchen sehen ihre Arbeit auf der Buga als Erfolg
Nicht nur die Kirchen selbst sehen ihre Arbeit auf der Buga als Erfolg. Auch Buga-Geschäftsführer Hanspeter Faas spricht von den Kirchen als wichtigem Partner, ja er nennt sie sogar einen "entscheidenden Schlüssel zum Erfolg" der Gartenschau.
Ohne die weit mehr als 100 ehrenamtlich engagierten Menschen aus den Koblenzer Kirchengemeinden wäre jedoch die Präsenz der Kirchen auf der Buga nicht so umfassend möglich gewesen, lobte Sabine Zosek von der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie hätten mit großer Freundlichkeit und Kompetenz für Fragen und Gespräche zur Verfügung gestanden. Die "gewachsene Verbundenheit" lobte auch Hans-Werner Tonner vom Bistum Trier kündigte an, dass die Heilig-Rock-Wallfahrtim nächsten Jahr unter dem Motto stehen werde „Und führe zusammen, was getrennt ist“.
Lieselotte Wendl arbeitet als freie Journalistin in Frankfurt.








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