Lutherdekade - Die Projekte zum Reformationsjubiläum stehen künftig unter dem Motto "Am Anfang war das Wort". Der erste Satz aus dem Johannesevangelium zeige die Bedeutung des Wortes für die Entstehungsgeschichte der evangelischen Kirche, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bei der Vorstellung der sogenannten Dachmarke in Berlin.
Die Menschen bräuchten "das Wort, das ihr Leben erleuchtet und sie brauchen den Anfang, in dem Neues wachsen kann". Trivialisierung, Atemlosigkeit, Kommerzialisierung und Selbstüberforderung machten viele Menschen heute mutlos, sagte Schneider. Dazu komme die Verwirrung über manche Worte, wie beispielsweise bei den aktuellen Entwicklungen in Brüssel. Dort sei von agierenden Märkten die Rede. "Märkte agieren aber nicht, sondern Menschen", sagte Schneider. "Wer von Märkten redet, vertuscht Verantwortlichkeiten."
Die EKD, der Bund und die Länder - allen voran die mitteldeutschen Bundesländer mit den historischen Wirkungsstätten Martin Luthers (1483-1546) - stimmen seit 2008 auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 ein. Dann jährt sich der Thesenanschlag Luthers an die Wittenberger Schlosskirche zum 500. Mal. Das Ereignis gilt als Beginn der Kirchenreformation.
Die Webseite der Lutherdekade
Die Bundesregierung beteiligt sich mit 35 Millionen Euro an den Projekten zur Lutherdekade. Darüber hinaus soll die Sanierung authentischer Reformationsstätten unterstützt werden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte die Reformation als Ereignis, das das Verständnis von Menschenrechten und Demokratie in Deutschland wesentlich geprägt habe. Mit der Lutherdekade eröffne sich auch die Chance zur Weiterentwicklung der Demokratie, sagte Neumann.
Die Reformation hat eine weltweite Bedeutung
Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) bezeichnete den Thesenanschlag Luthers als "das historische Bild für die Zivilgesellschaft in Deutschland". Die Bezeichnung des Reformators als "Wutbürger" werde zwar der historischen Dimension nicht gerecht. Und doch habe dieser Bettelmönch sein Wort gegen die kirchliche Obrigkeit gestellt und damit eine Revolution ausgelöst.
Der Deutsche Kulturrat kritisierte indes, dass die Zivilgesellschaft bei der Kampagne nicht eingebunden worden sei. Es sei erfreulich, dass das Reformationsjubiläum nicht als staatsprotestantische Angelegenheit verstanden werde, erklärte Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann. Umso unverständlicher sei es, dass nicht das Gespräch mit zivilen Akteuren gesucht worden sei.
Mit der am Donnerstag vorgestellten Dachmarke "Am Anfang war das Wort" soll nach Schneiders Worten ein gemeinsames Band zwischen den vielen Veranstaltungen zur Lutherdekade erzeugt werden. Symbol der Kampagne sind aufgereihte, jeweils einem Buchstaben aus dem Motto "Am Anfang war das Wort" entsprechende Bücherregale. 18 dieser Komplett-Regale sollen in bundesweit 18 Orten für die Lutherdekade werben. Zudem sollen Bücher zum Thema Reformation im öffentlichen Raum verteilt werden, die dann von anderen mitgenommen, gelesen, getauscht und wieder an anderer Stelle abgelegt werden können. Der Verbleib der Bücher kann im Internet verfolgt werden.








Kommentare
Mehr Dachschaden....
Der Theologie-Professor Martin Luther war natürlich im ausgehenden Mittelalter Funktionär einer staatstragenden Institution, nicht Vertreter der Zivilgesellschaft. Bürger in dem hier vorausgesetzten Kontext gibt es als Begriff erst seit der Französischen Revolution.
Demokratische Strukturen waren eher mit der von Luther brutalst bekämpften Täuferbewegung verknüpft.
Und nichts ist gegenwärtig umstrittener als die Bedeutung und Verbindlichkeit des biblischen Wortes in der EKD, siehe u.a. Homo-Pfarrerdebate.
Vllt. sollte es in der Kampagne ja mehr um die Offenlegung eines Dachschadens gehen, die Identität einer "Dachmarke" erschliesst sich irgendwie nicht.
luther ist reaktionär
wieso wird luther überhaupt gefeiert? er war antisemit und hat die niederschlagung der bauernaufstände legitimiert. die reformation war eine reaktionäre und regressive bewegung. als getaufter lutheraner bin ich schon vor über 10 jahren aus der ev. landeskirche ausgetreten. sollte ich mich je wieder einer konfession anschließen, dann sicher nicht einer, welche alles geistig verinnerlicht. die bildfeindlicheit des lutherismus zeigt seine verachtung der sinnlichkeit bereits an. da ist mir sogar der katholizismus, trotz aller hierarchien noch sympathischer. das feste ritual hat zumindest entäußernde funktion, die auf versöhnung von geist und sinnlichkeit zielt.
viele grüße,
K.H.
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