Deutscher Ökumenebischof als zweiter Mann im Vatikan?

Bischof Gerhard Ludwig Müller

Bischof Gerhard Ludwig Müller, Ökumene-Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz - hier beim Segen für vorbeigehende Pilger in Regensburg (Oberpfalz) - ist im Gespräch für den Posten des Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan. Foto: dpa/Armin Weigel

Papst - Rückt der Regensburger Bischof Müller an die Spitze der mächtigen römischen Glaubenskongregation? Spekuliert wird seit langem, offiziell ist noch nichts. Kritiker hegen Befürchtungen.

Von Christine Cornelius

Der Papst lässt sich mit seiner Entscheidung Zeit. Seit Kardinal William Levada aus Altersgründen sein Rücktrittsgesuch eingereicht hat, brodelt es in der Gerüchteküche. Wer wird neuer Präfekt der mächtigen römischen Glaubenskongregation? Immer wieder fällt der Name des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller. "Der Papst oder diejenigen, die in seinem Auftrag tätig sind, müssen überlegen, wer für bestimmte Aufgaben infrage kommt - da ergibt sich meist ein bestimmter Personenkreis", sagte Müller der Nachrichtenagentur dpa. Dass er diesem Personenkreis angehört, gilt als unzweifelhaft.

"Sicher gab es schon Gespräche mit Rom darüber", sagt der Bischof, der in der Deutschen Bischofskonferenz Vorsitzender der Ökumene-Kommission ist. Doch ansonsten hält sich der 64-Jährige bedeckt. Es soll nicht der Eindruck entstehen, er schiele auf das Amt. "Es würde mich nicht in dem Sinne reizen, dass ich es für mein eigenes Ego bräuchte, aber es ist natürlich eine Tätigkeit, die mit meinem bisherigen Werdegang als Theologie-Professor viel zu tun hat." Das nötige fachliche Wissen brächte Müller mit, der jahrelang an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Dogmatik lehrte und dort bis heute Honorarprofessor ist.

"Es gehört sich nicht, dem Papst gegenüber Nein zu sagen"

Die Glaubenskongregation hat sich dem Schutz der "Glaubens- und Sittenlehre" verschrieben. Für Müller könnte auch sprechen, dass er schon Mitglied dieser bedeutendsten Vatikan-Behörde ist und sich daher mit deren Strukturen auskennt. Doch der Posten ist keiner, um den sich Bischöfe beim Heiligen Stuhl bewerben. Wer ausgewählt wird, folgt dem Ruf des Papstes. "Formell könnte man natürlich Nein sagen, aber es gehört sich einfach nicht, dem Papst gegenüber Nein zu sagen", erläutert Müller.

Der konservative Kirchenmann gilt als Hardliner unter den deutschen Bischöfen. Bei der Kirchenbasis wird er teilweise sehr kritisch gesehen. "In Rom richtet er womöglich noch mehr Schaden an als in Regensburg", sagt die Regensburger Vorsitzende der Vereinigung "Wir sind Kirche", Sigrid Grabmeier. Sie befürchtet, die katholische Kirche werde mit steigendem Einfluss Müllers restriktiver und rückwärtsgewandter werden. Theologisch liege Müller ganz auf der Linie des Papstes, erklärt "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner. Es sei aber die Frage, ob dieses sehr traditionelle Kirchenverständnis in die heutige Zeit der katholischen Weltkirche passe und zukunftsfähig sei.

Für Müller könnte das größte Hindernis seine Nationalität sein. "Zwei Deutsche an der Spitze des Vatikans - das kann auf Kritik stoßen, weil andere Nationen auch Interesse haben, Vertreter zu senden", sagt der emeritierte Regensburger Dogmatik-Professor Wolfgang Beinert. Er rät davon ab, zu viel zu spekulieren. "Selbstverständlich hat der Papst die letzte Kompetenz." Wann die Nachfolgerfrage akut werde, sei noch völlig offen. "Der Papst kann frei darüber entscheiden, wann er Levadas Rücktrittsangebot annimmt." Es habe sich eingebürgert, Kardinäle einige Zeit länger im Amt zu lassen - um ihnen Anerkennung zu zollen.

Am Ende entscheidet der Papst

Die Römische Kurie ist die zentrale Verwaltungsbehörde der katholischen Kirche. Vergleichbar der Aufteilung eines Staatsapparates in Ministerien ist der Vatikan in neun Abteilungen unterteilt, sogenannte Kongregationen. Als wichtigste gilt die Glaubenskongregation, die früher die Inquisitionsbehörde des Vatikans war. Sie kümmert sich um alle Angelegenheiten, die mit Glaube und Sitte zu tun haben. "Der Chef der Glaubenskongregation ist der zweitwichtigste Mann im Vatikan", erläutert Beinert. Bevor er Papst wurde, hatte Joseph Ratzinger selbst lange Zeit dieses Amt inne. Er und Bischof Müller gelten als enge Vertraute.

In Rom übernähme Müller zwar weniger seelsorgerische Arbeit als in Regensburg. "Die meisten, die kuriale Ämter haben, sitzen aber in Rom nicht nur im Büro, sondern haben auch noch eine seelsorgerische Anbindung", erläutert er. Müller war in den vergangenen Jahren schon mehrfach für hohe Ämter im Gespräch, etwa für das des Berliner Erzbischofs. Sein weiterer Werdegang bleibt Spekulation. Müller sagt: "Am Ende muss der Papst entscheiden wann, wie und wen."

 

Kommentare

Verfasst von Nachtfalter am 11. Februar 2012 - 23:31.

Na???

Hab ich's doch geahnt!
Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 9. Februar 2012 - 20:41.

Hardliner unter sich

Ein hardliner inthronisiert möglicherweise einen hardliner Dass der...

Ein hardliner inthronisiert möglicherweise einen hardliner

Dass der Regensburger Bischof einen vorbestraften Pfarrer im Jahre 2003 entgegen den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzt und der Bischof der neuen Gemeinde verschwiegen hat, dass der neue Pfarrer wegen sexueller Verfehlungen vorbestraft war, dafür lehnte seinerzeit Müller jegliche Entschuldigung ab.

„Es geht nicht darum, mich zu entschuldigen oder Fehler einzugestehen", sagte Müller dem Radiosender Bayern 2 im Oktober 2007. Nach seiner Ansicht sei im Umgang mit dem bereits einschlägig vorbestraften Geistlichen getan worden, „was menschenmöglich war“.

Zur Kritik an seiner Amtsführung sagte der Regensburger Bischof, er brauche keine „Belehrungen von Leuten, die in der Pastoral gar nichts zu tun haben". Der einzige Vorgesetzte eines Bischofs sei der Papst, „und von dieser Seite habe ich noch keine Kritik gehört", sagte Müller.

Einen solchen Bischof nun als Vorsitzenden der Glaubenskongregation zu handeln, zeigt, mit welchen Riesenschritten die kath. Kirche sich auf den Weg in vorkonziliare Verhältnisse begibt.

Unterstrichen wird diese Beurteilung Müllers noch durch Äußerungen gegenüber kritischen Katholiken, die Müller in einem PNP-Intervieview vom 9.11.2011. Dass Müller weit entfernt ist von einem Kirchenbild, das um „Communio“ und Mitverantwortung und Miteinander aller Glieder der Kirche kreist, macht er in diesem Interview durch folgende Äußerungen deutlich:

„Sektiererische Grüppchen wie „Wir sind Kirche“ können ökumenisch nur schaden und sind als Verbündete zur Schwächung der Katholischen Kirche zu meiden. Diese Extremisten bringen nur weitere Spaltungen und blockieren den von Christus vorgeschriebenen Weg zur größeren Einheit im Glauben. Wer so agitiert, der versündigt sich am Willen Christi.“

Entgegen den Beschimpfungen Müllers bleibt festzuhalten:

Den Kritikern an innerkatholischen Missständen mangelt es nicht an dem „sentire cum ecclesia“, dem „Mitfühlen und Mitdenken mit der Kirche“; deutsche Bischöfe (u.a. auch Müller), die diesen Vorwurf erheben, identifizieren wohl fälschlicherweise Hierarchie mit „ecclesia“. Sonst könnten diese Bischöfe diesen Vorwurf nicht erheben. Die ecclesia ist jedoch nach dem Vatikanum II das wandernde Volk Gottes. So stelle ich fest, dass die Kritik der Theologen im wahrsten Sinn des Wortes ein „sentire cum ecclesia“ ist, ein Mitdenken und Mitfühlen mit den Sorgen des wandernden Gottesvolkes. Ein „sentire cum ecclesia“ muss gerade die Sorgen der „Kleinen“ ernst nehmen, die Gott erwählt hat, um die Großen zu beschämen (vgl. 1 Kor 1). So aber entfernt sich die Kirche in ihrer institutionellen Gestalt immer weiter von den Menschen.

Doch das sehen der Papst und Müller ganz anders; sie gehen von einem Kirchenbild aus, das von Gehorsam und hierarchischer Überordnung ausgeht. Müller gehört zu denjenigen, die - wie der Papst - das Konzil nur als einen „innerkatholischen Betriebsunfall“ ansehen und auf der Basis der Enzyklika „Quanta cura“ mit dem Anhang „Syllabus errorum“ von Papst Pius IX. (1864) und der Enzyklika „Pascendi Dominici Gregis“ (1907) von Pius X. die Macht und Herrschaft der kath. Amtskirche ins 3. Jahrtausend perpetuieren möchten.

Müller ist ein dem Kadavergehorsam gegenüber dem Papst sich gerierender Adlatus. Was könnte dem Papst besser passieren, als einen solchen Mann zum obersten Glaubenshüter zu machen?!

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Gast am 10. Februar 2012 - 10:45.
Kommentar auf: Hardliner unter sich

„Sektiererische Grüppchen wie

„Sektiererische Grüppchen wie „Wir sind Kirche“ können ökumenisch nur schaden...

„Sektiererische Grüppchen wie „Wir sind Kirche“ können ökumenisch nur schaden und sind als Verbündete zur Schwächung der Katholischen Kirche zu meiden. Diese Extremisten bringen nur weitere Spaltungen und blockieren den von Christus vorgeschriebenen Weg zur größeren Einheit im Glauben. Wer so agitiert, der versündigt sich am Willen Christi.“

Damit hat Bischof Müller absolut recht.

Verfasst von pro ecclesia am 10. Februar 2012 - 13:29.

Gast schrieb:„Sektiererische

Gast schrieb:„Sektiererische Grüppchen wie „Wir sind Kirche“ können ökumenisch...

Gast schrieb:
„Sektiererische Grüppchen wie „Wir sind Kirche“ können ökumenisch nur schaden und sind als Verbündete zur Schwächung der Katholischen Kirche zu meiden. Diese Extremisten bringen nur weitere Spaltungen und blockieren den von Christus vorgeschriebenen Weg zur größeren Einheit im Glauben. Wer so agitiert, der versündigt sich am Willen Christi.“

Damit hat Bischof Müller absolut recht.

Ich halte Bischof Müller für gelegentlich zu rüde in seiner Art, jedoch ist sein Wirken für die christliche Wahrheit herausragend. Man bedenke nur seine Klarstellung gegenüber Lammerts unsäglicher Äußerung, er sei protestantischer Katholik. Dabei hat Müller sogar das evangelische Prinzip betont und klargestellt, dass Ungehorsam gegenüber Kirche und Schrift gewiss nicht typisch evangelisch ist.

Überhaupt begegnet er Evangelischen sehr aufrichtig. Dass eine Auseinandersetzung mit einer Gutmenschen-Regenbogenkirche Zeitverschwendung ist, ist offenbar. Von solchem zeitgeistlichen Denken distanziert sich schließlich auch jeder aufrichtige Evangelische und Bischof Müller muss mit seiner knapp bemessenen Zeit haushalten.

Bedenkt man jedoch sein Engagement im Dialog mit Lutheranern und Hochkirchlern, ist sein Wesen durchaus von Achtung geprägt. Damit stimmt er mit Kardinal Koch überein und so würde ich mich freuen, einen so gebildeten, nach Wahrheit strebenden Mann der Kirche in Rom zu wissen.

Bedenkt man, wie aggressiv die katholische Kirche angegriffen wird, kann man auch verstehen, warum von dort manchmal etwas barsche Töne zurückkommen.

Ich drücke ihm die Daumen und wünsche ihm jeden Segen dafür.

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