Justiz - Im neuen Gebäude des Düsseldorfer Landgerichts soll es keine Kruzifixe mehr geben. Die Kirchen protestieren gegen die Beseitigung des christlichen Symbols, das nordrhein-westfälische Justizministerium rät dagegen zur Gelassenheit. Der Fall könnte eine weitere Runde in der Diskussion um religiöse Symbole in der Öffentlichkeit einläuten.
Es gehörte zum Gerichtssaal wie die blauen Stühle und das schwarze Richterpult. Doch in das neue Gebäude des Düsseldorfer Landgerichts wird das bunte Mosaikkreuz nicht mit umziehen. Wie alle anderen Kruzifixe ließ Gerichtspräsident Heiner Bläsing es bereits abhängen und verpacken. In den neuen Sälen des Amts- und Landgerichts soll es keinen Platz mehr für christlichen Symbole geben. Was in vielen nordrhein-westfälischen Justizräumen längst üblich ist, sorgt in Düsseldorf für Aufregung.
Er sei "irritiert" über die Entscheidung des Gerichtspräsidenten und bedauere sie, erklärte der rheinische Präses Nikolaus Schneider. "Das Kreuz im Gerichtssaal ist ein Zeichen dafür, dass menschliche Gerechtigkeit zum Segen wird, indem sie in einen großen Raum einbezogen ist." Natürlich legitimiere sich das Gericht nicht aus göttlicher Ordnung, sondern aus dem demokratischen Rechtsstaat. "Aber auch dieser Rechtsstaat lebt am Ende von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen kann", sagte Schneider, der auch stellvertretender Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland ist. Schon 2006 hatte sich Schneider gegen eine ähnliche Entscheidung in Trier gewandt, als nach einer Renovierung die Kreuze im Justizgebäude nicht wieder angebracht wurden.
"Christliche Mehrheitsgesellschaft"
Die Düsseldorfer Kirchen kündigten unterdessen Proteste gegen die Verbannung der Kreuze aus den Gerichtssälen an. Die Kirchenvertreter seien bereits mit Gerichtspräsidenten im Gespräch, teilte der evangelische Kirchenkreis Düsseldorf mit. Außerdem werde es eine Diskussionsveranstaltung zum Thema "Wie viel Christentum verträgt das Land?" geben. "Wir sind immer noch eine christliche Mehrheitsgesellschaft", betonte der evangelische Superintendent Ulrich Lilie. Und das müsse auch selbstbewusst gezeigt werden.
Während die Kirchen auf eine grundlegende Debatte über den Umgang mit christlichen Symbolen drängen, mahnt das nordrhein-westfälische Justizministerium zu Gelassenheit. Es sei längst üblich, dass bei Gerichtsneubauten keine Kreuze mehr aufgestellt würden, sagte eine Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Und bislang habe es darum keine großen Debatten gegeben. Außerdem liege es im Ermessen jedes einzelnen Gerichts, wie es mit den christlichen Symbolen verfahre. Klar sei aber, dass die Kreuze nach einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts abgehängt werden müssten, sobald ein Prozessbeteiligter sich an ihnen störe.
Störendes Hin und Her
Genau das aber hat den Präsidenten des Düsseldorfer Landgerichts offenbar zu seiner Entscheidung erwogen. Es habe immer wieder Angeklagte gegeben, die sich über das christliche Symbol beschwerten, sagte Bläsing der "Rheinischen Post". Als Konsequenz habe es ein störendes Hin und Her von Abhängen und Aufhängen gegeben. Das habe dem Ansehen des Symbols mehr geschadet als der komplette Verzicht darauf.
Das Landgericht folgt damit anderen Institutionen in Nordrhein-Westfalen, die sich längst gegen christliche Symbole im Justizsaal entschieden haben. "Wir verzichten hier auf jede Formensprache", erklärte der Sprecher des Kölner Landgerichts, Dirk Eßer. Die Autorität der Richter stehe im Vordergrund. "Uns ist die weltanschauliche Neutralität wichtig", sagte Eßer. "Aber natürlich kann sich ein Gericht auch auf die Präambel des Grundgesetzes berufen, in der der Gott des Christentums vorkommt."
"Gott soll bei Rechtssprechung nicht fehlen"
Und dieser Gott sollte gerade bei der Rechtsprechung nicht fehlen, fordert Superintendent Lilie. Und zwar nicht nur aus traditionellen, sondern auch aus humanitären Gründen. Denn jedes Recht könne nur unter menschlichen Bedingungen gesprochen werden: "Wir glauben, dass Gott der einzige ist, der menschengerecht Recht spricht."







Kommentare
Kreuzabnahme in deutschen Gerichten
Ich schaeme mich fuer diese Richter.Und wann entfernen wir die Wegkreuze,die Kirchenkreuze die Friedhofskreuze? Und wann schaffen wir Weihnachten, Ostern usw. ab? Kurz:Schleunigst unsere ganzen gewachsenen Traditionen und fort mit unserer Kultur? Na, wie hoert sich das an? Wenn ihr auch empoert seid, dann macht den Mund auf. Das ist in unserem Land noch erlaubt und wird vom Grundgesetz garantiert. Buerger ,wehrt euch ,und ruft Politiker in Massen an!
Wie kann man nur...
gläubig sein? Auf welchen Fakten basiert dieser "Glaube"? Es gibt Keine!
Nur weil man etwas nicht versteht, es offensichtlich keine naheliegende, einfache Antwort gibt, ist dies absolut kein Grund gläubig zu werden! Denn wenn ich gläubig werde und meine erdachten Antworten auf eine übersinnliche Macht schiebe, bleibe ich auf dem Stand der Unwissenheit stehen.
Der Glaube steht für: Ich habe keine Ahnung und ich will es auch nicht wissen, denn mein imaginärer Freund "Gott" wird es schon richten! Mit anderen Worten: Ich bin dumm, antriebslos und ignorant.
Und da ich hier auf evangelisch-de mein Gedankengut verbreite, hier nochmal ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl, eine Information über den Reformator Martin Luther:
Martin Luther war Antisemit! Nachzulesen auf z.B. Wikipedia-de.
Witzigerweise begründeten 1946, während des "Nürnberger Prozesses", bzw. versuchten es zu begründen bevor sie vom Gericht unterbrochen wurden, hochrangige Nationalsozialisten die Judenvernichtung während des zweiten Weltkrieges, mit eben jenem Glauben der evangelischen Kirche Luthers!
Denkt mal drüber nach ;)
Religiöse Fanatiker in Deutschland
Dieses ewige Gekreische der religiösen Eiferer in diesem Land ist mehr als widerlich - gleichwohl ein demokratische und liberale Gesellschaft auch das ertragen muss. Aber vielleicht sollte diesen Menschen mal jemand klar machen, dass erst die Trennung von Staat und Kirche eine humnitäre Gesellschaftsordnung in Europa ermöglicht hat - sonst würden wir vermutlich immer noch Ketzer und Gotteslästerer auf den Märkten vierteilen oder an den Einfahrten zu den Städten auf Spießen pfählen. Gott sei dank, dass Gott endlich aus den Gerichten verbannt wird!
Fanatiker
Herrn Nikolaus Schneider als religioesen Fanatiker hinzustellen, ist schon ein starkes Stueck, das ein merkwuerdiges Licht auf den Verfasser des Gastbeitrags vom 17. Februar 2010 - 23:38 wirft. Vermutlich hat dieser nicht allzu viel Ahnung vom Innenleben der ev. Kirche.
Kommentar hinzufügen