Eklat bei Missbrauchsdebatte auf Kirchentag

Eklat beim Kirchentag wegen Missbrauchsdebatte

Der Sprecher des netzwerks B (Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt), Norbert Denef, protestiert gegen eine Podiums-Veranstaltung zum Thema Missbrauch in der Kirche beim ÖKT in München. Foto: dpa/Andreas Gebert

Diskussion - Eklat beim Ökumenischen Kirchentag in München: Bei einer Veranstaltung zu Fällen sexuellen Missbrauchs versuchte Norbert Denef, Sprecher des Netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt, am Freitag dem Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Klaus Mertes, das Wort zu entziehen. Kurz nach Beginn seiner Rede stürmte Denef an die Bühne und forderte den Jesuitenpater auf, abzutreten und die Veranstaltung abzubrechen.

Von Henrik Schmitz

Mertes, der im Februar Fälle sexuellen Missbrauchs an seiner Einrichtung öffentlich machte und damit die Missbrauchsdebatte ins Rollen brachte, sollte die Podiumsdiskussion mit einem Vortrag eröffnen. Denef warf dem Jesusitenpater vor, nicht dieser habe die Debatte ins Rollen gebracht, sondern allein die Opfer.

Mertes reagierte vor den über 6.000 Besuchern der Veranstaltung mit Verständnis für den Mann, der selbst als Kind missbraucht wurde, und räumte ein, als Kirchenmann versagt zu haben. Er ließ sich aber nicht das Wort verbieten. "Nein, ich trete nicht ab. Auch als jemand, der versagt hat, darf ich sprechen", setzte er seinen Vortrag nach Minuten des Tumults und unter Beifall des Publikums fort. Man könne die Veranstaltung nicht auflösen, denn über das Thema müsse gesprochen werden, um Missbrauchsfälle zu verhindern und aufzuklären.

Ursual Enders, Leiterin der Opferorganisation "Zartbitter" in Köln, verteidigte die Aktion Denefs. Die Zusammensetzung des Podiums sei eine "Provokation für die Opfer" gewesen, sagte sie evangelisch.de. So habe es "nicht einen einzigen Vertreter der Betroffenen" gegeben. Stattdessen habe die Kirche "mit sich selbst" diskutiert und damit erneut ihre fehlende Sensibilität im Umgang mit dem Opfer und fehlenden Willen zur Dialogbereitschaft bewiesen. Denef nun als "Störer" darzustellen, sei daher falsch.

Beifall und Buhs für Ackermann

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann zeigte sich erschrocken angesichts der aktuellen Missbrauchsdebatte. "Die Opfer geraten immer mehr aus dem Blick", im Mittelpunkt stünde derzeit vor allem die Kirchenpolitik, sagte der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Das Publikum quittierte Ackermanns Aussage mit Buh-Rufen und Beifall.

mit Material von epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 15. Mai 2010 - 3:22.

Peter S.

Wenn Herr Denef sich beklagt, dass er angeblich kein Gehör bekommt, so sollte...

Wenn Herr Denef sich beklagt, dass er angeblich kein Gehör bekommt, so sollte er gleichzeitig sagen, wie er es selbst mit der Meinungsfreiheit handhabt.

Vor einigen Monaten habe ich auf seiner Webseite einen Kommentar hinterlassen, der inhaltlich eher belanglos war, aber wohl nicht auf der Linie von Herrn Denef. Leider werden dort Meinungen erst nach einer Vorabzensur veröffentlicht und so wurde auch meiner ausgesiebt.

Wie ich inzwischen gelesen habe, bin ich nicht der einzige, der von Herrn Denefs Zensur betroffen ist. Er scheint nur seine Meinung zu dulden.

Das passt leider so gar nicht zu dem öffentlichen Auftreten von Herrn Denef. Wer andere Meinungen nicht zulässt, genau das aber von anderen einfordert, ist in meinen Augen einfach unglaubwürdig.

Verfasst von Gast am 14. Mai 2010 - 14:24.

Schade wenn man "Rechtfertigung" nicht begreifen will...

Es ist traurig, wenn wieder - wie in vielen Fällen von Schuld in unserer...

Es ist traurig, wenn wieder - wie in vielen Fällen von Schuld in unserer Geschichte - die Suche nach dem "mehr" oder "weniger" schuldig losgeht und nicht begriffen wird, dass Schuld sich einfach nicht gegeneinander aufrechnen lässt.
Ganz gleich um welche Schuld es auch immer gehen mag. Das Bekenntnis ist der erste Schritt und das Erkennen der Schuld, nicht das Fortweisen mit dem Hinweis "aber andere haben doch...!"
Nur dann kann ernsthaft Reue erfolgen und dann greift auch das was beide Konfessionen als Rechtfertigung begreifen und bekennen.Nicht ich rechtfertige mich in dem ich auf andere deute und sage der ist aber schuldiger als ich, sonder ich werde gerechtfertigt allein aus dem Glauben und allein durch Jesus Christus, in dem ich mich an ihn wende und spreche: "Herr ich habe gesündigt,... aber sprich nur ein Wort so wird meine Seele gesund"
Wie schwer das im Einzelfall sein kann, dafür ist der obige Kommentar leider ein nur allzu deutliches Zeichen.

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