EU legt Ostern ab sofort auf festen Termin

Ostertermin

Ostern wird ab sofort auf den 1. April verlegt und beginnt mit dem heutigen Gründonnerstag. Foto: Anika Kempf / evangelisch.de

1. April - Ostern wird auf den 1. April festgelegt, und zwar schon in diesem Jahr. Mit einer neuen Richtlinie zur normierten Festsetzung des Ostertermins will die EU-Kommission nach eigenen Angaben eine bessere Förderung des freien Dienstleistungsaustausches erreichen. Die Kirchen wurden von dem Vorstoß nach eigenem Bekunden völlig überrascht. Auch die Bundesregierung äußerte sich ablehnend.

Von Ralf Peter Reimann

Die EU-Kommission legte den Beginn der neuen Regelung auf das Jahr 2010 fest, da erstmals seit dem EU-Beitritt Bulgariens der westliche und östliche Ostertermin gemeinsam auf den Beginn des Aprils fallen. Zugleich wird in der EU-Richtlinie festgelegt, dass die Osterfeiertage mit dem Gründonnerstag beginnen. Die Ausdehnung des Osterfestes bis Ostermontag bleibt den Mitgliedsländern freigestellt. Die Bundesregierung hatte nach Angaben aus informierten Kreisen mehrfach in vertraulichen Gesprächen gegen die neue EU-Richtlinie protestiert, aber schlussendlich doch Zustimmung signalisiert, da aufgrund der Kritik wenigstens der Ostermontag als bundesdeutscher Feiertag gerettet werden konnte.

Beitritt Bulgariens zwang zum Handeln

Anlass für die Neuregelung des Ostertermins ist eine Studie der EU-Kommission, die feststellte, dass der variable Ostertermin die wirtschaftliche Entwicklung bremst, da über Jahreszyklen hinaus keine Planungssicherheit für die Fabrikproduktion besteht und auch der freie Dienstleistungsverkehr innerhalb der unter der Terminvariabilität leidet. Mit der Aufnahme Bulgariens in die EU sah die Kommission nun einen ausreichend hohen Handlungsbedarf gegeben.

Bisher folgten die EU-Länder mit Ausnahme Griechenlands dem Ostertermin, wie er sich in der westlichen Christenheit eingebürgert hatte. Auch die Reformation änderte nichts an dieser Festlegung, da nach Kalenderreformen sowohl die protestantischen als auch die katholischen Kirchen einen gemeinsamen Ostertermin befolgen. Dieser wird nach einer komplizierten Formel berechnet und schwankte bisher vom 22. März als frühestmöglichem und dem 25. April als spätestmöglichem Ostertermin. Diese Zeitspanne ergab sich infolge der gregorianischen Ausnahme-Regelung für den Ostertermin, die in der Gaußschen Osterformel keine Berücksichtigung findet.

Wirtschaftliche Nachteile für orthodoxen Länder

Bereits auf einer ökumenischen Konferenz im Jahr 1997 in Aleppo in Syrien wurde ein Vorschlag für ein gemeinsames Osterdatum besprochen: Darin war vorgesehen, von astronomischen Beobachtungen auszugehen. Bezugs-Meridian wäre der von Jerusalem gewesen. Die neue Regelung sollte ab 2001 gelten, da damals auch die Osterfeste der West- und Ostkirchen zusammenfielen. Eine Einigung scheiterte im Wesentlichen an Bedenken der orthodoxen Kirche, denn ihr Osterdatum hätte sich sofort und teils erheblich verändert, wogegen in den westlichen Kirchen die neue Berechnung erst ab 2019 gegriffen und nur in wenigen Jahren zu einem neuen Ostertermin geführt hätte. Ein ähnlicher Plan hatte bereits in den 1920er Jahren großen Unmut unter den Mitgliedern der Ostkirche ausgelöst. Auch die in den Ostkirchen geltende Zusatzregel, dass Ostern immer nach dem jüdischen Pessach stattfinden muss, hätte aufgegeben werden müssen.

Da innerhalb der Ökumene keine Vereinheitlichung des Ostertermins erreicht werden konnte, nahm sich die Europäische Union des Themas an. Aufgrund des zu erwartenden Widerstandes verpflichtete die EU bis zur Bekanntgabe der Neuregelung alle mit dem Thema befassten Beamten und Gremien zu äußerster Verschwiegenheit. Da mit Bulgarien nun ein weiteres der Orthodoxie zugerechnetes Land EU-Mitglied ist, wären die beiden östlichen EU-Länder wirtschaftlich benachteiligt worden, wenn es keine Vereinheitlichung des Termins gegeben hätte. Die bulgarische und griechische Industrieanlagen - besonders in der Automobil-Industrie - wären während des westlichen Osterfestes zu einem Produktionsstopp gezwungen worden, wenn sie auf Lieferungen aus dem Westen gewartet hätten, die wegen des Osterfestes ausbleiben.

EKD und Vatikan wollen klagen

Ein hochrangiger Beamter aus dem Bundeswirtschaftsministerium, der namentlich nicht genannt werden wollte, kritisierte, dass erneut Solidarität aller EU-Länder mit Griechenland eingefordert würde. "Erst der Euro und nun Ostern", so lautet die Kritik. Eine offizielle Stellungnahme des Bundeswirtschaftsministeriums gibt es noch nicht, jedoch wurde bereits bekannt, dass in der deutschen Regierung begründete Zweifel bestehen, dass hier tatsächlich ein Regelungsbedarf bestanden habe.

Ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, von dieser Regelung überrascht worden zu sein. Die EKD kritisierte die konspirative Durchführung der Harmonisierung des Ostertermins und forderte ein Moratorium und eine öffentliche Diskussion, bei der die ökumenischen und nicht die ökonomischen Aspekte den Ausschlag geben sollten. Daher behielte sich die EKD vor, gegebenenfalls das Bundesverfassungsgericht anzurufen, da diese EU-Richtlinie auch die Kirchenartikel des Gundgesetzes umgängen. Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz verwies darauf, dass der Vatikan zurzeit eine Prüfung der EU-Richtlinie vornehme und betonte, er könne sich nicht vorstellen, dass es zwischen dem souveränem Vatikanstaat und der EU in Zukunft eine Osterdatumsgrenze gebe.


Ralf Peter Reimann ist Pastor und Mitarbeiter von evangelisch.de.

Kommentare

Verfasst von Gast am 1. April 2010 - 15:11.

Geistreicher Aprilscherz

Das ist wirklich mal ein "geist-reicher" April-Scherz. Ich freue mich auf...

Das ist wirklich mal ein "geist-reicher" April-Scherz. Ich freue mich auf Ostern und den Heiligen Geist zu Pfingsten.

Ostern kann die EU gar nicht festlegen.

Ich grüße alle herzlich die in die Karwoche Ruhe hineingeben und sich auf das Wesentliche besinnen wollen. Er ist für uns gestorben damit wir Leben haben.

Rüdiger Michel, Worms-Herrnsheim

Verfasst von theolounge.de am 1. April 2010 - 10:36.

Der Vatikan bekommt eine eigene U-bahn

(Passt auch zum Thema) Etwas ungewöhnlich, aber dennoch sinnvoll: die...

(Passt auch zum Thema) Etwas ungewöhnlich, aber dennoch sinnvoll: die weiten Wege innerhalb des Vatikans sollen nun bald der Vergangenheit angehören.

Viele Priester und Bedienstete im Vatikan klagen seit langen über die langen Märsche zwischen den verschiedenen Trakten der kirchlichen Anlage. Nun springt eine italienische Bahngesellschaft ein, um das Debakel zu lösen. > mehr.

Verfasst von Gottesgeschenk am 1. April 2010 - 9:14.

April, April,...

April, April,... ;-)

April, April,... ;-)

Mehr als alles behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens. (Sprüche4,23)
http://gottesgeschenk.wordpress.com/

Verfasst von Ismael am 1. April 2010 - 9:32.
Kommentar auf: April, April,...

;-D

;-D
Verfasst von Gast am 1. April 2010 - 5:45.

Peinlich

Anstatt sich des Themas ernsthaft anzunehmen, werden hier Aprilscherze gemacht...

Anstatt sich des Themas ernsthaft anzunehmen, werden hier Aprilscherze gemacht. Ist wirklich peinlich! Ist Ihnen denn absolut nichts mehr heilig?

Verfasst von Kathy_Valiant am 1. April 2010 - 11:15.
Kommentar auf: Peinlich

Witz

Ist das ernst gemeint? Termine sind doch nichts Heiliges! Ich finde die Idee...

Ist das ernst gemeint? Termine sind doch nichts Heiliges! Ich finde die Idee sehr witzig.

Verfasst von Gast am 2. April 2010 - 2:42.
Kommentar auf: Witz

Ja, es ist ernst gemeint

Ja, es ist ernst gemeint. Ich empfinde die Idee mit dem 1. April als...

Ja, es ist ernst gemeint. Ich empfinde die Idee mit dem 1. April als Ostertermin tatsächlich als nicht sehr witzig, und zwar genau deshalb, weil ich das Anliegen eines gemeinsamen Osterfestes als sehr wichtig ansehe. Nun wissen wir, daß Terminstreitigkeiten etwa in der Orthodoxie sogar zu Kirchenspaltungen geführt haben, es handelt sich mithin um ein sehr sensibles Gebiet. Andererseits scheint es zur Zeit zum ersten Mal Chancen zu geben, daß aus einer innerorthodoxen Einigung über diese Terminfragen sogar eine ökumenische Einigung werden könnte, man spricht gegenwärtig - wenn ich mich nicht irre - viel von einem möglicherweise bevorstehenden panorthodoxen Konzil, das auch mit einer Neuformierung der Orthodoxie z.B. in Westeuropa zu tun hat. Nun sieht ganz sicher schon der gesunde Menschenverstand ein, daß es für das ökumenische Miteinander förderlich sein möchte, wenn die Christen der verschiedenen Konfessionen ihre großen Feste zum gleichen Zeitpunkt feiern. Sicher hat schon der Kirchenvater Irenaios dafür plädiert, daß auch unterschiedliche Datierungstraditionen nebeneinander bestehen bleiben können. Tatsächlich haben wir ja fast zwei Jahrtausende mit solchen unterschiedlichen Datierungstraditionen gelebt. Um so befremdlicher ist es, wenn man einem staatlichen Gebilde wie der EU nahelegt, und sei es auch nur durch einen "Witz", in das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen einzugreifen. Ein solcher Eingriff würde allzu sehr an Solowjows "Erzählung vom Antichrist" (Anfang des 20. Jahrhunderts) erinnern, wo der Präsident der Union der europäischen Staaten es unternimmt, "nach der sozialen nun auch die religiöse Frage zu lösen". Wenn also eine Erneuerung im Sinne einer Einheit der Kirchen im Hinblick auf die genannten Kalenderfragen zustandekommen soll, so muß das aus dem Inneren der Kirchen selbst kommen und darf nicht Ausfluß einer - unbedingt in Frage zu stellenden - Verfügungsgewalt des Staates über die Kirchen fließen. Vielmehr müssen wir das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen - d.h. die Religionsfreiheit - gerade auch an dieser Stelle festhalten. Für das langfristige Überleben unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung ist auch die Religionsfreiheit von sehr grundsätzlicher Bedeutung, siehe zum Beispiel auch noch einmal den Sonntagsschutz.

Verfasst von Gast am 1. April 2010 - 10:22.
Kommentar auf: Peinlich

Ostern wie Weihnachten immer an einem festen Datum

... zu schön um wahr zu sein und noch dazu am 1. April ...wäre noch schöner,...

... zu schön um wahr zu sein und noch dazu am 1. April

...wäre noch schöner, wenn es ab 2. April auf einer ökumenischen Konferenz für 2020 oder später offiziell geregelt würde und mit anderen Argumenten tatsächlich von den Kirchen eingeführt würde ...

... irgendwann könnte die muslimische Welt dann noch nachziehen und den Ramadan auf eine gleiche Zeit im Jahr legen und

... alle bekämen dann noch einen gemeinsamen Kalender ...

und und und ...

oder ist gerade die Vielfalt, das was erhaltenswert ist und als Reichtum zu schätzen wäre ?!?

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