Faszination Mega-Gemeinde - Kongress für kirchliche Leiter

Willow-Creek-Kongress in Stuttgart 2005

Mega-Konferenz, veranstaltet von Mega-Kirche: Pastor Bill Hybels, Gründer der Willow-Creek-Gemeinde, bei einem früheren Willow-Creek-Kongress in Stuttgart. Foto: epd-bild / Rainer Lang

Gemeindeleitung - Eine Kirchengemeinde, die jede Woche 23.000 Besucher zählt, ist selbst in den USA eine Ausnahmeerscheinung. Die Willow-Creek-Gemeinde in der Nähe von Chicago gehört zur Gruppe dieser sogenannten Mega-Churches. Von Donnerstag an werden ihre Vertreter in Karlsruhe mit Unterstützung des badischen evangelischen Landesbischofs Ulrich Fischer und einem internationalen Expertenteam einen dreitägigen Kongress zu Leitungsfragen abhalten - über 8.300 Menschen aus dem deutschsprachigen Europa haben sich dazu angemeldet.

Von Marcus Mockler

Zu den Referenten gehört etwa Management-Guru Fredmund Malik aus Sankt Gallen, dessen Botschaften eine ganze Generation von Führungskräften der Wirtschaft geprägt haben. Malik ist zwar kein ausgewiesener Kirchenmann, vertritt aber die These, dass sich Führung lernen lässt. Seine Expertise solle für die Weiterbildung kirchlicher Leiter genutzt werden, sagte der Journalist und freikirchliche Pastor Ulrich Eggers (Cuxhaven), Vorsitzender des deutschen Willow-Creek-Vereins, dem epd.

Die frühere Vorstandsvorsitzende von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, stand ebenfalls auf dem Programm. Sie musste allerdings wegen ihrer Krebserkrankung absagen. Fiorina hatte vor drei Jahren ein persönliches Erweckungserlebnis in der Begegnung mit Pastor Bill Hybels, dem Gründer der Willow-Creek-Gemeinde. Sie ist nicht die einzige, aber eine der bekanntesten.

Alles fing in einem Kino an

Hybels startete seine Gemeinde hemdsärmelig und ohne abgeschlossene theologische Ausbildung in einem Kino. Daraus wuchs in dreißig Jahren eine der größten Kirchengemeinden der Welt. Zu den Kennzeichen der Gemeinde gehören mitreißende Predigten und ein professionelles Begleitprogramm mit moderner Musik, aufwühlenden Theaterszenen und prominenten Interviewgästen.

Hybels, der ebenfalls in Karlsruhe sprechen wird, gewann national wie international an Einfluss. Die demokratischen Ex-Präsidenten Jimmy Carter und Bill Clinton sprachen bei Willow-Creek-Leiterkongressen. Ziel von Willow Creek ist es nach eigenen Worten, "unreligiöse Menschen in völlig hingegebene Nachfolger von Jesus Christus zu verwandeln".

Das spreche auch in Deutschland viele Christen an, denen das kirchliche Leben zu müde, zu unverbindlich, zu kraftlos erscheint, sagt der deutsche Vereinsvorsitzende Eggers. Bei den Kongressen hielten sich Teilnehmer aus Landeskirchen und aus Freikirchen die Waage.

Gute Erfahrungen in badischer Landeskirche

Seit 1996 hat es in Deutschland 23 Willow-Creek-Kongresse gegeben, an denen insgesamt fast 100.000 Menschen teilgenommen haben. Der badische Landesbischof Fischer ist ein Fan der innovativen Gemeindearbeit in den USA, er hat die Mega-Church bei Chicago schon selbst besucht. Seine Landeskirche habe mit den Impulsen aus Willow Creek gute Erfahrungen gemacht, sagt er.

Fischer ist jedoch kein unkritischer Anhänger amerikanischer Gemeindewachstumsmethoden. "Kapieren, nicht kopieren!" lautet seine Devise - eine Devise, die er freilich von den Amerikanern übernommen hat. Denn die geben auf ihren Kongressen trotz eines unverkennbaren Sendungsbewusstseins eher demütige Parolen aus.

Wichtiger als die perfekte Kirchenmusik oder eine die Menschen aufrüttelnde Theatergruppe sei die Leidenschaft von Mitgliedern und Leitenden einer Kirchengemeinde. Leidenschaftliche Liebe für "entkirchlichte" Menschen sei der Schlüssel für eine gelingende Gemeindearbeit.

Soziale Verantwortung

Der Kongress in Karlsruhe soll nicht der Selbstbeweihräucherung dienen. Der evangelische Theologieprofessor und Gemeindewachstumsexperte Michael Herbst von der Universität Greifswald will beispielsweise auch über Fehler sprechen, die bei der Anwendung von Willow-Prinzipien in deutschen Landeskirchen gemacht wurden. Für die Freikirchen greift dieses Thema Peter Strauch, ehemaliger Präses des Bundes freier evangelischer Gemeinden, auf.

Auch die soziale Verantwortung von Christen stellt der Kongress heraus. Den haben die Willow-Creek-Leute zwar erst nach und nach entdeckt, dafür legen sie sich heute umso stärker für Alleinerziehende, Obdachlose und Prostituierte in Chicago sowie für internationale Entwicklungsprojekte ins Zeug. Die Gründerin der ersten Internetseite für Kleinstkredite (kiva.org), Jessica Jackley, soll per Videobotschaft in Karlsruhe gerade junge Teilnehmer ermutigen, dass sie mit ihren Ideen diese Welt besser machen können.

Internet: www.willowcreek.de
 

epd

Kommentare

Verfasst von Gast am 29. Januar 2010 - 8:57.

RE: Faszination Mega-Gemeinde - Kongress für kirchliche Leiter

... ich kenne Willow-Creek persönlich nicht. Ich hab aber immer ein etwas...

... ich kenne Willow-Creek persönlich nicht. Ich hab aber immer ein etwas mulmiges Gefühl wenn Gottesdienst zur Massenveranstaltung wird. Da nehme ich Kirchtags- und auch Papstgottesdienste auch nicht aus. Ich ordne Willow-Creek einfach mal unter "Freikirche" ein. Ich finde diese sogenannten Gemeinden faszinierend weil sie missionarisch und meistens warmherzig sind. Nur leider verkürzen und verfälschen sie all zu oft die christliche Botschaft und beschränken sich auf die Themen Homosexualität, Familie und Schöpfungsglaub. Außerdem schneiden sie sich selber von der Tradition der alten Kirche ab. Jeder bastelst da irgendwie "sein Ding". Das finde ich schade, traurig und irgendwie armselig. Es wird endlich Zeit, dass nach dem 1000sten oberflächlichen Alphakurs endlich einmal zum "Betakurs" und endlich in die wirkliche Tiefe der Botschaft Jesu gekommen wird ... man muss nicht immer das Rat neu erfinden. Es gibt bei "uns" genug Schätze zu heben. Mehr über mich: www.geistlichebegleitung.de

Verfasst von Christian1980 am 28. Januar 2010 - 16:43.

Mega-Gemeinden

Bei den Mega-Gemeinden habe ich immer das Gefühl, dass am Ende doch alles...

Bei den Mega-Gemeinden habe ich immer das Gefühl, dass am Ende doch alles sehr auf das Event ausgerichtet ist, und die persönlichen Bindungen, die für das Gemeindeleben ja nicht unwichtig sind, irgendwo dazwischen verloren gehen. Die Devise "kapieren, nicht kopieren" finde ich daher schon gut gewählt - nicht jedes US-Konzept lässt sich schließlich 1:1 übertragen...

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"Frischer Wind" auf ScienceBlogs.de
"ex libris" auf evangelisch.de

Verfasst von Daniel777 am 28. Januar 2010 - 16:57.
Kommentar auf: Mega-Gemeinden

RE: Mega-Gemeinden

Kleiner Tipp: Mehr Infos unter meinem Blog hier auf evangelisch.de. :) Und Teil...

Kleiner Tipp: Mehr Infos unter meinem Blog hier auf evangelisch.de. :) Und Teil 2 hier.

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Verfasst von Gast am 31. Januar 2010 - 3:11.
Kommentar auf: RE: Mega-Gemeinden

RE: RE: Mega-Gemeinden

Hallo Daniel777, danke für Deine Darstellungen und Bemühungen um Aufklärung....

Hallo Daniel777,

danke für Deine Darstellungen und Bemühungen um Aufklärung. Ich schließe mich aber einem Vorredner hier an: Ich meide solche Gemeinden. Für mich ist die Gefahr dieser Mega-Gemeinden eben auch, dass sie zu Eventgemeinden werden.

Ich möchte aber betonen: Jedem/ Jeder wie es ihm/ihr gefällt. Aber mir sind schon Kirchentagsgopttesdienste immer schon ein graus. Da ich mit einem Katholiken verheiratet bin, kenne ich Frohnleichnam in Berlin recht gut: Alle geben sich Riesenmühe, geben ihr bestes-überzeugen tut es mich nicht.

Und wenn ich dann noch die Worte "Erfolgsgeschichte", "Reveal-Studie" und das werbeträchtige Hawaii-Opferhilfe lese, weiß ich, dass das kein Laden für mich ist. Ich möchte das niemanden madig machen, aber: Aus Gott lässt sich kein Event machen, Gott IST der Event!

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