Kirche - Das Chaos am Frankfurter Flughafen hat Passagiere und Mitarbeiter einige Nerven gekostet. Hunderte Menschen mussten tagelang hier aushalten. Der kirchliche Sozialdienst hat Gestrandete mit Decken versorgt, und Flughafenpfarrerin Ulrike Johanns schenkte dem gestressten Personal ein offenes Ohr.
Abflughalle B, Donnerstagmorgen, 8.20 Uhr. Annemarie und Baldur Engberg sitzen völlig entspannt in der Flughafenkapelle. Es ist still. Das Ehepaar aus Schwabach schaut nach vorn zum Altar: Hier passiert nichts – und das ist gut so. Die beiden Katholiken danken Gott für ihre schöne Reise per Kreuzfahrtschiff nach Namibia, sie haben bei über 30 Grad wilde Giraffen, Löwen und Elefanten beobachtet und erleben jetzt einen Temperaturschock.
Um null Grad sind es in Hessen. Die Engbergs (Foto links) sind gerade gelandet und haben noch ein wenig Zeit. In die Kapelle kommen sie gern, genießen die Stille und freuen sich über die vier Adventskerzen: "Unterwegs hatten wir kaum Gelegenheit, einen Gottesdienst zu besuchen." In einer Stunde geht ihr Flug nach Nürnberg.
Die beiden haben auch im Hinblick auf ihr Rückflugdatum Grund zum Danken: Hätten sie vier Tage früher versucht, von Namibia nach Deutschland zu kommen, wären sie wahrscheinlich irgendwo gestrandet. Tagelang ging es nicht weiter am Frankfurter Flughafen, Schnee und Eis machten die Start- und Landebahnen unbenutzbar, tausende Fluggäste mussten zum Teil mehrere Tage und Nächte hier ausharren.
Der kirchliche Sozialdienst hat Decken verteilt
Eine Situation, in der kirchliche Sozialdienst für Passagiere gefragt ist: Sozialberaterin Annette Fitschen und Sozialarbeiterin Isabelle Haas haben sich um die Menschen gekümmert, die Hilfe brauchten. Ein Vater mit kleinen Kindern zum Beispiel freute sich über ein paar warme Decken, mit denen er den Kleinen auf den Feldbetten am Flughafen wenigstens ein bisschen Geborgenheit geben konnte. Eine Gruppe von 40 Jugendlichen musste lange warten, durfte zum Teil den Transitbereich nicht wieder verlassen: Ihnen halfen die beiden Frauen vom Sozialdienst mit einem Gang in den Supermarkt. Tampons und Damenbinden wurden benötigt – die Mädchen hatten ihr Handgepäck eben nicht für einen mehrtägigen Aufenthalt gepackt.
Etwas kniffliger war die Betreuung einer über 60-jährigen Ukrainerin. Problem eins: Sie sprach weder deutsch noch englisch, also benutzten die beiden Damen vom Sozialdienst ihr "Ohne-Worte-Wörterbuch", ein Art Bilderbuch für Erwachsene, in dem lauter kleine Symbole zu sehen sind. Wenn die Ukrainerin auf die Geldscheine darin zeigt, heißt das wohl: "Ich habe kein Geld." Das war Problem zwei. Die Frau musste umbuchen und konnte die Gebühr dafür nicht aufbringen. Annette Fitschen regelte mit Behörden und der Airline, dass die Umbuchung auch ohne Gebühr funktionierte.
Pfarrerin Ulrike Johanns, Sozialarbeiterin Isabelle Haas, Seelsorgerin Elke Hartmann und Sozialberaterin Annette Fitschen. Foto: Anne Kampf
Menschen im Transitbereich ohne Essen und Trinken
Oft sind es nicht die großen existenziellen Probleme, die dem kirchlichen Sozialdienst am Flughafen begegnen – sondern ganz praktische kleine. Grundbedürfnisse der Menschen müssen gestillt werden: Essen und Trinken für die Passagiere im Transitbereich zum Beispiel. Dort warten Menschen aus dem Ausland, die weder bleiben noch fliegen können. Das Visum für Deutschland ist abgelaufen, der Flieger kann nicht abheben – also harren sie in dieser Zwischenwelt aus. Angehörige rufen meist von außen den Sozialdienst an und machen auf die Notsituation aufmerksam.
Annette Fitschen und Isabelle Haas hatten gut zu tun während der Schneechaos-Tage. Manchmal standen mehrere Menschen gleichzeitig in ihrer Station und brauchten Hilfe. Die erste Frage der Sozialarbeiterinnen an die Passagiere lautet immer: "Wann geht Ihr Flug?" - mit anderen Worten: "Wieviel Zeit haben wir, um das Problem zu lösen?". Wer es am eiligsten hat, kommt zuerst an die Reihe. Immerhin: Hier drinnen hat niemand die Nerven verloren, während draußen das Schneegestöber tobte und sich in den Abflughallen die Menschen drängten.
"Man merkte schon die Anspannung", sagt Annette Fitschen - die ältere Ukrainerin zum Beispiel war auch psychisch in keinem guten Zustand – aber insgesamt fällt das Schneechaos-Fazit im Sozialdienst sehr positiv aus: "Es gab im Flughafen Getränke und Süßigkeiten von der Firma Fraport, außerdem Kinderbespaßung, das hat schon zu einer Entspannung geführt", sagt Isabelle Haas.
"Super Job gemacht - Hut ab!"
Auch Pfarrerin Ulrike Johanns ist völlig entspannt an diesem Donnerstagmorgen. Am Dienstag war das nicht so: Nach etlichen chaotischen Tagen hatte es so ausgesehen, als könne der Flughafenbetrieb endlich normal weiterlaufen – da lagen wieder 20 Zentimeter Schnee in Frankfurt. Ein weiterer anstrengender Arbeitstag für die Mitarbeiter des Flughafens, ob an den Schaltern oder Infopunkten, in der Gepäckabfertigung, in der Gastronomie oder bei der Polizei. Alle sind in diesen Tagen und Nächten an ihre Grenzen gegangen.
Ulrike Johanns ist als Seelsorgerin für die 75.000 Flughafen-Beschäftigten zuständig. Sie hört zu, tröstet - oder ist einfach nur da. "Die Leute hier am Flughafen haben einen super Job gemacht. Hut ab! Stellen Sie sich vor, Sie werden 10 Stunden lang mit Fragen bombardiert. Die Mitarbeiter sind freundlich und professionell damit umgegangen und haben sich sogar über Einzelfälle den Kopf zerbrochen", staunt die Pfarrerin.







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