Gott und das Leid: Von richtigen und falschen Fragen

Andacht - Wie kann Gott das zulassen? Auf manche Fragen ist Schweigen die richtige Antwort - gepaart mit Handeln, sagt Werner Küstenmacher in seiner Radioandacht zur Erdbebenkatastrophe.

Von Werner Küstenmacher

Wie kann Gott das zulassen? So fragen wir Menschen immer wieder. So fragen die vom Erdbeben betroffenen Menschen in Haiti, die vor den Trümmern ihrer Stadt stehen. Die verzweifeln angesichts der unglaublichen Ausmaße der Zerstörung. Die um ihre Toten trauern.

So fragen auch wir als Beobachter: Wie kann Gott das zulassen? Als Christ möchte ich auf diese Frage antworten: Es ist nicht Gott, der die Kontinentalplatten unter den Ozeanen verschiebt. Es sind – die Kontinentalplatten.

Wir sind nicht die Herren der Welt. Wir sind auch nicht die Herren der Welterklärung. Wir überschätzen uns schon in dem Moment, indem wir so fragen: Wie kann Gott das zulassen?

Wie kann Gott das zulassen? Die richtige Antwort auf diese Frage ist das Schweigen. Und das Handeln. Wer wirklich helfen will, der fragt anders: Wo kann ich anpacken? Auf welches Konto kann ich spenden?
Und wenn er sich an Gott wendet, redet er anders. Er sagt: Steh ihnen bei. Und danke, dass ich lebe.

(Diese Radioandacht können Sie von den Seiten des Bayerischen Rundfunks hier als mp3-Audiodatei herunterladen)


Werner "Tiki" Küstenmacher ist evangelischer Pfarrer und vor allem durch seine Karikaturen und Bücher ("Simplify your life") bekannt.

Kommentare

Verfasst von Gast am 26. Februar 2010 - 16:41.

Gott und das Leid: Von richtigen und falschen Fragen

Wo bleibt die Antwort eines überzeugten Christen auf meine Frage nach einem...

Wo bleibt die Antwort eines überzeugten Christen auf meine Frage nach einem angeblich barmherzigen Gott, der wie in Haiti ein Geschehen zulässt mit 300 000 Tausend toten Menschen und im wahrsten Sinn des Wortes ungezählten zu Krüppeln gemachten Verletzten? Welchen Anlass sollte ich – als gläubiger oder auch ungläubiger Mensch – noch haben, diesen Gott in der Stunde der Not anzurufen? Ist er nicht hundertausendfach angerufen worden?

Sich als Christ schweigend zurück zu ziehen, auf solche Fragen nicht zu antworten, sie möglicherweise als "falsche Fragen" anzusehen – ist kümmerlich und beschämend wenig. Zu argumentieren, dass wir Gottes Wege nur nicht verstünden, dass wir dereinst schon erfahren würden, was uns heute an Einsicht verborgen bliebe, dass unser Verstand zu klein sei, für das Geheimnis Gottes – das sind für mich Beschwörungsformeln, die den Menschen vielleicht vor zweitausend Jahren eingeredet werden konnten, heute dagegen nur noch als Zumutung an den Verstand anzusehen sind.

Ich bin bereit für eine Antwort und will gern zuhören. Nur schweigen ist keine Antwort!

www.uwelehnert.de

Verfasst von Gast am 26. Februar 2010 - 13:57.

Gott und Leid: Vom richtigen und faslschen Fragen

Das Erdbeben in Haiti ist wieder einmal der Beweis, dass das Dogma der Kirche...

Das Erdbeben in Haiti ist wieder einmal der Beweis, dass das Dogma der Kirche von der Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes Unsinn sein muss. Ein allgütiger Gott, der alles bewerkstelligen kann, müsste natürlich den Kontinantalplatten Paroli bieten. Und auch deswegen, weil er ja vorher schon weiß, welches Leid über die Menschen kommen wird. Nur, die Kirche möchte nicht, dass man fragt, wie ihr Gott das zulassen konnte, denn dann müsste sie ja antworten. Und da kann es sein, dass sie sich dabei lächerlich macht. Man sieht das ja an der Antwort von Herrn Küstenmacher.

Die Kirche würde sich einen großen Gefallen tun, wenn sie das Dogma von der Allmacht, der Allwissenheit und der Allgüte ihres Gottes ersatzlos streichen würde. Nicht nur, weil dieses Dogma den menschlichen Geist beleidigt, sondern auch deswegen, weil man sie dann wenigstens in der Beziehung wieder ernst nehmen könnte.

Verfasst von Gast am 19. Januar 2010 - 11:02.

RE: Gott und das Leid: Von richtigen und falschen Fragen

Volle Zustimmung - es sind die Kontinentalplatten. Und Ergänzung: Hat dieses...

Volle Zustimmung - es sind die Kontinentalplatten.
Und Ergänzung: Hat dieses Leid in diesem Ausmaß nicht auch etwas damit zu tun, dass dieses Land auf diese Katatrophe so schlecht vorbereitet ist? Dass Gewalt und Korruption dieses Land schon lange an den Abgrund gebracht haben, sodass es derzeit so schlechte Möglichkeiten gibt, Leid kleiner zu machen? Auslöser sind die Kontinentalplatten, aber es ist auch "die Welt", die diese Zustände auf Haiti mit zugelassen hat. Man kann das sehr weit führen und auch fragen, warum die Welt sich für Haiti nicht interessiert hat (hat ja ausser Kokusnüssen nichts zu bieten.....nicht mal Öl).
Und Ergänzung: Erbeben sind nach heutiger Erkenntnis tatsächlich echte Katastrophen. Aber wie ist es mit Erdrutschen nach rigoroser Abholzung, wie ist es mit Wirbelstürmen, die in ihrer Häufigkeit wohl doch Ursachen haben, wie ist es mit Überschwemmungen, nachdem der Mensch Flüsse begradigt hat? Irgendwo landen wir bei usn MKenschen und irgendwo lande ich bei mir, der ich am Ende einer langen Kette von Verquickungen Nutznießer mancher Zerstörung bin. Die Frage heißt in den meisten Fällen nicht: warum Gott das zuläßt, sondern warum wir Menschen das zulassen (auch wenn wir unseren eigen Anteil oft gar nicht durchschauen). Was wir tun können ist oftmals wenig oder nichts, aber wir sollten es uns bewußt machen, dass wir mitunter winzige Teile einer kausalen Ursachenverquickung von sogenannten Katastrophen stehen.

Verfasst von Gast am 26. Januar 2010 - 21:58.

RE: a little bit simplified or at least too complicated?

Also man kann Gott nicht für Erdbeben verantwortlich machen, weil nicht er,...

Also man kann Gott nicht für Erdbeben verantwortlich machen, weil nicht er, sondern die Kontinentalplatten sie verursacht haben?

Aber man dankt Gott für das tägliche Brot, obwohl ein Bauer das Getreide angebaut hat?

Ich muss dabei an den Spruch "Der Erfolg hat viele Väter, der Mißerfolg ist ein Waise." denken.

Wer hat übrigens die Kontinentalplatten erschaffen?

Ich habe keine Antwort darauf, nur Fragen.

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