Himmelfahrt: Jesus kehrt zurück zu seinem Vater

Strickleiter

So wörtlich wie auf diesem Bild, das an die alttestamentliche Jakobsleiter (1. Mose 28.11) erinnert, sollte man sich die Himmelfahrt Jesu nicht vorstellen. Foto: iStockphoto

Kirchenjahr - Viele Menschen feiern heute Christi Himmelfahrt mit Ausflügen ins Grüne oder genießen anderweitig ihren freien Tag. Als Vatertag ist er das Pendant zum Muttertag. Der Inhalt des christlichen Himmelfahrtsfestes aber ist heute vielen nicht mehr deutlich.

Von Ralf Peter Reimann und Bernd Buchner

Das Kirchenjahr vollzieht in Festen das Leben Jesu nach und will es erfahrbar machen: Weihnachten begehen wir als Fest der Geburt Jesu, am Karfreitag erinnern wir an Jesu Tod, an Ostern feiern wir seine Auferstehung von den Toten. Ist die Himmelfahrt nur ein Nachtrag zur Auferstehung?

Zwei Himmelfahrtsberichte

Mit Ostern schließen drei von vier Evangelien ihren Bereicht vom Leben und Wirken Jesu ab. Die Auferstehung ist das Schlusskapitel der Evangelien und der Schlüssel zur Deutung der Lebensgeschichte Jesu. Nur Lukas berichtet von der Himmelfahrt Jesu: "Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel" (Lk 24,51). Von Lukas gibt es einen weiteren Himmelfahrtsbericht, in der Apostelgeschichte (Apg 1,9-11).

Die Himmelfahrt erwähnt sonst nur noch das Markus-Evangelium in einem später hinzugefügtem Schlusskapitel. Aber auch Lukas schildert die Himmelfahrt Jesu nur am Rande, zentral ist sie bei ihm nicht. Er widerspricht sich zudem bei der Datierung: Im ersten Bericht fährt Jesus noch am Tag seiner Auferstehung in den Himmel auf, im zweiten Bericht - in der Apostelgeschichte - erst am 40. Tag. Das Fest Christi Himmelfahrt feiern wir deshalb bis heute genau 40 Tage nach dem Ostersonntag.

Viel mehr Platz nimmt bei Lukas indes die Pfingstgeschichte ein, die Ausgießung von Gottes Geist auf die versammelte urchristliche Gemeinde. Himmelfahrt ist – ohne es abwertend zu meinen – eine Durchgangsstation von Ostern zu Pfingsten. Die Ostergeschichten im Neuen Testament sagen aus, dass Jesus nicht im Tode geblieben ist, sondern lebt. Sie betonen, dass der Gekreuzigte derselbe ist wie der Auferstandene. Ausdruck dieser Identität sind die Wundmale der Kreuzigung auch am Leib nach der Auferstehung.

Auch wenn dieser Körper nach der Auferstehung ein anderer ist, so ist Jesus doch derselbe. Er begegnet nach seiner Auferstehung verschiedenen Menschen – bis zu seiner Himmelfahrt. Sie ist das Ende dieser Begegnungen. Die Himmelfahrt ist Sinnbild dafür, dass Jesus nicht mehr unter uns Menschen auf der Erden weilt. Im späteren Schluss des Markus-Evangeliums heißt es in bildhafter Sprache, "er setzte sich zur Rechten Gottes" (Markus 16,19). Himmelfahrt ist Jesu Rückkehr zu Gott, seinem Vater.

Christus bleibt im Geist gegenwärtig

Himmelfahrt ist die Erklärung dafür, dass Jesus nicht mehr in körperlicher Gestalt bei seinen Jüngern ist. Matthäus und Markus bemühen diese Deutung nicht, sondern beschließen ihr Evangelium mit Sendungsworten – sie stellen ein Vermächtnis und Auftrag dar, Jesu Botschaft in die Welt zu tragen. Ab da ist Jesus weiterhin bei seinen Jüngern, aber mit seinem Geist, für den es im Neuen Testament verschiedene Namen gibt, wie Tröster oder Beistand – oder "Heiliger Geist", wie es im Glaubensbekenntnis heißt. Mit diesem Geist, mit Jesu Geist, mit dem Heiligen Geist, so glauben es Christen, ist Jesus auch heute noch unter ihnen. Im Geist, nicht leibhaftig ist Jesus heute gegenwärtig. Dieser Geist ermöglicht es Christen, Gott Vater zu nennen, weil Gott auch der Vater Jesu Christi ist.

Bildhaft kommt dieser Geist beim ersten Pfingstfest zu den Urchristen, durch den Geist ist Gott jetzt bei ihnen – bis zum heutigen Tage, so das biblische Zeugnis. Himmelfahrt ist eine Erklärung dafür, dass Jesus nicht mehr auf der Erde ist. Himmelfahrt so verstanden findet sich zwar in den biblischen Berichten, ist aber keine zentrale Glaubensaussage. Entscheidend ist dagegen, dass Jesus bei Gott ist, den alle Menschen durch Jesus Christus auch Vater nennen können. So verstanden ist Himmelfahrt Vatertag – auch und gerade für Christen.

Seit dem 4. Jahrhundert gefeiert

Begangen wird das Himmelfahrtsfest übrigens seit dem 4. nachchristlichen Jahrhundert. Zum bevorzugten Motiv in der bildenden Kunst wurde der Satz aus der Apostelgeschichte: "Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken" (Apg 1,9). In der Theologie wird Himmelfahrt heute allerdings kaum noch wörtlich als Reise verstanden. Der Himmel ist danach kein geografischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes. Wenn es im Glaubensbekenntnis heißt "...aufgefahren in den Himmel", bedeutet dies nach christlichem Verständnis, dass der auferstandene Christus "bei Gott ist".

Himmelfahrt wird so auch als Symbol der Wandlung und spirituellen Entwicklung der Persönlichkeit gedeutet. Theologen verweisen zur Erläuterung des Sachverhalts auf den englischen Sprachraum, wo es für das deutsche Wort Himmel zwei Begriffe gibt: "sky" (profan) und "heaven" (religiös). Der Tag wird in den Kirchen traditionell mit Gottesdiensten in Pfarrgärten, im Wald und auf Bergen begangen.

mit Material von epd

Kommentare

Verfasst von Stefan Wehmeier am 4. Juni 2011 - 13:45.

Die Auferstehung der Toten

(Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den...

(Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in "dieser Welt" (zivilisatorisches Mittelalter) ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" endgültig zu eliminieren.

(NHC II,3,21) Diejenigen, die sagen: "Der Herr ist zuerst gestorben und dann auferstanden", sind im Irrtum. Denn er ist zuerst auferstanden und dann gestorben. Wenn jemand nicht zuerst die Auferstehung erwirbt, wird er sterben.

Bis heute ist unsere "moderne Zivilisation" auf der Religion aufgebaut, und mit einem hatte Karl Marx Recht, auch wenn er als Ökonom keine Leuchte war: Die Religion ist das "Opium des Volkes". Doch der "Unglaube" ist gegenüber dieser schlimmsten aller Drogen wirkungslos, weil Gott existiert – als Programm in Ihrem Unterbewusstsein. Die Bewusstwerdung der Programmierung nennt sich "Auferstehung".

(NHC II,2,108) Jesus sagte: Wer von meinem Mund trinken wird, wird werden wie ich; ich selbst werde er werden, und die verborgenen Dinge werden sich ihm offenbaren.

Der Weisheit letzter Schluss: www.deweles.de/willkommen.html

Verfasst von Reinhard Moysich am 2. Juni 2011 - 20:11.

Staatl. Feiertag "Christi Himmelfahrt" ist unchristlich!

Ich habe nichts dagegen, wenn eine sehr kleine Gruppe von Menschen an etwas...

Ich habe nichts dagegen, wenn eine sehr kleine Gruppe von Menschen an etwas glaubt, wofür es nicht den geringsten Beweis gibt (z.B. von nichtreligiösen Zeitgenossen jener Zeit); stattdessen gibt es nur völlig unglaubwürdige Berichte von "Aposteln", welche jene "Himmelfahrt" - unbestritten - erst einige Jahrzehnte(!) später niederschrieben (heutzutage weiß man, dass eine Aussage durch jahrzehntelanges Weitererzählen so gut wie nichts mehr Glaubwürdiges enthält).

Ich habe aber massiv etwas dagegen, dass wegen solch eines völlig unrealistischen Glaubens einer kleinen Menschengruppe an einem staatlichen Feiertag für über 81 Millionen Menschen festgehalten wird, welcher die Gesellschaft völlig unnötig spaltet statt zusammenführt.
Diese extreme und absurde Bevorzugung ist nicht nur klar verfassungs -und menschenrechtswidrig, sondern auch ein eklatanter Verstoß gegen die christliche Nächstenliebe (ohne die niemand sich zu Recht "Christ" nennen kann!).
Sie ist im Kern gleichlautend mit der Grundregel der Menschenrechte: "Behandle jeden Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest"!
Also: Wenn Christen z.B. nicht möchten, dass es in Deutschland nur muslimische oder buddhistische staatliche Feiertage für alle Menschen egal welcher Weltanschauung gibt, sollten auch wirkliche Christen vehement auf Abschaffung sämtlicher staatlichen christlichen Feiertagen bestehen!

Nur weltanschauungsfreie staatliche Feiertage können den bitter benötigten gesellschaftlichen Frieden mehr fördern, wie z.B. Feiertage der Menschenrechte, Mitmenschlichkeit, biologischen Vielfalt, Freundlichkeit, Liebe, Natur, erneuerbaren Energien, Erde im Weltall.

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