Kirchentag - Erstmals treffen sich die ehemalige und der amtierende Ratsvorsitzende der EKD öffentlich zum Gedankenaustausch. Margot Käßmann und Nikolaus Schneider besuchen das Rote Sofa auf dem ÖKT.
Dichte Wolken und Nieselregen in München – nicht die besten Voraussetzungen für Freiluft-Interviews. Die feuchten Bänke vor der Bühne mit dem Roten Sofa der Kirchenpresse auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag laden wenig zum Verweilen ein. Wer sich niederlässt, muss schon einen ganz besonderen Grund haben. So wie Tausende, die plötzlich aus den Hallen strömen. Sie haben ein Ziel, Margot Käßmann und Nikolaus Schneider live zu erleben; die ehemalige Ratsvorsitzende und den amtierenden Vorsitzenden des Rates der EKD. Erstmals kommen beide in diesen Rollen für ein öffentliches Interview zusammen.
Keine öffentliche Krisenbewältigung
Die Mikrofone sind noch aus, Nikolaus Schneider und Margot Käßmann wechseln kurz ein paar Worte unter Zweien. Dann geht es los. "Wie geht es Ihnen jetzt, liebe Frau Käßmann?" Die Antwort ist knapp und ehrlich: "Ich freue mich richtig, dass das so ein schöner Kirchentag ist." Auf die Frage, was ihr in den vergangen Wochen geholfen habe, sagt sie: "Ich habe die ganze Zeit keine öffentliche Krisenbewältigung betrieben und werde das auch jetzt nicht tun." Eine deutliche Aussage, und so geht es dann auch direkt zum nächsten Thema, dem neuen Buch der 51-Jährigen. Die evangelische Theologin betont, dass es ein ganz kleines Büchlein sei, denn das Grundwissen des christlichen Glaubens passe "in ein ganz kleines Gepäck". So könne man sich immer in das "Vater unser" fallen lassen, mit diesem Gebet sei alles gesagt, was Gott zu sagen ist.
An Nikolaus Schneider richtet sich die Frage nach seinem Amtsantritt. "Sie mussten ja quasi über Nacht, die zusätzliche Funktion übernehmen. Wie haben Sie das gemeistert?" Das sei nicht so dramatisch gewesen, wie man denke. "Aber es ist schon noch manchmal so, dass ich vorm Spiegel stehe und sage 'aha, so ist das jetzt'", erklärt Schneider seine Gefühle.
Zum Thema Ökumene gefragt betont Käßmann, dass sie im Moment nicht sehe, dass die ganz großen Durchbrüche vor der Tür stünden: "Ich wünsche mir ein gemeinsames Abendmahl sehr und hoffe, dass ich es auch noch erlebe", sagt Käßmann. Die Vielfalt, wie christlicher Glaube gelebt werde, sei jedoch äußerst interessant. Und Nikolaus Schneider fügt hinzu: "Es hängt immer an den Menschen und den einzelnen Personen, und dann geht es auch. Macht was."
"Ein bisschen mehr Mut, zu gestalten"
Auch die Wahlen in NRW kommen zu Sprache, vor allem die niedrige Wahlbeteiligung. Diese ist laut Schneider Anlass zur Sorge. Daran zeige sich, dass es zu viele Menschen gebe, die nichts mehr erwarten oder die deprimiert seien. Der Präses fügt in Richtung Politiker hinzu: "Ein bisschen mehr Mut würde ich mir wünschen, ein bisschen mehr Mut zu gestalten."
Käßmann hofft, dass Katholiken und Protestanten im Jahr 2017 zum Luther-Jubiläum gemeinsam feiern werden: "Uns verbindet mehr als uns trennt." Dem stimmt Schneider zu: "Die Reformation war lange Zeit ein Bemühen um Gemeinsamkeit." Er wolle 2017 keinesfalls ohne starke ökumenische Akzente feiern. Und kommt erneut auf das Thema Abendmahl zu sprechen. Für ihn sei nicht akzeptabel, dass Menschen, die gemeinsam an ihr bezeugendes Zeugnis glauben und sich in ihren Gemeinden zusammen engagieren, nicht ein gemeinsames Abendmahl feiern dürfen: "Aber die Intimität des Schlafzimmers geht."







Kommentare
Jenseits der Lügen
Jetzt möchte man fast sagen: Der Rücktritt war ein Segen. Die Popularität von Margot Käßmann ist ungebrochen und ohne Amt braucht sie sich nicht zu verbiegen, der angepassten Lüge keinen Tribut mehr zollen. Da - nicht bei unseren Kirchenführern - liegt die Chance, auch bei Nichtchristen Gehör zu finden.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,694693,00.html
Kirchentage immer ohne mich
Ich möchte nicht über Käßmann oder jemand anderen urteilen. Kirchentage, Weltjugendtage usw. sind Massenevents, mit Massenanzugsmagneten. Die einen mag man, die anderen nicht.
Das ist der Grund warum ich zu Kirchentagen oder ähnlichen Events grundsätzlich nicht hinfahre.
Aber - es gibt Menschen, für die diese Begegnungen, diese Angebote wichtig und richtig sind. Da ist es gut, dass es sie gibt.
Jeder nach seiner Facon. Ich kann ins Kloster gehen, ich kann zu Hause im stillen Kämmerlein beten, in meinem Gemeindegottesdienst, auf dem Kirchentag.
Wichtig ist doch, den Brüdern und Schwestern Gottes Kraft und Segen zu wünschen, egal, wo sie sind.
Ui
Ich bin dann doch sehr froh, nicht nach München gefahren zu sein.
Erst die Aktion heute morgen, dass alle drei "Hauptkirchen" ihren eigenen Gottesdienst feierten, dann dieser Käßmann Hype.
Sie hatte erklärt nach ihrem Rücktritt ersteinmal in den "einfachen" Gemeindedienst zurückkehren zu wollen. Jetzt sucht sie doch wieder die großen Bühnen und überblendet mit ihrer Person und mit ihren Themen die anderen Themen und Meinungsträger.
Damit hat sie die EKD lächerlich gemacht, blos gestellt. Und ihr "Büchlein": ein theologischer Witz! Ich weiß nicht wie sehr die evangelische Theologie Gottes Wort noch verwässern will.
"Ich habe die ganze Zeit keine öffentliche Krisenbewältigung betrieben und werde das auch jetzt nicht tun." - unehrlich wird sie jetzt auch noch...
Aber was soll es. Soll sie sich als "Kirchentagsstar" feiern lassen, ich neide ihr nichts. Aber zuhören tue ich ihr auch nicht mehr, schon längst nicht mehr.
Stattdessen gratuliere ich meinen katholischen Glaubensbrüdern zum Wirken ihres Oberhaupts. Er hat in Fatma mal wieder allen die Schow gestohlen: vor sich hin Frömmelnden genauso, wie dem ganzen Kirchentag mit all seinen nicht stattfindenden Messages.
"Ich wünsche mir ein gemeinsames Abendmahl sehr und hoffe, dass ich es auch noch erlebe", sagt Käßmann.-an uns einfachen Gläubigen soll es nicht scheitern.
Viel Spaß aber noch in München.
Gemeinsames Abendmahl????
Dafür, dass dieses gemeinsame Abendmahl nie stattfinden wird, sorgt Frau Käßmann gerade am Besten. Und wir dabei noch von den Medien als Popstar gefeiert. Wann entlarvt Ihr, Journalisten und Protestanten, endlich diese unglaubliche Heuchelei und Selbstdarstellung?
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