Ausgebrannt - Schlafstörungen, das Gefühl der Aussichtlosigkeit und psychosomatische Kopf- und Rückenschmerzen: Immer mehr Menschen in Deutschland sind vom Burn-out-Syndrom betroffen. Gerade auch evangelische Pfarrer bleiben von der totalen Erschöpfung nicht verschont. 20 Prozent von ihnen, so schätzen Fachleute, werden durch beruflichen Stress krank.
Schätzungsweise fünf Prozent der Theologen entwickelten sogar ein Burn-out-Syndrom mit Zuständen totaler Erschöpfung, erläutert der Pastoralpsychologe Andreas von Heyl im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Als Ursachen nannte er eine überbordende Arbeitsbelastung und einen hohen Erwartungsdruck. Heyl lehrt als Privatdozent an der Kirchlichen Hochschule in Neuendettelsau bei Ansbach in Bayern.
Der Experte betonte jedoch auch: "Weit über 50 Prozent der Pfarrer versehen ihren Dienst mit Lust und Liebe und ohne gesundheitliche Probleme." Pastoren sähen sich heute mit einer Vielzahl unterschiedlicher Erwartungen konfrontiert. Die einen wollten eine Art Entertainer, andere fänden, dass er besonders für die Altenheime oder die Jugend da sein müsse. "Heute soll der Pfarrer eine eierlegende Wollmilchsau sein." Auf diesen Druck reagierten manche Pastoren psychosomatisch, zum Beispiel mit Rückenproblemen oder Kopfschmerzen.
Mehr als 60 Wochenstunden
Gemeindepastoren arbeiteten heute im Durchschnitt 63 bis 64 Stunden pro Woche, sagte er: "Ein Großteil davon findet in Zeiten statt, an denen andere Menschen mit der Familie zu Hause sind, also abends und am Sonntag." Die Hälfte der Tätigkeit bestehe aus Organisieren oder der Verwaltung von Immobilien. "Das zermürbt einen Pfarrer, dafür hat er nicht Theologie studiert." Hinzu komme ein Traditionsabbruch: "Was den Pastor mit Begeisterung erfüllt, interessiert immer weniger Menschen. Er muss heute mehr werben und trommeln."
Heyl riet den Pastoren, bei stressbedingten gesundheitlichen Problemen das offene Gespräch mit Fachleuten zu suchen. Sie müssten lernen, auf sich selbst zu achten und Entspannungszeiten einzuplanen. Auch die Kirche als Arbeitgeber sei gefragt: "Sie muss damit aufhören, bei gleicher Arbeitsmenge Geld beim Personal zu sparen."







Kommentare
burnout ist gewiss ein
burnout ist gewiss ein vielschichtiges problem und nicht abschliessend zu beschreiben und zu lösen. die ursachen sind für mich "hausgemacht", eine davon ist die in pfarrerkreisen weit verbreitete haltung, alles allein bewältigen zu wollen, dazu die unfähigkeit, belastendes zu kommunizieren, grenzen zu ziehen und diese auch zu vertreten. angesichts der brutal zunehmenden aufgaben und erwartungen ist es an der zeit, eine ehrliche aufgabenkritik vorzunehmen und sich gezielt von aufgaben zu befreien, für deren umsetzung keine personellen ressourcen mehr vorhanden sind.
zugleich sehe ich erhebliche mängel in der dienstaufsicht.von den landeskirchen wird burnout nachlässig, ja fahrlässig als randphänomen gesehen. evang.pfarrer sind in der regel einzelkämpfer und haben keine "kultur der gemeinsamen auszeiten", in denen offen über die belastenden aspekte des berufes gesprochen wird. wenn ich kollegen treffe, reden alle immer nur davon, was sie in ihren gemeinden gerade tolles planen, was sie geschafft haben usw.
angesichts der personalsituation und der zahlreichen gemeindefusionen machen trotzdem viele gemeinden/pfarrer so weiter, als wäre alles wie vor zwanzig jahren. jedes einmal installierte "angebot" soll erhalten werden und wird gerechtfertigt mit dem spruch " wo zwei oder drei versammelt sind" (dieses wort wird dabei beständig falsch ausgelegt, es rechtfertigt nicht das festhalten an längst ausgebluteten gemeindegruppen!)
ich habe burnout erlebt, und es ist in diesem beruf, der von hingabe, spiritualität und kreativität lebt, so etwas wie ein todesurteil.hilfe bekommt man nicht, weil die meisten beschämt wegschauen und nicht von ihren überzogenen erwartungen an den pfarrer lassen wollen.
Das Leiden der Pfarrer
Es ist schon depremierend wenn in der zentralen Aufgabe-der Gottesdienst- die Telnahme unbefriedigend ist. Wenn Konfirmanden nach der Konfirmation kaum noch zur Kirche kommen.....Ein Heilmittel wäre-wenn die Mitglieder nicht zur Kirche kommen-dann sollte die Kirche zum Menschen kommen.Es könnte wirken. Es ist einen Versuch wert. Walter Wasilewski
Das ist eben die Frage, was
Das ist eben die Frage, was die zentrale Aufgabe ist. Sie sagen - durchaus nicht unberechtigt - der Gottesdienst. Ein anderer würde vielleicht - mit ebenso guter Begründung - die Seelsorge nennen. Wieder ein anderer vielleicht andere Formen der Verkündigung und Lehre etc etc...
Wenn nun viele verschiedene Menschen in einer Gemeinde sind (und die Vielfalt ist überall vorhanden, denn Gott liebt die Vielfalt), haben ale auch ihre ganz persönliche Meinung davon, was zentrale Aufgabe ist. Und was sonst noch laufen muß (ein Großteil des Problems scheint ja die Verwaltung zu sein) kommt auch noch dazu. Dann, gerae weil Sie den Gottesdienst nennen, gibt es ja noch das Problem, wie der zu gestalten ist: Macht man ihn traditionell, bleiben die Jungen weg, macht man ihn etwas moderner, bleiben die Alten weg. Es ist schwierig eine Gottesdienst- und Predigtform zu finden, die alle befriedigt und dann noch vom Pfarrer als Verkündigung des Wortes Gottes vertreten werden kann. Da kann ein Pfarrer, wenn er allen gerecht werden will, schon an seine Grenzen und darüber hinaus kommen. Und daher kommt dann auch der Burn-Out.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
gemeinde 2.0!!!
Ein gutes Stück vorwärts in Richtung Zukunft hat der Kongress Gemeinde 2.0 mit Michael Herbst den Diskurs in dieser Richtung gebracht. Wieso findet sich darüber kein Wort auf evangelisch.de????
Liebe Frau Simson, meinen sie
Liebe Frau Simson,
meinen sie das?
http://www.gemeindezweinull.org/
Gruß J.R.
Genau, danke
Eine Zusammenfassung findet sich z.B. auf http://st-pauli-lemgo.de. Leider konnte ich nicht teilnehmen und daher keine eigene Zsf. geben.
Und immer noch kein einziger Artikel hier bei unserer selbsternannten evangelischen Plattform. Skandalös!
Danke für den Link. So gut
Danke für den Link. So gut und richtig das alles ist, sehe ich doch nicht, inwieweit dies ein Burn-Out beim Pfarrer verhindern sollte. Ich sehe vielmehr noch eine stärkere Belastung für den Pfarrer bei all den anzusprechenden Millieus. Aber vieleicht ist es ja auch das Problem, daß wir am traditionellen Pfarrer festhalten wollen. Man könnte ja die Gemeinearbeit, durchaus auch die hauptamtliche, anders gestalten, mit anderen Berufsbildern, vielleicht auch losgelöst vom Parochialmodell. Aber nur eine Sache ändern, wird nicht gehen. Will man umstellen, dann wohl ebenso die Berufsbilder und damit auch die Ausbildung.
Mein Blog: Ein feste Burg ist unser Gott
Dann faß doch mal zusammen,
Dann faß doch mal zusammen, was da rauskam, so bin ich genauso dumm wie vorher.
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Jeder Fünfte ^= 20% 5% ^=
Jeder Fünfte ^= 20%
5% ^= Jeder Zwanzigste ...
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