Gastbeitrag - Das Grab ist leer, Jesus von den Toten auferstanden. Geschichtliche Belege für das, was sich an Ostern in Jerusalem ereignete, gibt es nicht. Theologisch entscheidend ist die Wirkung des Geschehens auf die beteiligten Personen.
An Ostern feiert die Christenheit die Auferweckung Jesu. Steht dahinter ein historisches Ereignis? Die Meinungen darüber sind geteilt. Historische Forschung und Geschichtsschreibung hat es vorwiegend mit politischen Vorgängen zu tun, die sich im Lichte der Öffentlichkeit abspielten. Was sich hinter den Kulissen, im Privatleben, in den Köpfen und Herzen der Menschen abspielte, ist von Interesse, aber weniger sicher zu ermitteln.
Wenn man nur öffentliche Ereignisse als "historisch" betrachtet, war die Auferweckung Jesu kein historisches Ereignis. Auch das Neue Testament nennt ja keine Augenzeugen für dieses Geschehen selber. Aber daraus folgt nicht, dass Jesus in Wirklichkeit nicht auferstanden sei. Ein nicht-öffentliches Ereignis lässt sich nicht nur schwer beweisen, sondern auch schwer widerlegen.
Die Überzeugung derer, die dabei waren ...
Das Neue Testament spricht von Erlebnissen, aus denen die Beteiligten - wiederum keine große Öffentlichkeit! - zu der Überzeugung kamen, dass Jesus nicht im Tode geblieben war, sondern lebt. Entscheidend waren dafür "Erscheinungen", also Begegnungen mit Jesus, in denen er als erkennbare lebendige Person gesehen wurde und zu einzelnen Menschen oder Gruppen sprach. (Das Fachwort "Vision" lässt nur an ein Sehen denken, aber in allen Berichten ist auch von einem Hören die Rede.)
Die dahingehenden Berichte stimmen nicht völlig überein; aber das ist bei von einander unabhängigen Erzählungen nicht anders zu erwarten. Eine widerspruchsfreie "offizielle Fassung" wäre eher als Fiktion verdächtig. Wissenschaftliche Kriterien, nach denen man über den Abstand so vieler Jahrhunderte hinweg feststellen könnte, dass diese Osterberichte frei erfunden seien, gibt es nicht.
... und radikal verwandelt wurden
Für uns heute beruht die Glaubwürdigkeit der Osterbotschaft hauptsächlich auf den Auswirkungen bei den beteiligten Menschen, die durch diese Erfahrungen radikal verwandelt wurden. Davon wird nicht mehr in den Evangelien, sondern in der Apostelgeschichte Lesenswertes berichtet. Ein Außenstehender, ein römischer Beamter, bringt dort einmal den christlichen Glauben treffend auf den Punkt, wenn er sagt, es ginge um einen Verstorbenen namens Jesus, von dem Paulus behaupte, dass er lebt.
Das christliche Osterfest steht nicht einfach für ein Ereignis der Vergangenheit, sondern gerade dafür, dass Jesus keine Gestalt der Vergangenheit ist. Es lädt dazu ein, nach heutigen Lebenszeichen dieses Lebendigen zu suchen.
Klaus Haacker ist emeritierter Professor für Neues Testament und seine Umwelt an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel







Kommentare
Dazu
Und nu?
Auferstehung
Selbstverständlich ist die Auferstehung ein historisches Ereignis. Das bedeutsamste überhaupt. Denn seitdem sind alle Probleme des Menschen gelöst:
[url=http://geheimnisdesmenschen.blogspot.com/2008/10/das-urproblem-des-menschen-und-seine.html]Das Urproblem des Menschen und seine Lösung[/url]
Da es der Mensch noch nicht erfasst hat, wurstelt er weiter wie gewohnt.
Link
Da der link nicht funktioniert, hoffe ich, dass es jetzt geht:
http://geheimnisdesmenschen.blogspot.com/2008/10/das-urproblem-des-mensc...
guter Artikel
Der Artikel bringt auf den Punkt, was Wichtig ist: dass eine gewisse Zahl von Menschen die Dinge, die damals geschehen sind, dergestalt erlebten, dass sie sie als real ansahen (was ich auch für sinnvoll erachte. ).
Man hat allerdings mit derartigen Erlebnissen automatisch immer das Problem, dass bei anderen Menschen Zweifel bestehen. Diese Ambiguität wird man auch nie beseitigen können.
Ich hatte mal etwas erlebt, was ein wenig in einen Bereich geht, den man gerne auch ignorieren möchte. Hier:
> Tote verabschieden sich von uns
Folgende Informationsstelle hielt die Angaben jedoch für typisch und für recht häufig auftretend: “Parapsychologie” an der Universität Freiburg.
Oder hier weitere Informationen zum Thema: Ungewöhnliche Erfahrungen – oder: Was ist Parapsychologie ?
www.theolounge.de
mhmm gefällt mir nicht, was
mhmm gefällt mir nicht, was da geschrieben wird, das ist für mich eine gefährliche Reduzierung der Ereignisse an Ostern, das Entscheidende ist ja schon die Auferstehung, eine Folge daraus ist die Veränderung der Mneschen, aber ohne die wirkliche Auferstehung gäbe es auch keine Veränderung.
Diese Sicht ist jedenfalls nicht gerade bibeltreu.
Da gibt es sicherlich bessere Autoren zu diesem Thema.
Gastbeitrag - Das Grab ist leer, Jesus von den Toten auferstan
.................ja, es gibt sie, diese "Bestätigungen", dass ER lebt. Irgendwo sagt Er ja, dass Er Sich den Seinen zeigen wird, immer. Und Er tat und Er tut es, in der Jetztzeit. In einer geschichtlichen Wirklichkeit, die Vollständig ist, das Ganze umschliesst, und nicht nur das sichtbar weltliche Geschehen, das hier und da aufgeschrieben wurde und als Geschichte gilt. Auch in der Politik zeigt Er Sein Wirken, in der Wirtschaft. Leider ist es da sehr oft notwendig, die Zügel anzuziehen und dafür wirkt Sein Heiliger Geist - jedoch nie ohne vorher lange und ausgiebig zu warnen. Und doch hören sie kaum - ist ihr weltliches Handeln auch dann von der Angst und der Kontrolle beherrscht, der Angst zu wenig in der Kasse zu haben und der Kontrolle um das zu verhindern. Dafür werden Menschen geknechtet. Die in einem bequemen Sessel - unserem sozialen "Gedanken" bemerken es kaum, denn das Bier ist noch im Kühlschrank. - und ja, man gibt auch. Wird das ausreichen? Was werden wir sagen, wenn wir urplötzlich vor IHM stehen? Es kann furchtbar sein, in der Hand des grossen Gottes zu sein. Und es kann ein glückliches Delirium sein. Es gibt auch Bestätigungen, die gewissermassen "von der anderen Seite", also indirekt darauf verweisen, dass wir mit dem 2.Kommen, dem Physischen, sich real auswirkenden zu rechnen haben - in Kürze. Wie "lang" ist die Kürze? Jetzt gleich? Morgen? In ein, zwei Generationen? Das weiss auch ein Prophet niemals zur Gänze, es ist die innere tiefe Gewissheit, die sprechen lässt.
Auferstehung soft
Die Auferstehung Jesu ist ein historisches Ereignis: die zwölf Apostel mit Namen und mehr als fünf hundert andere Menschen waren Zeugen. Andernfalls hätten die jüdischen Gegner diese Behauptungen nicht so stehen lassen.
Mit so mageren Aussagen wie die von Prof. Haacker können wir Christen natürlich nicht Ostern feiern. Vielleicht gibt es unter den Evangelischen doch noch jemanden, der etwas Wesentlicheres zu sagen hat.
ein wenig duenn
Es tut mir leid, aber ich finde den Beitrag ein wenig duenn. Vielleicht sollten sie da noch jemand anders bitten, mit etwas mehr Substanz zu schreiben. Denn das Thema verdient es.
ein wenig duenn
da gebe ich ihnen völlig recht
Auf den Punkt gebracht
Liebe Gäste,
wir von der evangelisch.de-Redaktion sind Prof. Haacker sehr dankbar, dass er diesen Beitrag für uns geschrieben hat. Er macht darin deutlich, welches Spannungsverhältnis zwischen dem historischen und dem theologischen Blick auf das Ostergeschehen besteht. Historiker fragen nach einem Beweis für die Auferstehung Jesu von den Toten - und finden ihn nicht. Theologen hingegen betrachten vor allem das, was die Kunde von der Auferstehung im Umfeld Jesu ausgelöst hat. Vor diesem Hintergrund, schreibt Haacker, beruhe die Glaubwürdigkeit der Osterbotschaft "hauptsächlich auf den Auswirkungen bei den beteiligten Menschen, die durch diese Erfahrungen radikal verwandelt wurden". Die Jünger und Anhänger Jesu schlossen sich nach dessen Tod zunächst ängstlich ein, wie in den Evangelien berichtet wird, weil sie sich vor Verfolgungen fürchteten. Das Markusevangelium endet mit dem Satz: "Und sie sagten niemand etwas davon, denn sie fürchteten sich." (Der Markusschluss Mk 16,9-20 mit Berichten über den Auferstandenen ist ein viel später entstandener Zusatz.) Dann aber muss etwas geschehen sein, was die Jünger die Türen und Fenster, nicht zuletzt ihre Herzen öffnen ließ - sie gingen hinaus zu den Menschen und verkündeten die frohe Botschaft, wie es Jesus ihnen aufgetragen hatte. Was da geschah, nennen wir Christen das "Osterwunder", die Auferstehung. Jesus ist nicht tot, sondern er bleibt gegenwärtig. Deshalb, so schließt der Beitrag von Prof. Haacker, steht das Osterfest "nicht einfach für ein Ereignis der Vergangenheit, sondern gerade dafür, dass Jesus keine Gestalt der Vergangenheit ist. Es lädt dazu ein, nach heutigen Lebenszeichen dieses Lebendigen zu suchen." Das ist wesentlich und substanziell für den Glauben der Christenheit.
Herzliche Grüße und frohe Ostern
Bernd Buchner - evangelisch.de
Was ist 'Auferstehung von den Toten'?
Es bestreitet ja niemand, daß der Einbruch der göttlichen Wirklichkeit bei den Zeugen der Auferstehung Wirkung zeigt und daß sich dies bis heute fortsetzt. Trotzdem bleiben die Ausführungen des Verfassers in Bezug auf die Auferstehung als historisches Ereignis Christi zu dünn, und damit meine ich, daß sie weit hinter dem zurückbleiben, was man eben historisch (sic!) zu dem Thema sagen kann.
Ihr Hinweis auf den echten Markus-Schluss trifft m.E. auch nicht ins Schwarze, weil dort von der Angst der Frauen berichtet wird, denen der Auferstandene begegnet war und die den Jüngern Jesu und Petrus (sic!) berichten sollten, was sie erlebt hatten und dies eben aus der erwähnten Angst heraus zunächst nicht tun. Es kam aber während der 40 Tage bis zur Himmelfahrt immer wieder zu Begegnungen mit dem Auferstandenen, so daß die anfängliche Angst der Frauen nicht das Einzige ist, was dazu zu sagen wäre. Deshalb wäre es wichtig, auf das gesamte Zeugnis der Auferstehung zu hören und dann enstprechende Schlüsse zu ziehen. Gleichsam als Einstieg in das Thema und zugleich als Ergänzung zum Hören auf das Zeugnis der Schrift sei daher an dieser Stelle verwiesen auf:
Wolfhart Pannenberg, Das Glaubensbekenntnis ausgelegt und verantwortet vor den Fragen der Gegenwart, GTB, Gütersloh, 5. Auflage, 1990, S. 104ff.
Wenn ich die Diskussion hier
Wenn ich die Diskussion hier verfolge frage ich mich etwas entsetzt, was denn von einer "historischen" Darlegung, womöglich gar noch einer "historischen" Beweisführung erwartet wird. Photos?? empirisch erhobene Daten??
Ist denn Auferstehung erst dann historisch, wenn es über die bis heute andauernden Bezeugungen des Ereignisses weitere angebliche Beweise geliefert werden??
Ich bin evangelisch.de und Herrn Haaker sehr dankbar für die behutsame Art mit dieser sensiblen Frage umzugehen. Wirklichkeit ist ja ganz offenbar größer als das, was wir im Raster von Zahlen, Beweisen und harten Fakten zu fassen versuchen. Entsprechend sind auch Historizität und plastische Faktizität nicht die einzigen denkbaren Kategorien, die geeignet sind das Mysterium der Auferstehung zu deuten.
Ich bedauere jede Reduktion dieser Frage auf die Frage nach dem, was damals wie abgelaufen sein könnte und wünschte mir statt dessen eine eifrige Debatte darüber, wie und wo wir Christus heute als den Auferstanden und Lebendingen erkennen und bezeugen können. Das könnte dann auch wirklichen Osterjubel auslösen, das könnte auch die Schreckensgeister von Mißbrauchsskandalen u.ä. vertreiben bzw. recht einordnen helfen. Aber dann muss man die Ebene der historischen Nachfragen verlassen und sich stattdessen mit ganzer Person auf das Heute und das Wagnis der Torheit des Glaubens einlassen.Und diese Dimension kommt im Beitrag von Prof. Haake gut zur Geltung.
Frohe Ostern!
Das wichtigste ist, dass Jesus heute lebt, und ich wünsche allen hier frohe Ostern! Die historische Frage hat, über das hinaus, was Prof. Haake gut erklärt, mir der Althistoriker Jürgen Spieß vermittelt.
Ist Christus nicht
Ist Christus nicht auferstanden, so sind wir die elendsten unter allen Menschen und unsere Predigt ist nutzlos. Etwa so heißt es im 1. Brief an die Korinter im 15. Kapitel (besonders Vers 12-19). Diesen Abschnitt empfehle ich einem jeden noch einmal zu lesen. Mag sein, dass nicht alles, was in der Bibel steht, genau so geschehen ist, aber Paulus jedenfalls wäre niemals Christ geworden, wenn er die auferstehung nicht auch als historisch (in dem Sinne, dass sie stattgefunden hat) erkannt hätte. Dass wir heute den lebendigen Christus erfahren, ist eine Folge der auferstehung und natürlich in gleichem Maße wichtig. Mag sein, dass der Artikel nicht falsch ist, aber er bringt doch nichts neues, nichts, was man nicht schon weiß. Darum finde ich ihn auch sehr dünn.
Mehr als alles behüte dein Herz! Denn in ihm entspringt die Quelle des Lebens. (Sprüche4,23)
http://gottesgeschenk.wordpress.com/
"Wissenschaftliche Kriterien"
"Wissenschaftliche Kriterien, nach denen man über den Abstand so vieler Jahrhunderte hinweg feststellen könnte, dass diese Osterberichte frei erfunden seien, gibt es nicht."
Ausser denen, dass es rein biologisch nicht möglich ist , nach dem Tode aufzuerstehen - hirntot ist hirntot...
aber das ist ja bestimt viel zu unwissenschaftlich.
Es ist auch nicht erwiesen, dass "Elvis" lebt, aber wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit???
Frohe Ostern
Kommentar hinzufügen