Käßmann: "Abschiede machen das Leben tiefer"

Margot Käßmann

Die ehemalige Ratsvorsitzende Margot Käßmann kann aus Abschieden Kraft und Lebenstiefe gewinnen. Foto: Stefan Simonsen/ddp

Interview - Abschied - ein schwerer Moment, der auch einen Neubeginn bedeuten kann. Doch unsere Gesellschaft scheint den Schmerz, der damit auch verbunden ist, lieber zu überspringen, meint Margot Käßmann im Interview, das bereits vor ihrem Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende geführt wurde.

Von Jörn Dietze und Marie Lampert

Frage: Frau Käßmann, mit Abschieden tun wir uns in der Regel schwer. Warum?

Margot Käßmann: Weil immer ein Trauerprozess mit ihnen verbunden ist. Etwas ist endgültig vergangen. Das beginnt schon bei banalen Abschieden. Ich habe letztes Jahr meinen Keller entrümpelt und damit auch Dinge, mit denen Erinnerungen verbunden sind. Gerade wer älter wird, merkt: Manches ist unwiederbringlich.

Frage: Welche Abschiede waren für Sie persönlich bedeutsam?

Käßmann: Ganz bewusst erlebt habe ich einen Neuanfang, der gleichzeitig ein Abschied war. Ich war schwanger mit Zwillingen, unsere älteste Tochter drei Jahre alt. Wir zogen in ein Pfarrhaus in der Nähe von Schwalmstadt in Nordhessen. Da habe ich plötzlich gespürt: Das ist der endgültige Abschied vom Jugendleben und vom Jung-Sein. Jetzt bist du richtig erwachsen. Das waren natürlich gemischte Gefühle, weil es gleichzeitig ein Abschied von Freiheiten bedeutete.

Frage: Und später?

Käßmann: Als meine Töchter ausgezogen sind, dachte ich, das wird nie wieder so sein: Dieses Familienleben mit vier Kindern um den Tisch – und sie bringen noch drei Freunde mit. Ich habe mir dann gesagt: Natürlich müssen sie gehen, aber das ist auch schön. Ich habe jetzt zum Beispiel mehr Zeit für mich und für meine Arbeit. In solchen Situationen ist es wichtig, sich einzugestehen, dass der Abschied wehtut, und den Schmerz zuzulassen. Dann kannst du eine Haltung finden, die sagt: Ich geh aufrecht zu etwas Neuem.

Frage: Es gibt aber viele, die das so nicht schaffen …

Käßmann: Ich habe den Eindruck, dass unsere Gesellschaft den Schmerz lieber überspringt. Wenn unser Leben auf dem Prüfstand steht, wenn es erschüttert ist, wir verletzbar sind oder dünnhäutig, lenken wir uns gerne ab. Einer macht Sport, die nächste guckt fern, der dritte geht einkaufen. Darin steckt der Versuch, dem Schmerz zu entgehen oder ihn nicht zuzulassen. Aber das ist ja das Großartige am christlichen Glauben. Jesus sagt: "Euer Herz erschrecke nicht". Wir können eben hinsehen, weil unser Glaube das Leben nicht idealisiert. Abschiede können uns reifer machen.

Frage: Haben Sie das selbst so erlebt...?

Käßmann: Die letzten Jahre waren für mich nicht wirklich einfach, aber von der Tiefe des Lebens erfährt der Mensch viel mehr durch die Abschiede als durch Erfolge oder Gleichklang. Meine Krebserkrankung etwa bedeutete den Abschied von der Illusion, dass ein Mensch sich immer gesund halten kann. Solche Abschiede geben oftmals große Kraft und Lebenstiefe.

Frage: Und wie kann man an das Tabuthema Tod bewusst herangehen?

Käßmann: Die Kirche hat dafür gute Rituale. Als sich Nationaltorhüter Robert Enke das Leben genommen hatte, wurde ein Schweigemarsch geplant. Ich wollte zunächst keine Trauerfeier halten. Aber mir haben dann Väter gemailt: Wir können doch nicht nur einen Schweigemarsch mit unseren fußballbegeisterten Söhnen machen, da muss doch noch mehr kommen. Ich habe mich dann umentschieden, es gab eine Trauerfeier. Wir hatten 95 Prozent Männer in der und um die Kirche. Es war sehr bewegend: miteinander das Vaterunser beten, Kerzen anzünden. Solche Rituale geben Halt in Situationen, die wir sonst kaum bewältigen können. Für die wir keine eigenen Worte finden, aber alte Worte kennen.

Frage: Was sagen Sie zu der Entwicklung, dass immer mehr Bestattungs- und Trauerrituale außerhalb der Kirche angeboten werden?

Käßmann: Wir sollten um die Rituale ringen. Als Kirche haben wir auf dem Gebiet große Stärken, weil wir eine weitergehende Botschaft haben. Unser Angebot ist konkurrenzlos, weil es vom Leben nach dem Tod spricht. Unsere Rituale sind tragend, unsere Hoffnung ist eine ganz andere als dieses "wird schon werden". Natürlich dürfen wir den Tod nicht banalisieren, denn er ist grausam und schmerzhaft. Aber der Glaube wird trotzdem immer dagegenhalten und sagen: Wir glauben nicht an einen Toten, sondern an den Auferstandenen. Ohne kirchliche Rituale sehe ich eine zunehmende Anonymisierung, weil es oft keinen wirklichen Abschied gibt – am Grab oder durch Beileidsbekundungen. Die Menschen drücken sich um den Trauerprozess und auch den Abschied, indem sie zum Beispiel die Asche eines Toten einfach verstreuen lassen. Das finde ich extrem traurig.

Frage: Sie haben herbe Kritik erfahren auf Ihren Vorschlag, die Kirche sollte auch für Paare in Trennung oder Scheidung Rituale anbieten.

Käßmann: Damals wurde geschrieben: Käßmann will Scheidung segnen. Aber das war nie der Punkt. Eine Scheidung ist eine Erschütterung. Man verabschiedet sich von einem Menschen, aber auch von einem Lebensentwurf. Wenn Paare in Frieden auseinandergehen, gehen sie nach dem Gang zum Amtsgericht manchmal gemeinsam essen. Die Menschen schaffen sich so ihr eigenes Ritual. Ich empfehle als kirchliches Ritual zum Beispiel das gemeinsame Abendmahl. Es ist ein Zeichen, durch das Menschen sagen: Wir trennen uns. Aber das, was wir geteilt haben, bleibt wertvoll, da gibt es auch Frieden. Wer im Schmerz oder im Zorn auseinandergeht, kann das so nicht sehen.

Frage: Müssen wir uns manchmal auch von Gottesbildern verabschieden?

Käßmann: Das ist das Wagnis des Glaubens: dass wir immer wieder Gott neu denken. Ich jogge jeden Donnerstag mit einer befreundeten Internistin und hab neulich gesagt: "Die Ewige hat da auf mich aufgepasst." Und da sagt sie: "Hör auf mit dem Feministinnenkram! Es heißt doch DER Gott. DER Ewige!" Da haben wir dann fünf Kilometer lang heftig diskutiert. Das find ich grad spannend, dass wir immer wieder neu nachdenken müssen. Wir werden nie zum Ende kommen in Glaubensfragen.

Frage: Und was ist mit denen, die ihren Glauben verloren haben?

Käßmann: Wer auf der Suche ist, befindet sich meiner Erfahrung nach längst im Gespräch mit Gott. Ein Mensch dagegen, der sagt: "ich glaube und hab gar keinen Zweifel", lässt nicht viel Fragen zu. Das ist eher eine ängstliche Abgrenzung. Die ist aber nicht sehr lebensfroh und lebensbejahend.

Frage: Gibt es Dinge, von denen wir uns als Kirche verabschieden müssen?

Käßmann: Manche Gemeinden erleben zurzeit schmerzhafte Abschiede, wenn sie ihren Pfarrer nicht mehr für sich alleine haben. Das ist gleichzeitig ein Abschied von einem Gemeindebild: ein Pfarrer, ein Dorf, eine Kirche. Auch Abschiede von Kirchengebäuden sind schwere Trauerprozesse, bei denen Menschen oftmals weinen. Und natürlich sind da die Abschiede von Idealbildern wie dem evangelischen Pfarrhaus mit Pfarrfrau und vielen Kindern.

Frage: Ist damit auch ein Abschied von der Volkskirche verbunden?

Käßmann: Den sehe ich nicht. Zwei Drittel der deutschen Bevölkerung sind Mitglied in einer der Kirchen. Wir haben neben den bedauerlichen Austritten jährlich auch 60.000 Eintritte in die evangelische Kirche und davon sind 30.000 Wiedereintritte. Und diejenigen, die die Kirche verlassen, verlassen sie oft mit ganz hohen Emotionen. Mit Zorn, mit Wut, mit Trauer, mit Schmerz. Ich erlebe, dass es eine tiefe Sehnsucht nach Verwurzelung und Beheimatung gibt. Doch auch, wenn die Volkskirche kleiner wird, kann sie Kirche für das Volk sein. Wären wir keine relevante Größe, würden sich Politiker nicht so aufregen, wenn wir ihre Entscheidungen öffentlich kritisieren.


Das Interview ist erschienen in der aktuellen Ausgabe von ECHT, dem Mitgliedermagazin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Das Interview wurde bereits vor dem Rücktritt von Margot Käßmann geführt.

Kommentare

Verfasst von Gast am 7. März 2010 - 12:56.

Weder Bildnis noch Geichnis!

In einem Artikel der Zeit vom 4.3. schreibt Antje Vollmer über den Verlust den...

In einem Artikel der Zeit vom 4.3. schreibt Antje Vollmer über den Verlust den der Rücktritt von Margot Käßmann für die Frauen und für den Protestantismus bedeutet. Der Artikel endet mit der Feststellung, dass die Sache gut ausgegangen ist. „Es war gut für uns Frauen, gut für den fortschrittlichen Protestantismus in Deutschland und – hoffentlich – auch gut für Sie selbst“. Ende des Zitates.

Ich finde die Freundin von Frau Käßmann hat recht, wenn sie ihr empfiehlt, mit dem „Feministenkram“ aufzuhören. Viele Protagonisten dieser Bewegung versuchen doch auffällig, die aufrechte Haltung eines weiblichen Menschen für die Sache des Feminismus zu instrumentalisieren. Sie gibt sich die Antwort indirekt selbst, wenn sie später von der „Volkskirche“ spricht. Diese ist die Organisation aller Protestanten, die der Männer, der Frauen und Kinder.

Was ist denn auch so schlimm an einer Vaterfigur. Ich wünsche allen Mädchen und Jungen, dass sie einen guten Vater erleben oder erlebt haben. Einen der beschützt, an den man sich vertrauensvoll zu aller Zeit wenden kann, der hilft und tröstet. Diese Vorstellung des Alten Bundes, steht doch hinter der Gottesfigur als Vater der Schöpfung. Aber es ist nur eine Vorstellung. „Du sollst dir kein Bildnis noch Gleichnis machen“ auch keines einer „Ewigen“ vielleicht ist Gott ja ein „Alleinerziehender“. Davor wird er uns aber zu bewahren wissen.

Frau Käßmann hat ja recht. Über Glauben kann man sich viele Vorstellungen machen. Glauben ist auch kein Besitz, sondern etwas, dass man sich immer wieder erwerben muss – manchmal oder gerade auch gegen Not und Tod des alltäglichen Lebens.

Das obige Interview hätte sie auch nach ihrem Rücktritt geben können. Hoffentlich finden sich Zeitungen, die ihr den notwendigen Raum geben. Das wünsche ich den Frauen – den Männern aber auch.

Verfasst von Gast am 5. März 2010 - 9:47.

Nehmen Sie sich einfach nicht so ernst !

Mit ihrem letzten Satz übertreibt Frau Dr. Käßmann die Bedeutung der Kirche in...

Mit ihrem letzten Satz übertreibt Frau Dr. Käßmann die Bedeutung der Kirche in der politischen Willensbildung. Was manche Politiker - und auch mich - zu Recht aufregt, ist der hypermoralische und politisch einseitige Anspruch auf die einzig richtige Sicht der Dinge: "Wir haben die Moral, ihr habt die Probleme!"

Außerdem, woher ist sich Frau Dr.K. so sicher, daß sie mit ihren schrillen, simplifizierenden Zeitgeistplatitüden für die Mehrheit der Protestanten (damit meine ich nicht nur die Synodalen ) gesprochen hat ?

Meine Empfehlung: Niedriger hängen ! Ne sutor supra crispinam!

Peter Rietze
Neapel

Verfasst von Gast am 5. März 2010 - 14:32.

Margot Käßmann

Lieber Herr Rietze, ein bißchen mehr moralischen Anspruch täte manchen Menschen...

Lieber Herr Rietze,

ein bißchen mehr moralischen Anspruch täte manchen Menschen, die in Politik
und Wirtschaft tätig sind gut !
Aber das wissen Sie doch bestimmt selbst.
Margot Käßmann hat meines Erachtens noch nie die Behauptung aufgestellt die einzig richtige Sicht der Dinge zu besitzen. Und damit gebe ich den Vorwurf des "Simlifizierens" gerne an Sie zurück !!

Mit freundlichen Grüßen, eine Pfarrerin aus Marburg

Verfasst von Gast am 5. März 2010 - 16:49.
Kommentar auf: Margot Käßmann

Respekt für Käßmann

Sie hat allerdings ihre, wenn eben manchmal auch etwas simple und uninformierte...

Sie hat allerdings ihre, wenn eben manchmal auch etwas simple und uninformierte Sicht der Dinge, immer für erstaunlich wichtig gehalten. Darüber hinaus kann man in Bezug auf Frau Dr. Käßmann wohl nicht gerade von moralischen Ansprüchen sprechen. Immerhin ist es gut, daß sie, ohne lange zu zögern, Konsequenzen aus ihrem Fehler gezogen hat und zurückgetreten ist. Das verdient sicherlich Respekt.

Verfasst von Gast am 6. März 2010 - 18:22.
Kommentar auf: Großartige Bischöfin

Verfall der Streitkultur

Sehr geehrte Frau Dantonel, da sich Ihr Kommentar offenbar auf meinen Beitrag...

Sehr geehrte Frau Dantonel,

da sich Ihr Kommentar offenbar auf meinen Beitrag vom 5.3. 2010 bezieht, möchte ich Ihnen hiermit mein Befremden zum Ausdruck bringen.
Offenbar ist auch bei den Landsleuten Voltaires die Streitkultur bereits so degeneriert, daß Andersdenkende gleich mit der Psychiatriekeule traktiert werden. Schade!
Mein Beitrag greift nur Kritiken an Frau Dr. K auf, die auch in der Vergangenheit häufig von vielen Seiten geäußert wurden.Sie lassen sich auch auf zahlreiche tonangebende Vertreter der Amtskirche anwenden und haben auch nach dem Rücktritt von Frau Dr.K. nichts von ihrer traurigen Aktualität verloren.
Das Recht "böse Kommentare" zu schreiben müssen Sie uns schon lassen !
<< Il n'y a que la vérité qui blesse >> .

Im Übrigen seien Sie versichert, daß viele in der protestantischen Kirche über Frau Dr.K - mutatis mutandis und frei nach Villon - dachten und denken:

<< S'évêque qu'elle fut, seignant les rues,
Qu'elle fut la mienne,je le regny. >>

Peter Rietze

Verfasst von Gast am 7. März 2010 - 6:30.
Kommentar auf: Verfall der Streitkultur

Kriterien

Es ist objektiv festzustellen, daß der Beitrag von Frau Dantonel nicht frei ist...

Es ist objektiv festzustellen, daß der Beitrag von Frau Dantonel nicht frei ist von völlig unsachgemäßer Häme. Ebenso objektiv ist festzustellen, daß Frau Dr. Käßmann nicht die Voraussetzungen mitbrachte, einer Landeskirche geschweige denn der EKD vorzustehen. Wenn es so sein sollte, wie Frau Käßmann ja nun immerhin auch zugegeben hat, daß sie betrunken über eine rote Ampel gefahren ist, so kann sie kein solches Leitungsamt mehr ausüben. Sicher erweckt dieser Sachverhalt den Eindruck, als sei hier ein Riese über seine eigenen Schnürsenkel gestoplert und habe sich dabei zwei Drittel seiner Knochen gebrochen, was sicherlich zu bedauern ist. Auf der anderen Seite erfüllte Frau Dr. Käßmann auch sonst nicht die Voraussetzungen für ein bischöfliches Leitungsamt. Wer in einem solchen Leitungsamt die Heilige Schrift verfälscht oder verfälschen läßt und Gottes heiliges Wort verändert, der muß sich den Vorwurf gefallen lassen, die ihm anvertrauten Menschen zum Abfall vom Glauben zu verführen. Und das wird auch nicht besser, indem man der Verachtung von Gottes Wort Gesetzeskraft verleiht. Was schließlich die Aussagen von Frau Käßmann über den deutschen Papst anlangt, so ist - bei aller kritischen Haltung zur Römischen Katholischen Kirche - das Mindestkriterium, das man auf der Ebene eines kirchlichen Leitungsamtes verlangen muß, daß die Wahrheit gesagt wird. Diesem Kriterium ist Frau Dr. Käßmann jedoch nicht gerecht geworden. Es war schon peinlich, daß selbst Herr Kasper in der Sache ärgerlich reagieren und die Dinge richtig stellen mußte. Und was Afghanistan anlangt, so ist die von Frau Käßmann angestoßene öffentliche Debatte über das Thema sicherlich in bestimmten Aspekten hilfreich, und trotzdem war in den betr. Aussagen der Neujahrspredigt zu vieles einfach unreflektiert und deshalb unangebracht. Darüber hinaus ist Frau Käßmann viel Zeit und Muße für die Lektüre des Neuen Testaments zu wünschen, daß sie die Aussagen unseres HERRN und des Apostels Paulus betr. Ehe, Kirche und kirchliche Leitungsämter lesen und endlich auch zu Herzen nehmen.

Verfasst von Gast am 9. März 2010 - 0:52.

La Cage aux Folles

Chère madame Dantonel, in diesem Rededuell zwischen Ihnen und Herrn Rietze sind...

Chère madame Dantonel,

in diesem Rededuell zwischen Ihnen und Herrn Rietze sind Sie eindeutig geist(l)ich unterlegen!

Zwar gehe ich davon aus, dass Sie als rechtschaffende, "Theologiestudierende, Protestant und Europäerin", nur an Herrn Rietzes Wohlbefinden interessiert sind, möchte Sie jedoch bitten keine überhasteten Diagnosen zu stellen- So etwas zeugt nur von einer, hoffentlich nur temporären, vorhandenen Unreife im Umgang mit kontroversen Ansichten.

Ach ja... nettes Anzeigebild...

sincèrement,

Matthäus

Verfasst von Gast am 8. März 2010 - 9:08.

Wechsel der Fakultät angeraten !

Sehr geehrte Frau Dantonel, nach all diesen scharfsinnigen Feststellungen kann...

Sehr geehrte Frau Dantonel,

nach all diesen scharfsinnigen Feststellungen kann ich Ihnen nur anraten, schleunigst die Fakultät zu wechseln ...

Mit herzlichen Grüßen

Peter Rietze

Verfasst von Gast am 8. März 2010 - 3:59.

Verpflichtung zur Wahrheit

Offenbar fällt es Ihnen, sehr geehrte Frau Dantonel, schwer, mit anderen...

Offenbar fällt es Ihnen, sehr geehrte Frau Dantonel, schwer, mit anderen Meinungen umzugehen. Tatsächlich gehen Sie nämlich in Ihrem Schreiben an Herrn Rietze und den anonymen Kommentator auf die Argumente des Letzteren gar nicht ein. Den Dekalog meine ich zu kennen, bin aber gern bereit, ihn noch einmal zu lesen und zu Herzen zu nehmen. Es geht mir auch nicht darum, Frau Dr. Käßmann irgendwie weh zu tun, muß aber bei meiner Kritik an den genannten Punkten bleiben. Hier geht es z.B. um die m.E. völlig unsachliche und eben der Wahrheit nicht gerecht werdende Aussage von Frau Dr. Käßmann, wonach sie vom Papst in Sachen Ökumene "nichts" erwartet. Tatsächlich mag das ja dem subjektiven Empfinden von Frau Dr. Käßmann entsprochen haben. Aber wenn sie sich als Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende äußert, dann müssen ihre Aussagen auch objektiv der Wahrheit entsprechen. Und da greift so eine Aussage einfach zu kurz. Meiner Ansicht nach ist die Kirche der Wahrheit verpflichtet und ihre obersten Repräsentanten erst recht. Keineswegs geht es mir darum, irgendjemanden übel zu beleumunden. Aber an unserer Verpflichtung zur Wahrheit möchte ich doch festhalten.

Verfasst von Gast am 9. März 2010 - 3:38.

Die ganze Wahrheit

Es freut mich, sehr geehrte Frau Donatonel, daß Sie sich so für Frau Dr....

Es freut mich, sehr geehrte Frau Donatonel, daß Sie sich so für Frau Dr. Käßmann einsetzen. Und da ich mich der Berliner Fakultät, wo Sie studieren, sehr verbunden weiß, will ich gern auf Ihren Einwurf eingehen. Denn ich habe die Nachricht, daß Frau Dr. Käßmann vom Papst in Sachen Ökumene "nichts" erwarte, zuerst auch nicht glauben wollen und gerade auf der von Ihnen zitierten Website bei evangelisch.de nachgefragt, ob das denn tatsächlich so sei, und Herr Buchner hat mir dann die Sache mit einem Hinweis auf eine Website bei Radio Vatikan bestätigt. Sie brauchen nur noch einmal die Kommentare auf der von Ihnen genannten Seite durchgehen.
Nun würde ich gern Ihren Hinweis als eine Relativierung der vielzitierten und hier in Rede stehenden antiökumenischen Aussage von Frau Dr. Käßmann werten. Immerhin hat sie ja auch kurz nachher bei einer Veranstaltung in Süddeutschland gegengesteuert und erklärt, daß sie keinen Streit mit den Katholiken suche, und das habe ich ihr auch abgenommen, soweit es sich auf die Römisch-katholische Kirche in Deutschland bezieht. Dennoch sind die Aussagen der gewesenen Bischöfin hinsichtlich des Beitrages des deutschen Papstes zur Ökumene schlicht defizitär. Ihre Erwartung, daß der Papst 2017 (!), also in sieben Jahren, nach Wittenberg komme, formuliert lediglich ein sehr punktuelles protestantisches Anliegen, beschreibt aber keineswegs den tatsächlich geleisteten Beitrag dieses Papstes in Sachen Ökumene. Um hier wirklich voranzukommen, müssen wir erst einmal die Denkvoraussetzungen für einen Leiter der Römisch-katholischen Kirche ernst nehmen. Sie, sehr geehrte Frau Dantonel, haben sich sehr intensiv mit Dietrich Bonhoeffer beschäftigt. Bonhoeffer war, wenn ich mich nicht irre, um 1923 in Rom und hat dabei wesentliche Texte zur römisch-katholischen Ekklesiologie zur Kenntnis genommen, insbesondere das Buch von Karl Adam: Das Wesen des Katholizismus. In diese Zeit fällt überhaupt eine Neubesinnung zu diesem Thema, ich erinnere an die Enzyklika "Mystici corporis". Hier finden wir Impulse, die später beim Zweiten Vaikanischen Konzil mit aufgenommen wurden. Josef Ratzinger war damals schon mit dabei und ist als solcher einer der letzten Zeugen dieses Konzils. Schon allein unter diesen Voraussetzungen ist erheblich mehr und anderes zum Beitrag von Benedikt XVI. zu sagen als das, was Frau Dr. Käßmann an dieser Stelle zu sagen wußte. Darüber hinaus ist in Betracht zu ziehen, daß, wenn ich mich nicht irre, Josef Ratzinger eine der entscheidenden Schlüsselfiguren beim Zustandekommen der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" vor zehn Jahren gewesen ist. Luther hat seinerzeit die Rechtfertigungslehre als den "articulus stantis et cadentis ecclesiae" bezeichnet, den Artikel, mit welchem die Kirche steht oder fällt, und so ist es auch. Und genau in diesem Punkt hat gerade Josef Ratzinger mit dazu beigetragen, daß zwischen Römisch-katholischer Kirche und evangelischen Kirchen kein kirchentrennender Dissenz mehr vorhanden ist; nach meinem Urteil, das sich auch auf Studien zum Tridentinum gründet, völlig zu Recht. Hinzu kommt, daß eine der ersten Amtshandlungen von Josef Ratzinger als Papst Benedikt XVI. die Aufforderung gehörte, neu auf Gottes Wort zu lauschen (sic!). Bei allem, was uns Protestanten an der Römisch-katholischen Kirche traurig stimmen mag, was könnte einen evangelischen Christen glücklicher machen? Oder lesen Sie einmal das Buch von Josef Ratzinger mit dem Titel "Jesus von Nazareth". Bei aller Kritik, die sich hie und da auch bei diesem Buche einstellen mag, ist das etwa kein Beitrag zur Ökumene? Haben wir nicht alle, auch wir als evangelische Christen, eben auf unseren HERRN Jesus Christus und sein Wort zu hören? Und sollte uns da ein frommes Herangehen an dieses Thema nicht auch wichtig sein?
Um nicht mißverstanden zu werden, ich bin nicht römisch-katholisch und will es auch nicht werden. Aber ich meine, daß wir als evangelische Christen unseren eigenen Prinzipien treu bleiben müssen. Dazu aber gehört nun einmal auch die Liebe zur Wahrheit, und das umschließt auch eine entsprechende Sorgfalt bei Äußerungen über unseren Nächsten, in diesem Fall den deutschen Papst Benedikt XVI. Ich sage noch einmal, daß es mich freut, wie Sie sich für Frau Dr. Käßmann stark machen. Zugleich aber ist es nötig, daß wir uns für die ganze Wahrheit einsetzen. Ich hoffe, und bin überzeugt, sehr geehrte Frau Dantonel, daß wir uns da einig sein werden.

Verfasst von Gast am 17. März 2010 - 16:29.
Kommentar auf: Die ganze Wahrheit

Zu klärende Punkte

Hinsichtlich Ihrer Ausführungen zu Benedikt XVI. stimme ich Ihnen, sehr geehrte...

Hinsichtlich Ihrer Ausführungen zu Benedikt XVI. stimme ich Ihnen, sehr geehrte Frau Dantonel, zu, daß es uns weh tun muß und eben wirklich auch weh tut, daß uns die Römisch-Katholische Kirche und mit ihr auch Benedikt XVI. das Kirche-sein abspricht. Aber das ist nun einmal der momentane Stand der Dinge. Es ist unbedingt so, daß es uns schmerzen muß, wenn wir mit den Orthodoxen und mit den Katholiken den Kelch des Heils noch nicht gemeinsam haben. Ja, so ist es. Aber das liegt nicht an den persönlichen oder privaten Anschauungen Josef Ratzingers, sondern ist das, was die katholische und die orthodoxe Ekklesiologie von ihren Voraussetzungen her zu diesem Thema sagen muß. An uns ist es, demütig, ehrlich und aufrichtig zu prüfen, wo sie Recht haben und wo nicht. Maßstab dabei kann von unseren VOraussetzungen nur das heilige und unveränderliche Wort Gottes sein. Denn wir sind nun einmal mit dem Anspruch angetreten, genau dieses heilige Wort Gottes entdeckt und zum Kriterium unserer Existenz gemacht zu haben. In unseren Kirchen finden sich mancherorts im Chorbereich Sprüche wie der folgende: "Gottes Wort und Luthers Lehr vergehen nimmermehr". Im Zuge der Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Irrwegen haben wir gelernt, uns ganz auf Christus zu gründen, vgl. die 1. These von Barmen: "Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben dem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen." Und es ist hier auch noch einmal zu erwähnen, daß Benedikt XVI. letzten Sonntag die lutherische Gemeinde in Rom besucht und dort im Gottesdienst gepredigt hat.
Und nun folgt der zweite Punkt in unserem Gespräch: Zur sog. "Bibel in gerechter Sprache", und hier ist nun einmal festzuhalten: die sog. "Bibel in gerechter Sprache" ist eine Verfälschung der Heiligen Schrift und insofern erst recht und absolut nicht geeignet für Leute, "die ihre Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache haben." Ich bringe ja meinen Kinder auch nicht zuerst bei, daß 4+3=27 ist und erkläre ihnen hinterher, daß das ja nicht so gemeint war. Es ist unredlich und eben nicht in Ordnung, Verfälschungen der Heiligen Schrift weiter zu empfehlen.

Was Ihre Ausführungen zu Afghanistan anlangt, so wiederhole ich noch einmal, daß das gesamtgesellschaftliche Gespräch über den Einsatz ganz sicher wichtig ist, auch eine Prüfung unter den Gesichtspunkten des Evangeliums, daß aber die Aussage aus der Neujahrspredigt "Nichts ist gut in Afghanistan" eben einfach zu pauschal war, da sofort auch die Frage nach der Solidarität mit den dorthin geschickten Soldaten und ihrem Dienstauftrag im Raume stand. Das hätte man eben doch umsichtiger anpacken und zugleich viel deutlicher zivile Maßnahmen konkret ansprechen müssen. Ob dafür dann eine Neujahrspredigt der rechte Ort ist, ist noch einmal eine gesondert zu klärende Frage, die auch davon abhängig ist, wieviel die Leute, die da in den Gottesdienst kommen, nun tatsächlich auch mit Afghanistan und unserem Einsatz dort zu tun haben.

Was ich grundsätzlich für entscheidend halte ist und bleibt allerdings eben die Rechtfertigungslehre als der "articulus stantis et cadentis ecclesiae", wie Luther und die anderen Reformatoren sich ausdrückten. Und an dieser Stelle sagt die gemeinsame Erklärung, daß dieser Punkt nicht mehr kirchentrennend ist.

Verfasst von Gast am 15. März 2010 - 12:49.
Kommentar auf: Die ganze Wahrheit

Bibel in gerechter Sprache

Nur eine Anmerkung: Es gibt kein Verfahren für die Zulassung von...

Nur eine Anmerkung: Es gibt kein Verfahren für die Zulassung von Bibelübersetzungen in der evangelischen Kirche. Denn wer sollte ein solches Verfahren durchführen? Wir haben ja dank Luther keine zentrale Instanz, kein Konzil, keine Person, keine Hierarchie, um eine Bibelübersetzung zu autorisieren. Deswegen konnte der Rat der EKD auch nur eine Empfehlung aussprechen, und schon dies wurde sehr kritisiert, weil damit die Tatsache verunklart wurde, dass wir Evangelische eben kein Lehramt haben.
Insofern ist es nicht richtig zu sagen, dass die Bibel in gerechter Sprache nicht zugelassen sei, weil das so klingt, als wären andere Übersetzungen zugelassen.

Verfasst von Gast am 6. März 2010 - 22:47.

Pazienza! Pazienza!

Sehr geehrte Frau Dantonel, wie wäre es mit ein wenig mehr Gelassenheit ......

Sehr geehrte Frau Dantonel,

wie wäre es mit ein wenig mehr Gelassenheit ...

Wenn Sie bei jeder von der Ihren abweichenden Meinung gleich einen Therapiebedarf sehen, sollten Sie vielleicht über einen Wechsel der Fakultät nachdenken ...

Mit herzlichen Grüßen

Peter Rietze

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