Kardinal Kasper und die Grenzen der Ökumene

Kardinal Walter Kasper

Der ehemalige Präsident des Päpstlichen Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper. Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Bücher - "Die Ökumene ist in ihrer bisherigen Gestalt an eine Grenze angelangt." Dieses Fazit zieht der frühere Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper (78) in seinem dieser Tage im Herder-Verlag erschienenen, knapp 600 Seiten umfassenden Standardwerk "Katholische Kirche. Wesen-Wirklichkeit–Sendung".

Von K. Rüdiger Durth

Für diese Grenze macht der ehemalige Dogmatikprofessor und Bischof, der über zehn Jahre das Ökumene-Ministerium des Vatikans leitete, ebenso neue Entwicklungen in den Kirchen wie die Zunahme neuer kirchlicher Gemeinschaften, aber auch wachsende Unterschiede in ethischen Fragen verantwortlich. Um diese Grenze zu überwinden, schlägt Kasper vor, in der nächsten Phase des ökumenischen Dialogs vor allem der Frage nachzugehen, was Kirche und unter Einheit der Kirche zu verstehen ist. Zugleich weiß er, dass dieser ökumenische Dialog "wohl eher schwieriger als einfacher wird".

Keine Rede von "Eiszeit"

Kasper, der bekannteste katholische Ökumeniker, gebraucht das Wort von der "Eiszeit" nicht, mit der nicht wenige den gegenwärtigen Stillstand auf dem Weg zur Einheit gern bezeichnen. Und so streift er auch nur das päpstliche Dokument "Dominus Iesus" aus dem Jahr 2000, das sich wegen der - nicht neuen - Einstufung der reformatorischen Kirchen lediglich als "kirchliche Gemeinschaften" tief verwurzelt hat. Eigentlich sei "Dominus Iesus" eine Schrift gegen den Relativismus gewesen, habe aber nur wegen der "Schärfe mancher negativ abgrenzender Formulierungen" Bekanntheit erlangt. Allerdings sei die "harte Antwort" der evangelischen Seite "freilich ebenfalls alles andere als ökumenisch freundlich formuliert" gewesen. Schwamm drüber.

Der frühere vatikanische Ökumeneminister will das, was in den zurückliegenden Jahren an Gemeinsamkeiten erreicht wurde, nicht kleinreden und unterstreicht die Feststellung von Papst Benedikt XVI., wonach Ökumene keine Nebentätigkeit der Kirche ist, sondern konstitutiv für die Kirche und jeden Christen. So sehr sich Kasper darum bemüht, jeder Rückkehr-Ökumene eine Absage zu erteilen, so bleibt er doch schuldig, konkrete Schritte auf dem künftigen Weg zur Einheit zu nennen. So besteht für die katholische Kirche das Ziel der ökumenischen Bewegung in der "vollen sichtbaren Gemeinschaft" im einen Glauben, in denselben Sakramenten und in der Gemeinschaft mit dem Bischofsamt in apostolischer Sukzession - in Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Papst.

Ist damit aber nicht schon die Verständigung mit den Kirchen der Reformation abgeschnitten, die unter Ökumene vor allem eine "versöhnte Verschiedenheit" zwischen den Kirchen verstehen und das Papstamt ablehnen. Kardinal Kasper räumt ein: "Das Papstamt ist für Katholiken ein Identitätsmerkmal ihrer Kirche wie umgekehrt seine Nichtanerkennung ein Identitätsmerkmal aller anderen Kirchen darstellt." Kein Zweifel: "Das Petrusamt ist ökumenisch der wohl delikateste und schwierigste Punkt der Ekklesiologie", also der Lehre von der Kirche.

Petrusamt mit Potenzialen

Gleichzeitig stellt er fest, dass das Petrusamt "als Dienst an der Einheit" noch längst nicht ausgeschöpfte Potenziale für die größere ökumenische Einheit der Kirche besitze und dass eben dieses Amt ein "großes Geschenk des Herrn an seine Kirche" sei, das ihr einen inneren Zusammenhalt gebe, "den andere Kirchen so nicht haben und schmerzlich vermissen". Der Kirchenmann aus dem Schwabenland zeigt aber nicht auf, wie das Problem mit den anderen Kirchen gelöst werden kann – oder ist eine größere Synodalität der Kirche, wie immer diese auch aussehen mag, ein Weg? Auch kann der Hinweis nützlich sein: "Die katholische Kirche kennt die Möglichkeit einer Lehrentwicklung."

Allerdings stellt Kasper auch dies fest: "Die erstrebte Einheit soll keine Einheitlichkeit im Sinn der Uniformität sein, sondern eine Einheit in der Vielfalt, bei der die getrennten Kirchen legitime eigene Traditionen bewahren und in die größere Einheit einbringen können. Einheit in der Vielfalt meint zugleich auch Vielheit in der Einheit, Sie geht über ein friedliches oder auch streitiges Nebeneinander hinaus." Ob er dabei an das Vorbild einiger orientalischer Kirchen denkt, die als selbständige Kirchen in voller Einheit mit Rom leben?

Alles in allem, da hat Kasper recht, wartet auf die ökumenische Theologie "noch ein hartes Stück Arbeit". Zugleich erkennt er an, dass er durch seine Begegnungen mit den anderen Kirchen auch viel von deren Reichtum erfahren hat. So ist ihm beispielsweise auch der Dialog mit den Freikirchen wichtig geworden, von denen er sagt, dass sie der katholischen Kirche in vielem nahe stehen – beispielsweise wenn es um die biblischen Grundwahrheiten des Glaubens und vor allem im Bekenntnis zu Jesus Christus als Sohn Gottes und die Heilsbedeutung von Kreuz und Auferstehung sowie ethische Fragen geht. Auch hätten die Freikirchen viele Probleme vorweggenommen, mit denen die traditionellen Kirchen ringen würden – von der Unabhängigkeit vom Staat bis zum Minderheitenstatus, von der Laienverantwortung bis zum missionarischen Bewusstsein.

Macht Ökumene weniger katholisch?

Kardinal Kasper verschweigt nicht, dass nicht wenige katholische Christen die Sorge haben, durch die Ökumene weniger katholisch zu werden: "Das Gegenteil ist der Fall In der Begegnung mit anderen Christen wird man bereichert, aber man entdeckt auch den eigenen Reichtum und die Schönheit der katholischen Kirche neu." Einen Schwerpunkt legt er auf den geistlichen Ökumenismus, den er als "die Mitte und das Herz der ökumenischen Bemühungen" bezeichnet. Was ist damit gemeint? Lassen wir auch dazu Kardinal Kasper selbst zu Wort kommen:

"Letztlich darf er (der akademische Dialog) nicht eine Angelegenheit von Experten bleiben; er muss vielmehr eingebettet sein in eine Ökumene des Lebens, getragen von einer Ökumene des Gebets, und er muss schließlich vom ganzen Volk Gottes rezipiert werden." An anderer Stelle schreibt er: "Die geistliche Ökumene macht ernst damit, dass die Einheit der Kirche nicht unser Werk, sondern das Werk des Heiligen Geistes ist (...). Die geistliche Ökumene ist Aufgabe jedes Christen und jeder Gemeinde."

Kardinal Kasper räumt ein, dass der Weg zum Ziel der Einheit aller Christen nach menschlicher Voraussicht "wohl länger und mühseliger" sein wird als viele während des ersten ökumenischen Neuaufbruchs der letzten Jahrzehnte gehofft hatten: "Das konkrete Wie, Wann und Wo der vollen Kirchengemeinschaft liegt nicht in unseren, sondern in Gottes Händen."


Kardinal Walter Kasper: Katholische Kirche. Wesen – Wirklichkeit - Sendung, Freiburg 2011, Herder Verlag, 586 S., 29,95 Euro

Kommentare

Verfasst von Stefan Wehmeier am 17. Juni 2011 - 21:11.

Himmel auf Erden

(Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den...

(Genesis 2,15-17) Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte. Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.

Wer nicht weiß, was Gerechtigkeit ist, darf auch nicht wissen, was Ungerechtigkeit ist, um eine Existenz in "dieser Welt" ertragen zu können. Zu diesem Zweck gibt es die Religion, die so erfolgreich war, dass sie die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde bis heute aus dem allgemeinen Bewusstsein der halbwegs zivilisierten Menschheit ausblenden konnte, während das Wissen seit langer Zeit zur Verfügung steht, um diese "Mutter aller Zivilisationsprobleme" endgültig zu eliminieren:

(Matthäus 5,38-42) Ihr habt gehört, dass gesagt ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei. Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

"Der Herr sagte: Ihr habt alle Dinge verstanden, die ich euch gesagt habe, und ihr habt sie im Glauben angenommen. Wenn ihr sie erkannt habt, dann sind sie die Eurigen. Wenn nicht, dann sind sie nicht die Eurigen."

(nicht in der Bibel zu finden)

Herzlich Willkommen im Himmel auf Erden:
http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

Verfasst von Eberhard am 17. Juni 2011 - 17:22.

Kirche?

Die beiden Großkirchen haben ca. 60% Mitglieder, aus den verschiedensten...

Die beiden Großkirchen haben ca. 60% Mitglieder, aus den verschiedensten Gründen. Dagegen haben 40% der Deutschen den Glauben schon längst verloren.
Das müsste doch Angst und auch nachdenklich machen.
Und diejenigen, die nicht an einen Gott glauben, geht es auch nicht besser oder schlechter als den Gläubigen.
Die Bibel unter dem Arm seines Trägers macht ihn noch lange nicht zum Christen.

Verfasst von Gast am 16. Juni 2011 - 20:39.

Ökumene

Was nützt die Ökumene wenn die Volkskirchen leer sind und leer bleiben....

Was nützt die Ökumene wenn die Volkskirchen leer sind und leer bleiben.
Vielleicht ist doch da das Buch von Joachim Kunstmann RÜCKKEHR DER RELIGION mit dem Untertitel 'Glaube, Gott und Kirche neu verstehen' interessanter.

Verfasst von Gast am 16. Juni 2011 - 17:08.

Geistliche Ökumene - Durst nach Gottes Wort

„Die Liebe“, so ein Zitat vom Papst, „wird den Christen helfen, den ‚Durst’...

„Die Liebe“, so ein Zitat vom Papst, „wird den Christen helfen, den ‚Durst’ nach der vollen Gemeinschaft in der Wahrheit zu pflegen und wenn wir uns dabei der Inspiration des Heiligen Geistes fügen, dürfen wir hoffen, dass wir bald zur ersehnten Einheit gelangen, an dem Tag, an dem der Herr dies will."

Durst nach Gottes Wort
Im übertragenen Sinn spricht Amos 8,11 vom Hunger und Durst nach Gottes Wort, die Gott selbst unter das Volk senden wird.

Derzeit sieht es jedoch so aus, dass die Gemeindeglieder und -mitglieder noch keinen "Durst" verspüren sondern ihre eigenen Ideen verwirklichen wollen und dabei völlig das "Wort Gottes" vergessen.

Vor kurzem wurde in einem konzertanten Gottesdienst die Europahymne gesungen. Das Kreuz war abgedeckt, weil am nächsten vormittag eine Schulveranstaltung mit Theateraufführung in der Kirche stattgefunden hat.

Wie gesagt, die Leute haben weder Durst noch Hunger. Warten wir also ab!

Verfasst von Paul Haverkamp, Lingen am 16. Juni 2011 - 16:06.

Von Kasper hätte man wegweisendere Gedanken erwarten dürfen

I. Kasper : Kirche in versöhnter Verschiedenheit Walter Kasper machte vor...

I. Kasper : Kirche in versöhnter Verschiedenheit

Walter Kasper machte vor einigen Jahren bereits deutlich, dass es auch in der Urkirche keine zentralistische Einheitskirche gegeben hat : „...denn historisch gesehen gab es vermutlich von Anfang mehrere Gemeinden , neben der Jerusalemer Gemeinde auch Gemeinden in Galiläa. Die eine Kirche bestand als von Anfang an ´in und aus´ Ortskirchen.“

Kasper, der im Gegensatz zu Ratzinger nicht einer zentralistischen Einheitskirche das Wort redet, sondern sich für eine Balance von Universal- und Partikularkirchen einsetzt, beschreibt dann auch folgerichtig aus seiner Perspektive die Zielvorstellung einer zukunftsweisenden Oekumene: „Die oekumenische Zielvorstellung ist ja nicht die uniformistische Einheitskirche, sondern eine Kirche in versöhnter Verschiedenheit…. Das Ziel der Ökumene ist die sichtbare Einheit, die keine uniformistische Einheitskirche ist, sondern Raum gibt für die legitime Vielfalt der Geistesgaben, Traditionen, Spiritualität und Kulturen.“

II. Widerspruch : Trotz Anerkennung der Taufe – keine gemeinsame Abendmahlsfeier

Im Zusammenhang mit der Buchvorstellung Kaspers möchte ich hinweisen auf die bereits vor einigen Jahre herausgebrachte Veröffentlichung der drei Ökumenischen Theologischen Institute in Straßburg, Tübingen und Bensheim verwiesen, die in ihrer gemeinsamen Erklärung „Abendmahlsgemeinschaft ist möglich“ darauf hinweisen, dass auch die außerhalb der katholischen Kirche Getauften „durch den Glauben in der Taufe gerechtfertigt und dem Leib Christi eingegliedert“ sind. Die Fachtheologen sehen es als selbstverständlich an, „die Taufe als Voraussetzung für den Zugang zum Abendmahl zu verstehen. In der Taufe wie im Abendmahl geht es um den Leib Christi, wenn auch in verschiedener Weise.“ Unter Anerkennung dieser Prämisse decken die Ökumeniker einen Widerspruch innerhalb der katholischen Kirche auf, denn sie stellen zu Recht die Frage, wieso die anerkanntermaßen durch die Taufe zum „Leib Christi“ Gehörenden nicht eben genau an der Abendmahlsfeier teilnehmen dürfen, durch die ja gerade alle Christen zum „einen Leib Christi“ werden.

Nach dem Ökumenismusdekret des 2. Vatikanischen Konzils begründet die Taufe „ein sakramentales Band der Einheit“ zwischen den getrennten Christen (Nr. 22). Die katholische Kirche muß sich daran erinnern lassen, daß die Grenzen des Leibes Christi weiter sind als die Grenzen der eigenen Kirche! Die sich daraus für die ökumenischen Theologen zu stellende Frage stößt auf mein bejahendes Verständnis und meine uneingeschränkte Zustimmung : „Kann dann aber nichtkatholischen Christen der Zugang zum Abendmahl in der katholischen Kirche verweigert werden?“

Der ehemalige Generalsekretär des Weltrats der Kirchen, Konrad Raiser, fordert zu Recht, die Taufe als eine lebenslange Gemeinschaft aller Christen anzusehen und diese als unverfügbare und unverlierbare Gabe Gottes zu betrachten. Der sich für Raiser daraus ergebenden Schlussfolgerung möchte ich mit allem Nachdruck zustimmen ; der evangelische Theologe stellt zunächst fest, dass die Einheit der Christen nicht von oben, sondern von unten, also von den Gläubigen, heranwachsen müsse und sich dann nicht mehr diejenigen rechtfertigen müssen, „welche die Gemeinschaft im Leben und im Gottesdienst, unter Einschluss der Eucharistie, vertiefen wollen, sondern diejenigen, die eine solche Vertiefung verhindern.“

III. Communio mit Petrus – aber nicht unter Petrus

Die von der katholischen Kirche stets betonte gottgewollte oder von Jesus gestiftete Über- und Unterordnung von geweihten und nicht geweihten Personen gibt es im Neuen Testament nicht. Die Ämter in der Kirche – also auch das Papstamt – wird sich immer messen lassen müssen an der Vorgabe Jesu : „Ihr aber, lasst euch nicht Meister nennen. Einer ist euer Meister, ihr alle seid Brüder, Geschwister. Auch Vater nennt keinen auf Erden, denn Einer ist euer Vater, der im Himmel. Noch Lehrer lasst euch nennen, denn Einer ist euer Lehrer, Christus. Der Größte von euch sei euer Diener.“(Mt.23,8-11)

Chancen für das Amt des Papstes in der Zukunft

Wenn er versucht, sich aus den Parteiungen und Konflikten soweit herauszuhalten, dass er auch Vermittler und Versöhner sein kann, wäre ein verbindendes „Petrusamt" möglich, wie es sich auch manche evangelische Theologen gut vorstellen können. Ein Papst, der vom absolutistisch regierenden Fürstenthron herabsteigt und sich als „primus inter pares" versteht, könnte einen verbindenden und versöhnenden Dienst an der Kirche leisten. Wenn der Papst sein Amt als pontifex maximus, also als „oberster Brückenbauer“, verstünde, dessen vornehmste Aufgabe darin bestehen würde, die Menschen aller christlichen Kirchen bzw. Konfessionen in aller Welt unter dem jesuanischen Leitbild, wie es die Bergpredigt entwirft, zusammenzuführen, so könnten auch evangelische Christen sich ein Papstamt vorstellen, das jedoch getragen sein müsste von der Vorstellung, auch mit den anderen Kirchen und Religionen auf Augenhöhe zu kommunizieren. Vertreter der Reformationskirchen werden nie einem Dienst unter dem Papst zustimmen - wohl jedoch wird von evangelischen Theologen diskutiert ein Dienst mit dem Papst!

„…Hirte sein heißt nicht : herrschen und unterdrücken, sondern vorangehen, heißt nicht: nur verbieten, sondern führen, heißt dienen wollen …Der Papst nennt sich selbst ‚Knecht der Knechte Gottes’. Das darf weder eine schöne Redeweise sein noch eine verkappte Bezeichnung für Macht und Herrschaft ….Es ist keineswegs so, dass die Autorität als solche heute generell abgelehnt wird. Sie wird akzeptiert und sogar dankbar angenommen, wenn sie argumentativ, aus Gründen und Einsichten des Glaubens überzeugt und sich als kompetent erweist…. Die Verantwortlichen in der Kirche selbst zerstören ihre Autorität. Durch ihr Handeln oder Nichthandeln bewirken sie, dass das Vertrauen schwindet und damit die Voraussetzungen, die allein Anerkennung und Gefolgschaft sichern könnten. Daher nützen Aufforderungen zum Gehorsam oder sonstige Versuche zur Disziplin überhaupt nichts. Sie verschärfen nur die Probleme und tragen dazu bei, dass sich immer mehr Menschen von der Kirche in ihrer derzeitigen Verfassung abwenden.“

Heinrich Fries (* 31. Dezember 1911 in Mannheim; † 19. November 1998 in München) war einer der engagiertesten römisch-katholischen Theologen der Ökumenischen Bewegung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

III. Es gibt keine Alternative zur Ökumene

Es gibt zur Ökumene keine Alternative. Jedoch kann keine Kirche einfach das Erbe ihrer Väter und Mütter im Glauben aufgeben. Im Bereich der Ökumene geht es nicht um einen Weg aus der Wahrheit heraus, sondern um einen Weg tiefer in sie hinein. Die von so vielen Christen herbeigesehnte Ökumene kann nur bedeuten, dass die angestrebte Einheit eben nicht darin besteht, dass eine Kirche ihre Eigenheiten aufgibt, dass Ökumene keine „Gleichmacherei“ anstrebt, sondern dass beide Kirchen, beide Traditionen sich gegenseitig bereichern können, dass beide sich in ihrer Verschiedenheit akzeptieren und schätzen und als „vollgültig“ anerkennen, dass beide darauf verzichten, sich als Besitzer der alleinigen Wahrheit zu wähnen und sich stattdessen als Suchende, als auf dem Weg Seiende verstehen.

Ich möchte hier keinem „billigen“ Ökumenismus das Wort reden, der die Gefahr des Entstehens fundamentalistischer Strömungen mit entsprechenden Polarisierungen beinhaltet. Sowohl Katholiken als auch Protestanten müssen ihre eigene Identität bewahren können und der Versuchung widerstehen, den jeweils anderen „bekehren“ zu wollen. Ökumene kann nicht auf eine totale Einheit in allen Einzelfragen hinauslaufen; jedoch halte ich es für unabdingbar, dass keine Kirche das, was eine andere Kirche offiziell verbindlich lehrt, als Widerspruch zum Evangelium beachtet.

Ökumene will kein Verarmungsprozess sein, bei dem man sich auf den geringsten gemeinsamen Nenner einigt; Ökumene will und muss als ein Lern- und Mehrungsprozess verstanden werden, bei dem alle Beteiligten voneinander lernen. Keine Konfession darf und soll ihre Identität aufgeben müssen; zu der Vorstellung von einer „Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ gibt es, wenn alle Beteiligten wahrhaftig und ernsthaft den Gedanken der Ökumene verwirklichen möchten, keine Alternative!

Millionen Christen, die auf die Kraft des Heiligen Geistes bauen, beten jeden Tag darum, dass bei allen Beteiligten, die für den Bau des ökumenischen Hauses Verantwortung tragen , die Einsicht darin wachsen möge, dass selbstverständlich dieses Haus von unterschiedlichen Baustilen und verschiedensten Formen der Innenausstattung geprägt sein muss und dass vor allem in diesem Haus Platz für unterschiedliche Bewohner sein muss, die sich jedoch in einem einig sind : Sie verdanken sich Jesus von Nazareth, bekennen ihn in ihrer Mitte als in Wort und Sakrament gegenwärtig und versuchen, die Botschaft Jesu von der befreienden Nähe Gottes den Menschen nahe zu bringen.

Paul Haverkamp, Lingen

Verfasst von Fernandez Moreno am 17. Juni 2011 - 3:32.

Von Haverkamp hätte man wegweisendere Gedanken erwarten dürfen!

Herr Haverkamp wie er leibt und lebt bei seinem Lieblingsvergnügen, dem...

Herr Haverkamp wie er leibt und lebt bei seinem Lieblingsvergnügen, dem Kreuzzug gegen den römisch-katholischen Glauben. Wieder einmal versucht er protestantisches und deutsch-katholisches Gedankengut in den Himmel zu heben und Römisch-katholisches zu verdammen. Ja, er ist sich nicht einmal zu schade dispektierlich von Ratzinger anstatt vom Heiligen Vater oder wenigstens von Papst Benedikt zu sprechen. Das ist die Haverkamp`sche Ökumene. Nur sein Wort gilt. Doch eine Ökumene nach linksevangelischer oder sogenannter befreiungstheologischer Manier wird es nicht geben. Wie sagten schon Papst Johannes Paul II. 1984: "Die Kirche hat die Pflicht zu wachen, um die Unversehrtheit des Glaubens und der katholischen Lehre zu verteidigen und vor hinterhältigen Verfälschungen zu warnen. Genau das ist ihr aufgetragen, und sie kann nicht darauf verzichten." In diesem Sinne: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als das ein Protestant offiziell zur heiligen Eucharistie gehen darf.

Verfasst von Gast am 16. Juni 2011 - 17:52.

Wegweisender Gedanke

Hallo Herr Haverkamp! Sie haben einen wichtigen Satz von Walter Kasper...

Hallo Herr Haverkamp!

Sie haben einen wichtigen Satz von Walter Kasper übersehen:

Zitat Kasper:
"Die geistliche Ökumene ist Aufgabe jedes Christen und jeder Gemeinde."

Das bedeutet im Klartext,"haltet Euch an das Wort Gottes" und nehmt Euch selber nicht gar so wichtig!

Verfasst von Gast am 15. Juni 2011 - 19:27.

Interessante Gedankengänge -

Interessante Gedankengänge - besonders zum Thema Einheit und Vielfalt. Auch...

Interessante Gedankengänge - besonders zum Thema Einheit und Vielfalt.
Auch wenn der weitere Weg lang und mühsam bleiben wird - so frage ich mich, ob nicht in kleinen Schritten weiterhin Annäherungen möglich sind.

Welche Chancen bieten sich zum Beispiel für Deutschland, wenn der Papst in diesem Jahr einige Orte besuchen wird?!

Verfasst von Steffen am 15. Juni 2011 - 23:05.

Annäherungen gibt es immer

Annäherungen gibt es immer da, wo Christen miteinander und fü...

Annäherungen gibt es immer da, wo Christen miteinander und füreinander beten! Das ist die wichtigste Aufgabe für uns alle um die Ökumene voranzubringen!

Ich denke, wir sollten die Erwartungen an einen Papstbesuch nicht zu hoch hängen. Die Römisch-katholische Kirche ist eine Weltkirche!, Da ist Deutschland nur ein Bruchteil!! Und: müssen wir uns in Deutschland wegen mangelnder Ökumene beschweren??? Wieviele wunderbare gemeinsame Gottesdienste gibt es?? Wie viele gemeinsame Aktionen im sozialen Bereich gibt es?? Die gemeinsamen Kirchentage dürfen wir nicht vergessen und die zahlreichen Gemeindeveranstaltungen, die selbstverständlich ökumenisch gedacht werden...

Das alles wäre noch vor 50/60 Jahren undenkbar gewesen!!! Das dürfen wir bei aller ökumenischer Sehnsucht nicht aus dem Auge verlieren! Es ist wirklich Großes geschehen!!! Das sollten wir zunächst einmal dankbar annehmen und nutzen und dadurch die Verbundenheit der Kirchen immer stärker zum Ausdruck bringen, statt immer neue Forderungen zu erheben.

Suchen wir nicht die Chancen durch einen Papstbesuch... sondern nutzen wir stattdessen die Möglichkeiten, die wir längst haben!!!

Verfasst von Steffen am 16. Juni 2011 - 8:04.

Sehr schön, wie der Bischof

Sehr schön, wie der Bischof des Bistums Erfurt, Joachim Wanke seine...

Sehr schön, wie der Bischof des Bistums Erfurt, Joachim Wanke seine Erwartungen an den Papstbesuch formuliert: "Dass Benedikt Christus verkündigt und seine Brüder und Schwestern staärkt", dies sei der eigentliche Sinn seines Amtes ...

Wenn das geschieht - und es auch evangelische Christen so wahrnehmen wollen - , ist viel gewonnen.

Verfasst von Gast am 17. Juni 2011 - 1:05.

Kann ich nur

Kann ich nur zustimmen...! (so etwas war auch mit Chancen/Erwartungen an den...

Kann ich nur zustimmen...!
(so etwas war auch mit Chancen/Erwartungen an den Papstbesuch gemeint)

Wichtig festzuhalten ist es meiner Meinung nach, dass jeder einzelne Christ und jede noch so kleine Gemeinde Ökumene in ihrer konkreten Praxis leben und gegenseitig ermöglichen können - herzliche Einladung!

Verfasst von Steffen am 15. Juni 2011 - 19:01.

Danke für die tolle

Danke für die tolle Buchvorstellung!! :) Das Buch wird sofort...

Danke für die tolle Buchvorstellung!! :) Das Buch wird sofort bestellt!! 

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