Bundestagswahl - Die großen Parteien sind im zurückliegenden Wahlkampf nach Ansicht der katholischen Kirche viele Antworten schuldig geblieben. Die Bischöfe warnen vor falschen Versprechungen.
Trotz der gewaltigen Zukunftsaufgaben für die neue Bundesregierung sind die großen Parteien nach Ansicht der katholischen Kirche im Wahlkampf viele Antworten schuldig geblieben. Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) äußerte zwei Tage vor der Bundestagswahl Kritik und sieht keinen klaren Weg aus der Krise aufgezeigt. Zudem seien die Themen Bildung und Familie im Wahlkampf nicht ausreichend akzentuiert worden, sagte der DBK-Vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch am Freitag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda. Deutschland brauche eine Regierung, die sich stärker für den Schutz von Ehe und Familie einsetze. Bildung zu fördern, sei eine Investition in die Zukunft des Landes. Die Bischöfe erneuerten ihren Aufruf zum Urnengang. "Wichtig ist, zur Wahl zu gehen und zu zeigen, dass man mitgestalten will", so Zollitsch.
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Das drängendste Problem für die neue Regierung sei die Staatsverschuldung, unterstrich der Freiburger Erzbischof. Sie liege bei derzeit zwei Billionen Euro. "Vor allem mit Blick auf die nachkommenden Generationen sind die Belastungen ungerecht verteilt. Wir dürfen nicht zu Lasten derjenigen leben, die sich nicht dagegen wehren können." Es seien dringend Konzepte zum Schuldenabbau nötig, so Zollitsch. Er wies zugleich den Eindruck zurück, er habe Kritik an den Steuersenkungsankündigungen von Union und FDP geübt. Im Deutschlandfunk hatte sich der Geistliche vor einigen Tagen skeptisch gegenüber entsprechenden Wahlkampfaussagen gezeigt und die Parteien zu mehr Ehrlichkeit aufgerufen.
Bankern Grenzen setzen
Vom Weltfinanzgipfel in Pittsburgh erhoffen sich die Bischöfe zentrale Weichenstellungen für den globalen Finanzmarkt. "Das ganze Bankenwesen muss ein solides Fundament bekommen, Risikogeschäfte müssen eingedämmt werden", forderte der DBK-Vorsitzende. Es müssten konkrete Ziele vereinbart und Leitplanken gesetzt werden. Die Frage sei zu beantworten, "welche Grenzen es für Banken gibt und was sie dürfen», sagte Zollitsch und richtete den kritischen Blick auf die Bonus-Regelungen. Die finanziellen Belohnungen dürften nur für nachhaltiges Wirtschaften ausgeschüttet werden. "Es gibt auch Dinge, die man auf der Welt tut, die nicht gleich Geld bringen." Forderungen zu einer Obergrenze für Managergehälter erhoben die Bischöfe nicht.
Sorge bereitet der katholischen Kirche der Mitgliederschwund in den Gemeinden. 120.000 Menschen sind im Jahr 2008 ausgetreten. Ein Jahr zuvor waren es es nur etwas mehr als 93.000 gewesen. "Das ist schmerzlich für uns", bekannte Zollitsch. Mit der Abkehr habe jedoch auch die evangelische Kirche zu kämpfen. "Nicht, dass mich das freut oder uns entlastet. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem beider Kirchen", so Zollitsch, der eine intensive Ursachenforschung ankündigte. "Wir wollen sehen, wie wir wieder stärker auf die Menschen zugehen können und wie wir die Gründe für die Austritte in Erfahrung bringen können. Denn in der Regel erfahren wir sie nicht. Es sind nur wenige, mit denen wir deswegen ins Gespräch kommen."
Kontakt mit enttäuschten Mitgliedern
DBK-Sekretär Hans Langendörfer kündigte an, dass man den Kontakt mit enttäuschten Mitgliedern intensivieren müsse. Gründe für den Mitgliederschwund seien auch, dass die Menschen sich Institutionen nicht mehr so stark verbunden fühlten. Ein Problem sei ferner der demografische Wandel. Strukturelle Probleme bereiteten der Kirche die anhaltenden Personalsorgen. Der Priestermangel in der katholischen Kirche gefährdet in Zukunft die Besetzung jeder zweiten benötigten Stelle. Das sei mit Blick auf die leeren Priesterseminare vorhersehbar, sagte Zollitsch. Eine der sichtbarsten Folgen des Priestermangels ist die Fusion vieler Kirchengemeinden in den vergangenen Jahren. Als Resultat müssen die Pfarrer immer öfter immer mehr Gläubige betreuen.







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